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Conny Plank

Konrad „Conny“ Plank (* 3. Mai 1940 in Hütschenhausen; † 5. Dezember 1987 in Köln) war ein deutscher Musikproduzent und Toningenieur.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Profil und beruflicher Weg
  2. 2. Aufnahmen und Klanggestaltung
  3. 3. Connys Studio in Wolperath
  4. 4. Eigene Musik, letzte Jahre und Bedeutung

Profil und beruflicher Weg

Konrad „Conny“ Plank (* 3. Mai 1940 in Hütschenhausen; † 5. Dezember 1987 in Köln) war ein deutscher Musikproduzent und Toningenieur. Als Produzent plante und betreute er Aufnahmen, während er als Toningenieur die technische Gestaltung und den Klang einer Produktion prägte. Bekannt wurde er besonders durch eigenständige, innovative Sounds in Krautrock, Electronic Rock, Progressive Rock, psychedelischem Rock, Folk, Elektronik und Avantgarde.

Plank begann als Starkstrom-Ingenieur und arbeitete ab Anfang 1964 als Sendertechniker bei der Europawelle Saar. Im Dezember 1966 schied er dort aus, weil er nach eigener Einschätzung zu wenig Raum für Kreativität sah. Danach arbeitete er als freier Mitarbeiter im Rhenus-Tonstudio in einer ausgedienten Raffinerie in Köln-Godorf. Dort war er zunächst Praktikant von Electrola-Musikregisseur Wolfgang Hirschmann. 1969 arbeitete er unter anderem als Toningenieur-Assistent bei Konzerten von Marlene Dietrich; am 27. April 1970 war er bei einer Duke-Ellington-Session erstmals als verantwortlicher Toningenieur tätig.

Die freiberufliche Arbeit ermöglichte Plank Produktionen in verschiedenen Studios, unter anderem in Hamburger Star Studios und den Dumont Time Windrose Studios. In der Hamburger Wohngemeinschaft Villa Kunterbunt lebte er zeitweise mit Udo Lindenberg und Otto Waalkes. Gemeinsam mit Wilken F. Müller gründete er später das kurzlebige Label aamok, das von 1972 bis 1974 Promotion-Platten herstellte. 1973 erschien dort die experimentelle Single Deutsches Weihnachts-Potpourri / Silence in the Night.

Aufnahmen und Klanggestaltung

Plank arbeitete früh mit experimentellen und später international erfolgreichen Gruppen. Als Tonmeister wirkte er an Klusters Debütalbum Klopfzeichen mit, das am 21. Dezember 1969 aufgenommen und in einer Auflage von nur 300 Exemplaren veröffentlicht wurde. Die Alben Cluster I (Januar 1971) und Cluster II (Januar 1972) produzierte er im Star Musik-Studio; bei Cluster I wurde er wegen seiner entscheidenden elektronischen Aufnahmeleistung als Mitautor genannt.

Zu seinen wichtigen frühen Produktionen gehören außerdem Ash Ra Tempel (März 1971), das Debütalbum Lonesome Crow der Scorpions (im Oktober 1971 produziert, im Februar 1972 veröffentlicht), Neu! (Dezember 1971) und Guru Gurus Känguru (28. Februar bis 6. März 1972). Bei Neu! setzte er auf aufwändige Mehrspuraufnahmen und Sound-Innovationen. Auf Os Mundis LP 43 Minuten (Januar 1972) spielte er Gitarre; die Neu!-LP Neu! 2 entstand im Januar 1973, die Kollektiv-LP Kollektiv im März 1973.

Seine Arbeit umfasste auch Jazz und Free Jazz. Alexander von Schlippenbachs LP The Living Music wurde am 24. April 1969 bei Rhenus von Plank als Tonmeister eingepegelt. Die internationale siebenköpfige Free-Jazz-Band spielte an einem Tag Material für zwei LPs ein; The Living Music war 1969 zunächst unter dem Titel Quasar erschienen. Später schnitt Plank am 19. und 20. Oktober 1974 die Doppel-LP Live der Jazzrock-Gruppe Kraan im Berliner Quartier Latin mit.

Die Auswahl seiner Aufnahmen reicht von Folk und Rock bis zu elektronischer und experimenteller Popmusik. Dazu zählen unter anderem Brian Enos Before and after Science und Music for Airports, DeVos Q: Are We Not Men? A: We Are Devo., Ultravox’ Systems of Romance, Vien­na und Rage in Eden, DAFs Alles ist gut, Eurythmics’ In the Garden und Revenge, Ideals Der Ernst des Lebens sowie Heinz-Rudolf Kunzes Dein ist mein ganzes Herz. Ideals Album wurde zusammen mit Plank im Februar 1982 produziert und mehr als 300.000 Mal verkauft; die Single Eiszeit war darauf enthalten. Kunzes Album entstand im Oktober 1985 und brachte ihm den Durchbruch. Die gleichnamige Single erreichte den ersten Platz der deutschen Airplay-Hitparade.

Connys Studio in Wolperath

Anfang 1974 errichtete Plank sein eigenes Tonstudio Connys Studio in Wolperath, einem Ortsteil von Neunkirchen-Seelscheid etwa 35 km südöstlich von Köln. Es lag in einem ehemaligen Schweinestall auf einem Bauernhof im Fachwerkhausstil. Plank suchte bewusst eine entspannte Arbeitsatmosphäre außerhalb der Großstadt. Dort sollte eine „angst- und vorbehaltfreie Atmosphäre“ entstehen, in der mit unkonventionellen, zugleich bodenständigen Mitteln am Klang gearbeitet werden konnte. Sein Markenzeichen war ein moderner Maschinensound.

