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Liste lateinischer Phrasen/R
Rebus. Bearbeiten. Rebus „durch Dinge“ – Bilderrätsel – die Lösung muss durch die dargestellten Dinge erraten werden. ... Deutsch: „Die Katze im Sack kaufen“.
Inhalt4 Abschnitte
Seltenheit, Vernunft und Beweisführung
Die Phrasen dieses Abschnitts beschreiben zunächst Seltenheit, Wert und vernünftige Beurteilung. Rara avis bedeutet „seltener Vogel“ und bezeichnet etwas Ungewöhnliches oder Besonderes; im Deutschen entspricht dem auch „bunter Vogel“. Die Wendung stammt aus Juvenals Saturae (6,165): „rara avis in terris nigroque simillima cycno“ („ein seltener Vogel auf Erden und ganz wie ein schwarzer Schwan“). Angeblich bezog sie sich ursprünglich nach Herodot auf den Phönix, der nach den Heliopolitanern alle 500 Jahre erschien. Bei Horaz ist der seltene Vogel ein gebratener Pfau, dessen Seltenheit und teurer Preis kritisiert werden.
Weitere Wendungen lauten: Rara iuvant („Seltenes gefällt.“), bei Martial, Epigrammata 4,29,5; Rara sunt cara („Seltenes ist teuer“ beziehungsweise „Seltenes ist wertvoll“); Rari quippe boni („Selten freilich sind gute [Menschen].“), aus Juvenals Saturae; und Rarum esse oportet, quod diu carum velis („Was lange wertvoll sein soll, muss auch selten sein.“) von Publilius Syrus. Rara temporum felicitas, ubi quae velis sentire et quae sentias dicere licet bedeutet „Seltenes Glück der Zeiten, wo du denken darfst, was du willst, und sagen, was du denkst!“ Die Formel geht auf Tacitus, Historien I,1, zurück und war das Motto von David Humes A Treatise of Human Nature.
Ratio bezeichnet den Grund oder die vernünftige Erwägung. Ratio decidendi ist der „eigentlich tragende Grund einer (Gerichts-)Entscheidung“, ratio essendi der „Seinsgrund“, ratio cognoscendi der „Erkenntnisgrund“ und ratio legis der „Sinn des Gesetzes“. Ratio fatum vincere nulla potest heißt bei Ovid, Tristia 3.6.18: „Keine Vernunft kann das Schicksal besiegen.“ Ratio praeteriti scire futura facit bedeutet: „Die Erwägung der Vergangenheit lässt die Zukunft erkennen.“
Rebus („durch Dinge“) bezeichnet ein Bilderrätsel, bei dem die Lösung aus den dargestellten Dingen erraten werden muss. Rebus sic stantibus bedeutet „wenn die Dinge so bleiben“ oder „solange die Dinge unverändert bleiben“. Als clausula rebus sic stantibus ist es ein Vorbehalt der Änderung eines Vertrages, wenn veränderte Umstände die Einhaltung unzumutbar machen.
Recte heißt „richtig, richtigerweise“ und leitet mit Doppelpunkt häufig eine Richtigstellung ein, etwa bei Euphemismen oder Falschbezeichnungen. Recte faciendo neminem timeas („Tue recht und scheue niemand.“) war die Münzinschrift auf dem Wahrheitstaler von 1597/1598. Recte facti fecisse merces bedeutet bei Seneca, Epistulae morales 81,19: „Der Lohn für die richtige Tat ist, sie getan zu haben.“
Reductio ad absurdum („Rückführung ins Absurde“) ist eine Beweistechnik, bei der eine These widerlegt wird, indem man zeigt, dass ihre Konsequenzen unsinnig sind; sie wird häufig in Mathematik und Philosophie verwendet. Reductio ad Hitlerum („Rückführung auf Hitler“) bezeichnet nach Leo Strauss ein Scheinargument: Aus „Hitler war A“ wird geschlossen, dass A schlecht sei. Es ist eine Variante des Argumentum ad hominem.
Redire in viam bedeutet „auf den [rechten] Weg zurückkehren“. Redeo […] inhumanior, quia inter homines fui („Ich kehre […] unmenschlicher zurück, weil ich unter Menschen war.“) stammt aus Senecas Epistulae morales 7,3. Reformatio in peius („Veränderung zum Schlechteren“) bezeichnet das Verbot, dass jemand in der nächsten Instanz schwerer verurteilt wird, wenn nur er selbst, nicht der Ankläger, Berufung oder Revision eingelegt hat.
