Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Luisa Neubauer

In Deutschland ist sie eine der Hauptorganisatorinnen des von Greta Thunberg inspirierten Schulstreiks Fridays for Future („Klimastreik“). Sie tritt für eine …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Herkunft, Ausbildung und persönliche Prägung
  3. 3. Klimapolitisches Engagement
  4. 4. Positionen zur Klimapolitik
  5. 5. Kontroversen und weitere politische Stellungnahmen
  6. 6. Publikationen, Reaktionen und Auszeichnungen

Person und Bedeutung

Luisa-Marie Neubauer, geboren am 21. April 1996 in Hamburg, ist eine deutsche Klimaschutzaktivistin und Publizistin. Bekannt wurde sie vor allem als eine der wichtigsten Organisatorinnen von Fridays for Future in Deutschland, also der von Greta Thunberg inspirierten Schulstreikbewegung für Klimaschutz. In Medien wurde sie häufig als „das deutsche Gesicht“ oder Sprachrohr der Bewegung bezeichnet.

Ihr zentrales politisches Anliegen ist eine Klimapolitik, die mit dem Übereinkommen von Paris vereinbar ist. Dazu gehört für sie besonders das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und in Deutschland bis 2030 aus der Kohle auszusteigen. Sie verbindet Klimaschutz mit Fragen von Demokratie, Generationengerechtigkeit, sozialer Gerechtigkeit und globaler Verantwortung.

Neubauer ist Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und der Grünen Jugend, betonte aber 2019, Fridays for Future mache sich mit keiner Partei gemein. Neben ihrer Aktivistenrolle arbeitet sie publizistisch: Sie schrieb Bücher, Kolumnen und Gastbeiträge und moderiert seit November 2020 den Spotify-Podcast „1,5 Grad“.

Herkunft, Ausbildung und persönliche Prägung

Neubauer wuchs in Hamburg-Iserbrook als jüngstes von vier Geschwistern auf. Ihre Mutter Frauke Neubauer, geborene Reemtsma, ist Krankenschwester und leitete ein Altenpflegeheim. Neubauers Vater leitete dieses Heim bis zu seinem Tod im Jahr 2016 gemeinsam mit ihr. Die Mutter engagierte sich in der Anti-Atomkraft-Bewegung der 1980er Jahre und sensibilisierte Luisa Neubauer früh für Klimafragen.

Als wichtiges Vorbild nannte Neubauer 2020 ihre Großmutter Dagmar Reemtsma. Diese war als Aktivistin für Umwelt, Frieden und globale Gerechtigkeit tätig und organisierte seit den 1980er Jahren Demonstrationen gegen Kohle- und Atomkraftwerke. Auch Neubauers Cousine Carla Reemtsma nimmt bei Fridays for Future in Deutschland eine führende Rolle ein.

Neubauer wurde evangelisch getauft und konfirmiert; ihr gesellschaftspolitisches Engagement begann in der Kirche. Nach dem Abitur 2014 am Marion-Dönhoff-Gymnasium in Hamburg-Blankenese arbeitete sie nach eigenen Angaben in einem Entwicklungshilfeprojekt in Tansania und auf einem Biobauernhof in England. Ab dem Wintersemester 2015 studierte sie Geographie an der Georg-August-Universität Göttingen, absolvierte ein Auslandssemester am University College London und erhielt ein Deutschlandstipendium sowie ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung. Im Sommersemester 2020 schloss sie mit dem Bachelor of Science ab und begann anschließend den Masterstudiengang „Geographie: Ressourcenanalyse und -management“ in Göttingen. 2020 absolvierte sie außerdem das sechsmonatige Leadership Program der Obama Foundation.

Klimapolitisches Engagement

Neubauers öffentliches Wirken umfasst Arbeit in Nichtregierungsorganisationen, die Mitorganisation von Klimastreiks und politische Interventionen. Seit 2016 ist sie Jugendbotschafterin der entwicklungspolitischen Organisation ONE. Außerdem engagierte sie sich unter anderem für die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, 350.org, die Right Livelihood Award Foundation, Fossil Free und Das Hunger Projekt.

