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Kloster Benediktbeuern
Das Kloster Benediktbeuern ist eine ehemalige Abtei der Benediktiner und heute eine Niederlassung der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern in Bayern in …
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Überblick und Anlage
Das Kloster Benediktbeuern ist eine ehemalige Benediktinerabtei in Benediktbeuern in Bayern, nahe dem Kochelsee und in der Diözese Augsburg. Seit 1930 dient es den Salesianern Don Boscos als Ordensniederlassung. Seine Bedeutung beruht auf seiner langen religiösen und wissenschaftlichen Geschichte, der barocken Klosteranlage, bedeutenden Handschriftenfunden sowie seinen heutigen Bildungs-, Jugend- und Kultureinrichtungen.
Die Anlage besteht aus zwei großen, baulich getrennten Gebäudekomplexen mit insgesamt drei Vierecken und mehreren freistehenden Gebäuden. Im Osten liegt der etwa 113 × 86 m große Maierhof, der früher die Wirtschaftsgebäude enthielt. Heute befinden sich dort unter anderem das Klosterbräustüberl, das Zentrum für Trachtengewand des Bezirks Oberbayern und das Zentrum für Umwelt und Kultur. Südlich davon stehen die historische Fraunhofer-Glashütte und das Fraunhofer-Museum.
Das eigentliche Kloster gliedert sich in zwei weitere Vierecke. Das innere umschließt den historischen Kreuzgang und wird von der Klosterkirche St. Benedikt, der Anastasiakapelle und dem Konventbau gebildet. Die frühbarocke Klosterkirche trägt seit 1972 den Rang einer päpstlichen Basilika. Um den ungefähr 106 × 75 m großen äußeren Innenhof liegt der Arkadentrakt. Dessen Räume werden teilweise von der Katholischen Stiftungshochschule München genutzt. Die frühere Klosterbrauerei dient heute als Jugendherberge, die ehemalige Klostermühle als Aktionszentrum der Salesianer.
Architektur und Innenräume
Vom gotischen Kreuzgang sind drei Seiten erhalten. Nach dem Großbrand von 1490 wurde er von 1490 bis 1493 neu angelegt; sein Renaissancestuck entstand 1669–1679. An der Südostecke liegt das frühere Refektorium, also der Speisesaal der Mönche. Seine flache Holzdecke besitzt spätgotisches Schnitzwerk, dessen zerstörte Teile 1976/77 originalgetreu ergänzt wurden. Der fast quadratische Kapitelsaal am Ostarm des Kreuzgangs ist mit hochbarockem Stuck zu den vier Kardinaltugenden ausgestattet. Zwei Andreas Wolff zugeschriebene Deckengemälde zeigen den heiligen Benedikt von Nursia als Ordensgründer mit dem Regelbuch und als Lehrer der Völker.
Im Konventbau verlaufen die Gänge des ersten und zweiten Obergeschosses genau über dem Kreuzgang. Ein Freskenzyklus von Hans Georg Asam aus den Jahren 1682–1684 schildert die Geschichte Benediktbeuerns. Der Alte Festsaal wurde 1672–1675 von Caspar Feichtmayr im Übergang von Renaissance zu Frühbarock gestaltet. Seine 29 Ölbilder behandeln die vier Elemente, die zwölf Monate, die Schöpfung sowie den Kampf zwischen Lastern und Tugenden. Sie werden der Werkstatt Stephan Kesslers und seines Sohns Michael Kessler zugeschrieben.
Der Südflügel des 1728–1732 vollendeten Arkadentrakts enthält die Fürstenzimmer für hochrangige Gäste. Die Fürstentreppe besitzt ein Deckengemälde von Johann Baptist Zimmermann: Es zeigt, wie der heilige Benedikt die Adeligen Placidus und Maurus als Klosterschüler aufnimmt. Zimmermann gestaltete auch den Neuen Festsaal oder Kurfürstensaal mit Szenen aus der überlieferten frühen Klostergeschichte. Bänder-, Ranken- und Gitterwerk kennzeichnen hier das beginnende Rokoko.