Herrschaft, Recht und Gemeinwesen
Regina regit colorem („Die Dame führt die Farbe [des Feldes].“) ist eine Schachregel zur Anfangsposition: „schwarze Dame, schwarzes Feld – weiße Dame, weißes Feld“. Regina caeli („Himmelskönigin“) ist eine marianische Antiphon, die in der Osterzeit gesungen wird. Ihr Anfang lautet: „Regina caeli, laetare, alleluia.“ Sie preist die Auferstehung dessen, den Maria zu tragen würdig war: „Resurrexit, sicut dixit, alleluia.“
Regnat populus („Das Volk herrscht.“) ist das Motto des US-Bundesstaates Arkansas. Regnum Christi bedeutet „Reich Christi“ und bezeichnet eine apostolische Bewegung in der katholischen Kirche. Regnum meum non est de mundo hoc („Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“) wird im Evangelium nach Johannes 18,36 Jesus zugeschrieben. Regnum tuum („Dein Reich“) meint im Vaterunser das Reich Gottes: „Adveniat regnum tuum.“ („Dein Reich komme.“)
Relata refero („Ich berichte Berichtetes.“) kennzeichnet eine Aussage, die nur durch Hörensagen bekannt ist und nicht aus eigener Erfahrung stammt. Die Formel wird Herodots Historien zugeordnet; im Griechischen lautet sie λέγειν τὰ λεγόμενα (legein ta legomena).
Im rechtlichen und praktischen Sprachgebrauch bedeutet res accessoria „Nebensache“, also eine Sache, die zu einer Hauptsache in einem untergeordneten Verhältnis steht. Res inter alios acta („eine zwischen Anderen ausgeführte Sache“) ist der Rechtsgrundsatz, dass das Handeln anderer Personen einen weder berechtigt noch verpflichtet. Res iudicata („Eine beurteilte Sache“) ist etwas, das bereits gerichtlich entschieden wurde und deshalb nicht erneut diskutiert werden soll. Res nullius heißt „niemandes Gut“ oder herrenloses Gut. Res ipsa loquitur bedeutet „Die Sache spricht für sich selbst.“ Res non verba steht für „Taten statt Worte“ und fordert, Menschen eher nach ihren Handlungen als nach ihren Worten zu beurteilen.
Res ad triarios venit („Die Sache kommt zu den Triariern.“) spielt auf die erfahrensten Kämpfer und letzten Reserven der römischen Legion an. Res involutam emere („eine eingewickelte Sache kaufen“) entspricht „Die Katze im Sack kaufen“. Rem acu tetigisti („Du hast die Sache mit der Nadel berührt.“) aus Plautus’ Rudens 1306 bedeutet „Du hast es genau getroffen“ oder „Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen“. Rem tene, verba sequentur („Halte dich an die Sache, die Worte werden dann schon folgen.“) wird Marcus Porcius Cato zugeschrieben.
Res publica („öffentliche Sache“) bedeutet Staat oder Gemeinwesen. Ciceros klassische Definition lautet: „Est igitur res publica res populi, populus autem non omnis hominum coetus quoquo modo congregatus, sed coetus multitudinis iuris consensu et utilitatis communione sociatus.“ Das heißt: „Es ist also das Gemeinwesen die Sache des Volkes, Volk ist aber nicht jede Vereinigung von Menschen, die auf irgendeine Weise zusammengewürfelt wurde, sondern die Vereinigung einer Menge, die sich aufgrund einer Übereinstimmung des Rechts und einer Gemeinsamkeit des Nutzens verbunden hat.“ Davon ist Republik abgeleitet; die lateinische Bezeichnung für Freistaat lautet libera res publica.
Reservatio mentalis („gedachter Vorbehalt“) ist ein unausgesprochener innerer Vorbehalt gegen einen Eid. Respice finem („Bedenke das Ende.“) ist die Kurzform von „Quidquid agis, prudenter agas et respice finem“. Respice post te, hominem te esse memento („Schau hinter dich; bedenke, dass du ein Mensch bist!“) soll nach Tertullian ein Staatssklave dem Triumphator während eines römischen Triumphzugs ins Ohr geflüstert haben. Rex datur propter regnum, non regnum propter regem bedeutet „Der König ist für das Königreich da, nicht das Königreich für den König.“ Rex legibus absolutus est heißt „Der König ist frei vom Gesetz“. Rex regnat, sed non gubernat („Der König herrscht, aber er regiert nicht.“) bezeichnet ein Regierungssystem, in dem der König Herrscher ist, während die Minister das konkrete Regieren übernehmen.
