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Leiningen (Adelsgeschlecht)

Fürstengeschlecht aus dem pfälzischen Raum (im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz), das als ehemals reichsunmittelbares Haus dem Hochadel angehörte.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Ursprungsraum
  2. 2. Frühe Geschichte und jüngere Linie
  3. 3. Teilungen und Linienbildung
  4. 4. Hardenburg, Falkenburg und das Fürstentum
  5. 5. Fürsten und Zeit nach der Monarchie
  6. 6. Wappen, Burgen und regionale Spuren

Gegenstand und Ursprungsraum

Das Haus Leiningen ist ein weitverzweigtes Grafen- und Fürstengeschlecht aus dem pfälzischen Raum, dem heutigen Rheinland-Pfalz. Als ehemals reichsunmittelbares Haus gehörte es zum Hochadel. Reichsunmittelbar bedeutete, dass die Herrschaft unmittelbar dem Heiligen Römischen Reich unterstand und nicht einem anderen Landesherrn.

Der belegbare Ausgangspunkt liegt bei der im 12. Jahrhundert errichteten Burg Leiningen im nordöstlichen Pfälzerwald. Sie wurde später Altleiningen genannt, nachdem im 13. Jahrhundert am Ostrand des Pfälzerwalds die Schwesterburg Neuleiningen entstanden war. Das Gebiet um beide Burgen heißt heute Leiningerland und entspricht weitgehend der Verbandsgemeinde Leiningerland und der Stadt Grünstadt.

Frühe Geschichte und jüngere Linie

Über die Frühzeit bis ins 12. Jahrhundert gibt es keine gesicherten Angaben. Die erste sichere Erwähnung stammt aus dem Jahr 1128: Emicho, Graf von Leiningen, bezeugte eine Urkunde des Mainzer Erzbischofs Adalbert I. von Saarbrücken. Die neuere Forschung betrachtet Emich II. († vor 1138) als Stammvater des Adelsgeschlechts. Eine Abstammung von den Emichonen, den Grafen im Nahegau, ist wegen der Quellenlage nicht nachweisbar, gilt aber als wahrscheinlich. Auch eine Verbindung zum Kreuzfahrer Emicho bleibt ungeklärt.

Emich II. baute das Herrschaftsgebiet um die Burg Leiningen aus. In seine Zeit fällt die Gründung des Chorherrenstifts Höningen zwischen 1119 und 1124. Seine Nachfolger waren Emich III. († zwischen 1180 und 1187) und Friedrich I. (Emich) († zwischen 1212 und 1214). Die Grafen erhielten 1204/05 die Landvogtei über den Speyergau sowie Vogtrechte über das Kloster Limburg.

Zwischen 1212 und 1214 starb die ältere, sogenannte altleiningische Linie in männlicher Linie aus. Der Neffe des letzten Grafen, Friedrich II., Sohn von Liutgard von Leiningen und Graf Simon II. von Saarbrücken, übernahm den Namen und das Wappen Leiningen. Damit begründete er die jüngere Linie. Zu ihrem Besitz kamen die väterlichen Güter, darunter die Hardenburg, und die Vogtei über das Kloster Limburg.

Teilungen und Linienbildung

Die jüngere Linie vergrößerte ihren Besitz und teilte sich mehrfach. Friedrichs II. Sohn Friedrich III. erwarb 1241 die Grafschaft Dagsburg in den Vogesen. Sein Bruder Emich IV. erhielt 1237 bei einer Erbteilung die Burg Landeck mit den zugehörigen Rechten und begründete die Linie Leiningen-Landeck. Diese erlosch bereits 1289/1290 mit dem Tod seines Sohnes Emicho und seines Enkels Rudolf. 1317 wurde unter den Enkeln Friedrichs III. in die Linien Leiningen-Dagsburg und Leiningen-Hardenburg geteilt.

Die ältere Linie Leiningen-Dagsburg erlosch 1467 mit Landgraf Hesso, der bereits 1444 zum Fürsten ernannt worden war. Seine Schwester Margarethe war mit Reinhard III. von Westerburg verheiratet und erhielt den größeren Teil des Erbes. Deshalb nannten sich die im Westerwald ansässigen Nachkommen fortan Leiningen-Westerburg. Die Dagsburg selbst fiel an die Hardenburger Linie, die nun Leiningen-Dagsburg-Hardenburg hieß. Seit dem 15. Jahrhundert bestanden somit zwei gräfliche Häuser: Leiningen-Westerburg und die jüngere Linie Leiningen-Dagsburg(-Hardenburg). Sie dürfen nicht mit der älteren Dagsburger Linie verwechselt werden.

Bei Leiningen-Westerburg entstanden durch weitere Erbteilungen zunächst Leiningen-Leiningen, Leiningen-Westerburg und Leiningen(-Westerburg)-Schaumburg. Leiningen-Leiningen erwarb im 16. Jahrhundert die Grafschaft Rixingen und 1570 Teile der Herrschaft Zweibrücken-Bitsch, darunter Oberbronn. 1569 führten die Leininger die Reformation ein, hoben das Kloster Höningen auf und gründeten dort eine Lateinschule.

Nach dem Tod Graf Ludwigs von Leiningen-Leiningen 1622 entstanden Leiningen-Leiningen, Leiningen-Rixingen und Leiningen-Oberbronn. Die letzte dieser Linien erlosch 1705; ihre Besitzungen fielen an Verwandte aus der Schaumburger Linie. Die Hauptlinie Leiningen-Westerburg war bereits 1597 erloschen. Nach weiteren Teilungen bestanden bis ins 20. Jahrhundert vor allem Leiningen-Westerburg-Altleiningen und Leiningen-Westerburg-Neuleiningen.

