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Konverb

gérondif (für das Französische), conjunctive/absolutive participle (für südasiatische Sprachen) und деепричастие/deepričastie

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff
  2. 2. Syntax und typische Funktionen
  3. 3. Sprachliche Verbreitung
  4. 4. Türkische Verbaladverbien
  5. 5. Konverben im Chalcha-Mongolischen

Grundbegriff

Ein Konverb ist eine spezialisierte adverbiale Verbform. Adverbial bedeutet, dass die Form die Umstände einer Handlung oder das Verhältnis zwischen Handlungen ausdrückt, etwa Zeit, Bedingung, Grund, Art und Weise oder Zweck. Konverben sind nicht finit, das heißt, sie tragen nicht selbst die vollständigen Merkmale eines finiten Hauptverbs. Sie sind außerdem weder Ergänzungen des finiten Hauptverbs und damit keine Verbalnomen noch nähere Bestimmungen eines Nomens und damit keine Attribute.

Im Unterschied zu indogermanischen Gerundien und Adverbialpartizipien werden Konverben nicht aus Partizipien abgeleitet. Sie bilden vielmehr ein eigenes morphologisches System. Ihr Funktionsinventar ist außerdem nicht auf temporale Nebensätze beschränkt, sondern umfasst verschiedene adverbiale Hypotaxen, also untergeordnete Satzverhältnisse.

In deutschen Übersetzungen werden Konverben häufig durch freie Partizipien wiedergegeben, zum Beispiel „lachend“. Grammatisch bleiben sie in der Ausgangssprache jedoch ausschließlich adverbiale Verbformen und können nicht attributiv gebraucht werden. Im Türkischen bedeutet gülerek gitti „Lachend(erweise) ging er/sie“; gülerek ist ein imperfektives Konverb zu gülmek „lachen“. Gülüp gitti bedeutet „Er/sie lachte und ging“, wörtlich etwa „Gelachthabend(erweise) ging er/sie“; gülüp ist hier das perfektive Konverb.

Syntax und typische Funktionen

Konverben sind in der Regel einem Hauptverb untergeordnet und ähneln damit Nebensätzen. Typischerweise werden sie durch Suffixe, also angehängte Nachsilben, gekennzeichnet; im türkischen Beispiel ist -erek ein solches Suffix.

Konverben können verschiedene Beziehungen zwischen Handlungen ausdrücken. Dazu gehören unter anderem Gleichzeitigkeit, Abfolge, Bedingung, Einräumung, Zeitpunkt, Dauer, Zweck und das Ausbleiben einer Handlung. In manchen Sprachen können sie weder beigeordnet noch untergeordnet sein; dieses Verhältnis wird als Kosubordination bezeichnet.

Eine wichtige Verwendung ist die Satzverknüpfung, englisch clause chaining oder clause linking. Dabei können mehrere Konverben hintereinander auftreten. Ein finites Hauptverb schließt die Kette ab.

Konverben gehen außerdem häufig mit dem Hauptverb eine feste Verbindung ein. Solche Hilfsverbverbindungen können regelmäßig grammatikalisierte semantische Ableitungen bilden, zum Beispiel Aktionsarten. Eine Aktionsart beschreibt dabei die Art und den Verlauf einer Handlung. Im Türkischen bildet die Verbindung -ip dur- eine durative Bedeutung, also eine andauernde Handlung: Dün hep çalışıp durdum bedeutet „Gestern habe ich die ganze Zeit gearbeitet“; wörtlich lautet die Verbindung ungefähr „x-getan habenderweise stehen“.

Sprachliche Verbreitung

Konverben kommen besonders häufig in Sprachen mit der Grundwortstellung Subjekt-Objekt-Verb (SOV) vor. Neben dem Türkeitürkischen finden sie sich in allen übrigen Turksprachen, in den mongolischen und tungusischen Sprachen sowie im Nivchischen.

Weitere Beispiele gibt es im Japanischen, unter anderem mit der Te-Form und -nagara, im Koreanischen, in einigen uralischen Sprachen wie Ungarisch, Marisch, Udmurtisch, Kamassisch und Matorisch, im Jukagirischen, im Tschuktscho-Kamtschadalischen und in den Eskimosprachen.

In gewisser Weise finden sich Konverben oder periphrastische Strukturen dieser Art auch in romanischen Sprachen, dort etwa als Gerundien, in indoiranischen Sprachen wie Sanskrit und Hindi sowie in slawischen Sprachen mit Adverbialpartizipien. Weitere Vorkommen gibt es in den Dravida-Sprachen, den äthiosemitischen, omotischen und kuschitischen Sprachen.