Mit anderen Studierenden erreichte sie durch die Kampagne „Divest! Zieht euer Geld ab!“, dass die Universität Göttingen künftig nicht mehr in Industrien investiert, die mit Kohle, Öl oder Gas Geld verdienen. 2018 nahm sie als eine von vier deutschen Delegierten am Weltjugendgipfel Y7 in Ottawa teil. Im Dezember 2018 war sie Jugenddelegierte beim Weltklimagipfel in Kattowitz und traf dort unter anderem Greta Thunberg.

Anfang 2019 wurde Neubauer als führende Aktivistin von Fridays for Future in Deutschland bekannt. Sie erklärte, die Schulstreiks seien nicht das eigentliche Ziel, sondern ein Mittel, um eine moderne politische Bewegung aufzubauen. Wichtiger seien Hintergrundarbeit, Strukturen, Veranstaltungen und Grundsatzdebatten. Im März 2019 gab es 250 Ortsgruppen in Deutschland.

2020 lehnte Neubauer ein von Joe Kaeser in Aussicht gestelltes Mandat bei Siemens Energy ab. Sie begründete dies damit, dass sie dann Unternehmensinteressen verpflichtet wäre und Siemens nicht mehr unabhängig kommentieren könnte. 2020 reichte sie mit Umweltverbänden und weiteren Klimaaktivisten Verfassungsbeschwerde gegen das Bundes-Klimaschutzgesetz ein. Das Bundesverfassungsgericht erklärte am 24. März 2021 Teile des Gesetzes, darunter Regelungen zu zulässigen Jahresemissionsmengen, für mit den Grundrechten unvereinbar. Die Beschwerde war damit teilweise erfolgreich.

Positionen zur Klimapolitik

Neubauer kritisierte wiederholt, dass deutsche Regierungen zu langsam gegen die Klimakrise handelten. In einem Streitgespräch mit dem damaligen Wirtschaftsminister Peter Altmaier sagte sie 2019, das deutsche CO2-Gesamtbudget zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels werde unter den damaligen Bedingungen bereits vor 2030 erschöpft. Weil frühere moderate Einsparungen versäumt worden seien, müssten die Emissionen nun nicht mehr um 4 Prozent, sondern um 18 Prozent pro Jahr sinken.

Sie betont die Dringlichkeit des Klimaschutzes. Ihre Generation sei stärker als frühere Generationen von den Folgen der globalen Erwärmung betroffen und zugleich die letzte, die die schlimmsten Auswirkungen noch abwenden könne. Für Neubauer hängen Demokratie, Wirtschaft und Freiheit von einem stabilen Planeten ab. Je langsamer Klimaschutz umgesetzt werde, desto größer würden spätere Schäden und Freiheitsbeschränkungen.

Klimaschutz soll nach Neubauers Verständnis sozial gerecht sein. Fridays for Future sei eine Bewegung für Klimagerechtigkeit, also für Klimaschutz, der soziale Ungleichheit berücksichtigt. Gleichzeitig kritisiert sie Stimmen, die soziale Fragen als Vorwand nutzten, um Klimaschutz ganz zu blockieren.

In der Verkehrspolitik hielt sie 2019 ein Verbot innerdeutscher Flüge unter der Bedingung eines ausgebauten Eisenbahnsystems für denkbar. Anfang 2023 sprach sie sich gegen weiteren Autobahnausbau aus und befürwortete ein Tempolimit. Sie kritisierte besonders Bundesverkehrsminister Volker Wissing und erklärte, im Verkehr müssten die Emissionen laut Klimaschutzgesetz 14-mal schneller sinken als bisher.