Hardenburg, Falkenburg und das Fürstentum

Die Linie Leiningen-Dagsburg-Hardenburg konnte ihre Stellung durch Besitzungen im Unterelsass und in Lothringen erweitern. 1466 erwarb sie die Herrschaft Apremont; außerdem erhielt sie im 15. und 16. Jahrhundert Weißenburger Lehen. Eine 1343 abgespaltene Linie zu Rixingen fiel 1506 an Pfalz-Zweibrücken. Durch die Teilung von 1560 entstanden Leiningen-Dagsburg-Hardenburg und Leiningen-Dagsburg-Falkenburg.

Die Hardenburg war von 1560 bis 1725 Hauptsitz und wurde zu einem Residenzschloss ausgebaut. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) zerstörten französische Truppen 1692 die Festungswerke; die Burg blieb danach eine Ruine. Die Residenz wurde deshalb 1725 in das nahe Schloss Dürkheim verlegt. Zwischen 1504 und 1508 ließ Graf Emich IX. eine spätgotische Familiengrabkapelle an der Dürkheimer Schlosskirche errichten. Dort sind gotische Grabplatten und Renaissance-Epitaphien der Familie erhalten.

1779 erhob der Kaiser Graf Carl Friedrich Wilhelm in den Reichsfürstenstand. Nach der Vertreibung der Familie aus Dürkheim und den linksrheinischen Besitzungen 1796 fielen die linksrheinischen Güter 1801 an Frankreich. Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde die Linie mit ehemaligen kurmainzischen und würzburgischen Besitzungen im Odenwald entschädigt. In der ehemaligen Abtei Amorbach entstand das neue Fürstentum Leiningen. Fürst Carl erhielt eine Virilstimme im Reichsfürstenrat und führte den Titel Reichsfürst zu Leiningen sowie weitere Titel, darunter Pfalzgraf zu Mosbach und Graf zu Düren.

Durch die Mediatisierung verlor die Familie 1806 ihre staatliche Souveränität an das Großherzogtum Baden. Gebietsteile kamen 1810 an Hessen-Darmstadt und 1816 infolge des Wiener Kongresses an das Königreich Bayern. Diese fürstliche Linie ist die einzige Linie des Gesamthauses Leiningen, die bis heute besteht.

Leiningen-Dagsburg-Falkenburg teilte sich 1658 in Leiningen-Dagsburg, Leiningen-Heidesheim und Leiningen-Guntersblum. Die Grafschaft Dagsburg fiel 1774 an Leiningen-Dagsburg-Hardenburg. Nebenlinien bestanden später als Leiningen-Billigheim und Leiningen-Neudenau; sie erloschen 1925 beziehungsweise 1910.

Fürsten und Zeit nach der Monarchie

Die fünf Fürsten zu Leiningen waren Carl Friedrich Wilhelm (1. Fürst, 1724–1807), Emich Carl (2. Fürst, 1763–1814), Karl Friedrich Wilhelm Emich (3. Fürst, 1804–1856), Ernst (4. Fürst, 1830–1904) und Emich Eduard Carl (5. Fürst, 1866–1939). Der dritte Fürst Karl zu Leiningen war königlich bayerischer Generalleutnant, erster Ministerpräsident der Reichsregierung der Provisorischen Zentralgewalt und erster Vorsitzender des Mainzer Adelsvereins.

Nach dem Ende der Monarchie führten Karl zu Leiningen (1898–1946), Emich Kyrill zu Leiningen (1926–1991) und anschließend Andreas zu Leiningen (geboren 1955) das Haus. Die Familie war außerdem mit europäischen Herrscherhäusern verbunden, unter anderem durch Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld, die Mutter der britischen Königin Victoria.

Wappen, Burgen und regionale Spuren

Das Stammwappen zeigt auf blauem Grund drei silberne, rot bewehrte Adler in der Stellung 2:1. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken steht eine grüne Linde mit silbernen Blüten. Diese Form ist unter anderem im Codex Manesse, im Ortenburger Wappenbuch von 1466 und im Wernigeroder Wappenbuch überliefert. Die heute verwendete Form mit einem zusätzlichen roten Turnierkragen erscheint 1515 bei Nicolaus Bertschi und 1554–1568 im Wappenbuch des Heiligen Römischen Reiches. Im Genealogischen Handbuch des Adels gilt die Version mit Turnierkragen als Stammwappen.

Der Leininger Adler wurde in zahlreiche Wappen von Gebietskörperschaften im früheren Herrschaftsgebiet übernommen. Beispiele finden sich im Landkreis Bad Dürkheim, im Leiningerland, in Grünstadt, Altleiningen, Neuleiningen, Westerburg, Guntersblum und Gemeinden im heutigen Département Moselle. Dadurch ist das Wappenmotiv bis heute ein sichtbares Zeichen der früheren Herrschaftsgebiete.

Zu den wichtigen Burgen und Schlössern des Hauses gehören Altleiningen, Neuleiningen, Westerburg, Schadeck, Battenberg, Haßloch, Minfeld, Landeck, Dagsburg, die Hardenburg, Schloss Dürkheim, Schloss Waldleiningen, das Fürstlich-Leiningensche Palais in Amorbach, die Emichsburg in Bockenheim sowie Schlösser in Guntersblum, Heidesheim und Neudenau.

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