Türkische Verbaladverbien

Im Türkeitürkischen werden Verbaladverbien, türkisch ulaç, auch als Gerundien bezeichnet. Ihre Endungen und typische Bedeutungen sind:

  • -(y)arak, -(y)erek: bağırarak, „schreiend“.
  • -(y)a, -(y)e: diye, „sagenderweise“.
  • -(y)a ... -(y)a, -(y)e ... -(y)e: ağlaya ağlaya oder diye diye, „ständig weinend“ beziehungsweise „sagend“.
  • -alı, -eli: geleli, „seit gekommen ist“.
  • -ince: bitince, „sobald beendet ist“.
  • -ip, -ıp, -up, -üp: gidip, „gegangen sein und …“.
  • iken: yemekte iken, auch yemekteyken, „beim Essen“.
  • -madan, -meden: yemeden, „ohne zu essen“.

Die Verwendungsweisen zeigen die Bandbreite der Formen: Çocuk bağırarak geldi bedeutet „Das Kind ist schreiend gekommen“. In „Neredesin?“ diye bağırdı wird diye als „sagenderweise“ verwendet: „Er/Sie/Es schrie: ‚Wo bist du?‘“ Die Wiederholungsform in Çocuk ağlaya ağlaya eve geldi bedeutet „Das Kind ist ständig weinend nach Hause gekommen“.

Zeitliche Verhältnisse drücken unter anderem Ülkü geleli bir saat oldu, „Es ist eine Stunde her, seitdem Ülkü gekommen ist“, und Ders bitince kahve içeceğim, „Wenn der Unterricht zu Ende ist, werde ich Kaffee trinken“, aus. Die Form -ip kann eine Handlungsfolge verbinden: Eve gidip duş yapacağım bedeutet „Ich werde nach Hause gehen und duschen“. Mit iken steht die Gleichzeitigkeit im Vordergrund: Yemekteyken konuşma bedeutet „Sprich nicht, während du isst“. Die Endung -meden bezeichnet das Ausbleiben einer vorherigen Handlung: Dün akşam bir şey yemeden yattım heißt „Gestern Abend habe ich mich hingelegt, ohne etwas gegessen zu haben“.

Konverben im Chalcha-Mongolischen

Das Chalcha-Mongolische verfügt über zahlreiche Konverbformen mit unterschiedlichen Bedeutungen:

  • -ж/-ч: хийж, „und“ bei simultaner Handlung.
  • -н: нээн, „gleich darauf“.
  • -аад, -ээд, -оод, -өөд, -иад, -гаад: босоод, „und dann“.
  • -вал, -вэл, -вол, -вөл, -бал, -бэл, -бол, -бөл: тасарвал, „wenn“.
  • -ваас, -баас: „wenn“ in altertümlicher Form.
  • -вч: явавч, „obwohl“.
  • -магц, -мэгц, -могц, -мөгц: хашгирмагц, „sobald“.
  • -х(л)аар, -х(л)ээр, -х(л)оор, -х(л)өөр: гарахлаар, „genau dann, wenn“.
  • -хаар, -хээр, -хоор, -хөөр: авахаар, „um zu“.
  • -тал, -тэл, -тол, -төл: дуустал, „bis“.
  • -саар, -сээр, -соор, -сөөр: явсаар, „-erweise“.
  • -(нг)уут, -(нг)үүт: хаангуут, „sobald“.
  • -нгаа, -нгээ, -нгоо, -нгөө: явангаа, „bei der Gelegenheit“.
  • -маажин, -мээжин, -моожин, -мөөжин: сурмаажин, „nur wenn“.

Die Beispiele verdeutlichen die syntaktischen Beziehungen. Ээж хоол хийж, аав цай ууж байна bedeutet „Mutter kocht und Vater trinkt Tee“ und verbindet simultane Handlungen. Өвгөн үүдээ нээн оров heißt „Der alte Mann öffnete die Tür und trat ein“; босоод in Ээж босоод галын өрөөнд оров bezeichnet eine anschließende Handlung: „Mutter stand auf und lief in die Küche“.

Bedingung und Einräumung erscheinen in Тог тасарвал лаа ацаадаг, „Wenn der Strom gekappt ist, wird eine Kerze angezündet“, und Дорж одоо явавч өнөөдөр гэртээ хүрэхгүй, „Obwohl Dorj jetzt losgeht, wird er heute nicht mehr zu Hause ankommen“. Weitere Formen drücken genaue Zeitbeziehungen oder den Zweck aus: Номын сан хаангуут явна шүү! bedeutet „Sobald die Bibliothek schließt, werden wir bestimmt gehen!“, und Би ногоо авахаар дэлгүүр явсан heißt „Ich ging in den Laden, um Gemüse zu kaufen“. Auch Dauer und Gelegenheit sind möglich: Чамайг хоолоо хийж дуустал би ном уншина bedeutet „Bis du zu Ende gekocht hast, lese ich ein Buch“, während Би номын сан руу явангаа танайд очмоор байна ausdrückt: „Da ich sowieso zur Bibliothek gehe, schaue ich kurz bei dir zu Hause vorbei.“

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