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Fronde
Die Fronde war eine Reihe von Bürgerkriegen und politischen Aufständen in Frankreich, die zwischen 1648 und 1653 stattfanden. Die Fronde entstand als …
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Kern und Bedeutung
Die Fronde war eine Reihe von Bürgerkriegen und politischen Aufständen in Frankreich vom 13. Mai 1648 bis zum 3. August 1653. Sie entstand während der letzten Jahre des Dreißigjährigen Krieges aus Konflikten um höhere Steuern, Zentralisierung und die Einschränkung traditioneller Rechte. Betroffen waren verschiedene Gruppen: das Parlement von Paris, lokale Amtsträger, Teile der Bevölkerung und später vor allem der Hochadel. Der Konflikt endete mit einem Sieg der Krone.
Die Fronde ist wichtig, weil sie die königliche Autorität zunächst massiv herausforderte, am Ende aber stärkte. Bis 1653 wurden die Aufstände und der bewaffnete Widerstand niedergeschlagen. Die Ereignisse trugen dazu bei, dass unter Ludwig XIV. die absolute Monarchie endgültig etabliert wurde.
Ursachen
Frankreich befand sich seit Oktober 1635 zusammen mit Schweden im Krieg gegen den römisch-deutschen Kaiser und die katholische Liga; seit Mai führte es außerdem Krieg gegen Spanien. Die Kriegskosten stiegen stark: Die Ausgaben für den Krieg wuchsen von 17 Millionen Livres 1610 auf 39 Millionen 1635 und 44 Millionen Livres 1642. Die Taille, eine wichtige direkte Steuer, hatte sich bis 1636 gegenüber 1626 verdoppelt und bis 1639 einschließlich militärischer Zuschläge mehr als verdreifacht.
Ein weiterer Konfliktpunkt waren die Intendanten. Das waren Vertreter der Krone, die unabhängig von lokalen Beamten handelten und direkt dem König unterstanden. Dadurch konnte die königliche Regierung stärker in die Provinzen eingreifen. Adel und lokale Parlemente empfanden dies als Bedrohung ihrer Rechte und ihrer Mitsprache bei der Steuererhebung.
Der König brauchte für neue Steuern die Zustimmung des Parlements. Kardinal Richelieu hatte deshalb versucht, die Rechte des Parlements immer weiter einzuschränken. Nach Richelieus Tod am 4. Dezember 1642 wurde Kardinal Mazarin Erster Minister. Nach dem Tod Ludwigs XIII. übernahm Anna von Österreich die Regentschaft für den minderjährigen Ludwig XIV. Mazarin gewann ihr Vertrauen und setzte die Außenpolitik gegen das Reich und Spanien fort, musste sich aber zugleich mit Steueraufständen und wachsendem Widerstand der Parlements befassen.
Beginn der Krise
Anfang 1648 sollten neue Steuermaßnahmen registriert werden, darunter die Ausweitung des Ämterkaufs sowie die Erhöhung des Franc-fief und der Censive-Abgaben. Mazarin berief am 15. Januar 1648 ein Lit de justice ein. Ein Lit de justice war eine feierliche Sitzung unter Leitung des Königs, in der ein Parlement zur Registrierung königlicher Beschlüsse gezwungen werden konnte. Vertreter des Parlements, darunter der Generaladvokat Omer Talon, kritisierten die Regierung scharf. Sie beanstandeten besonders die Anwendung des Lit de justice während der Minderjährigkeit des Königs und die wirtschaftlichen Folgen der Steuerlast.
Ein zentraler Streitpunkt war die Paulette. Diese Abgabe sicherte Richtern die Erblichkeit ihrer Ämter und damit Besitz und sozialen Rang in der Noblesse de Robe, dem Amtsadel. Mazarin versuchte, die Erneuerung dieses Privilegs politisch zu nutzen, indem er von mehreren Gerichtshöfen den Verzicht auf vier Jahresgehälter verlangte. Das Parlement von Paris sollte davon ausgenommen werden, doch die Richter werteten dies als Versuch, die Gerichte gegeneinander auszuspielen.
Am 13. Mai 1648 beschlossen die Höfe, Vertreter in die Chambre de Saint-Louis zu entsenden. Dort sollten unter anderem Mazarins Stellung als ausländischer Erster Minister und die Finanzpolitik geprüft werden. Zwischen dem 30. Juni und dem 9. Juli verabschiedete das Parlement 27 Artikel. Gefordert wurden unter anderem die Abschaffung der Intendanten, die strafrechtliche Verfolgung von Steuerpächtern und Finanziers, das Habeas-Corpus-Prinzip als Schutz vor willkürlicher Haft sowie Kontrolle über die Finanzen der Monarchie.
