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Landschaftsgeographie
Die Landschaftsgeographie oder Landschaftskunde ist ein Teilgebiet der Geographie, insbesondere der Regionalgeographie. Sie befasst sich mit der Typisierung …
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Gegenstand und Bedeutung
Die Landschaftsgeographie, auch Landschaftskunde, ist ein Teilgebiet der Geographie, besonders der Regionalgeographie. Sie ordnet Landschaften nach Typen, vergleicht sie in verschiedenen Erdregionen und untersucht die geofaktorialen Voraussetzungen ihrer Entwicklung. Geofaktoren sind dabei Lage, Stoff, Form, Struktur und Funktion.
Landschaft wird sowohl als natürliche räumliche Grundlage als auch in ihren Veränderungen durch menschliches Handeln untersucht. Das ist wichtig, um Landnutzung, Umweltfragen und die Entwicklung konkreter Räume zu verstehen.
Landschaft als Raumtyp
Der geographische Landschaftsbegriff ist nicht eindeutig definiert; deshalb wird auch der Begriff Landschaftsgeographie unterschiedlich verwendet. Alexander von Humboldt wird die Bezeichnung „Totalcharakter einer Erdgegend“ zugeschrieben.
Gemeint sind Teile der Erdoberfläche mittleren Maßstabs, die ähnliche Strukturen der geographischen Substanz aufweisen. Dazu gehören physische und anthropogene Geofaktoren, also natürliche Bedingungen und vom Menschen geprägte Bedingungen. Landschaften gelten dabei als Raumtypen, nicht als einzelne Orte. Beispiele für Raumtypen sind Gebirge, Küsten, Regenwälder und Megastädte. Einzelne Orte werden als Raumindividuen verstanden und sind Gegenstand der Länderkunde.
Entwicklung der Fachrichtung
Siegfried Passarge etablierte die Landschaftsgeographie, damals meist Landschaftskunde genannt, als eigenes Teilgebiet und machte Landschaft zu einem zentralen Begriff der Geographie. Josef Schmithüsen entwickelte sie später zu einem gesamtheitlichen, umweltbetonten Ansatz weiter und baute sie zur Humanökologie aus.
Zunächst war das Landschaftskonzept weitgehend essentialistisch: Landschaft wurde als objektiv gegeben angesehen und sollte als Ganzheit erfasst werden. Seit der „Quantitativen Revolution“ ab Ende der 1960er Jahre wurden geographische Räume zunehmend positivistisch verstanden, also empirisch beschrieben und analysiert. Besonders in der damaligen Humangeographie galt Landschaft zeitweise als wissenschaftlich und gesellschaftlich wenig relevantes Konzept.
In den 1980er Jahren analysierten britische Geographen wie Denis Cosgrove und Stephen Daniels künstlich gestaltete Landschaften semiotisch, also als Zeichen, und deuteten ihren Symbolgehalt sozialwissenschaftlich. Dieser konstruktivistische Ansatz wurde ab den 2000er Jahren im deutschsprachigen Raum aufgegriffen. Hinzu kamen system- und diskurstheoretische Zugänge sowie eine stärker materielle Betrachtung der Mensch-Umwelt-Beziehungen, etwa mit der Akteur-Netzwerk-Theorie.
Kulturlandschaft und Nutzungskonflikte
Landschaft wird einerseits unter statischen natürlichen Aspekten betrachtet, etwa Geländeformen, Gewässern und bodenständiger Vegetation. Andererseits ist sie die materielle Grundlage menschlicher Existenz. Landwirtschaft, Siedlungen und Verkehrsinfrastruktur verändern Landschaften; auch Ordnungsvorstellungen beeinflussen sie.
Als Kulturlandschaft wird Landschaft dynamisch betrachtet. Das Fachgebiet untersucht dabei rivalisierende Ansprüche an die Landnutzung, ein zentrales Thema der Raumplanung. Es bestehen enge Verbindungen zu Naturschutz und Landespflege, Landschaftsarchitektur, Ökologie und räumlichen Aspekten der Soziologie. Empirische Untersuchungen zeigen Wechselwirkungen konkurrierender Nutzungen in konkreten Landschaften. Die Entwicklungsgeschichte einer Landschaft kann Zusammenhänge mit menschlichen Gesellschaften sichtbar machen und Rückschlüsse auf Herausforderungen wie Artensterben und Klimawandel ermöglichen.
Daten und interdisziplinäre Forschung
Früher nutzte die Landschaftsgeographie vor allem Katastermappen sowie topografische und thematische Karten. Seit etwa zwei Jahrzehnten überwiegen digitale Methoden. Ab den 1980er-Jahren wurde der EDV-gestützte Kataster mit digitalen Geländemodellen kombiniert, die bald flächendeckend und in verschiedenen Maßstäben vorlagen.
Um 1990 entstanden hybride Landschaftsmodelle und erste Landinformationssysteme (LIS). Daraus entwickelten sich multidisziplinäre Geoinformationssysteme (GIS). GIS können verschiedene Datensätze und teilweise weitere Datenbanken, zum Beispiel Umweltinformationssysteme, miteinander verknüpfen.
Die Forschung findet heute vor allem interdisziplinär statt. Beispiele sind Gebirgsforschung, Küstenforschung und Polarforschung.
Weitere Verwendungen des Landschaftsbegriffs
Im allgemeinen Sprachgebrauch und bei Fotografen bezeichnet Landschaft nach Meyers Lexikon (1908) den Ausschnitt der Erdoberfläche, der von einem Standort aus bis zum Horizont oder Gesichtskreis überblickt werden kann. In der Landschaftsmalerei stehen Schönheit, Eigentümlichkeit und Ganzheit im Vordergrund; dies entspricht begrifflich eher dem englischen Landscape.
Ein weiterer Fachbegriff ist die Landschaftsleistung. Darunter versteht man Eigenschaften von Landschaften, die Einzelpersonen und der Gesellschaft sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen bringen. Der Ansatz soll die Gestaltung von Landschaften in partizipativen Projekten ermöglichen, an denen Öffentlichkeit, Politik und Forschung beteiligt sind. In Raum- und Landschaftsplanung werden damit Potenziale benannt und Qualitäten von Landschaften gezielt gestärkt.