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Doppelpunkt
Der Doppelpunkt : (auch das Kolon, altgriechisch für „Glied eines Satzes“) ist ein Satzzeichen, das vor einer Aufzählung, einem Zitat oder einer wörtlichen …
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Grundbedeutung und allgemeine Verwendung
Der Doppelpunkt „:“ ist ein Satzzeichen und wird auch Kolon genannt. Er steht vor allem vor einer Aufzählung, einem Zitat oder einer wörtlichen Rede. Außerdem kann er Erklärungen, Folgerungen oder Zusammenfassungen des vorher Gesagten einleiten. Seine Wirkung ist zugleich trennend und betonend: Er trennt zwei Teile voneinander, macht aber zugleich deutlich, dass der zweite Teil eng zum ersten gehört.
Außerhalb der normalen Zeichensetzung wird der Doppelpunkt auch in anderen Bereichen verwendet. In der Mathematik kann er als Geteiltzeichen stehen. In Mischverhältnissen trennt er die Teile eines Verhältnisses, zum Beispiel „2∶1“, gesprochen „2 zu 1“. Außerdem erscheint er in Größenordnungen, Uhrzeiten wie „20:15 Uhr“ und im Deutschen bei Spielständen wie „21:17“. In einigen anderen Sprachen oder Schreibtraditionen hat er weitere Funktionen, etwa in Preisangaben oder Bibel-Verweisen.
Rechtschreibung im Deutschen
In der deutschen Rechtschreibung zählt der Doppelpunkt zu den Satzmittezeichen, ähnlich wie Komma und Semikolon. Er steht innerhalb eines Satzgefüges. Vor und nach dem Doppelpunkt kann jeweils ein Hauptsatz stehen. Am Ende eines logischen Absatzes steht er jedoch nicht.
Ein wichtiger Gebrauch ist die Ankündigung wörtlicher Rede oder eines wörtlich angeführten Gedankens nach einem Ankündigungssatz: „Ich sagte: ‚Was nicht ist, kann noch werden.‘“ Ebenso kann er vor angekündigten Aufzählungen und Erklärungen stehen: „Die vier Himmelsrichtungen sind: Osten, Westen, Süden, Norden.“ oder „Die Mondfinsternis ist etwa so zu erklären: Der Schatten der Erde fällt auf den Mond.“
Der Doppelpunkt als Ankündigungszeichen ist entbehrlich und soll entfallen, wenn schon eine andere Ankündigungsform vorhanden ist. Dazu gehören Wörter und Wendungen wie „also“, „besonders“, „namentlich“, „nämlich“, „wie“, „zum Beispiel“, „und zwar“, „das heißt“, „unter anderem“ oder „unter anderen“. Beispiel: „Das Schiff verkehrt nur an drei Tagen, nämlich Dienstag, Donnerstag und Samstag.“
Bei Aufzählungen gilt: In einem Satz wie „Die vier Himmelsrichtungen sind Osten, Westen, Süden und Norden“ kann vor der Aufzählung ein Doppelpunkt stehen, muss aber nicht. Fehlt die Konjunktion, hier also „und“, muss ein Doppelpunkt gesetzt werden.
Der Doppelpunkt steht oft auch vor Folgerungen, Aussagen, Erläuterungen oder Zusammenfassungen: „Am Schluss stellte sich heraus: Der Bericht war vollständig erfunden.“ Er kann außerdem zwischen einem umfangreichen, mehrfach gegliederten Vordersatz und einem Nachsatz stehen, etwa wenn viele Einzelheiten genannt werden und danach eine zusammenfassende Aussage folgt. Auch vor angekündigten Unterschriften, Zeugnisnoten, Beurteilungsnotizen oder Fahrplan-Zeitangaben kann er verwendet werden.
Groß- und Kleinschreibung sowie Überschriften
Nach dem Doppelpunkt wird normalerweise groß weitergeschrieben, wenn ein selbständiger Satz folgt. Das gilt zum Beispiel bei wörtlicher Rede oder bei einem eigenständigen Folgesatz: „Erschüttert betrat er seine verkohlte Bibliothek: Alle Bücher waren vernichtet worden.“
Wenn der Doppelpunkt durch einen Gedankenstrich ersetzt werden könnte, ist auch bei selbständigen Sätzen Kleinschreibung zulässig. In allen anderen Fällen schreibt man nach dem Doppelpunkt klein weiter, außer wenn direkt ein Substantiv folgt. Beispiele sind: „Er rief sie alle zusammen: seinen Koch, seine Frau und ihren Liebhaber.“ und „In Hamburg fand sie, was sie sich sehnlichst gewünscht hatte: eine unterirdische Villa.“
In Überschriften wird der Doppelpunkt nach denselben Regeln gesetzt wie im Fließtext. Am Ende einer Überschrift ist er grundsätzlich überflüssig, weil Überschriften durch ihre grafische Gestaltung bereits als Ankündigung erkennbar sind. Ein Doppelpunkt wird in Überschriften nur dort gesetzt, wo der ankündigende und der angekündigte Teil grafisch und inhaltlich eng zusammengehören.