Lernen, Tod und Lachen
Repetitio est mater studiorum bedeutet „Wiederholung ist die Mutter der Studien“ und verweist auf Wiederholung als Lernmethode.
Requiem aeternam dona eis, Domine („Ewige Ruhe schenke ihnen, o Herr!“) ist der Anfang des Introitus einer Messfeier für Verstorbene. Requiem bezeichnet sowohl den katholischen Ritus der Begräbnismesse, auch Missa pro defunctis genannt, als auch kirchenmusikalische Kompositionen zum Totengedenken. Der vollständige Anfangsvers lautet: „Requiem aeternam dona eis, Domine, et lux perpetua luceat eis.“ („Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen.“) Requiescat in pace, meist als R. I. P. abgekürzt, bedeutet „Er/sie ruhe in Frieden.“ Der Totensegen steht oft auf Grabsteinen. Als Ursprung wird meist Psalm 4,9 in der lateinischen Vulgata angegeben: „in pace in idipsum dormiam et requiescam“ („In Frieden will ich beides, mich niederlegen und schlafen“).
Rerum cognoscere causas („Die Ursachen der Dinge erkennen“ oder „den Dingen auf den Grund gehen“) stammt aus Vergils Georgica 2,490 und ist seit 1946 das Motto der Berliner Tageszeitung Tagesspiegel. Rerum vera vocabula bedeutet „die wahren Bezeichnungen der Dinge“. Rigor mortis ist die „Totenstarre“, die nach dem Tod (post mortem) durch Erstarrung der Muskulatur eintritt. Ein Rigorosum („Das Strenge“) ist eine Form der mündlichen Promotionsprüfung und geht auf examen rigorosum („strenge Prüfung“) zurück.
Ridendo corrigo mores heißt „Durch Lachen berichtige ich die Sitten.“ Ridentem dicere verum („Lachend die Wahrheit sagen.“) stammt aus Horaz, Satirae 1,1,24. Im vollständigen Zusammenhang fragt Horaz: „ridentem dicere verum quid vetat?“ („Die Wahrheit lachend vorzutragen – was spricht dagegen?“). Er begründet damit eine satirische Dichtung, die allgemein menschliches Fehlverhalten karikiert, ohne einzelne Personen bloßzustellen. Die verkürzte Variante lautet ridendo dicere verum. Rideo Quia Papa Sum („Ich lache, weil ich der Papst bin.“) ist eine bereits im 17. Jahrhundert bekannte Verballhornung des rückwärts gelesenen S. P. Q. R.; die Anfangsbuchstaben ergeben RQPS.
Risum teneatis, amici („Könntet ihr euch des Lachens erwehren, Freunde?“) stammt aus Horaz, Ars poetica 5, und wird bei absurden Vorstellungen oder im Sinn von „Hütet euch zu lachen!“ verwendet. Risus augurum („das Lachen/Lächeln der Auguren“) geht auf einen Ausspruch Catos des Älteren zurück, der sich nach Cicero, De divinatione 2,24,51, wunderte, dass ein Wahrsagepriester nicht lache, wenn er einen anderen Wahrsagepriester sehe. Risus Chius bezeichnet das den Bewohnern von Chios unterstellte leichtsinnige und mutwillige Lachen, Risus Ionicus das Lachen von Weichlingen und Vergnügungssüchtigen in Ionien und Risus Megaricus die Scherzreden der Megarer, die angeblich eher einen Freund als einen Witz opferten.
Risus paschalis („Osterlachen“) war ein mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Brauch, bei dem Prediger ihr Publikum nach der Fastenzeit zum Lachen brachten. Reformatoren und Aufklärer sowie später die Kirche selbst bekämpften ihn wegen allzu deftiger Späße; im 18./19. Jahrhundert kam er außer Gebrauch. Risus Sardonicus („Sardonisches Lachen“) bezeichnete ursprünglich ein Lachen bei großem Unglück oder bei Freveltaten. Heute meint es krampfartig verzerrte, scheinbar lachende Gesichtszüge als Symptom bei Tetanus (Wundstarrkrampf) oder Strychnin-Vergiftungen.
