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Sarabande

Sarabande (französisch und spanisch zarabanda, italienisch sarabanda, englisch saraband) ist der Name einer beliebten Tanzform des Barock.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernbedeutung
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Musikalische Formen und Merkmale
  4. 4. Tanz und choreografische Überlieferung
  5. 5. Neuzeitliche Verwendung

Kernbedeutung

Die Sarabande ist eine Tanzform des Barock und zugleich eine daraus entwickelte Form der Instrumentalmusik. Sie entstand im 16. Jahrhundert in Lateinamerika zunächst als gesungener Tanz und gelangte früh nach Spanien. Im 17. Jahrhundert entwickelten sich vor allem in Italien und Frankreich unterschiedliche musikalische Formen. Während frühe Sarabanden auf bestimmten Harmonieschemata beruhten, wurde die Form später vor allem durch charakteristische Rhythmen und Unterschiede im Tempo bestimmt.

In Italien, Spanien und England waren eher schnelle Varianten verbreitet, in Frankreich und Deutschland dagegen deutlich langsamere. Die später typische französische Sarabande ist getragen und würdevoll und steht im Dreier-Takt, also in einem Metrum mit drei Zählzeiten pro Takt. Zusammen mit Allemande, Courante und Gigue gehört die Sarabande zu den wichtigsten Tanzsätzen der barocken Instrumentalsuite. Im späten 18. Jahrhundert kam sie außer Gebrauch, wurde aber im 19. und 20. Jahrhundert von einzelnen Komponisten wieder aufgegriffen.

Geschichtliche Entwicklung

Die Herkunft des Tanzes und die Etymologie seines Namens sind umstritten. Die frühesten schriftlichen Belege stammen aus Panama: Ein Gedicht von Fernando Guzmán Mexía erwähnt 1539 einen Tanz namens Zarabanda. Von 1562 stammt der Text einer „çaravanda a lo divino“ des Spaniers Pedro de Trejo. Dieses Werk wurde bereits 1556 bei Fronleichnamsfeiern im mexikanischen Pátzcuaro getanzt und gesungen.

Während manche Autoren den Ursprung in Lateinamerika, andere in Spanien vermuteten, deuten aktuelle Forschungen auf Wurzeln in der Musik- und Tanzkultur afrikanischer Sklaven in Lateinamerika hin. Dort soll sich die Zarabanda mit spanischen und indigenen Elementen verbunden haben. Als sie nach Europa gelangte, wurde sie als Singtanz mit Gitarrenbegleitung, Kastagnetten und Trommeln beschrieben; die Texte bestanden aus obszönen Versen.

Philipp II. verbot die Sarabanda 1583 in Spanien wegen ihres wilden und skandalösen Charakters. Trotzdem wurde sie rasch populär und verbreitete sich noch im 16. Jahrhundert über Spanien hinaus. In der Literatur des spanischen „Goldenen Zeitalters“, unter anderem bei Cervantes und Lope de Vega, wird sie in verschiedenen Formen erwähnt. Getanzt wurde sie bei religiösen Prozessionen, auf Stadtplätzen und in Ballsälen sowie als Gruppen-, Paar- oder Solotanz.

Musikalische Formen und Merkmale

Frühe Sammlungen instrumentaler Sarabanden für Laute oder Gitarre finden sich unter anderem in Francesco Palumbis Libro di villanelle spagnuole et italiane (um 1600) und in Girolamo Montesardos Nuova inventione d’intavolatura (1606). Ein typisches frühes Harmonieschema lautet I – IV – I – V. Die römischen Zahlen bezeichnen dabei die aufeinanderfolgenden harmonischen Stufen.

Im frühen 17. Jahrhundert entstanden mehrere Varianten:

  • In Spanien und Italien war die Zarabanda ein lebhafter Singtanz mit ostinatem Bass. Ein ostinater Bass ist eine sich wiederholende Bassfigur.
  • In Italien gab es außerdem eine etwas weniger schnelle Instrumentalform. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde dort der ostinate Bass aufgegeben, während der Rhythmus stärker betont wurde.
  • In Frankreich entstand eine textlose Sarabandenform mit zwei oder mehr wiederholten Teilen unterschiedlicher Länge. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts wurde ihr Tempo deutlich langsamer.

Die getragene und würdevolle Sarabande im Dreier-Takt, die sich von dem verbotenen Tanz des späten 16. Jahrhunderts unterschied, wurde im späten 17. Jahrhundert zu einem festen Bestandteil der barocken Suite. Nach Rainer Gstrein lässt sich ihre musikalische Charakteristik seit der Mitte des 17. Jahrhunderts vor allem über den Rhythmus beschreiben. Französische Quellen überliefern mehrere Grundmuster: Typ I betont durchgehend den ersten Taktteil, Typ II den zweiten Taktteil und Typ III abwechselnd den ersten und zweiten Taktteil. Typ IV besteht aus der Folge Viertel – Achtel – Achtel – Viertel; Typ V steht im style brisé. Im späten 17. Jahrhundert kam in Italien, beispielsweise bei Corelli, ein weiterer Typ hinzu, der meist Läufe im Bass enthält (Typ VI).

