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Logienquelle Q
Dennoch ist die Zweiquellen-Theorie (Synoptisches Problem) umstritten. Ferner werden gegen die Zwei-Quellen-Theorie vor allem drei Sachverhalte geltend gemacht:.
Inhalt6 Abschnitte
Grundidee und Bedeutung
Die Logienquelle Q ist ein hypothetischer Text, der nach der Zweiquellentheorie den Autoren des Matthäus- und des Lukasevangeliums neben dem Markusevangelium als zweite Quelle vorgelegen haben soll. „Logion“ bedeutet „Spruch“; gemeint ist also eine Rede- oder Spruchquelle. Q soll vor allem Aussprüche Jesu enthalten haben, wahrscheinlich in griechischer Sprache. Eigenständige Abschriften oder Teilabschriften von Q sind nicht bekannt.
Die Zweiquellentheorie erklärt Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei synoptischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas. Nach ihr ist das Markusevangelium das älteste dieser Evangelien. Es soll Matthäus und Lukas als erste Quelle gedient haben. Die zweite Quelle wäre Q: eine aus den Gemeinsamkeiten von Matthäus und Lukas rekonstruierte Sammlung von Jesusworten, die nicht aus Markus stammen.
Die Bedeutung von Q liegt darin, dass sie, falls sie existierte, eine sehr frühe Überlieferung über Jesus darstellen würde. Sie wird mit der Jesus-Bewegung in und um Galiläa verbunden und soll besonders für die Entstehung der Evangelien nach Matthäus und Lukas wichtig gewesen sein.
Begründung der Hypothese
Ein wichtiges Argument für Q ist der Vergleich der synoptischen Evangelien. Das Markusevangelium ist mit 661 Versen das kürzeste; Matthäus hat 1068 Verse, Lukas 1149 Verse. Von den 661 Markus-Versen finden sich 660 bei Matthäus und 350 bei Lukas. Zusätzlich haben Matthäus und Lukas etwa 235 parallele Verse, die nicht aus Markus stammen. Daraus wird geschlossen, dass beide neben Markus eine weitere gemeinsame Quelle benutzt haben könnten.
Auffällig ist auch, dass sich die Vorgeschichten bei Matthäus und Lukas stark unterscheiden, sich aber dort wieder berühren, wo Markus mit Johannes dem Täufer beginnt. Außerdem gibt es Sondergut: 233 Verse finden sich nur bei Matthäus, 564 nur bei Lukas. Doppelüberlieferungen sind Texte, die bei Matthäus und Lukas vorkommen, aber in abweichender Form. Sie können darauf hinweisen, dass verschiedene Traditionen einer Begebenheit im Umlauf waren. Dubletten sind dagegen Texte, die ein Evangelist innerhalb seines eigenen Evangeliums zweimal bringt.
In der Forschung wird diskutiert, ob Q sogar vor Markus entstanden sein könnte und ob ihre frühen Teile in Galiläa zusammengestellt wurden. Sicher im Sinn der Hypothese ist nur: Q wird nicht direkt überliefert, sondern aus Textvergleichen rekonstruiert.
Entstehung und Überlieferung
Als Entstehungszeit der Logienquelle werden verschiedene Zeiträume genannt: etwa die 40er Jahre bis ungefähr 70 n. Chr.; an anderer Stelle wird eine Entstehung zwischen 40 und 60 n. Chr. angegeben. Als Entstehungsraum gelten häufig das ländliche Galiläa und angrenzende Gebiete; außerdem wird die Region Syria Palaestina/Syria genannt. Als Trägergruppen werden Wanderprediger, „Wanderradikale“ und „Dorfschreiber“ im Umfeld der frühen Jesus-Bewegung vermutet. Die Quelle könnte für katechetischen Gebrauch, also für Unterricht und Unterweisung in frühchristlichen Gemeinden, entstanden sein.
Ob Q ursprünglich aramäisch oder griechisch abgefasst war, ist strittig. Sprachuntersuchungen deuten darauf hin, dass manche Satzkonstruktionen in Q nur im Altgriechischen möglich waren, nicht aber im in Galiläa verbreiteten Aramäischen. Das spricht gegen eine aramäische Grundfassung und damit gegen eine direkte wörtliche Überlieferung der Worte Jesu, dessen Muttersprache wahrscheinlich Aramäisch war.
Dass Q nicht als eigenständige Schrift erhalten ist, erklären Befürworter damit, dass sie ihre selbstständige Bedeutung verlor, nachdem ihre Inhalte in Matthäus und Lukas eingegangen waren. Zudem könnten Trägergemeinden in Galiläa durch den Jüdischen Krieg von 66 bis 70 n. Chr. ihre Heimat verloren haben und später in verwandten Gemeinden des Matthäusevangeliums aufgegangen sein. Kritiker ziehen dagegen die einfachere Erklärung vor, dass es Q nie gegeben habe. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass viele antike Schriften verloren sind und aus anderen Texten rekonstruiert werden können.
