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Kraftwerk (Band)

Kraftwerk ist eine deutsche Band aus Düsseldorf, die 1970 von Ralf Hütter und Florian Schneider gegründet wurde. Das Ensemble gilt als wesentlicher …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung von der Frühzeit zum Elektropop
  3. 3. Wichtige Stationen seit 1981
  4. 4. 3-D-Konzept und spätere Aktivitäten
  5. 5. Image, Diskografie und weitere Hinweise

Kern und Bedeutung

Kraftwerk ist eine deutsche Band aus Düsseldorf, die 1970 von Ralf Hütter und Florian Schneider gegründet wurde. Sie gilt als wesentlicher Mitbegründer der sogenannten Düsseldorfer Schule der elektronischen Musik und wird auch als Multimedia-Projekt bezeichnet. Bis 1973 wurde ihre Musik teilweise dem Krautrock zugeordnet; ab 1973 entwickelte sie sich zum Elektropop.

Kraftwerks Bedeutung beruht vor allem auf der Pionierarbeit mit elektronischen Klangerzeugern, Synthesizern, Sequenzern, Vocodern und elektronischer Rhythmik. Die Band beeinflusste unter anderem Synthiepop, Electro, Detroit Techno, House, Disco und die Anfänge des Hip-Hop. Die New York Times bezeichnete Kraftwerk 1997 als die „Beatles der elektronischen Tanzmusik“. 2021 wurde die Band in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Außerdem erhielt sie mehrfach Ehrungen der Recording Academy, darunter den Grammy Lifetime Achievement Award, die Aufnahme des Albums Autobahn in die Grammy Hall of Fame und 2018 einen Grammy für „3-D Der Katalog“.

Der typische Kraftwerk-Sound verbindet reduzierte Melodiefragmente mit Abschnitten aus Soundeffekten und tanzbaren, gleichmäßigen Beats. Die gesungenen Melodien werden häufig in einer emotionsarmen, „kalten“ Sprechweise vorgetragen. Inhaltlich beschäftigt sich die Band besonders mit moderner Technik und ihrer Beziehung zum Menschen.

Entwicklung von der Frühzeit zum Elektropop

Der unmittelbare Vorläufer von Kraftwerk war die 1968 von Hütter und Schneider gegründete Gruppe Organisation. Sie veröffentlichte nur das Album Tone Float. Anfang 1970 richteten Hütter und Schneider ihr Kling-Klang-Studio ein und starteten das Musikprojekt Kraftwerk. Das erste Album Kraftwerk wurde im Juli und August 1970 mit den Studioschlagzeugern Klaus Dinger und Andreas Hohmann aufgenommen und erreichte Platz 30 der deutschen LP-Charts. Der Titel Ruckzuck wurde als Titelmusik der Sendung Kennzeichen D verwendet.

Es folgten die Alben Kraftwerk 2 im Januar 1972 und Ralf und Florian im Oktober 1973. In dieser frühen Phase wechselte die Besetzung mehrfach; beteiligt waren unter anderem Michael Rother, Klaus Dinger, Emil Schult und Wolfgang Flür. 1973 entschied sich Kraftwerk, den Sound ausschließlich elektronisch zu gestalten und melodische Pop-Elemente einzubauen. Das daraus entstandene Album Autobahn gilt nach Meinung vieler Experten als Wendepunkt und als erstes Album des Elektropop. Es war das letzte Kraftwerk-Album bei Philips. Die Titelaufnahme erreichte die Billboard-Charts in den USA, und Kraftwerk erhielt erstmals weltweit Goldene Schallplatten. 1974 gründete die Band mit Unterstützung von EMI ihr eigenes Kling-Klang-Label.

Nach dem Wechsel von Klaus Röder zu Karl Bartos erschien 1975 Radio-Aktivität. Der Titelsong stand im Frühsommer 1976 wochenlang auf Platz 1 der französischen Charts. Ende 1976 nahm die Band Trans Europa Express auf, das im ersten Quartal 1977 erschien und früh auf Hip-Hop-DJs, besonders auf Afrika Bambaataa, wirkte. 1978 folgten Die Mensch-Maschine und der Hit Das Model. Bei einem Fernsehauftritt präsentierte sich die Band als „lebende Roboter“ mit grauen Hosen, roten Hemden und schwarzen Krawatten mit sequenzierenden roten LEDs.