Gendergerechte Schreibung
In gendergerechter Schreibung kann der Doppelpunkt als Gender-Doppelpunkt verwendet werden. Er soll sprachliche Gleichbehandlung und Inklusion aller Geschlechter und Gender typografisch ausdrücken, zum Beispiel in „Lehrer:innen“ oder „ein:e Schüler:in“. In der Einzahl kann damit auch eine nichtbinäre oder diversgeschlechtliche Person bezeichnet werden, die weder Mann noch Frau ist: „Alex ist Künstler:in.“
Als Vorteil gegenüber Gendersternchen („Lehrer*innen“) und Gender-Gap („Lehrer_innen“) wird genannt, dass Screenreader den Doppelpunkt oft problemloser vorlesen. Nach dem Doppelpunkt entsteht eine kleine Sprechpause, ähnlich wie vor einer Aufzählung. Diese „Gender-Pause“ oder dieser Glottisschlag soll verhindern, dass die Form als generische Femininform gelesen wird, also etwa „Lehrerinnen“.
Ende 2019 führte die Hansestadt Lübeck den „Gender:Doppelpunkt“ für die interne und externe Kommunikation der Stadtverwaltung ein. Danach folgten einige Hochschulen und mehrere Medienredaktionen. Der Gebrauch des Doppelpunkts im Wortinneren ist jedoch nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung. Der Rechtschreibduden vom August 2020 nennt den Doppelpunkt als Möglichkeit des „geschlechtergerechten Sprachgebrauchs“. Der Rat für deutsche Rechtschreibung erklärte im März 2021, die Aufnahme von Genderzeichen in die Amtliche Rechtschreibung nicht zu empfehlen, beobachtet aber weiterhin ihren Gebrauch.
Informationstechnik und Programmierung
In der Informationstechnik ist der Doppelpunkt ein wichtiges Zeichen mit mehreren festen Bedeutungen. In der Zeichencodierung ist er bereits im ASCII-Zeichensatz enthalten. Dort hat er den Dezimalwert 58, hexadezimal 0x3A. In Unicode entspricht er U+003A. Für vollbreiten Schriftsatz, wie er in ostasiatischen Schriftsystemen üblich ist, gibt es die Variante U+FF1A („:“).
In Datei-Pfadangaben hat der Doppelpunkt je nach Betriebssystem unterschiedliche Funktionen. Unter CP/M, DOS und Windows steht er bei Laufwerksbuchstaben wie „A:“ oder „C:“. Unter AmigaOS kann er Datenträgervolumen und Verzeichnisreferenzen kennzeichnen, etwa „Workbench:“ oder „CLIPS:“. Unter Mac OS „Classic“ trennte er einzelne Verzeichnisse im Pfad, ähnlich wie der Schrägstrich in OS X und anderen Systemen.
In Programmiersprachen dient der Doppelpunkt ebenfalls verschiedenen Zwecken. In Pascal und Ada bildet „:=“ einen Zuweisungsoperator. In XML trennt er Namensraum und Tag; als Entität kann er mit „:“ angegeben werden. In C, C++ und ähnlichen Sprachen trennt er im ternären Auswahloperator die beiden möglichen Rückgabe-Ausdrücke: „Bedingung ? Zutreffend : Unzutreffend“. In C++ bildet „::“ den Scope-Operator, mit dem Namenskonflikte in verschiedenen Namensräumen aufgelöst oder Klassenvariablen, Klassenfunktionen und Klassentypen angesprochen werden, zum Beispiel „std::chrono::system_clock“. Außerdem kann der Doppelpunkt Labels oder Sprungmarken kennzeichnen.
In JavaScript und JSON werden Name-Wert-Zuweisungen mit einem Doppelpunkt geschrieben, etwa „{ "name": "Wales", "vorname": "Jimmy", "gehalt": 0 }“. In Python endet zum Beispiel die Bedingung einer Schleife mit einem Doppelpunkt; der zugehörige Schleifenkörper wird durch Einrückung angezeigt. Seit Python 3.8 gibt es außerdem den Zuweisungsoperator „:=“, der dort für Zuweisungen innerhalb von Ausdrücken verwendet wird.
Adressen, URIs und Geschichte
Bei IPv6-Adressen trennt der Doppelpunkt 16-Bit-Einheiten in der üblichen hexadezimalen Schreibweise. Ein Beispiel ist „2001:db8:0:0:0:0:fee1:g00d“. Mehrere aufeinanderfolgende Werte von 0 können ausgelassen und durch „::“ ersetzt werden. Das Beispiel wird dadurch zu „2001:db8::fee1:g00d“ verkürzt.
Bei URIs trennt der erste Doppelpunkt das verwendete Schema vom Rest der Adresse, zum Beispiel in „https://de.wikipedia.org/w/index.php“. Je nach URI-Schema können außerdem Portnummern durch einen Doppelpunkt vom Hostnamen getrennt werden. Ohne Portangabe wird der Standardport verwendet, etwa bei „https://www.example.org/pfad/zur/datei.zip“. Mit expliziter Portangabe kann ein abweichender Port genannt werden, zum Beispiel „https://www.example.org:8080/pfad/zur/datei.zip“ mit Port 8080.
Geschichtlich gibt es frühe Belege für die Verwendung des Doppelpunkts als Lesehilfe zur Worttrennung oder zur Markierung größerer Einheiten. Ein Beispiel ist eine Inschrift auf dem sogenannten Nestorbecher von Ischia aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. Weitere Beispiele finden sich in Papyri ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. Der Doppelpunkt entstand vermutlich als vereinfachte Form von drei übereinander stehenden Punkten, die in Papyri häufig als Trennzeichen vorkamen. In dramatischen Texten, besonders Komödien, und in platonischen Dialogen half er zusammen mit dem Paragraphos, einzelne Sprecher voneinander abzugrenzen.