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Klimabildung
Klimabildung basiert auf dem Konzept von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Die politischen Entscheidungsträger können durch Klimabildung …
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Grundidee und Ziele
Klimabildung (englisch: climate change education) ist ein Bildungs- und Erziehungskonzept der Vereinten Nationen. Es soll Bewusstsein und Aufmerksamkeit für den Klimawandel schaffen. Lernende erfahren, welche Ursachen und Folgen der Klimawandel hat, und werden darauf vorbereitet, mit seinen Auswirkungen zu leben. Zugleich sollen sie zu Engagement für den Klimaschutz und zur Übernahme nachhaltiger Lebensstile befähigt werden.
Klimabildung beruht auf dem Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Sie richtet sich an verschiedene gesellschaftliche Ebenen. Politische Entscheidungsträger sollen verstehen, welche Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels auf nationaler und globaler Ebene erforderlich sind. Kommunen sollen erkennen, wie der Klimawandel sie betrifft, wie sie sich vor negativen Folgen schützen und ihren eigenen CO2-Fußabdruck verringern können. Besonders wichtig ist Klimabildung für bereits gefährdete Gemeinschaften: Sie kann dazu beitragen, deren Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu erhöhen.
Bedeutung im Pariser Abkommen
Das Übereinkommen von Paris wurde 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet. Es hebt Klimabildung als zentrale Maßnahme hervor, um die Abschwächung einer gefährlichen anthropogenen, also vom Menschen verursachten, Störung des Klimasystems zu erreichen.
Auch in den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen besitzt Klimabildung einen ähnlichen Stellenwert. Damit wird sie nicht nur als Aufgabe des Unterrichts verstanden, sondern als Bestandteil internationaler Strategien für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung.
UNESCO-Programm und Lernansatz
Das UNESCO-Programm „Climate Change Education for Sustainable Development“ wurde 2010 ins Leben gerufen. Es soll Menschen helfen, den Klimawandel zu verstehen. Dazu werden Aktivitäten der Klimabildung in der formalen Bildung, also in Schulen und anderen anerkannten Bildungseinrichtungen, sowie in der non-formalen Bildung, also außerhalb dieser regulären Bildungswege, ausgeweitet. Medien, Vernetzung und Partnerschaften dienen dabei als wichtige Mittel.
Das Programm folgt dem ganzheitlichen Ansatz der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dieser bezieht Schlüsselthemen nachhaltiger Entwicklung, darunter den Klimawandel, in die Bildung ein und berücksichtigt die gegenseitige Abhängigkeit von drei Bereichen: ökologischer Nachhaltigkeit, wirtschaftlicher Lebensfähigkeit und sozialer Gerechtigkeit.
Gefördert werden partizipative Lehr- und Lernmethoden. Partizipativ bedeutet, dass Lernende aktiv beteiligt werden. Sie sollen dadurch motiviert und befähigt werden, ihr Verhalten zu verändern und selbst Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung zu ergreifen. Die UNESCO arbeitet außerdem mit nationalen Regierungen zusammen, damit Klimabildung in Bildungsstandards und Lehrpläne aufgenommen wird. Zusätzlich werden innovative Lehr- und Lernansätze entwickelt.
Umsetzung und Herausforderungen in Deutschland
Im deutschen Bildungssystem spielt Klimabildung noch keine tragende Rolle. Im Schulbereich ist es bislang nicht gelungen, sie systematisch in den Bildungsstandards, Bildungsplänen und Lehrplänen der Bundesländer zu verankern. Eine Nachhaltigkeitspädagogik, also eine Pädagogik mit dem Schwerpunkt nachhaltiger Entwicklung, wurde vor dem Jahr 2008 noch nicht entwickelt und befindet sich bestenfalls im Entstehen. Viele Unterrichtsmaterialien, Projekte und Wettbewerbe behandeln Klimabildung daher vor allem im fakultativen, also freiwilligen, Bereich.
In einigen Bundesländern ist Klimabildung jedoch in Gesetzen und Klimaschutzplänen festgeschrieben. Beispiele sind das Klimaschutzgesetz NRW, in dem sie seit 2013 berücksichtigt wird, und der „Integrierte Klimaschutzplan Hessen“, in dem sie als prioritäres Handlungsfeld gilt.
Der Klimawandel wird als globale sowie intra- und intergenerationale Herausforderung beschrieben. Intrgenerationale Herausforderungen betreffen Menschen und Gruppen innerhalb derselben Generation; intergenerationale Herausforderungen wirken zwischen verschiedenen Generationen. Wegen seiner Bedeutung für das System der Erde ist der Klimawandel auch für die schulische Bildung besonders relevant.
Für den Erdkundeunterricht in der gymnasialen Oberstufe wurde ein didaktisches Konzept zum „forschenden Lernen“ über regionale Auswirkungen des Klimawandels vorgelegt. Außerdem entstand eine Lehrausgabe des „Diercke Weltatlas“ für Klima-Unterrichtseinheiten. In der Unterrichtspraxis ist der Themenbereich jedoch durch disziplinäre, fachdidaktische und pädagogische Unsicherheiten gekennzeichnet. Diese Unsicherheiten erschweren das Handeln der Lehrkräfte. Ein Projekt an der Universität Hamburg untersucht, wie Lehrkräfte damit bei der Planung und Durchführung von Unterricht umgehen.
Auch in außerschulischen Bildungseinrichtungen ist Klimabildung im Vergleich zur klassischen Natur- und Umweltpädagogik unterrepräsentiert. Auf lokaler Ebene gibt es dennoch zahlreiche Angebote für unterschiedliche Zielgruppen. Genannt werden das Netzwerk „16 BildungszentrenKlimaschutz“, Bildungsprojekte des Klimaschutzplanes Hessen sowie die Klimabildungsprogramme des „NaturGut Ophoven“ und von „Umweltlernen“ in Frankfurt.
Für die Bewältigung des Klimawandels wird außerdem die kommunale Ebene zunehmend wichtig. Erforderlich ist die Zusammenarbeit von Akteuren aus allen Bildungsbereichen, dem Klimaschutz und den politischen Strategien vor Ort. Die Projekte „Kommune als Lernort für den Klimaschutz“ und „Kooperation Klimabildung & Energieberatung“ fördern eine solche Zusammenarbeit in Bildungslandschaften.