Wichtige Stationen seit 1981

Computerwelt erschien 1981 und gilt als wichtiger Vorläufer von Electro und Techno. Auf einer großen Welttournee feierte Kraftwerk besonders in Japan Erfolge. Für Promotion-Auftritte wurden vier den Musikern identisch nachgebildete Roboter eingesetzt.

Die 1983 veröffentlichte Single Tour de France gehörte zu einer geplanten Produktion namens Techno Pop. Das nahezu fertig produzierte Album wurde verworfen; stark veränderte und erstmals mit digitaler Produktionstechnik hergestellte Titel erschienen im November 1986 unter dem Namen Electric Café. 2009 wurde der Titel wie ursprünglich geplant in Techno Pop geändert. Nach Electric Café verließ Wolfgang Flür die Band; 1987 wurde er durch Fritz Hilpert ersetzt.

In den 1990er-Jahren wurde das Klangmaterial des Kling-Klang-Studios vollständig auf digitale Technik umgestellt. Der Remix von Die Roboter erreichte 1991 die Top 10 der Charts in Deutschland, Frankreich, den USA und Japan. Nach dem Austritt Karl Bartos’ erschien The Mix mit neu digital produzierten und gemischten Klassikern. Kraftwerk setzte seine Konzerttätigkeit mit beweglichen Robotern, internationalen Tourneen und Auftritten bei Veranstaltungen wie Greenpeace-Aktionen, Ars Electronica, KlangArt, Tribal Gathering und dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie fort.

Ab 2002 wurde die umfangreiche Bühnen-Hardware auf vier Laptops und einige MIDI-Controller reduziert. Die Band spielte nun mit Software-Synthesizern und -Sequenzern. Das 2003 veröffentlichte Konzeptalbum Tour de France Soundtracks knüpfte thematisch an die Single Tour de France von 1983 an und erreichte als erstes Kraftwerk-Album sofort Platz 1 der deutschen Albumcharts. Die Welttournee von 2004 bis Mitte 2005 umfasste 105 Konzerte. Daraus entstanden Minimum-Maximum als Doppel-Live-CD und 4-fach-Vinyl-Box sowie weitere Ausgaben.

Florian Schneider trat nach der Tour 2008 aus der Band aus; dies wurde 2009 offiziell bestätigt. Ralf Hütter, Henning Schmitz und Fritz Hilpert beziehungsweise später weitere Audio- und Video-Operatoren führten das Projekt fort. Schneider starb 2020. Seit 2012 gehört Falk Grieffenhagen zur Bühnenbesetzung; seit 2023 ist Georg Bongartz als Video Operator aufgeführt.

3-D-Konzept und spätere Aktivitäten

Von 15. Oktober bis 13. November 2011 zeigte das Lenbachhaus in München die mehrkanalige 3D-Videoinstallation Kraftwerk 3-D. Zur Eröffnung spielte die Band drei ausverkaufte Konzerte erstmals vollständig vor einer 3D-Videoprojektion. Dieses 3D-Konzept wurde anschließend zum zentralen Bestandteil ihrer Tourneen.

2012 spielte Kraftwerk im Museum of Modern Art in New York acht Konzerte, je eines zu jedem ihrer Alben; sie waren binnen kurzer Zeit ausverkauft. 2013 wurde das Konzept an weiteren Orten gezeigt, unter anderem im Umfeld von Düsseldorf zusammen mit einem wissenschaftlichen Kongress und einer Fotoausstellung. 2014 folgten acht ausverkaufte Katalog-Konzerte im Wiener Burgtheater, 2015 eine Aufführung der Reihe in der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

Am 26. Mai 2017 erschien 3-D Der Katalog. Die neuen Aufnahmen der acht offiziellen Alben entstanden zwischen 2012 und 2016 bei Konzerten in 13 Städten. Die Veröffentlichung erschien als Langspielplatte, CD-Box, Blu-ray 3D und DVD. Am 28. Januar 2018 erhielt Kraftwerk dafür den Grammy in der Sparte „Bestes Dance-/Electronic-Album“. 2018 spielte die Band in Stuttgart Spacelab mit dem zugeschalteten deutschen Astronauten Alexander Gerst als Duett. Dabei verwendete Gerst ein Tablet.

