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Klingonische Sprache

Klingonisch (Eigenbezeichnung: tlhIngan Hol [ˈt͡ɬɪŋɑn xol]) ist eine konstruierte Sprache, die 1984 von Marc Okrand im Auftrag der Filmgesellschaft …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Entstehung
  2. 2. Aufbau der Sprache
  3. 3. Schrift, Dialekte und Anerkennung
  4. 4. Sprecher und Verwendung
  5. 5. Medien, Übersetzungen und Projekte

Grundidee und Entstehung

Klingonisch, mit Eigenbezeichnung tlhIngan Hol [ˈt͡ɬɪŋɑn xol], ist eine konstruierte und fiktionale Sprache. Sie wurde 1984 von dem Linguisten Marc Okrand im Auftrag von Paramount für die Klingonen geschaffen, eine außerirdische Spezies im Star-Trek-Universum. Anders als bloßes Kauderwelsch sollte Klingonisch einen realistischen sprachlichen Hintergrund haben, damit die Sprache in den Filmen stimmig verwendet werden konnte. Als wichtiges Standardwerk gilt Okrands The Klingon Dictionary.

Die ersten klingonischen Begriffe stammen aus dem Jahr 1979 und wurden für den ersten Star-Trek-Film von James Doohan vorgeschlagen. Für Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock arbeitete Okrand daraus eine vollständiger angelegte Sprache aus. Er wählte absichtlich grammatische Eigenschaften, die in irdischen Sprachen selten sind, damit Klingonisch fremd klingt. Zur kriegerischen Darstellung der Klingonen passt auch ein schroffer Sprachgebrauch: nuqneH bedeutet wörtlich „Was willst du?“ und dient als Begrüßung; Qapla’ bedeutet „Erfolg“ und ist der einzig bekannte Ausdruck zum Abschied.

In der fiktionalen Erklärung entstand tlhIngan Hol auf dem Heimatplaneten Qo’noS nach der Einigung verschiedener Gruppen durch den mythischen Gründer Kahless. Ältere Formen heißen no' Hol, also „Sprache der Vorfahren“, und kommen etwa in zeremonieller Sprache, Liedern, klassischen Geschichten und Opern vor.

Aufbau der Sprache

Klingonisch hat einen Wortschatz von derzeit über 5000 einzelnen Wörtern. Seit dem ersten Wörterbuch hat er sich mehr als verdoppelt. Anfangs gab es viele Wörter für typische Star-Trek-Themen wie Phaser, Raumschiff oder Planet, aber lange wenige alltägliche Begriffe. Insgesamt werden 90 Vor- und Nachsilben sowie etwa 3000 Wortstämme genannt. Daraus können durch Zusammensetzung und Nachsilben weit über 10000 mögliche Begriffe entstehen.

Die Grammatik ist stark wie ein Baukastensystem aufgebaut: Wörter und Satzteile werden in einer meist festen Reihenfolge zusammengesetzt. Klingonisch kennt weder Konjugation noch Deklination, also keine Veränderung von Verben oder Substantiven nach Person, Fall oder ähnlichen Kategorien. Es gibt auch keine Zeitformen und keine Artikel. Besonders auffällig ist die seltene Satzstellung Objekt – Prädikat – Subjekt. Es gibt nur drei Wortarten: Verb, Substantiv und eine Gruppe für alles andere. Adjektive zählen zu den Verben und bedeuten dann „… sein“, zum Beispiel tIn für „groß sein“.

Die Wörter beruhen nicht auf einer irdischen Sprache. Okrand nutzte jedoch manchmal Wortspiele: jIl bedeutet „Nachbar“ und verweist auf seine Nachbarin Jill; ghotI’ für „Fisch“ spielt auf das englische Wortspiel „Ghoti“ an; DaS bedeutet „Stiefel“ und erinnert an den Filmtitel Das Boot.

Schrift, Dialekte und Anerkennung

Klingonisch wird meist mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Diese Buchstaben bilden eine eigene Lautschrift für Klingonisch. Deshalb stehen manche Großbuchstaben mitten im Wort. Eine offizielle klingonische Schrift gab es bis 2017 nicht. In The Klingon Dictionary heißt es nur, dass die klingonische Schrift pIqaD genannt wird und wenig über sie bekannt sei.

Bekannt wurde unter anderem die Mandel-Schrift aus The U.S.S. Enterprise Officer’s Manual von 1980, die aber dem englischen Alphabet zugeordnet ist und nicht zu Okrands Lautschrift passt. Das Klingon Language Institute verwendet seit 1992 eine Schrift, die auf Filmzeichen basiert. Diese Zeichen wurden später auch in offiziellen Star-Trek-Zusammenhängen verwendet und gelten seit Star Trek: Discovery 2017 und den folgenden Serien als Kanon.