Konflikt mit dem Parlement
Die Fronde parlementaire war die erste Hauptphase der Fronde. Nach einem französischen Sieg über die Spanier unter Condé am 20. August 1648 sah Anna von Österreich eine Gelegenheit, gegen das Parlement vorzugehen. Am 26. August wurden René Potier de Blancmesnil, Nicolas Charton und Pierre Broussel verhaftet. Besonders Broussels Verhaftung löste in Paris Unruhen aus. Auf Druck der Bevölkerung und nach Vermittlung Mazarins stimmte die Regentin seiner Freilassung zu.
Im Herbst 1648 verlangte das Parlement weitreichende Garantien gegen absolutistische Praktiken wie die Lettres de Cachet, also königliche Haftbefehle ohne ordentliches Verfahren. Am 24. Oktober 1648 wurden Reformzugeständnisse besiegelt, darunter Steuererleichterungen und Schutz vor willkürlichen Verhaftungen. Mazarin riet jedoch dazu, diese Zugeständnisse taktisch zu nutzen, um Zeit zu gewinnen.
In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1649 floh die königliche Familie heimlich nach Saint-Germain. Damit begann der offene Bürgerkrieg und die Belagerung von Paris. Condé und der Herzog von Orléans blieben der Regentin treu, während andere Adelige das Parlement unterstützten. Die Kämpfe führten auch in der Normandie, der Provence, Anjou, Maine und Poitou zu Unruhen. Am 12. März 1649 wurde der Vertrag von Rueil geschlossen. Er bestätigte das Edikt vom Oktober 1648 und gewährte den Beteiligten des Aufstands Straffreiheit.
Aufstand der Prinzen
Die zweite Hauptphase war die Fronde des Princes. Auslöser waren die wachsenden Forderungen Louis’ II. de Bourbon, prince de Condé. Obwohl er die Krone in der ersten Phase militärisch unterstützt hatte, verlangte er großen Einfluss auf Personal- und Regierungsentscheidungen. Er wollte für sein Haus und seine Anhänger weitgehende Autonomie sichern. Unter anderem forderte er das Amt der Admiralität und die Kontrolle über die Festung Pont-de-l’Arche.
Am 18. Januar 1650 ließ Mazarin Condé, dessen Bruder Armand de Bourbon, prince de Conti, und den Duc de Longueville verhaften. Danach verlagerte sich der Konflikt in die Provinzen, unter anderem nach Normandie, Berry, Bourbonnais und Guyenne. In Lothringen verband sich Marschall Turenne mit Leopold Wilhelm von Österreich. Auf königlicher Seite gab es zugleich militärische Erfolge: Bordeaux ergab sich am 29. September 1650, und am 15. Dezember 1650 siegten königliche Truppen in der Schlacht von Rethel über ein spanisch-frondistisches Heer.
Trotz dieser Siege wuchs in Paris der Widerstand gegen Mazarin. Das Parlement verlangte die Freilassung der Prinzen und Mazarins Verbannung. Anna von Österreich gab nach: Am 10. Februar 1651 wurden Befehle zur Freilassung erteilt, und am 16. Februar zog Condé unter Jubel in Paris ein. Der Konflikt eskalierte später erneut. Condé siegte am 1. April 1652 bei Bléneau über Marschall d’Hocquincourt. Am 4. Mai 1652 kam es zur Schlacht von Étampes, am 2. Juli 1652 zur Schlacht im Faubourg Saint-Antoine. Militärisch endete die Fronde im Juli 1653 mit der zweiten Belagerung von Bordeaux; der organisierte bewaffnete Widerstand des Adels war damit gebrochen.
Folgen für Frankreich
Das Scheitern der Fronde diskreditierte in Frankreich die Vorstellung einer parlamentarischen Monarchie nach englischem Vorbild. Das monarchische Prinzip wurde gestärkt. Mazarin suchte nach dem Konflikt keine Vergeltung, sondern nutzte die Lage zum Wiederaufbau königlicher Macht. Dabei umging er große Adelsfamilien und stützte sich stärker auf Angehörige des niederen Adels und der Bourgeoisie als Amtsträger. So wurde die soziale Basis der Monarchie erweitert und die Verwaltung gefestigt.
Für Ludwig XIV. entstand schon in seiner Jugend ein Machtfundament, das auf Herrscherkult und symbolischer Selbstdarstellung des Königtums beruhte. Nach Mazarins Tod erklärte Ludwig, keinen Ersten Minister mehr zu akzeptieren und selbst die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Damit wurde die absolute Monarchie endgültig etabliert.
Die sozialen und finanziellen Probleme verschwanden jedoch nicht. Das Steuersystem blieb ungerecht, Ämter wurden weiterhin verkauft, und die Lasten der Staatsverschuldung wurden vor allem auf die breite Bevölkerung, besonders auf die Bauern, abgewälzt. Die politischen und gesellschaftlichen Spannungen bestanden fort, aber die Monarchie hatte nun stärkere Mittel, sie zu kontrollieren und zu verwalten.