Der freistehende Bibliotheksbau wurde 1722–1725 zum Schutz der Bücher errichtet und wird heute als Speisesaal genutzt. Zimmermanns Stuckreliefs stellen die Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Klugheit, Mäßigung und Mut dar. Die Fresken feiern Benedikt als Kulturbringer des Abendlands sowie Philosophie und Theologie.
Von der Gründung bis zur Säkularisation
Das Kloster Buron, später Benediktbeuern, entstand im 8. Jahrhundert. Da eine Gründungsurkunde fehlt und zeitgenössische Quellen selten sind, bleiben Einzelheiten unsicher. Der Amtsbeginn des ersten Abtes Lantfrid wird heute in die Mitte der 660er-Jahre eingeordnet. Ausgrabungen von 1988 legten ein Tuffplattengrab aus dem 8. Jahrhundert neben den Fundamenten der ersten, Jakobus dem Älteren geweihten Kirche frei.
Handschriften aus dem späten 8. und frühen 9. Jahrhundert zeigen, dass die Mönche früh eines der wichtigsten Skriptorien, also Schreibstätten für Bücher, im südlichen Bayern betrieben. Nach der Zerstörung durch die Ungarn im Jahr 955 wurde das Kloster 1031 von Tegernseer Benediktinern wiederbelebt. Eine von Karl dem Großen geschenkte Unterarmreliquie des heiligen Benedikt führte dazu, dass Benedikt neuer Kirchenpatron wurde. Das Reliquiar trägt ein Bleisiegel Papst Hadrians I. und belegt die Bindung an Rom. Um 1200 sind Heilkräutergärten nachgewiesen; um 1250 umfasste die Bibliothek etwa 250 Handschriften und deckte das damalige höhere Bildungswesen ab.
Ein Großbrand zerstörte 1490 die zentralen Gebäude, die bis 1493 wiederaufgebaut wurden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann eine neue kulturelle Blüte: Das Gymnasium mit musischem, mathematischem und botanischem Schwerpunkt öffnete wieder, außerdem entstand eine Theologische Hochschule der Bayerischen Benediktinerkongregation. Von 1669 bis 1679 erhielt die Anlage ihre heutige barocke Form; ab 1672 wurde die Kirche St. Benedikt neu gebaut. 1698 nahm das commune studium, eine gemeinsame Hochschule, den Betrieb auf. P. Karl Meichelbeck OSB wandte 1700 in Süddeutschland beispielhaft die quellenkritische Geschichtsschreibung an. Die Anastasiakapelle wurde 1751–1753 angebaut.
1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation, also der Überführung kirchlichen Besitzes in weltliche Hand, aufgehoben. In seiner Bibliothek fand man die Carmina Burana, eine Sammlung von Vagantenliedern aus dem 13. Jahrhundert. Die auch Codex Buranus genannte Handschrift liegt heute in der Bayerischen Staatsbibliothek. Weitere Handschriften und gedruckte Bücher kamen nach München. Die Klosterkirche wurde Pfarrkirche, das Klostergericht aufgehoben und sein Gebiet auf die Landgerichte Tölz und Weilheim verteilt. Etwa 700 Hektar Landwirtschaftsfläche gingen an mehr als 150 Käufer, überwiegend Bauern aus der Umgebung.
Wissenschaft, Salesianer und Bildung
1805 kaufte der Hofrat Josef von Utzschneider die Kloster- und Wirtschaftsgebäude und richtete Glashütten für Gebrauchs- und hochwertiges optisches Glas ein. Joseph Fraunhofer arbeitete dort von 1808 bis 1819. Er entwickelte unter anderem schlierenfreies beziehungsweise wellenfreies Flintglas und entdeckte die Fraunhoferschen Linien, die für die Spektralanalyse wichtig wurden. 1818 übernahm der bayerische Staat den größten Teil des Klosters. Bis 1921 diente es als militärischer Fohlenhof, daneben zeitweise als Kaserne, Invalidenheim, Genesungskrankenheim und Gefängnis; ab 1921 war es ein landwirtschaftlicher Reichsbetrieb.
