Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Liste der Pharaonen
Die Liste der Pharaonen gibt einen systematischen Überblick über alle bekannten Pharaonen. Sie enthält die ägyptischen Könige von der vordynastischen Zeit …
Inhalt6 Abschnitte
Gegenstand und Quellen
Die Liste der Pharaonen gibt einen systematischen Überblick über alle bekannten Herrscher des alten Ägypten. Sie reicht von der vordynastischen Zeit bis zu Maximinus Daia, dem letzten in Hieroglyphen bezeugten Herrscher Ägyptens. Wichtig ist die Liste, weil sie die politische Geschichte Ägyptens nach Dynastien ordnet und zugleich zeigt, wie unsicher viele frühe oder kurze Herrschaften belegt sind.
Das Grundgerüst der ägyptischen Chronologie stammt aus den Schriften des ägyptischen Priesters Manetho. Seine Originaltexte sind verloren; erhalten sind nur Zitate in Schriften aus dem ersten bis achten nachchristlichen Jahrhundert. Manethos Einteilung in 30 Dynastien bildet noch heute eine Grundlage der Ägyptologie, obwohl sie in vielen Punkten überholt ist. Er ordnete Dynastien vor allem nach der lokalen Herkunft der Herrscher, nicht nach Verwandtschaft.
Die Jahresdaten folgen den Werken von Thomas Schneider und Wolfgang Helck; Daten in Klammern geben die Datierung nach Jürgen von Beckerath wieder. Abweichende Daten in Einzelartikeln entstehen durch unterschiedliche Quellen. Die Namen erscheinen teils in ägyptischer, teils in griechischer Form. Bei Eigennamen mit Bindestrichen werden Wortanfang und Götternamensilben wie Re, Amun, Hor, Mut oder Ptah großgeschrieben; die Silbe maat bleibt klein, wenn sie das Prinzip der Weltordnung bezeichnet.
Frühe Herrschaft und Pyramidenzeit
In der Prädynastik und der 0. Dynastie sind viele Herrscher nur durch Tonritzungen, Gefäße, Siegel oder spätere Listen bezeugt. Mehrfach ist die Existenz oder Lesung der Namen unsicher, etwa bei Fingerschnecke, Storch, Hund, Stier, Hedju-Hor, Krokodil oder Iri-Hor. Skorpion I. wird um 3250 v. Chr. genannt; in seiner Zeit sollen Schrift und Bewässerungsanlagen eingeführt worden sein. Narmer wird um 3000 v. Chr. datiert; seine Einordnung in die 0. Dynastie ist umstritten.
Die Frühdynastische Zeit beginnt mit der 1. Dynastie. Aha gilt um 3000/2980 v. Chr. als erster König Ägyptens und wird meist mit Menes identifiziert. Den ist wichtig, weil unter ihm Fortschritte in Kunst und Schrift bezeugt sind und die erste Darstellung eines ägyptischen Herrschers mit Doppelkrone erscheint. In der 2. Dynastie zeigen Peribsen und Chasechemui politische Besonderheiten: Peribsen führte statt eines Horusnamens einen Seth-Namen, Chasechemui führte Krieg in Unterägypten und feierte eine Wiedervereinigung von Ober- und Unterägypten.
Im Alten Reich entstehen die großen Pyramiden. Djoser ließ in Sakkara die erste Pyramide Ägyptens bauen. Snofru steht für den Übergang von der Stufenpyramide zur echten Pyramide und ließ drei Pyramiden errichten. Cheops, Chephren und Mykerinos sind besonders durch ihre Pyramiden in Gizeh bekannt. In der 5. Dynastie wurden Sonnenheiligtümer wichtig; Unas ließ in seiner Pyramide die ältesten Pyramidentexte anbringen. In der 6. Dynastie regierte Pepi II. über 60 Jahre; seine Zeit war von Dezentralisierung geprägt.
Zwischenzeiten und Mittleres Reich
Die Erste Zwischenzeit folgt auf das Alte Reich und ist stark von unsicheren Belegen geprägt. Nach Manetho sollen in der 7. Dynastie 70 Könige in 70 Tagen regiert haben, doch dafür wurden bisher keine Spuren gefunden. Viele Herrscher der 8. Dynastie sind nur aus der Abydosliste, dem Königspapyrus Turin, Rollsiegeln oder wenigen Denkmälern bekannt. Auch die 9. und 10. Dynastie sind in ihrer genauen Einordnung unsicher.
Das Mittlere Reich beginnt mit der 11. Dynastie aus Theben. Anjotef I. wird als erster thebanischer König bezeichnet; Ägypten war damals in zwei Herrschaftsgebiete gespalten. Mentuhotep II. beendete die Herrschaft der 9./10. Dynastie und vereinigte Ägypten wieder. Manche Ägyptologen sehen diese Wiedervereinigung als eigentlichen Beginn des Mittleren Reiches.
Die 12. Dynastie gilt als besonders bedeutend. Amenemhet I. vollendete die Reichseinigung und machte Sesostris I. im 20. Regierungsjahr zum Mitregenten. Sesostris I. ist durch umfangreiche Bautätigkeit bezeugt; in seiner Zeit entstanden wichtige literarische Werke wie die Geschichte von Sinuhe. Sesostris III. zentralisierte das Land stark, regierte 19 Jahre und wurde im Neuen Reich als Schutzherr von Nubien verehrt. Amenemhet III. erschloss das Fajum; Nofrusobek war die erste zeitgenössisch nachweisbare Königin Ägyptens.