Rom, Sprichwörter und weitere Bilder
Rixantur de lana caprina bedeutet „Sie streiten sich um Ziegenwolle“ und bezeichnet einen Streit über etwas Sinnloses; vergleichbar ist „um des Kaisers Bart streiten“.
Roma aeterna („das ewige Rom“) ist die älteste nachweisbare Bezeichnung Roms als Ewige Stadt und geht auf Tibull, Elegiae 2,5,23–24, zurück. Roma caput mundi regit orbis frena rotundi („Rom, die Hauptstadt der Welt, lenkt die Zügel des Erdkreises.“) ist ein leoninischer Hexameter auf vielen Rombildsiegeln. Roma locuta, causa finita („Rom hat gesprochen, der Fall ist beendet.“) unterstreicht die Endgültigkeit einer Entscheidung in der römisch-katholischen Kirche. Die prägnante Formel entstand erst im 18. Jahrhundert; Augustinus hatte zwar „Causa finita est“ („Der Fall ist erledigt“) geschrieben, aber nicht die spätere Gesamtformel. Roma uno die non est condita („Rom wurde [auch] nicht an einem Tage erbaut.“) stammt aus Li Proverbe au Vilain, circa 1190. Tacitus’ Satz Romam cuncta undique atrocia atque pudenda confluunt celebranturque bedeutet: „Nach Rom fließt von überall her alles Schreckliche und Schändliche zusammen und wird gefeiert.“
Romani ite domum („Römer, geht nach Hause!“) ist eine Szene aus Monty Pythons Film Das Leben des Brian. Brian muss den Satz einhundertmal an eine Wand schreiben, nachdem er das fehlerhafte „Romanes eunt domus“ verwendet hatte. Romanes ist dabei ein falscher Plural für „Römer“; im englischen Original wird der fehlerhafte Satz als “People called Romanes they go the house.” wiedergegeben, in der deutschen Synchronisation als „Menschen, genannt Romanes, gehen das Haus.“ Romanus sedendo vincit („Der Römer siegt im Sitzen.“) stammt aus Varros Res rusticae 1,2,2.
Rorate bedeutet „Tauet!“ und bezeichnet Advents-Morgenmessen nach dem Anfang des Eröffnungsverses: „Rorate caeli desuper et nubes pluant iustum“ (Jesaja 45,8 [VUL, EU] – „Tauet, ihr Himmel, von oben den Gerechten [Singular] und, ihr Wolken, regnet ihn herab!“). Mit „Tauet, Himmel, den Gerechten“ beginnt eine häufig gesungene Nachdichtung. Rore vivit sicut cicada heißt „Er lebt vom Tau wie die Zikade“ und beruht auf der antiken Meinung, Zikaden lebten von Tau. Rosa de spinis floret („Eine Rose blüht zwischen Dornen.“) stammt aus den Schriften des Kirchenlehrers Hieronymus. Rosa rubicundior („Röter als die Rose“) steht in den Carmina Burana 174, Veni, veni, venias, und wird in Carl Orffs Vertonung als Nummer 20 verwendet.
Ruinis imminentibus musculi praemigrant („Bei drohendem Einsturz wandern als Erste die Mäuschen weg.“) stammt aus Plinius’ Naturalis Historia 8,103 und entspricht „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“. Rumores fuge („Meide Gerüchte!“) aus den Disticha Catonis 1,12 warnt davor, durch das Weitertragen von Gerüchten für ihren Urheber gehalten zu werden: „nam nulli tacuisse nocet, nocet esse locutum“ („denn es schadet keinem, geschwiegen zu haben; es schadet, gesprochen zu haben.“)
Rus in urbe („Land in der Stadt“) bezeichnet nach Martial, Epigrammata 12,57,21, ein ruhiges und idyllisches Wohnen innerhalb der Stadt. Als Beispiel nennt der Artikel das sogenannte „Haus des Octavius Quartio“ (II 2.2) in Pompeji. Rustica gens semper sequitur sua iura libenter („Das bäuerliche Geschlecht folgt gern seinen eigenen Gesetzen.“) ist ein Sprichwort in Form eines Hexameters.