Zum Ukraine-Krieg warf Neubauer der Ampel-Koalition 2022 vor, statt einer schnellen Energiewende auf fossile Expansion und neue Abhängigkeiten zu setzen, etwa durch Gasdeals und geplante LNG-Terminals. Sie räumte ein, dass kurzfristig zusätzliche fossile Energiemengen nötig sein könnten, forderte aber, diese durch einen vorgezogenen Kohleausstieg wieder einzusparen. Gemeinsam mit Vanessa Nakate forderte sie 2023 zudem, Finanzströme weg von Kohle, Öl und Gas zu lenken. Sie verwiesen auf eine UN-Studie von 2021, nach der bis 2050 weltweit Klima-Investitionen von 125 Billionen US-Dollar nötig seien, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Kontroversen und weitere politische Stellungnahmen

Neubauer war mehrfach Gegenstand politischer Kontroversen. Wegen früherer Flugreisen wurde ihr Inkonsequenz vorgeworfen; Kritiker erklärten, ihr persönlicher CO2-Fußabdruck passe nicht zu ihrer Rolle als Klimaaktivistin. Unter dem Hashtag „#langstreckenluisa“ kam es zu hämischen Kommentaren. Neubauer antwortete, diese Kritik lenke von strukturellen politischen Fragen ab. Sie ernähre sich weitgehend vegan, fliege inzwischen seltener und kompensiere ihre Flüge; Geschwister in London besuche sie mittlerweile mit dem Zug.

Im Januar 2021 unterstützte Neubauer als Erstunterzeichnerin eine Zero-Covid-Politik, die SARS-CoV-2-Infektionen in Europa durch strikte Maßnahmen möglichst weit unterbinden wollte. Im Mai 2021 warf sie Hans-Georg Maaßen in einer Talkrunde vor, rassistische und antisemitische Inhalte zu verbreiten. Maaßen wies dies zurück; der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein kritisierte pauschale Vorwürfe ohne klare Belege. Andere Stimmen, darunter Stephan J. Kramer und Matthias Quent, sahen nach Analysen antisemitische Stereotype beziehungsweise ideengeschichtliche Nähe zu antisemitischen Weltbildern.

Ende Oktober 2023 distanzierte sich Neubauer im Namen von Fridays for Future Deutschland von antisemitischen Äußerungen auf internationalen Accounts der Bewegung. Sie erklärte: „Unsere volle Solidarität gilt den Jüdinnen und Juden weltweit, und wir verurteilen scharf den Terror der Hamas“. Das Existenzrecht Israels sei „nicht verhandelbar“. Zugleich sagte sie später, der deutsche FFF-Ableger habe palästinensisches Leid und Repressionen gegen Menschen, die sich für Menschenrechte in Palästina und Gaza eingesetzt hätten, nicht stark genug hervorgehoben.

2024 betonte Neubauer, Klimaschutz und Demokratie müssten zusammen gedacht werden. Bei Protesten gegen Rechtsextremismus prägte sie den Satz: „Demokratie hat man nicht. Demokratie lebt man.“ Sie verwies darauf, dass Fridays for Future Netzwerke geschaffen habe, die auch andere zivilgesellschaftliche Proteste ermöglichten, etwa Bündnisse mit der Gewerkschaft Verdi für Klimaschutz im Verkehr und bessere Bus- und Bahnanbindungen.

Publikationen, Reaktionen und Auszeichnungen

Neubauer veröffentlichte mehrere Bücher. 2019 erschien mit Alexander Repenning „Vom Ende der Klimakrise – Eine Geschichte unserer Zukunft“, das Ursachen und Zukunftsperspektiven der Klimakrise behandelt. 2021 veröffentlichte sie mit Bernd Ulrich „Noch haben wir die Wahl – Ein Gespräch über Freiheit, Ökologie und den Konflikt der Generationen“. 2022 folgte mit Dagmar Reemtsma „Gegen die Ohnmacht. Meine Großmutter, die Politik und ich“. Weitere Veröffentlichungen sind unter anderem „Der Klima-Atlas. 80 Karten für die Welt von morgen“ von 2024 und „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ von 2025.

