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Kloster Grüssau

Geschichte des Klosters · Gründung als Benediktinerpropstei 1242 · Zisterzienserkloster 1292–1810 · Neubesiedlung durch deutsche Benediktiner aus dem Prager …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Überblick
  2. 2. Von der Gründung bis zur Säkularisation
  3. 3. Benediktiner im 20. Jahrhundert
  4. 4. Kirchen, Kapellen und Klosteranlage
  5. 5. Orgeln und Glocken

Bedeutung und Überblick

Das Kloster Grüssau, polnisch Opactwo Cysterskie w Krzeszowie, ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in Krzeszów in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Die Anlage liegt im Bistum Legnica und ist der heiligen Maria geweiht. Sie gilt als eine der bedeutendsten Barockanlagen Europas, wurde 2004 zum polnischen Historischen Denkmal erklärt und ist für das UNESCO-Welterbe nominiert.

Gegründet wurde das Kloster 1242 als Benediktinerpropstei. Von 1292 bis zur Aufhebung 1810 gehörte es dem Zisterzienserorden an. Deutsche Benediktiner besiedelten es von 1919 bis 1940 beziehungsweise 1946 erneut; anschließend übernahmen polnische Benediktinerinnen die Anlage. Zu den wichtigsten Teilen des Komplexes gehören die Klosterkirche Mariä Himmelfahrt, die St.-Josephs-Kirche, mehrere Kapellen, die Klostergebäude, ein Kalvarienberg und die zwei Kilometer westlich gelegene Anlage Bethlehem.

Von der Gründung bis zur Säkularisation

Herzogin Anna von Böhmen, die Witwe Heinrichs II. des Frommen, stiftete am 8. Mai 1242 eine Benediktinerpropstei. Mönche aus dem böhmischen Kloster Opatovice sollten das Tal des Zieder urbar machen. Heinrich II. hatte dies vor seinem Tod in der Schlacht von Liegnitz am 9. April 1241 geplant. Warum sich die Propstei nicht dauerhaft entwickelte und 1289 aufgegeben wurde, ist unbekannt. Herzog Bolko I. erwarb daraufhin das Gebiet, das damit vom böhmischen Herrschaftsbereich an das Herzogtum Schweidnitz-Jauer gelangte.

1292 gründeten Bolko I., sein Bruder Heinrich V. und der Breslauer Bischof Johann III. Romka die Zisterzienserabtei. Abt Friedrich von Heinrichau entsandte zwölf Mönche und den Gründungsabt Theoderich. Zur Ausstattung gehörten zunächst 14 Dörfer und die Stadt Liebau mit Abgaben, Rechten und Gerichtsbarkeit. Im 14. Jahrhundert umfasste das Stiftsland fast 40 Dörfer sowie Liebau und Schömberg. Die Mönche sollten das Land weiter besiedeln, betreuten zwölf Stiftspfarreien und kümmerten sich um Wallfahrer zum Gnadenbild Unserer Lieben Frau.

In den Hussitenkriegen wurden Kloster und Stiftsland 1426–1427 schwer verwüstet; 70 Geistliche kamen ums Leben. Der Wiederaufbau war 1454 abgeschlossen. Reformation und Dreißigjähriger Krieg schwächten das Kloster erneut. Danach wurde Grüssau zu einem Zentrum der Gegenreformation in Schlesien und zu einem kulturellen Mittelpunkt des Riesengebirges und seiner böhmischen Nachbargebiete.

Unter Abt Bernhard Rosa entstanden zahlreiche Bauten und Kunstwerke. Das 1669 eingerichtete Stiftsgymnasium vergab Freiplätze an begabte Schüler. Das Kloster unterstützte außerdem den Arzt und Mystiker Angelus Silesius beim Druck seiner Werke. Nach weiteren Erwerbungen erreichte das Stiftsland 297 Quadratkilometer. Unter Abt Innozenz Fritsch bestand es aus 42 Dörfern und den Städten Schömberg und Liebau; dort lebten etwa 30.000 Menschen.

1742 fiel Grüssau nach dem Ersten Schlesischen Krieg mit fast ganz Schlesien an Preußen. Kriegslasten verzögerten den geplanten Klosterneubau. 1810 löste der preußische Staat die Abtei im Zuge der Säkularisation, also der Überführung kirchlichen Besitzes in weltliche Hand, auf. Teile der Bibliothek und der Kunstausstattung kamen nach Breslau, die Klosterkirche wurde Pfarrkirche. Letzter Zisterzienserabt war Ildephons Reuschel, der bis zu seinem Tod 1823 im Kloster lebte. Die Professbücher verzeichnen aus fünf Jahrhunderten rund 50 Äbte und 400 Mönche.

