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Kulturtechnik
Schrift-, Bild- und Zahlbeherrschung (Lesen, Schreiben und elementares Rechnen) · (höhere) Mathematik, Buchhaltung, Statistik, Kalender und die Zeitrechnung, …
Inhalt5 Abschnitte
Grundidee und Bedeutung
Kulturtechniken sind kulturelle und technische Konzepte, mit denen Menschen unterschiedliche Lebenssituationen bewältigen. Sie verbinden die Gestaltung von Umständen als kulturelle Leistung, das technische Können bei der Nutzung von Technologie und die Technik als Gegenstand.
Typische Beispiele sind Feuermachen, Landwirtschaft, Kunst, die Nutzung von Kalendern und Landkarten, Wissenschaft sowie kollaboratives Schreiben in sozialen Netzwerken. Voraussetzungen können Lesen, Schreiben und Rechnen, bildliche Darstellung, analytische Fähigkeiten, kulturhistorisches Wissen oder das Verbinden verschiedener Methoden sein. Kulturtechniken sind jedoch keine Einzelleistungen: Sie entstehen in Gruppen und brauchen soziale Interaktion sowie gesellschaftliche Teilhabe.
Kulturtechniken in Kultur- und Medienwissenschaften
In Kultur- und Medienwissenschaften wurde der Begriff über seine ursprüngliche Bedeutung hinaus auf symbolische Tätigkeiten wie Schreiben, Lesen, Rechnen und Komponieren übertragen. Horst Bredekamp und Sybille Krämer beschreiben Kulturtechniken als „operative Verfahren zum Umgang mit Bildern und Dingen“.
Thomas Macho betonte vor dem Hintergrund digitaler Medien, die Schreiben, Sprechen, Malen und Rechnen emulieren und modellieren können: „Kulturtechniken unterscheiden sich von allen anderen Techniken durch ihren potentiellen Selbstbezug.“ Die Neudefinition steht für einen performative turn, also eine stärkere Beschäftigung mit Handlungen und Vollzügen, sowie für eine interdisziplinäre Öffnung der Geisteswissenschaften.
Soziale Entwicklung am Beispiel Schrift
Kulturtechniken werden innerhalb der Gesellschaft verankert und weiterentwickelt. Dabei wirken meist selbstorganisierte gruppendynamische Prozesse. Entscheidend ist, dass eine oder mehrere gesellschaftliche Gruppen ein starkes Interesse an einer Leistung haben.
Schrift ist aus semiotischer Sicht ein Symbolsystem: Gesprochene oder gedachte Worte werden auf ein anderes Medium übertragen. Je mehr Menschen die Symbole beherrschen, desto stärker können sie sich verbreiten. Dafür benötigt eine Gesellschaft dauerhaft freie Ressourcen, etwa Arbeitszeit und Lehrkräfte. Ohne kontinuierliche Weitergabe geht das Wissen verloren.
Zur Schriftbeherrschung gehören Buchstaben, technische Mittel wie Stifte und Papier sowie gesellschaftliche Teilhabe, beispielsweise durch Schulpflicht. Auf dieser Grundlage entwickelten sich Buchdruck und Massenmedien. Sie entstanden nicht nach einem „großen Plan“, sondern durch längere gesellschaftliche Prozesse; durchsetzen konnten sich die gesellschaftlich am stärksten akzeptierten Ansätze. Beim Buchdruck in Europa spielte die Verbreitung der Bibel eine Rolle, bei Massenmedien das Interesse an politischen und gesellschaftlichen Informationen.
Kulturtechniken als Problemlösungen
Der entsprechende Abschnitt ist laut Artikel nicht hinreichend belegt. Er beschreibt Kulturtechniken als komplexe Lösungskonzepte für Probleme, die durch die Interaktion einer Gesellschaft mit ihrer Umwelt entstehen. Aus menschlichen Bedürfnissen, etwa solchen der Maslowschen Bedürfnishierarchie, können neue und komplexere Probleme entstehen.
Zum Feuermachen zählen das Bedürfnis nach Wärme, Licht und Schutz, Kenntnisse über Brennstoffe und physikalische Voraussetzungen, der Schutz des Feuers sowie die Weitergabe des Wissens einschließlich möglicher Folgen eines Feuerverlusts.
Auch Feiern wird als Kulturtechnik genannt. Dazu gehören das Bedürfnis nach angenehmen Sozialkontakten und deren Pflege, Kenntnisse über Rituale, Dresscodes, Symbole und Finanzen sowie das Wissen über Folgen des Feierns, etwa Kontrollverlust durch Rauschmittel.
Bereiche und schulische Bedeutung
Kulturtechniken lassen sich klassisch oder modern, eng oder weit sowie als elementare oder abstrakte Lösungskonzepte ordnen. Die Einteilung im Artikel ist thematisch.
Zu Nahrung und Schutz gehören Feuermachen, Jagd, Sammeln, Verteidigung und Kriegskunst, Nahrungsmittelbeschaffung, Zubereitung, Konservierung, Kochkunst und Wohnen. Den menschlichen Körper betreffen unter anderem Hygiene, Krankenpflege, Medizin, Fürsorge, Vorbeugung, Bestattung, Bekleidung, Mode und Körperpflege.
Landschaftsgestaltung und Agrikultur umfassen Forstkultur, Melioration zur Wertsteigerung des Bodens einschließlich Bewässerungskultur, Aquakultur, Siedlungskultur, Agrikultur und Agrarwissenschaft. Zu Wissen und Kommunikation zählen Schrift-, Bild- und Zahlbeherrschung, Mathematik, Buchhaltung, Statistik, Kalender, Sprache, Buchdruck, Bibliotheken, Archive, Museen, Natur- und Ingenieurwissenschaften, Medien, EDV, IT sowie Diagramme, Raster, Kataloge und Karten. Soziale Kulturtechniken sind etwa Kunst, Musik, Theater, Tanz, Maske, Feiern und Tischsitten.
Durch technische Entwicklung kommen ständig neue Kulturtechniken hinzu. Ihr Beherrschen gilt als wichtiger Teil schulischer Bildung. Die Bildungskommission NRW erklärte in „Zukunft der Bildung – Schule der Zukunft“, moderne Informations- und Kommunikationstechnologien würden zu einer basalen Kulturtechnik werden, deren Stellenwert dem Lesen und Schreiben gleichkomme.