Hyksos, Neues Reich und Krise
In der Zweiten Zwischenzeit ist die Reihenfolge der 13. Dynastie bis Sobekhotep VII. zunächst am Turiner Königspapyrus orientiert; danach ist der Papyrus sehr fragmentarisch, weshalb Einordnungen bis zum Ende der 17. Dynastie als hochgradig spekulativ gelten. Die 15. Dynastie umfasst die Hyksos. Unter Apopi kam es zum Aufstand der thebanischen 17. Dynastie gegen die Hyksos-Oberherrschaft. Chamudi musste die Hyksos-Hauptstadt Auaris Ahmose I. überlassen; damit endete die Hyksos-Herrschaft. Taaa kämpfte gegen die Hyksos und fiel in einer Schlacht, Kamose setzte den Kampf fort.
Das Neue Reich beginnt mit Ahmose I., der die Hyksos endgültig vertrieb und auch die Herrschaft über Nubien wiederherstellte. Die 18. Dynastie brachte große Machtentfaltung: Thutmosis III. unternahm zahlreiche Feldzüge nach Vorderasien, und unter ihm erreichte Ägypten seine größte Ausdehnung. Hatschepsut regierte zunächst für Thutmosis III. und wurde dann Alleinherrscherin; auf Reliefs ihres Totentempels ist eine Expedition nach Punt bezeugt.
Echnaton führte mit der Verehrung des Aton als einzigen Gott die erste bekannte monotheistische Religion der Weltgeschichte ein und gründete Achet-Aton in Amarna. Nach seinem Tod wurden Erinnerung und Aton-Kult beseitigt. Tutanchamun verlegte die Residenz von Amarna nach Memphis und restaurierte die alte Religion. In der 19. Dynastie war Ramses II. einer der bedeutendsten Pharaonen; unter ihm wurde nach Konflikten mit den Hethitern der erste bekannte Friedensvertrag der Weltgeschichte verfasst. In der 20. Dynastie führten Wirtschaftskrisen, Nekropolenplünderungen und schließlich Bürgerkrieg unter Ramses XI. zum Niedergang.
Späte Dynastien und Fremdherrschaften
Die Dritte Zwischenzeit war durch geteilte Macht, Hohepriester, lokale Könige und Fremdeinflüsse geprägt. In der 21. Dynastie ist Psusennes I. vor allem durch sein unberaubtes Grab in Tanis bekannt; Siamun trug als erster Herrscher den Königstitel „Pharao“. Die 22. Dynastie hatte libysche Bezüge; Scheschonq I. führte einen Feldzug nach Palästina und plünderte den Tempel von Jerusalem. In der 25. Dynastie herrschten Kuschiten: Kaschta eroberte Unternubien und Ägypten bis Assuan, Pije eroberte Ägypten vollständig, Taharqas Zeit war vom Kampf gegen die Assyrer geprägt. Assyrische Herrscher wie Asarhaddon und Assurbanipal griffen in Ägypten ein und vertrieben die Kuschiten endgültig.
In der Spätzeit begann die 26. Dynastie, die Saïtenzeit, mit Psammetich I., der die Hauptstadt von Memphis nach Saïs verlegte. Necho II. baute erstmals in der ägyptischen Geschichte eine Seestreitmacht auf und ließ einen Kanal zwischen Nil und Rotem Meer anlegen. Amasis führte Ägypten zu neuer kultureller und wirtschaftlicher Blüte. Danach wurde Ägypten mehrfach von Persern beherrscht: Kambyses II. eroberte es 525 v. Chr.; später gliederte Artaxerxes III. Ägypten noch einmal kurz in das Perserreich ein. 332 v. Chr. übergab der persische Satrap Mazakes Ägypten kampflos Alexander dem Großen.
Griechisch-römische Zeit
Nach Alexander dem Großen folgten die Argeaden und dann die Ptolemäer. Ptolemaios I. Soter, ein General Alexanders und Diadoche, begründete die Ptolemäische Dynastie und gilt als Erbauer der Bibliothek von Alexandria. Unter Ptolemaios III. Euergetes erreichte das Ptolemäerreich nach dem Dritten Syrischen Krieg seine größte Ausdehnung. Die Ptolemäerzeit war aber auch von Gegenkönigen, Mitregentschaften und inneren Konflikten geprägt, zum Beispiel in Oberägypten durch Harwennefer und Anchwennefer.
Kleopatra VII. regierte 51–30 v. Chr.; sie war Geliebte Caesars und Antonius’ und beging nach der Einnahme Alexandrias durch Augustus Freitod. Ihr Sohn Ptolemaios XV. Kaisarion war Mitregent und wurde auf Befehl von Augustus ermordet. Augustus nahm 30 v. Chr. Alexandria ein und machte Ägypten zu einer römischen Provinz.
Die Liste der römischen Kaiser enthält nur Herrscher, die in Ägypten hieroglyphisch bezeugt sind. Dazu gehören unter anderem Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius, Nero, Trajan, Hadrian, Diokletian und Maximinus Daia. Claudius ließ mit dem Pronaos des Chnum-Tempels von Esna den letzten ägyptischen Tempel-Neubau beginnen. Maximinus Daia, regierend 305–313 n. Chr., ist der letzte hieroglyphisch belegte Kaiser.