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Klimaschutz-Index
Der Klimaschutz-Index (KSI) ist ein von der deutschen Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch e. V. entwickeltes Instrument, das mehr Transparenz …
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Zweck und Bedeutung
Der Klimaschutz-Index (KSI) ist ein Instrument der deutschen Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch e. V. Er soll mehr Transparenz in die internationale Klimapolitik bringen. Dafür vergleicht und bewertet der Index nach einheitlichen Kriterien die Klimaschutzleistungen von 63 Staaten und der Europäischen Union. Diese Staaten und die EU sind zusammen für mehr als 90 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Der KSI wurde erstmals 2005 veröffentlicht und wird seitdem jährlich aktualisiert und auf dem UN-Klimagipfel vorgestellt. Herausgegeben wird er von Germanwatch gemeinsam mit dem NewClimate Institute und dem Climate Action Network International; finanziell unterstützt wird er von der Barthel Stiftung. Die wichtigsten Ergebnisse erscheinen auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Der Index bewertet Staaten im Verhältnis zueinander: Eine gute Platzierung bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Land ausreichend Klimaschutz betreibt.
Aufbau der Bewertung
Die Methodik wurde 2017 überarbeitet und an die klimapolitischen Rahmenbedingungen des Übereinkommens von Paris aus dem Jahr 2015 angepasst. Seitdem berücksichtigt der KSI auch die national festgelegten Klimaschutzbeiträge (Nationally Determined Contributions, NDCs) sowie die nationalen Zielsetzungen bis 2030.
Insgesamt basiert die Bewertung auf 14 Indikatoren in vier Kategorien:
- Treibhausgasemissionen: 40 %
- Erneuerbare Energie: 20 %
- Energieverbrauch: 20 %
- Klimapolitik: 20 %
Die Kategorien Treibhausgasemissionen, erneuerbare Energie und Energieverbrauch enthalten jeweils vier gleich gewichtete Indikatoren: den aktuellen Stand, die neuesten Entwicklungen beziehungsweise den Trend der letzten fünf Jahre, die 2 °C-Kompatibilität der aktuellen Leistung und die 2 °C-Kompatibilität der Zielsetzungen bis 2030. „2 °C-Kompatibilität“ beschreibt dabei, wie gut Leistung und Ziele mit einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf höchstens 2 °C vereinbar sind.
Die Kategorie Klimapolitik ergänzt diese zwölf Indikatoren um zwei weitere. Sie messen zum einen den nationalen klimapolitischen Rahmen und dessen Einführung und zum anderen die Leistung in der internationalen Klimadiplomatie. Die Daten werden jährlich in einer umfassenden Studie erhoben. Grundlage ist die Einschätzung von ungefähr 450 Experten aus Nichtregierungsorganisationen, Universitäten und Thinktanks, die in den bewerteten Ländern im Bereich Klima und Energie arbeiten. In Fragebögen bewerten sie die wichtigsten Regierungsmaßnahmen mit „sehr gut“, „gut“, „mäßig“, „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Anschließend werden die Ergebnisse normalisiert, sodass der Index eine relative Rangfolge bildet.
Ergebnisse des KSI 2024
Im KSI 2024 erhielt kein bewertetes Land die Note „sehr gut“. Nach Einschätzung des Index unternahm bis dahin kein Land genug, um die Grenze von deutlich unter 2 Grad globaler Erwärmung einzuhalten. Deshalb blieben auch die ersten drei Plätze der Rangliste unbesetzt. Dänemark war erneut der bestplatzierte Staat und stand auf Rang 4. Es folgten unter anderem Estland auf Rang 5, die Philippinen auf Rang 6 und Indien auf Rang 7.
Indien erreichte trotz seiner Rolle als einer der weltweit größten Produzenten von Öl, Gas und Kohle Rang 7. Als bevölkerungsreichstes Land der Erde lag es bei der Kategorie Treibhausgasemissionen, die mit 40 % am stärksten gewichtet wird, hinter Schweden. Die Europäische Union der 27 verbesserte sich auf Rang 16. Damit lag sie hinter Deutschland auf Rang 14 und Luxemburg auf Rang 15.
In der Teilbewertung Klimapolitik erhielt 2024 erstmals seit 2005 kein einziges Land die Note „gut“. Die Teilbewertung macht 20 % der Gesamtbewertung aus. Marokko gehörte auch 2024 zu den Top 10. Das Land verfolgte als Teil einer Koalition besonders von der Klimakrise betroffener Länder ehrgeizige Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien. Auch seine Ziele zur Emissionsminderung bis 2030 und 2050 wurden als ambitioniert beschrieben. Außerdem spielte Marokko eine führende Rolle bei internationalen Klimaverhandlungen und setzte sich für die am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries, LDCs) ein.
Rangliste und zeitliche Entwicklung
Die im Artikel enthaltene Tabelle stellt für zahlreiche Staaten und die EU Rang und Punktzahl der Jahre 2015 bis 2026 gegenüber. Sie zeigt damit sowohl die jeweilige Position als auch Veränderungen über mehrere Jahre; für manche Länder oder Jahre sind keine Werte angegeben. Die Tabellendaten reichen über die im Fließtext ausführlich erläuterten Ergebnisse des KSI 2024 hinaus.
In der Tabelle für 2024 erscheinen beispielsweise Dänemark auf Rang 4 mit 75,59 Punkten, das Vereinigte Königreich auf Rang 20 mit 62,36 Punkten, Marokko auf Rang 9 mit 69,82 Punkten, Chile auf Rang 11 mit 68,74 Punkten, Luxemburg auf Rang 15 mit 65,09 Punkten, Litauen auf Rang 19 mit 62,99 Punkten, die Niederlande auf Rang 8 mit 69,98 Punkten und Norwegen auf Rang 12 mit 67,48 Punkten. Schweden lag auf Rang 10 mit 69,39 Punkten, Spanien auf Rang 18 mit 63,37 Punkten, Deutschland auf Rang 14 mit 65,77 Punkten und Indien auf Rang 7 mit 70,25 Punkten.
Am unteren Ende der 2024-Tabelle standen unter anderem Saudi-Arabien auf Rang 67 mit 19,33 Punkten, Iran auf Rang 66 mit 23,53 Punkten, die Vereinigten Staaten auf Rang 57 mit 42,79 Punkten, Russland auf Rang 63 mit 31,00 Punkten, Südkorea auf Rang 64 mit 29,98 Punkten und Kanada auf Rang 62 mit 31,55 Punkten. Die Rangfolge darf wegen der Normalisierung nicht als absolute Bewertung verstanden werden: Auch ein Land mit einer vorderen Platzierung kann weiterhin unzureichende Klimaschutzmaßnahmen haben, wenn es im Vergleich zu den anderen Ländern mehr leistet.