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Evolutionstheorie

Charles Darwin und Alfred Russel Wallace entwickelten unabhängig voneinander Ideen zur Evolution, die auf Variation und natürlicher Selektion beruhten.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Evolutionstheorie
  2. 2. Frühe Vorstellungen und Artenwandel
  3. 3. Darwin, Wallace und natürliche Selektion
  4. 4. Synthetische Evolutionstheorie und moderne Biologie
  5. 5. Ablehnende Haltungen

Grundidee der Evolutionstheorie

Evolutionstheorie bezeichnet die wissenschaftliche, in sich stimmige Beschreibung, wie biologische Einheiten – besonders Arten – entstehen und sich verändern. Diese Veränderungen sind Ergebnis der organismischen Evolution: eines Entwicklungsprozesses, der mit der Entstehung des Lebens begann und bis heute andauert. Die heutige Evolutionsbiologie verbindet Erkenntnisse vieler Fachgebiete, von der Paläontologie bis zur Molekularbiologie, zu einer Gesamtsicht.

Von der biologischen Evolution zu unterscheiden sind Hypothesen zur Entstehung des Lebens selbst. Sie erklären, wie Leben aus anorganischen und organischen Stoffen hervorgegangen sein könnte, etwa im Rahmen der chemischen Evolution.

Frühe Vorstellungen und Artenwandel

Schon im antiken Griechenland gab es Vorstellungen über den Ursprung des Lebens: Thales von Milet vermutete ihn im Wasser, Anaximander eine Urzeugung in feuchter Umgebung und Aristoteles eine Urzeugung in Schlamm und Schmutz. Judentum, Christentum und Islam gingen dagegen von einem göttlichen Schöpfungsakt aus. Damit verbunden war die Artkonstanz, also die Annahme, dass Arten unveränderlich sind. Umfassende wissenschaftliche Theorien entstanden erst später auf Grundlage empirischer Befunde.

Jean-Baptiste de Lamarck schlug 1809 in der Philosophie zoologique einen Artenwandel vor. Er nahm an, erworbene Merkmale würden vererbt. Außerdem ging er von einer weiterhin stattfindenden Urzeugung von Kleinlebewesen aus und davon, dass jede heutige Art eine eigene Evolutionslinie aus getrennten Urzeugungen habe. Dieses Theoriengebäude heißt Lamarckismus; der Begriff wird häufig auf die Vererbung erworbener Eigenschaften verkürzt.

Lamarcks Vorstellung entsprach teilweise der damaligen Bedeutung von Evolution als vorherbestimmter „Höherentwicklung“ auf einer Stufenleiter der Natur bis zum Menschen als „Krone der Schöpfung“. Eine gemeinsame Abstammung aller Arten gehörte nicht dazu. Charles Darwin sprach zunächst von einer Deszendenztheorie, also einer Abstammungslehre, und verwendete später unter dem Einfluss Herbert Spencers Evolution und Deszendenz synonym.

Georges Cuvier erkannte durch Fossilienuntersuchungen, dass Baupläne von Lebewesen verwandt sind und Arten aussterben können. Er betonte wiederkehrende Massenaussterben und wurde zum Hauptvertreter des Katastrophismus. Étienne Geoffroy Saint-Hilaire vertrat dagegen eine Kontinuität zwischen fossilen und heute lebenden Organismen. Er nahm einen gemeinsamen Grundplan aller Tiere an; Cuvier unterschied vier Hauptbauplantypen: Wirbeltiere, Weichtiere, Strahlentiere und Gliedertiere.

Darwin, Wallace und natürliche Selektion

Charles Darwin und Alfred Russel Wallace entwickelten unabhängig voneinander Evolutionserklärungen, die auf Variation und natürlicher Selektion beruhen. Variation bedeutet Unterschiede zwischen Individuen; natürliche Selektion beschreibt, dass bestimmte Merkmale im Zusammenhang mit den Lebensbedingungen unterschiedlich erfolgreich weitergegeben werden.

Nachdem Wallace Darwin 1858 seine Überlegungen im Ternate-Manuskript geschickt hatte, wurden auf Anregung von Charles Lyell und Joseph Hooker am 1. Juli 1858 Auszüge aus Arbeiten beider Forscher vor der Linnean Society of London vorgetragen. Der Vortrag fand zunächst wenig Beachtung. Darwins 1859 veröffentlichtes Buch The Origin of Species erläuterte das Theoriensystem ausführlich und löste gesellschaftliche sowie kirchliche Auseinandersetzungen aus.

Widerstand richtete sich unter anderem gegen Darwins Gradualismus, also die Annahme schrittweiser Veränderungen, und gegen die natürliche Selektion. Lamarckisten erklärten Merkmale weiterhin durch Training und Vererbung erworbener Eigenschaften. Da Experimente zum Nachweis des Lamarckismus scheiterten, wurde diese Theorie zugunsten des Darwinismus fallengelassen; die Akzeptanz der Darwin’schen Evolutionstheorie nahm danach zu.

Synthetische Evolutionstheorie und moderne Biologie

Darwin konnte noch nicht erklären, wie Merkmale vererbt werden und weshalb Variationen sich nicht einfach vermischen. Gregor Mendel zeigte 1865, gedruckt 1866, dass Merkmale häufig nach genau definierten und vorhersagbaren Regeln vererbt werden. Seine Arbeiten blieben jedoch bis etwa 1900 unbeachtet. Die danach entdeckten genetischen Befunde schienen zunächst eine Konstanz von Merkmalen nahezulegen und standen damit im Widerspruch zu Darwins Vorstellung veränderlicher Arten.

Ab 1930 wurde dieser Widerspruch unter anderem durch Ronald Fisher aufgelöst. Daraus entstand die Synthetische Theorie der Evolution: die Verbindung der Darwin-Wallace’schen natürlichen Selektion mit den mendelschen Vererbungsregeln. Ernst Mayr und andere erweiterten sie besonders durch Erkenntnisse der Populationsbiologie.

Weitere Grundlagen kamen hinzu: Oswald Avery bestimmte 1944 DNA als Trägermolekül des Erbgutes. James Watson und Francis Crick erklärten 1953 mit der Entschlüsselung der molekularen DNA-Struktur die physische Basis der Vererbung. Dadurch wurde auch Mutation verständlicher, ein für Evolution wesentlicher Vorgang. Genetik und Molekularbiologie sind deshalb zentrale Grundlagenwissenschaften der modernen Evolutionsbiologie.

Ablehnende Haltungen

Trotz des wissenschaftlich gestützten Theoriengebäudes bezweifeln Teile der Bevölkerung die Realität biologischer Evolution und die Evolutionstheorie. Kreationistische Argumentationen stammen meist von religiös inspirierten, besonders fundamentalistischen Gruppen aus Judentum, Christentum und Islam, die religiöse Schriften über Erde und Lebewesen wörtlich auslegen.

Als einflussreicher Ausgangspunkt neuerer Skepsis im 20. und 21. Jahrhundert gilt christlicher Fundamentalismus in Teilen der USA, der sich in andere Regionen ausbreitete. Große christliche Kirchen in Europa suchen eher Vereinbarkeiten zwischen Evolutionstheorie und Glauben, etwa durch theistische Evolution. Papst Johannes Paul II. erklärte am 22. Oktober 1996 die Evolutionstheorie mit dem christlichen Glauben vereinbar. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland distanziert sich vom Kreationismus.

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