Vom 27. Mai bis 10. Juli 2022 absolvierte Kraftwerk eine Nordamerika-Tour durch 24 Städte. Seit 2023 visualisiert die Formation ihre Musik auf besondere Weise an Fassaden von Schlössern und anderen historischen Gebäuden. Am 27. Juli 2024 spielte Kraftwerk beim Fuji Rock Festival zu Ehren des 2023 verstorbenen Musikers Ryūichi Sakamoto erstmals live eine Coverversion: Merry Christmas, Mr. Lawrence. Daran schloss die Band Radioactivity an; Sakamoto hatte 2012 den japanischen Songtext dazu geschrieben.

Image, Diskografie und weitere Hinweise

Kraftwerk entwickelte ein Image der Entpersonalisierung. Die einzelnen Mitglieder treten hinter dem Bild der Gruppe als System oder Maschine zurück. Puppen und Roboter, die die Musiker darstellen, wurden seit der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre bei Presseauftritten teilweise anstelle der echten Bandmitglieder fotografiert; auch live können Roboter die Musiker ersetzen. Das Konzept wird zugleich humorvoll eingesetzt. Die deutsche kulturelle Identität zeigt sich zunächst in deutschen Songtiteln. Später veröffentlichte Kraftwerk die meisten Alben auch in englischen Versionen und sang bei Auslandsauftritten gelegentlich in der Sprache des jeweiligen Gastlandes.

Die wichtigsten Studioalben sind: Kraftwerk (1970), Kraftwerk 2 (1972), Ralf und Florian (1973), Autobahn (1974), Radio-Aktivität beziehungsweise Radio-Activity (1975), Trans Europa Express beziehungsweise Trans-Europe Express (1977), Die Mensch-Maschine beziehungsweise The Man-Machine (1978), Computerwelt beziehungsweise Computer World (1981), Electric Café beziehungsweise Techno Pop (1986) und Tour de France Soundtracks (2003). Autobahn erreichte Platz 7 in Deutschland, Platz 4 im Vereinigten Königreich und Platz 5 in den USA. Die Mensch-Maschine erreichte Platz 12 in Deutschland, Platz 9 im Vereinigten Königreich und erhielt dort Gold. Computerwelt erreichte Platz 7 in Deutschland und Platz 15 im Vereinigten Königreich. Tour de France Soundtracks erreichte Platz 1 in Deutschland.

Seit 1999 besteht ein Rechtsstreit mit Moses Pelham wegen eines nicht genehmigten 2-Sekunden-Samples aus Metall auf Metall, das als Loop für Nur mir von Sabrina Setlur verwendet wurde. Seit März 2015 klagt Kraftwerk außerdem gegen das Unternehmen Ezelleron wegen der Bezeichnung „Kraftwerk“ für eine Minibrennstoffzelle; die einstweilige Verfügung in Deutschland scheiterte, während das Verfahren in den USA laut Artikel noch offen war.

Der Artikel nennt zwei Dokumentationen: Kraftwerk – Pop Art von Hannes Rossacher und Simon Witter, 57 Minuten, ausgestrahlt auf arte am 14. September 2013, sowie Kraftwerk and the Electronic Revolution, eine US-amerikanische, 2008 veröffentlichte dreistündige Dokumentation. Letztere behandelt zunächst die westdeutsche Krautrockszene, danach die drei frühen Kraftwerk-Alben und anschließend die Alben ab Autobahn. Der Abschnitt zur Bedeutung weist darauf hin, dass mehrere Angaben nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet sind.

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