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Le prophète

Le prophète (deutsch: Der Prophet) ist eine Grand opéra in fünf Akten von Giacomo Meyerbeer. Das Libretto entstand in Zusammenarbeit von Eugène Scribe und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Werk und historischer Hintergrund
  2. 2. Jeans Weg zu den Wiedertäufern
  3. 3. Krieg, Eroberung und Krönung
  4. 4. Verrat und Untergang
  5. 5. Musikalische Gestaltung
  6. 6. Entstehung und Fassungen

Werk und historischer Hintergrund

Le prophète (deutsch: Der Prophet) ist eine Grand opéra in fünf Akten von Giacomo Meyerbeer nach einem französischen Libretto von Eugène Scribe und Émile Deschamps. Das ungefähr vier Stunden lange Werk wurde am 16. April 1849 an der Pariser Oper uraufgeführt; die deutsche Erstaufführung folgte 1850 in Hamburg in der Übersetzung von Ludwig Rellstab. Die Handlung spielt von 1533 bis 1535 in Holland sowie in und um Münster.

Im Mittelpunkt steht Jean de Leyde, der historische Jan van Leiden, der sich den Wiedertäufern anschließt, Münster erobert und zum König krönen lässt. Wichtige Figuren sind seine Mutter Fidès, seine Braut Berthe, der Graf Comte d’Oberthal sowie die Wiedertäufer Zacharie, Jonas und Mathisen.

Historischer Hintergrund ist das Täuferreich von Münster. Viele Figuren und Ereignisse wurden jedoch frei erfunden. Historisch belegt sind vor allem Jan van Leiden und Jan Matthys sowie die Ausrufung Jan van Leidens zum „König Johannes I.“ im September 1534. Seine wirkliche Mutter hieß Alit Bockel und starb bereits 1521. Jan Matthys wurde im April 1534 von Landsknechten getötet. Auch das Opernfinale mit dem Brand und Einsturz des Schlosses ist erfunden. Tatsächlich eroberten Truppen des Bischofs Franz von Waldeck und des Landgrafen Philipp von Hessen Münster in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1535. Jan van Leiden, Bernd Knipperdolling und Bernd Krechting wurden am 22. Januar 1536 hingerichtet.

Jeans Weg zu den Wiedertäufern

Zu Beginn möchte die Leibeigene Berthe ihren Verlobten Jean heiraten. Dafür benötigt sie die Zustimmung ihres Oberherrn, des Comte d’Oberthal. Gemeinsam mit Jeans Mutter Fidès geht sie zu dessen Burg. Dort rufen die Wiedertäufer Zacharie, Jonas und Mathisen die Bauern mit dem lateinischen Psalm „Ad nos, ad salutarem undam“ zum Aufstand gegen Sklaverei, Leibeigenschaft und Frondienst auf. Oberthal lässt die Prediger festnehmen, verweigert die Heirat und verschleppt Berthe und Fidès.

Im Wirtshaus von Jean und Fidès erkennen die drei Wiedertäufer eine Ähnlichkeit zwischen Jean und einem Bildnis König Davids. Sie wollen ihn als „Apostel“ und Galionsfigur für ihren Feldzug gegen Münster gewinnen. Jean lehnt zunächst ab. Er hat in einem Alptraum vorausgesehen, dass er ein blutbefleckter König werden könnte, wünscht sich aber nur ein gemeinsames Leben mit Berthe.

Berthe kann aus Oberthals Gefangenschaft fliehen und versteckt sich bei Jean. Oberthal droht jedoch, Fidès zu töten, falls Jean seine Braut nicht ausliefert. Um seine Mutter zu retten, gibt Jean Berthe preis. Aus Verzweiflung schließt er sich anschließend den Wiedertäufern an.

Krieg, Eroberung und Krönung

Nach ersten militärischen Erfolgen lagern die Wiedertäufer an einem zugefrorenen See bei Münster. Während ein Chor ein Blutbad an gefangenen Adeligen fordert, möchte Mathisen sie gegen Lösegeld freilassen. Bauern kommen mit Schlitten und auf Schlittschuhen zum Lager; daran schließt sich das ungefähr 16-minütige Ballett Les Patineurs mit Valse, Pas de Redowa, Quadrille und Galop an.

Oberthal gerät verkleidet in das Lager und gibt vor, sich den Wiedertäufern anzuschließen. Nachdem er enttarnt wurde, soll er sterben. Jean verschont ihn vorläufig, weil er erfährt, dass Berthe entkommen ist und sich vermutlich in Münster befindet; sie soll selbst über Oberthal urteilen. Nach einem gescheiterten Angriff meutern die Soldaten gegen Jean und beschimpfen ihn als „faux prophète“, also als falschen Propheten. Jean kann zeigen, dass er den Angriff nicht befohlen hatte, übernimmt erneut den Oberbefehl und erobert Münster.

Dort herrscht er mit harter Hand. Die eingeschüchterten Bürger rufen vor den Patrouillen „Vive le Prophète“, flüstern untereinander aber „À bas le Prophète“. Berthe findet die bettelnde Fidès. Weil diese blutige Kleidung ihres Sohnes gefunden hat, glaubt sie, der Prophet habe Jean ermordet. Berthe beschließt deshalb, den Propheten zu töten.