Die erste Produktion war am 17. und 18. Mai 1974 das Album Transitory der Jazzrock-Formation Pork Pie; es wurde am 13. und 14. Juni 1974 abgemischt. Im Studio entstanden oder wurden betreut unter anderem Kraans Andy Nogger, Floh de Colognes Mumien und TILT, Neu! ’75, Harmonia Deluxe, La Düsseldorfs La Düsseldorf, Guru Gurus Tango Fango, Grobschnitts Rockpommel’s Land und Michael Rothers Flammende Herzen. Auch Liveaufnahmen wurden dort oder mit Planks Beteiligung hergestellt, etwa die LP Prima Freiheit von Floh de Cologne 1978 und die 1979 veröffentlichte Live-LP De Plaat im Roxy & Bunker der Zeltinger Band.

Eine zentrale Partnerschaft bestand mit Kraftwerk. Plank produzierte im Dezember 1969 die einzige LP der Vorgängerband Organisation, Tone Float, die zunächst als Demoaufnahme für Plattenlabels gedacht war. Er half der Gruppe, experimentelle Soundcollagen kompositorisch und instrumentell umzusetzen. Kraftwerk 2 wurde zwischen dem 20. September und 1. Oktober 1971 im Star Studio aufgenommen und von Plank überwacht. Für Kraftwerks Autobahn arbeitete er im November 1974 im Wolperather Studio unter anderem den Klang der vorbeiziehenden Autos aus. Diese LP war seine letzte Kraftwerk-Produktion, weil er die Entwicklung zur Designer-Band nicht mitvollziehen wollte.

Ab 1978 nutzten auch internationale New-Wave- und Synth-Pop-Gruppen das abgelegene Studio. Ultravox nahm dort Systems of Romance im Mai 1978 und Rage in Eden im September 1981 auf; Vienna wurde von Plank koproduziert. DAF nahm zwischen Januar 1981 und Dezember 1982 Alles ist gut auf. Weitere Produktionen waren unter anderem Killing Jokes Revelations (1981/82), Les Rita Mitsoukos Debütalbum (Anfang 1984), Gianna Nanninis Latin Lover (1982) und Profumo sowie Werke von Brian Eno, Devo, Ideal und Eurythmics.

Eigene Musik, letzte Jahre und Bedeutung

Neben der Studioarbeit trat Plank gelegentlich selbst als Musiker auf. Mit Dieter Moebius nahm er vier Alben auf; bei Ludwig’s Law setzte er 1983 erstmals weltweit ein Emulator-Sampling-Keyboard ein. Mit Eberhard Kranemann arbeitete er als Musiker, Texter, Komponist und Koproduzent. Gemeinsam produzierten sie Fritz Müller Rock, eine satirische Auseinandersetzung mit der damaligen Praxis der Musikproduktion. Im Auftrag des Goethe-Instituts reiste Plank von September bis Oktober 1986 durch alle hispanoamerikanischen Staaten. Auf einer sechswöchigen Südamerika-Tour mit Moebius / Plank / Steffen spielte er DX7 und Trompete, bediente ein Mischpult und nutzte eine 8-Spur-Tonbandmaschine mit vorproduzierter Hintergrundmusik. Dies waren seine einzigen Bühnenauftritte als Musiker.

Im Oktober 1987 arbeitete Heiner Pudelko mit seiner ehemaligen Band Interzone und Annette Humpe in Wolperath an seinem ersten Soloalbum Mein Schatz. Während dieser Aufnahmen starb Plank an Krebs. Seine Lebensgefährtin Christa Fast führte das Studio mit dem gemeinsamen Sohn Stephan weiter. Anfang 2006 musste sie es krankheitsbedingt aufgeben; im Mai 2006 wurde es verkauft. Renovierungsversuche ab Herbst 2008 blieben ohne dauerhaften Erfolg, da der gesamte Bauernhof 2009 zum Abriss freigegeben wurde.

Plank gilt als Pionier des deutschen Krautrock und Electronic Rock und als einer der wichtigsten Produzenten der 1970er Jahre. Er verstand sich als „Medium, das zwischen den Musikern, den Klängen und dem Tonband vermittelt“. Seine Offenheit und Neugier ermöglichten „weitflächig atmende Sounds“ und ungewöhnliche Klangkombinationen. Wenn ihm eine Band gefiel, produzierte er sie teilweise auf eigene Kosten und übernahm damit unternehmerisches Risiko. Dadurch konnten auch unbekannte Gruppen Bandübernahmeverträge abschließen und leichter mit Plattenfirmen verhandeln. Plank stärkte so häufig die künstlerische Freiheit der Musiker und hielt den Einfluss der Plattenfirmen auf künstlerische und produktionstechnische Entscheidungen gering. Trotz seiner Mitwirkung beschränkte er sich meist auf maßvolle Beteiligungen an Verkaufserfolgen.

Seine Bedeutung wurde unter anderem durch die 4-CD-Box Who’s That Man / A Tribute To Conny Plank (Februar 2013), den Dokumentarfilm Conny Plank – The Potential of Noise von Reto Caduff und Stephan Plank, der 2017 erstmals öffentlich gezeigt und 2018 mit dem Musikpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises ausgezeichnet wurde, sowie die ARTE-Ausstrahlung Conny Plank – Mein Vater der Klangvisionär am 3. Mai 2019 gewürdigt. 2025 widmete der WDR seinem Leben eine Folge von Zeitzeichen.

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