Benediktiner im 20. Jahrhundert

Im November 1919 bezogen deutsche Beuroner Benediktiner aus dem Prager Emmauskloster die Anlage. Sie waren nach dem Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Gründung der Tschechoslowakei aus Prag ausgewiesen worden. Papst Pius XI. erhob den Konvent 1924 zur Abtei. Unter Abt Albert Schmitt wurde Grüssau wieder ein liturgischer und kultureller Mittelpunkt. Pater Nikolaus von Lutterotti erforschte als Archivar und Bibliothekar die Geschichte der Abtei und ihres Stiftslandes.

Von 1930 bis 1933 wurden der abgebrannte Nordturm und weitere Gebäude erneuert. 1934 entstanden eine katholische Schule und neue Glocken. Nach der Renovierung des Gnadenbildes 1937 lebte die Wallfahrt wieder auf. Ab 1938 wurden die Fassaden der Klosterkirche und der St.-Josephs-Kirche restauriert und dort fast 50 Fresken freigelegt; die Arbeiten endeten erst 1944.

Am 3. September 1940 beschlagnahmte das NS-Regime die Klostergebäude. Das „Lager Grüssau“ diente zunächst als Durchgangslager für Volksdeutsche aus der Bukowina; im Oktober 1940 wurden dort 800 bis 900 Karpatendeutsche untergebracht. Ab dem 5. Oktober 1941 internierte man schlesische Juden, die von Ende 1942 bis zum 6. Februar 1943 meist in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurden. Später waren dort Verschleppte aus Lothringen und dem Elsass sowie im Winter 1944/45 Ungarndeutsche untergebracht. Am 7. Mai 1945 wurden alle Insassen zur Flucht ins Sudetenland gezwungen; noch am selben Tag hob der Landeshuter Landrat Otto Fiebrantz die Beschlagnahme auf. Während des Krieges lagerten außerdem Kulturgüter der Preußischen Staatsbibliothek in Grüssau. Sie befinden sich seit 1945 in der polnischen Sammlung Berlinka.

Vierzehn Mönche starben als Kriegsteilnehmer, etwa ein Viertel der Gemeinschaft. Die zurückgekehrten deutschen Mönche wurden am 12. Mai 1946 zusammen mit den deutschen Einwohnern vertrieben. Albert Schmitt gründete 1947 für den Konvent die Abtei Grüssau in Bad Wimpfen.

Die Überschrift des Artikels datiert die Neubesiedlung durch polnische Benediktinerinnen auf 1947, der Text nennt dagegen den 12. Mai 1946. Die Nonnen waren aus der Allerheiligenabtei in Lemberg vertrieben worden. Nikolaus von Lutterotti und vier weitere nichtdeutsche Mönche durften bleiben; die Benediktiner von Tyniec übernahmen die Rechtsnachfolge. Ab 1951 kam es unter dem kommunistischen Regime zu Verfolgungen, Durchsuchungen und Beschlagnahmungen. 1953 wurden unter anderem wertvolle Barockparamente, liturgische Geräte, die Bibliothek, das Archiv sowie kunst- und kulturhistorische Gegenstände nach Breslau gebracht. Nach dem politischen Umbruch von 1989 gewann Grüssau als Wallfahrtsort wieder an Bedeutung. Papst Johannes Paul II. krönte das Gnadenbild am 2. Juni 1997; am 11. August 1997 wurde es erneut inthronisiert.

Kirchen, Kapellen und Klosteranlage

Die mittelalterliche Klosterkirche war 1292 geweiht worden. An ihrer Stelle entstand unter Abt Innozenz Fritsch von 1728 bis 1735 die heutige Barockkirche Mariä Himmelfahrt. Ihr Entwurf wurde vom Umkreis Kilian Ignaz Dientzenhofers beeinflusst; Joseph Anton Jentsch leitete den Bau. Ferdinand Maximilian Brokoff entwarf die stark vertikal betonte, zugleich in drei Geschosse gegliederte Fassade. Nach seinem Tod führten Anton Dorazil und später Joseph Anton Lachel die bildhauerischen Arbeiten weiter. Papst Johannes Paul II. verlieh der Kirche 1998 den Titel Basilica minor.