Im Dom wird Jean zum König gekrönt. Die Wiedertäufer behaupten, er sei übernatürlicher Herkunft, der Erwählte und von keiner Frau geboren. Jean bezeichnet sich als „le fils de Dieu“, als Sohn Gottes. Fidès erkennt ihn und ruft „Mon fils!“. Da Mathisen mit ihrem Tod droht, verleugnet Jean seine Mutter und erklärt sie für wahnsinnig. Als er dem Volk seinen Tod anbietet, falls er tatsächlich ihr Sohn sei, widerruft Fidès aus Angst um ihn. Die Menge deutet dies als Wunderheilung und jubelt Jean zu.

Verrat und Untergang

Als ein Heer Karls V. gegen Münster vorrückt, verlangt der Kaiser Jeans Auslieferung und verspricht den Wiedertäufern dafür freies Geleit. Jonas, Mathisen und Zacharie wollen Jean verraten, um selbst straffrei zu bleiben.

Im Kellergewölbe des Stadtpalasts trifft Jean erneut auf Fidès. Er begrüßt sie als seine Mutter, doch sie sieht in ihm nun einen Tyrannen. Jean erklärt, er habe sich den Wiedertäufern angeschlossen, um Berthe an allen Edelleuten zu rächen. Fidès fordert ihn zur Reue auf.

Berthe will ein Salpeterlager entzünden und so den Propheten und seine Anhänger töten. Zunächst erkennt sie in Jean nur ihren verloren geglaubten Bräutigam, und Jean, Fidès und Berthe planen die Flucht. Als Berthe erfährt, dass Jean selbst der Prophet ist, verflucht sie ihn und ersticht sich.

Während eines Banketts dringt Oberthal mit kaiserlichen Truppen in den Palast ein, um Jean festzunehmen. Jean hat diese Lage vorausgesehen und das Salpeterlager bereits entzündet. Die Explosion bringt das Schloss zum Einsturz und tötet alle Anwesenden. Jean stirbt in den Armen seiner Mutter.

Musikalische Gestaltung

Die umfangreiche Orchesterbesetzung umfasst Piccoloflöte, zwei Flöten, zwei Oboen, Englischhorn, zwei Klarinetten, Bassklarinette, vier Fagotte, vier Hörner, zwei Pumpventil-Hörner, vier Trompeten, drei Posaunen, Ophikleide, vier Pauken, Große Trommel, Becken, Triangel, Tamtam, Militärtrommel, vier Harfen und Streicher. Hinzu kommen Instrumente hinter und auf der Bühne, darunter Orgel, Klarinette, Trompeten, Kornette, verschiedene Hörner, Basstuben beziehungsweise Ophikleiden, Kontrabasstuben beziehungsweise Bombardons, Militärtrommeln, Glöckchen, Klangstein und Klapper.

Ein zentrales musikalisches Kennzeichen ist der Choral „Ad nos, ad salutarem undam“, der besonders im ersten Akt die Wiedertäufer charakterisiert. Meyerbeer übernahm dafür keinen historischen Choral, sondern komponierte zu einem eigens von Scribe verfassten lateinischen Text eine Melodie im Stil frühprotestantischer Kirchenlieder. Der litaneiartige Gesang erhält durch tiefe Blasinstrumente wie Fagotte, Hörner und Ophikleide einen düster-unheimlichen Charakter und steigert sich bis ins Bedrohliche. Weitere große musikalisch-szenische Elemente sind das Schlittschuhläufer-Ballett und der Krönungsmarsch.

Entstehung und Fassungen

Nach Robert le diable (1831) und Les Huguenots (1836) plante Meyerbeer bereits 1836 eine weitere Grand opéra. Er schwankte zunächst zwischen den Stoffen der Afrikanerin und des Propheten. Nachdem die für die Titelrolle der Afrikanerin vorgesehene Marie-Cornélie Falcon ihre Stimme verloren hatte, gab er dieses Projekt vorläufig auf. Spätestens seit dem 25. März 1841 arbeitete er am Propheten.

Streit über die Besetzung verzögerte die Fertigstellung. Am 1. Juli 1847 wurde vereinbart, dass Pauline Viardot-García die Fidès singen sollte; Meyerbeer überarbeitete und erweiterte daraufhin ihre Partie. Am 12. Dezember 1848 brachte er die vollständige Partitur nach Paris, anschließend begannen die Proben.

Während der Einstudierung änderte und kürzte Meyerbeer das Werk mehrfach. Eine Probe aller fünf Akte am 1. April 1849 enthielt 4 Stunden 16 Minuten Musik; zusätzlich dauerten die Pausen 1 Stunde 20 Minuten. Meyerbeer hielt deshalb eine Kürzung um mindestens 40 Minuten für notwendig. Die ursprünglich rund 600 Takte lange, sinfonisch angelegte Ouvertüre wurde vollständig gestrichen und durch ein kurzes Orchestervorspiel ersetzt. Einige andere gestrichene Teile erklangen am 25. April 1849 in einem Konzert, darunter der Chœur des mères. Die ursprüngliche Ouvertüre wurde erst nach dem Wiederauffinden von Meyerbeers Partitur in den 1990er Jahren am 27. November 1998 von den Bochumer Symphonikern unter Steven Sloane uraufgeführt. Eine kritische Edition, die auch gestrichene Teile berücksichtigt, erschien 1997 unter maßgeblicher Beteiligung von Matthias Brzoska.

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