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Lascia ch’io pianga
Lascia ch'io pianga ist eine der berühmtesten Arien von Georg Friedrich Händel. Die komponierte er bereits 1705, berühmt wurde sie jedoch erst als Klagelied …
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Bedeutung und Verwendung
„Lascia ch’io pianga“ ist eine der berühmtesten Arien Georg Friedrich Händels und gehört heute zu den populärsten Melodien der klassischen Musik. Händel komponierte die Musik bereits 1705. Als Klagelied wurde sie vor allem durch seine Oper „Rinaldo“ bekannt, die 1711 in London uraufgeführt wurde.
Entstehung und Wandel
Die Melodie erklang erstmals 1705 bei der Uraufführung von Händels erster Oper „Almira, Königin von Castilien“ im Hamburger Theater am Gänsemarkt. Im dritten Akt begleitete sie als Instrumentalstück den Auftritt der personifizierten Figur Asien.
1707 verwendete Händel die Melodie in Rom erneut, nun im Oratorium „Il trionfo del Tempo e del Disinganno“. Dort singt die allegorische Figur Piacere („Vergnügen“) dazu den Text „Lascia la spina, cogli la rosa“ – „Lass doch die Dornen, pflücke die Rose“. Diesen Text vertonte Händel für das Pasticcio „Giove in Argo“ außerdem mit einer anderen Melodie.
Erst in „Rinaldo“ erhielt die Musik den Charakter einer Klage. In diesem phantastischen Kreuzzugsdrama wird die christliche Jungfrau Almirena gefangen genommen und vom sarazenischen König Argante umworben. In der 4. Szene des 2. Aktes bittet sie ihn, ihre verlorene Freiheit beweinen zu dürfen. Dadurch möchte sie sein Erbarmen und ihre Freilassung erreichen.
Musikalische und dichterische Form
Die Melodie ist eine klassische Sarabande, also ein gravitätischer Tanz in langsamem Dreiertakt. Kennzeichnend ist die gedehnte Betonung der zweiten Zählzeit.
Ihre Wirkung entsteht außerdem durch kurze, von Pausen deutlich getrennte Phrasen. Terzbetonte Tonwiederholungen wechseln mit Aufschwüngen über große Intervalle. Im Mittelteil moduliert die Musik über die Mollparallele zur Mollparallele der Dominante.
Der Text für „Rinaldo“ stammt von Giacomo Rossi. Er besitzt das anspruchsvolle Reimschema a–b–c–d a–b–c–d. Obwohl die Melodie schon vor diesem Text existierte, ist er ihr so gut angepasst, dass der Kontrafakturcharakter nicht auffällt. Eine Kontrafaktur ist die Verbindung einer vorhandenen Melodie mit einem neuen Text.
Inhalt des Arientextes
Der italienische Anfang „Lascia ch’io pianga mia cruda sorte, e che sospiri la libertà“ bedeutet: „Lass mich mein grausames Schicksal beweinen und die verlorene Freiheit beseufzen.“ Danach soll der Kummer die Qualen ihrer Martern aus Erbarmen zerbrechen.
Die deutsche Singfassung gibt den Inhalt freier wieder: Almirena beklagt unter Tränen ihr hartes Los, Ketten tragen zu müssen. Erbarmen und Ruhe erwartet sie darin erst im Tod.
Bekannte Bearbeitungen
Die Arie wurde zahllos bearbeitet und adaptiert. Zu den bekanntesten Fassungen gehören die Verwendung im Film „Farinelli“ und eine Bearbeitung von Barbra Streisand.