Neben Büchern schrieb Neubauer von 2017 bis 2019 als ONE-Jugendbotschafterin für die deutsche Huffpost, veröffentlichte Gastbeiträge und hatte von September 2019 bis November 2020 eine Kolumne im Stern. Seit November 2020 moderiert sie den Podcast „1,5 Grad“, der 2021 mit dem Deutschen Podcastpreis in der Kategorie Bester Newcomerin ausgezeichnet wurde.

Neubauer ist auch Ziel von Anfeindungen. 2020 wurde der Schriftsteller Akif Pirinçci nach einer sexistischen Beleidigung auf Facebook zu einer Entschädigungszahlung von 6.000 Euro verurteilt; später ließ Neubauer wegen Nichtzahlung rund 10.000 Euro pfänden und spendete die Entschädigung an HateAid. Sie beschreibt Onlinehass, Morddrohungen und Stalking als gesellschaftliches Problem, weil dadurch zivilgesellschaftliches Engagement behindert werde.

Zu ihren Auszeichnungen gehören der Deutsche Solarpreis 2021 als Sonderpreis für persönliches Engagement, „Time 100 Next“ 2022, die Auszeichnung „Rede des Jahres 2022“ des Seminars für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen, der Ökumenische Predigtpreis 2023 in der Kategorie „Lebenswerk“, die Ehrung als Hamburger Ehren-Schleusenwärterin 2024 und die Albert-Schweitzer-Medaille 2025. 2023 stellte sie auf Einladung von Papst Franziskus in Rom das Apostolische Schreiben „Laudate Deum“ mit vor; 2026 würdigte Barack Obama sie anlässlich des Earth Day als Alumna seiner Obama Foundation.

Weiterlesen

Deutschland Deutschland (; Vollform des Staatsnamens: Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa. Es besteht aus 16 Ländern und ist als … Klimaschutz ↑ Global Carbon Project: Global CO2 pathways using Remaining Carbon Budgets. In: Figures from the Global Carbon Budget 2024. University of Exeter, 3 … Greta Thunberg Thunberg verteilt das Preisgeld von 25.000 Euro an vier Organisationen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen. August 2019: Ankündigung der … Fridays for Future Fridays for Future ist Teil der weltweiten Klimabewegung. Nach dem Vorbild der Initiatorin Greta Thunberg bestreiken Schüler freitags den Unterricht und gehen … Übereinkommen von Paris Das Übereinkommen von Paris trat am 4. November 2016 in Kraft, 30 Tage, nachdem 55 Staaten, die zudem mindestens 55 % der Emissionen verursachen, die … Bündnis 90/Die Grünen Politik in Bund, Land, Kommunen und EU ; Bundestagsfraktion · Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ; Europäisches Parlament und internationale Mitgliedschaften. Nichtregierungsorganisation Die Weltbank definiert NROs als private Organisationen, die durch ihre Aktivitäten versuchen, Leid zu mindern, die Interessen der Armen in der Öffentlichkeit zu … Zeit des Nationalsozialismus Die NS-Zeit begann am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht … Konzentrationslager Dieser Artikel behandelt das zwischen 1933 und 1945 entstandene und unterhaltene System der Konzentrationslager im Herrschaftsbereich des Deutschen Reiches. Kernkraftwerk Diese Energiedifferenz wird bei der Kernspaltung – hauptsächlich als Bewegungsenergie der Spaltprodukte – freigesetzt. Die Spaltprodukte werden von den Hüllen … Taufe Die Taufe, genannt auch Taufritus, ist ein christlicher Ritus, der seit der Zeit des Neuen Testaments besteht. Die Auffassungen über Voraussetzung, … Konfirmation Konfirmation (lateinisch confirmatio „Befestigung“, „Bekräftigung“, „Bestätigung“) ist ein feierliches öffentliches Glaubensbekenntnis gefolgt von einer …