Auch Ludovico Roncalli verwendete Sarabanden in seinen Suiten für die fünfchörige Gitarre. Einen Höhepunkt erreichte die Gattung unter Johann Sebastian Bach. Bach komponierte etwa 40 Sarabanden, unter anderem für die Französischen und Englischen Suiten sowie die Partiten für Tasteninstrumente. Außerdem schrieb er Sarabanden für Solo-Violine, etwa in der Partita in h-Moll, BWV 1002, und für Solo-Violoncello in den Suiten für Violoncello solo, BWV 1007–1012. Die Suite in c-Moll, BWV 1011, wurde von Bach auch für Laute verfasst. Silvius Leopold Weiss integrierte Sarabanden in seine Lautensuiten.

Nach dieser Blüte geriet die Sarabande zunächst in Vergessenheit. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde sie zusammen mit anderen barocken Tanzformen wieder populär, unter anderem durch Erik Saties 3 Sarabanden von 1887 sowie durch Sarabanden in Claude Debussys Pour le piano (1901) und Images (1905).

Tanz und choreografische Überlieferung

Bereits 1608 erschien die Sarabande als choreografierter Schautanz im französischen Hofballett Ballet de Dieux Marins. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie häufig zur satirischen Darstellung eines negativen Spanienbildes eingesetzt. Nach Hannelore Unfried spiegelte dies politische Konflikte zwischen den beteiligten Nationen wider.

Um 1670 wurde die Sarabande allgemein aufgewertet. Nun beschrieb man sie als „grave“, „lente“ und „serieuse“, also als ernst, langsam und würdevoll. Eine ausführliche Beschreibung für einen Tänzer findet sich im Dictionnaire Royal Augmenté (1671) des Jesuiten François-Antoine Pomey. Diese Beschreibung beruhte, wie Rose A. Pruiksma nachwies, auf George de Scudérys Roman Almahide, ou l’esclave reine von 1661; dort wird die Sarabande von einer maurischen Frau getanzt.

Erste schemenhafte Anweisungen zur Ausführung enthält ein kurzes Traktat Johann Georg Paschs von 1659 über den damals in Deutschland neu aufgekommenen französischen Tanzstil. Pasch beschreibt darin drei Sarabanden, zwei Couranten und eine Branle in kurzen verbalen Schrittfolgen, die vermutlich den Takten entsprechen. Hubert Hazebroucq sieht Parallelen zu den nach 1700 überlieferten „vielles danses“ („alten Tänzen“), etwa zum Tanz la Duchesse. Dieser findet sich bereits in französischen und englischen Quellen der 1660er Jahre und enthält als Tanzsuite an zweiter Stelle eine Sarabande.

1697 wurde die Sarabande in die Tanzsuite La Bourgogne von Louis-Guillaume Pécour aufgenommen; 1700 veröffentlichte Raoul-Auger Feuillet diese Suite. Hazebroucq sieht darin eine Bezugnahme auf das Vorbild der Duchesse. Sarabanden wurden außerdem häufig in Balletten und Opern verwendet, unter anderem von Lully, Campra, Destouches und Rameau. In der Beauchamp-Feuillet-Notation sind etwa zwei Dutzend Sarabanden-Choreografien für eine Person oder ein Paar erhalten.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geriet die Sarabande als Tanz außer Gebrauch. Gennaro Magri beschrieb 1779 zwar noch einen „Passo in Sarabonda“ als einen Pas de Gaillarde im langsamen Dreiertakt; weitere Sarabanden-Choreografien aus dieser Zeit sind jedoch nicht überliefert.

Neuzeitliche Verwendung

Die Sarabande wird auch in neueren Filmen und anderen Medien verwendet. Ingmar Bergmans letzter Film Saraband von 2003 nutzt eine Sarabande aus Johann Sebastian Bachs fünfter Cello-Suite als Titelmusik. Derselbe Satz war zuvor bereits in Schreie und Flüstern (1972) verwendet worden. Die Titelmusik von Wie in einem Spiegel (1960/61) ist ebenfalls eine Sarabande, dort aus Bachs zweiter Cello-Suite.

1997 benannten der Cellist Yo-Yo Ma und der kanadisch-armenische Regisseur Atom Egoyan einen Fernsehbeitrag zu Bachs vierter Cello-Suite innerhalb der sechsteiligen Reihe Inspired by Bach Sarabande. Die Sarabande aus Georg Friedrich Händels Cembalo-Suite Nr. 4 in d-Moll, HWV 437, von 1733 wurde mehrfach als Filmmusik eingesetzt, unter anderem in Stanley Kubricks Barry Lyndon. Der Musiker Jon Lord veröffentlichte 1975 ein Album mit dem Titel Sarabande.

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