Seit 1930 nutzen die Salesianer Don Boscos die Anlage als Ordensniederlassung. 2022 gehörten ihr rund 35 Salesianer an. Die Gemeinschaft wird von einem Direktor statt von einem Abt geleitet. 1931 gründete der Orden eine Theologische Studienanstalt, aus der die Philosophisch-Theologische Hochschule Benediktbeuern hervorging. Sie wurde 1981 staatlich als nichtstaatliche wissenschaftliche Hochschule anerkannt, erhielt 1990 das staatliche Promotionsrecht in Katholischer Theologie, 1992 als Theologische Fakultät auch das kirchliche Promotionsrecht und 2000 das Habilitationsrecht. Zum Wintersemester 2013/14 wurde sie geschlossen. Seit dem Wintersemester 2014/15 wird in ihren früheren Räumen der Studiengang Religionspädagogik der Katholischen Stiftungsfachhochschule München angeboten.
Aus einem 1967 eröffneten Jugendleiterseminar entstand 1968 eine Höhere Fachschule für Sozialpädagogik. Sie wurde 1971 als Abteilung Benediktbeuern in die spätere Katholische Stiftungsfachhochschule München eingegliedert, die seit 2017 Katholische Stiftungshochschule München heißt. 1978 entstand das Jugendpastoralinstitut Don Bosco Benediktbeuern zur Fort- und Weiterbildung von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe.
Die Jugendherberge ist besonders auf Klassenfahrten, Jugendfreizeiten, Expeditionen, Exkursionen und Hüttentouren ausgerichtet. Das Mitte der 1970er-Jahre eröffnete Aktionszentrum bietet vor allem Orientierungstage für Schulklassen und offene Jugendveranstaltungen; jährlich nehmen daran etwa 14.000 Jugendliche teil. Das 1988 gegründete Zentrum für Umwelt und Kultur verbindet Jugend- und Erwachsenenbildung mit Museum, Ausstellungen, Konzerten, Landschaftspflege, Biotopen und Lehrpfaden und erreicht rund 90.000 Besucher pro Jahr. Seit 2001 unterstützen zwei Don-Bosco-Stiftungen diese Arbeit finanziell.
Museen, Forschung und Schäden
Die historische Glashütte ist heute ein Museum. Zu sehen sind Fraunhofers Schmelzöfen sowie optische und andere Geräte; außerdem wird die damalige Technik der Glasherstellung erklärt. Im Westflügel des Maierhofs befindet sich seit 2004 das Heimatpflege-Informationszentrum des Bezirks Oberbayern mit dem Zentrum für Trachtengewand, das historische Bekleidung sammelt und dazu Fachwissen aufbaut. Die Fraunhofer-Gesellschaft unterhält außerdem ein Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege. Es erforscht die Verbindung von Denkmalschutz, Sanierung und moderner Wärmedämmung und berät Bauherren, Handwerker und Denkmalpfleger. Ein seit 2013 geplantes Konferenzzentrum mit dem Namen Netzwertzentrum wurde nach Widerstand einer Bürgerinitiative nicht verwirklicht; 2018 gab die Fraunhofer-Gesellschaft das Vorhaben aus rechtlichen Gründen auf.
Die Anlage wurde mehrfach schwer beschädigt. Neben der Zerstörung beim Ungarnsturm erlitt die Kirche 1248 einen Brand und stürzte 1288 ein. Nach dem Großbrand von 1490 folgte ein spätgotischer Neubau. 1979 brannte unter anderem die Hälfte des Nordtrakts mit dem Fachhochschulgebäude.
Am 26. August 2023 beschädigte ein Unwetter mit Hagel und Starkregen sämtliche Gebäude einschließlich der Basilika und der Anastasiakapelle. Fast alle Dächer wurden zerstört, zahlreiche Fenster zertrümmert und Fassaden beschädigt. Eindringendes Wasser gefährdete die historische Holzkonstruktion; in einigen Bereichen bestand Einsturzgefahr. Das Kloster schätzte den Gesamtschaden zunächst auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag, und die Anlage wurde evakuiert. Seit Oktober 2025 ist sie wieder zugänglich; die Basilika befindet sich jedoch weiterhin in Sanierung.