Fehlerhafte Aussprache oder Grammatik in Filmen wurden später als Dialekte und Umgangssprache erklärt. Als Standard-Klingonisch gilt der Dialekt des jeweiligen Herrschers, ta’ tlhIngan Hol oder kurz ta’ Hol, wörtlich „Klingonisch des Imperators“. Wegen häufiger Machtwechsel kann sich dieser Standard ändern. Für vergleichende Zwecke wird der Dialekt der Hauptstadt von Qo’noS verwendet.

Klingonisch besitzt auch formale Sprachcodes. 1999 wurde es bei der IANA als i-klingon eingetragen. Seit Februar 2004 wird das Kürzel tlh in ISO 639-2 und ISO 639-3 verwendet; derselbe Code steht auch in der MARC Code List for Languages.

Sprecher und Verwendung

Die Zahl der Sprecher ist schwer zu bestimmen, weil unklar ist, ab wann jemand als Sprecher gilt. Lawrence M. Schoen vom Klingon Language Institute und die Sprachwissenschaftlerin Arika Okrent schätzten 2010, dass etwa 20 bis 30 Menschen Klingonisch fließend sprechen. Mehr als zweitausend Menschen hätten zumindest Grundkenntnisse. Lieven L. Litaer schätzte 2024, es gebe weltweit „100 Menschen“, die die Sprache flüssig sprechen; Tausende würden sie lernen.

Klingonisch wurde zuerst für Kinofilme geschaffen und dort verwendet. Im Alltag stößt die Sprache wegen ihres begrenzten Wortschatzes schnell an Grenzen. Fans verwenden sie zum Beispiel bei Rollenspiel, Cosplay und Conventions. Außerdem gibt es Sprachkurse, etwa qepHom, und wissenschaftliche Arbeiten über Klingonisch und seine Nutzer.

In Star-Trek-Filmen kommt Klingonisch mehrfach vor. Star Trek: Der Film (1979) enthält etwa elf kurze Sätze, die später Grundlage der Sprache wurden. Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock (1984) nutzte bereits ausgearbeitete Dialoge. Star Trek V: Am Rande des Universums (1989) enthält die meisten klingonischen Dialoge. In Star Trek Into Darkness (2013) spricht Uhura fließend Klingonisch. In Star Trek: Discovery sprechen die Klingonen durchweg korrektes Klingonisch; die Übersetzung stammt von Robyn Stewart, Untertitel wurden für Netflix von Lieven L. Litaer erstellt, und Marc Okrand steuerte neue offizielle Wörter bei.

Medien, Übersetzungen und Projekte

Klingonisch taucht auch außerhalb von Star Trek in Filmen und Serien auf. Manche Produktionen verwenden korrektes Klingonisch, zum Beispiel Der Kindergarten Daddy, Faintheart, Paul – Ein Alien auf der Flucht und Please Stand By. Andere benutzen nur Andeutungen oder Nachahmungen, etwa Fanboys, Garden State oder Die Simpsons. In The Big Bang Theory sprechen die Hauptfiguren auf unterschiedlichem Niveau Klingonisch, und es wird sogar klingonisches Boggle gespielt.

Literarische Übersetzungen sind wegen des eingeschränkten Wortschatzes schwierig und erfordern oft Umformulierungen. Ein Bibel-Übersetzungsprojekt scheiterte an dieser Hürde. Für den klingonischen Hamlet wurde „Sonne“ als pemHov, „Tages-Stern“, umschrieben, weil damals noch kein Wort dafür bekannt war. Übersetzt wurden unter anderem Shakespeares Hamlet und Viel Lärm um nichts, einige Sonette, das Gilgamesch-Epos, Tao Te King, Der kleine Prinz, Alice im Wunderland und Ende 2025 Die Zeitmaschine.

Weitere Projekte zeigen die besondere Verbreitung der Sprache. Es gab klingonische Opern wie ’u’ und juHrop. Internetangebote wie Google, Facebook und Wheelmap waren oder sind auf Klingonisch verfügbar. Eine klingonische Wikipedia existierte ab 2004 ungefähr ein Jahr, wurde 2005 geschlossen und Ende 2006 als klingonisches Wikia beziehungsweise Fandom neu gegründet; im Dezember 2024 umfasste es 238 Artikel. Auch Software nutzte Klingonisch, darunter Star Trek: Klingon, Sophos Anti-Virus, Eurotalk, Minecraft, Duolingo mit 4 Sektionen und ein Passwort-Prüfer von Kaspersky.

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