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Lev Gillet

Lev Gillet (weltlicher Name: Louis Gillett; * 1893 in Saint-Marcellin; † 29. März 1980 in London) war ein französischer orthodoxer Mönch, Archimandrit und …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Wer Lev Gillet war
  2. 2. Weg zur Orthodoxie
  3. 3. Arbeit in England und Dialog der Religionen
  4. 4. Schriften und geistliche Themen

Wer Lev Gillet war

Lev Gillet, mit weltlichem Namen Louis Gillett, wurde 1893 in Saint-Marcellin geboren und starb am 29. März 1980 in London. Er war ein französischer orthodoxer Mönch, Archimandrit, also ein höherer orthodoxer Mönchspriester, und Autor geistlicher Literatur. Bekannt wurde er vor allem durch Schriften, die er fast immer unter dem Pseudonym „un moine de l’Église d’orient“ beziehungsweise „A Monk of the Eastern Church“ veröffentlichte; auf Deutsch bedeutet das „ein Mönch der Ostkirche“. Seine Bedeutung liegt besonders in seiner Vermittlung orthodoxer Spiritualität, seinem Einsatz für die Annäherung von Katholizismus und Orthodoxie und seiner Beschäftigung mit dem Jesusgebet.

Weg zur Orthodoxie

Louis Gillet stammte aus einem bürgerlichen Elternhaus und wurde katholisch erzogen. Er studierte in Grenoble und Paris Philosophie. Während seiner Kriegsgefangenschaft im Ersten Weltkrieg begegnete er durch Mitgefangene erstmals dem russischen orthodoxen Christentum.

Nach dem Krieg wurde er Benediktiner im luxemburgischen Clervaux. Dort lernte er Lambert Beauduin kennen und freundete sich mit ihm an. Später zog er nach England in die Saint Michael’s Abbey in Farnborough. Weil ihn die slawische Tradition interessierte, kam er mit Andrej Scheptyzkyj in Kontakt, dem Erzbischof von Lemberg und Metropoliten der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche in der Ukraine. Scheptyzkyj weihte ihn im Studitenkloster Olesko in der Ukraine zum Priestermönch und gab ihm den Namen Lev.

Gillet war von der katholischen Haltung zum östlichen Ritus enttäuscht und entschied sich deshalb für den Übertritt zur Orthodoxie. 1928 wurde er von Metropolit Jewlogi Georgijewski in Paris in die orthodoxe Kirche aufgenommen. Danach war er Priester der ersten frankophonen orthodoxen Gemeinde in Paris. Zu den Menschen, die er in die orthodoxe Kirche aufnahm, gehörte die Lutheranerin Elisabeth Behr-Sigel. Mit ihr blieb er lebenslang befreundet; nach seinem Tod verfasste sie eine umfassende Biographie über ihn.

Arbeit in England und Dialog der Religionen

1938 ging Gillet erneut nach England. Bis 1940 wirkte er als Kaplan in einem Wohnheim für junge Juden sowie jüdisch-christliche Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich. Das Wohnheim wurde geschlossen, nachdem die Behörden seine Bewohner als „enemy aliens“ einstuften. Danach erhielt Gillet ein Stipendium durch die Quäkergemeinde. Dadurch konnte er jüdische Theologie und jüdisch-christliche Beziehungen studieren.

Aus dieser Beschäftigung entstand 1942 das Buch „Communion in the Messiah“. 1948 wurde Gillet im Vereinigten Königreich Kaplan des Fellowship of Saint Alban and Saint Sergius, mit dem er bereits vorher verbunden gewesen war. Er lebte im Londoner St. Basil’s House. Sein Vorgänger in dieser Funktion war der spätere Bischof Anthony Bloom. Reisen führten Gillet wiederholt nach Frankreich, in die Schweiz und in den Libanon.

Gillet arbeitete lange für die Union for the Study of Great Religions und zeitweise für den World Congress of Faiths. Das zeigt seine starke Orientierung auf religiöse Verständigung und den Austausch zwischen verschiedenen christlichen Traditionen sowie zwischen Christentum und Judentum.

Schriften und geistliche Themen

Gillet veröffentlichte geistliche Schriften auf Französisch und Englisch, die ihn über Ländergrenzen hinweg bekannt machten. Die meisten erschienen unter seinem Pseudonym „un moine de l’Église d’orient“ beziehungsweise „A Monk of the Eastern Church“. Eine Ausnahme war „Communion in the Messiah. Studies in the Relationship Between Judaism and Christianity“, das 1942 auf Englisch erschien und vergleichend das Judentum behandelt.

Ein zentrales Thema seiner Werke war das Jesusgebet. Damit ist in der orthodoxen Spiritualität die wiederholte Anrufung des Namens Jesus gemeint. Gillet gilt als intensiver Fürsprecher dieses Gebets. Wichtige Veröffentlichungen dazu sind „On the Invocation of the Name of Jesus“ von 1950 und „La Prière de Jésus“ von 1951. Auf Deutsch erschien „On the Invocation of the Name of Jesus“ als „Das Jesusgebet. Anleitung zur Anrufung des Namens Jesus von einem Mönch der Ostkirche“; die neueste genannte Auflage ist die 11. Auflage von 2025.

Weitere ausgewählte Werke sind „Jésus, simples regards sur le Sauveur“ von 1959, auf Deutsch „Aufblick zum Herrn“, „Présence du Christ“ von 1961, auf Deutsch „Gegenwart des Herrn“, „Le Visage de lumière“ von 1966, auf Deutsch „Das leuchtende Antlitz“, und „La colombe et l’agneau“ von 1979, auf Deutsch „Die Taube und das Lamm“. Nach seinem Tod erschienen außerdem „Introduction à la spiritualité orthodoxe“ von 1983 und „L’an de grâce du Seigneur“ von 1988, auf Deutsch „Das Jahr der Gnade des Herrn“. Trotz seines Übertritts vom Katholizismus zur Orthodoxie setzte sich Gillet zeitlebens für eine Vereinigung beider Kirchen ein.

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