Inhalt und Aufbau
Die rekonstruierte Logienquelle enthält überwiegend Redestoff Jesu und nur wenige Erzählungen. Ein Passionsbericht und ein Auferstehungsbericht fehlen. Deshalb wurde Q auch als unvollständiges Evangelium angesehen. Jesus erscheint in Q vor allem als Menschensohn. Zu den wenigen erzählenden Stücken gehören zum Beispiel die Versuchung Jesu und der Hauptmann von Kafarnaum.
Nach Rekonstruktionen umfasst Q Themen wie Johannes den Täufer und Jesus, Jesu programmatische Rede, radikale Nachfolge, Missionsinstruktionen, das Gebet der Jünger, Konflikte mit Gegnern, Gerichtsworte, die Königsherrschaft Gottes und Erwartungen an das Kommen des Menschensohns. Die Gliederung nach Paul Hoffmann und Christoph Heil (2002) nennt unter anderem Abschnitte wie „Johannes der Täufer und Jesus“ (Q 3,2–7,35), „Die Boten des Menschensohns“ (Q 9,57–11,13), „Jesus im Konflikt mit dieser Generation“ (Q 11,14–52), „Die Jünger in Erwartung des Menschensohns“ (Q 12,2–13,21), „Die Krisis Israels“ (Q 13,24–14,23), „Die Jünger in der Nachfolge Jesu“ (Q 14,26–17,21) und „Das Ende“ (Q 17,23–22,30).
Inhaltlich werden einfache Lebensregeln, Weisheitsworte, Gerichtsworte und apokalyptische Erwartungen verbunden. „Apokalyptisch“ meint hier Vorstellungen vom Ende der Zeit und vom göttlichen Gericht.
Forschungsgeschichte und Rekonstruktion
Die Forschung zu Q entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert. Friedrich Schleiermacher folgerte 1832 aus der Papiasnotiz, es müsse eine aramäische Spruchsammlung als Ursprungsquelle des Matthäusevangeliums gegeben haben. Christian Hermann Weisse vermutete 1838 als Erster, dass Matthäus und Lukas für gemeinsame, nicht von Markus abhängige Abschnitte eine zweite Quelle neben Markus benutzt hätten. Die Abkürzung „Q“ begegnet erstmals 1890 bei Johannes Weiß und wurde 1899 von Paul Wernle programmatisch eingeführt.
Heinrich Holtzmann verhalf der Zweiquellentheorie 1863 zum wissenschaftlichen Durchbruch. Adolf von Harnack veröffentlichte 1907 erstmals eine vollständige Rekonstruktion der Logienquelle. Ab 1989 beziehungsweise 1993 entstand um James M. Robinson, Paul Hoffmann und John S. Kloppenborg das Internationale Q-Projekt. Ziel war eine möglichst detaillierte und sprachlich begründete Standardrekonstruktion des Spruchevangeliums. Der rekonstruierte griechische Text wurde 1990 bis 1995 und 1997 im Journal of Biblical Literature veröffentlicht; 2000 erschien eine kritische Ausgabe.
Bei der Rekonstruktion werden vor allem gemeinsame Textpassagen von Matthäus und Lukas verwendet, die nicht in Markus vorkommen. Teilweise werden auch Doppelüberlieferungen, Dubletten, Parallelen aus Markus, dem Thomasevangelium und gelegentlich aus der Septuaginta herangezogen.
Modelle und Kritik
Die Entstehung von Q wird unterschiedlich erklärt. In der literarkritischen und historisch-kritischen Forschung wird gefragt, ob Q in mehreren Schichten gewachsen ist. John S. Kloppenborg und Burton L. Mack unterscheiden drei Schichten: Q¹ als früheste Schicht mit Weisheitsreden Jesu und einer radikalen Ethik, etwa in Armut zu leben, ohne Gegenleistung zu geben, Feinde zu lieben, nicht zu richten und sich nicht zu sorgen; Q² mit prophetisch-apokalyptischem Material, Gerichtserwartungen und Kritik an Gruppen wie Pharisäern und Schriftgelehrten; Q³ als spätere Ergänzung, nach Mack möglicherweise nach dem römisch-jüdischen Krieg von 66 bis 73 n. Chr., mit einem biografischen Teil zur Versuchung Jesu.
Andere Modelle unterscheiden mündliche und schriftliche Prozesse. Das Modell der Oral Performance versteht Q als Ergebnis fortlaufender mündlicher Überlieferung, die auch bereits teilweise schriftlich fixierte Texte weiter veränderte. Die Kompositionsgeschichte erklärt Q als organisch gewachsenen Text in mehreren Stufen. Weitere Forscher wie Dieter Lührmann, Siegfried Schulz und Migaku Sato beschreiben ebenfalls verschiedene Entwicklungs- und Redaktionsphasen.
Die Zweiquellentheorie bleibt umstritten. Gegen sie werden besonders drei Probleme genannt: das Markus-Sondergut, die „lukanische Lücke“ und die „minor agreements“, also kleinere Übereinstimmungen zwischen Matthäus und Lukas gegen Markus. Günther Schwarz versuchte, Q ins Aramäische zurückzuübersetzen, weil er eine aramäische Sammlung von Johannes- und Jesusworten annahm. Seine weitreichenden Schlussfolgerungen werden in Bibelexegese und Bibelphilologie jedoch kaum rezipiert.
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