Im Inneren malte Georg Wilhelm Neunhertz unter anderem den Guten Hirten, die Bergpredigt und das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. Der von Brokoff entworfene und von Dorazil ausgeführte Hauptaltar zeigt die Anbetung des Kreuzes durch Engelschöre; das Gemälde Mariä Himmelfahrt stammt von Peter Johann Brandl. Anton Stenzel fertigte 1736 die Kanzel, die Lachel 1761 mit Figuren und Reliefs ergänzte. Das reich verzierte Chorgestühl entstand 1730–1735. Zahlreiche Seitenaltäre und Kapellen sind unter anderem Christus, dem Heiligen Kreuz, den Vierzehn Nothelfern, Joseph, Anna, Benedikt, Bernhard von Clairvaux sowie verschiedenen Aposteln und Heiligen gewidmet.

Die Fürstenkapelle wurde 1735–1747 errichtet und besitzt eine Kuppel von 9,4 Metern Durchmesser. Sie gilt als eines der schönsten Barockmausoleen. An ihrer Westwand stehen die gotischen Sarkophage der Herzöge Bolko I. († 1301) und Bolko II. († 1368). Hinzu kommen die Loretokapelle von 1728 und die 1738 errichtete Maria-Magdalena-Kapelle.

Die St.-Josephs-Kirche entstand 1692–1695 für die 1669 gegründete Bruderschaft St. Joseph. Besonders wichtig sind ihre Wandmalereien: In den Seitenkapellen stellte Michael Willmann die Sieben Schmerzen und die Sieben Freuden des heiligen Joseph dar. In der Szene der Herbergssuche in Bethlehem fügte er ein Selbstporträt ein.

Das südlich an die Klosterkirche anschließende Kloster wurde 1662 umgebaut und aufgestockt. Ein Neubau nach Plänen Johann Gottlieb Fellers wurde 1774–1782 nur teilweise verwirklicht. Erhalten sind ein gotischer Kapitelsaal aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und eine zweigeschossige Bibliothek mit klassizistischer Ausstattung. Zur Gesamtanlage gehören außerdem Friedhof, Gästehaus, ehemalige Kanzlei, Brauerei, Apotheke und die Ruine der St.-Anna-Kapelle. Der Kalvarienberg umfasst 32 Stationen: I–XVI zeigen die Gefangennahme Jesu, XVII–XXXII den Kreuzweg. Die zunächst hölzernen Kapellen entstanden 1675–1678 und wurden 1703 in Stein erneuert.

Orgeln und Glocken

Die große Orgel der Abteikirche baute Michael Engler der Jüngere von 1732 bis 1737. Anton Dorazil schmückte ihren Prospekt nach einem Entwurf Brokoffs mit Figuren. Nach Veränderungen durch Schlag & Söhne 1873–1874 stellte Orgelbau Jehmlich aus Dresden das Instrument 2008 weitgehend in seinem ursprünglichen Zustand wieder her. Die Engler-Orgel gilt als beste Orgel Schlesiens. Sie besitzt Rückpositiv, Hauptwerk, Brustwerk und Pedal; ihr Stimmton liegt bei Chorton a¹ = etwa 448 Hz bei 15 °C. Ihre Temperatur bildet einen Übergang zwischen mitteltönig-modifizierter und wohltemperierter Stimmung und ermöglicht die Ganzton-Transposition zwischen Kammer- und Chorton.

Die Orgel der St.-Josephs-Kirche entstand Ende des 17. Jahrhunderts; ihr Erbauer ist unbekannt. Sie besitzt ein Manual mit acht Registern und ein selbstständiges Pedal mit zwei Registern. Restauriert wurde sie 1993–1995.

1935 erhielt die Abteikirche sieben Glocken der Firma Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie zum Einschmelzen abgenommen. Die drei größten Glocken – Emmanuel mit 5.400 Kilogramm, Benediktus mit 3.050 Kilogramm und Johann Baptist mit 2.050 Kilogramm – konnten Anfang der 1950er Jahre aus einem Lager im Hamburger Hafen zurückgewonnen werden. Da sie für die Türme der Abtei in Bad Wimpfen zu groß waren, wurden sie 1952 an die katholische Pfarrkirche St. Cäcilia in Mosbach verkauft. Das Geläutemotiv wird als Parsifal beziehungsweise Dresdner Amen bezeichnet.

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