Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Katowice

Nach der deutschen Besetzung 1939 wurde sie 1941 Hauptstadt des Gaus Oberschlesien, nachfolgend in der Volksrepublik Polen wieder Hauptstadt der Woiwodschaft.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung, Lage und Stadtgebiet
  2. 2. Entwicklung zur Industriestadt
  3. 3. Bevölkerung, Religion und Verwaltung
  4. 4. Kultur, Sport und Veranstaltungen
  5. 5. Wirtschaft, Verkehr, Bildung und Forschung

Bedeutung, Lage und Stadtgebiet

Katowice (deutsch Kattowitz) ist die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Schlesien und eine kreisfreie Stadt. Sie hat 282.755 Einwohner (31. Dezember 2021); für die Stadtgemeinde werden zum 1. Januar 2024 279.190 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 1696 Einwohnern je km² angegeben. Die Stadt liegt rund 80 km westnordwestlich von Krakau im Oberschlesischen Industrierevier und ist Zentrum der Metropolregion Silesia, der je nach Definition 2,5 bis 5 Millionen Einwohner zugerechnet werden.

Das 164,60 km² große Stadtgebiet liegt im Osten Oberschlesiens auf einer kohlenreichen Hochebene des Schlesischen Hochlandes, in der Übergangszone zwischen Beskiden und polnischen Mittelgebirgen. Die Höhenlage reicht von 266 bis 352 m über dem Meeresspiegel, im Durchschnitt liegt sie bei 272 m ü. NHN. Wichtige Flüsse sind die von Ost nach West fließende Rawa und die südlich der Innenstadt entspringende Klodnitz. Etwa 40 % des Stadtgebiets sind Wald, weitere 20 % Grünflächen. Seit 1997 gibt es fünf Stadtbezirke mit insgesamt 22 Stadtteilen.

Das Klima ist überwiegend maritim und geht in kontinentales Klima über. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 7,9 °C, der mittlere Jahresniederschlag 723 mm. Schwache Westwinde von höchstens 2 m/s überwiegen.

Entwicklung zur Industriestadt

Der Name Katowicze ist erstmals 1598 belegt; einzelne heutige Stadtteile sind älter, etwa Dąb (1299) und Bogucice (1397). Mit dem Frieden von Breslau vom 11. Juni 1742 kam das damals kleine oberschlesische Dorf Kattowitz zu Preußen. Der Aufstieg begann 1846 mit dem Bau der Oberschlesischen Eisenbahn nach Myslowitz. Unternehmer Franz Winckler, Gutsverwalter Friedrich Wilhelm Grundmann, Städteplaner Nottenbohn und der Arzt Richard Holtze wirkten an der Entwicklung zur Stadt mit. 1865 erhielt Kattowitz Stadtrechte, 1873 wurde es Sitz des neu gebildeten Kreises Kattowitz und ab 1899 ein eigener Stadtkreis. Kohle, Hüttenindustrie, Eisenbahn, Großkonzerne und Banken prägten das Wachstum.

Nach dem Ersten Weltkrieg entschied die Volksabstimmung vom 20. März 1921 über die Zugehörigkeit Oberschlesiens. Insgesamt votierten 59,42 % für Deutschland; im Stimmkreis Kattowitz waren es 51,9 %. In der Stadt selbst stimmten 85,4 % für Deutschland, im Landkreis dagegen 55,6 % für Polen. Nach dem dritten Schlesischen Aufstand erhielt Polen etwa ein Drittel Oberschlesiens einschließlich Kattowitz. Die Stadt kam 1922 zu Polen, wurde amtlich Katowice genannt und Hauptstadt der Autonomen Woiwodschaft Schlesien. Eingemeindungen ließen die Einwohnerzahl von rund 50.000 im Jahr 1921 auf 112.822 im Jahr 1924 steigen; damit war die Stadt Großstadt.

Die deutsche Wehrmacht besetzte Katowice am 4. September 1939. Nach vereinzelten Kämpfen wurden etwa 80 zivile Stadtverteidiger hingerichtet. Die Große Synagoge wurde am 8. September 1939 in Brand gesetzt, das Schlesische Museum zerstört. Die Stadt wurde völkerrechtswidrig dem Deutschen Reich angegliedert; die polnische und jüdische Bevölkerung wurde verfolgt. Von September 1939 bis April 1941 wurden 8300 Kattowitzer Juden deportiert und überwiegend in Konzentrationslagern ermordet.

Am 27. Januar 1945 besetzte die Rote Armee die kampflos geräumte Stadt. Als deutsch eingestufte Einwohner wurden aufgrund der Bierut-Dekrete vertrieben, während als autochthon eingestufte Menschen bleiben durften. Von 1953 bis 1956 hieß die Stadt Stalinogród. Nach 1945 wuchs sie durch Eingemeindungen stark; zugleich entstanden Wohnsiedlungen und Plattenbauten. Der Strukturwandel führt von Bergbau und Schwerindustrie zu Dienstleistungen, Informationstechnik, Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Bevölkerung, Religion und Verwaltung

Die Industrialisierung verursachte seit dem 19. Jahrhundert ein starkes Bevölkerungswachstum: von 486 Einwohnern im Jahr 1816 auf 43.173 im Jahr 1910. Ende der 1980er-Jahre lag die Einwohnerzahl bei über 370.000. Nach der politischen Wende von 1989 sank sie um mehr als 60.000 auf rund 307.000 Ende 2012. Bei der Volkszählung 2002 bezeichneten sich von 327.222 Einwohnern 90,7 % als Polen, 5,4 % als Schlesier, 0,2 % als Deutsche und 0,05 % als Roma. 19 % der Einwohner sind jünger als 18 Jahre, 64 % 19 bis 65 Jahre alt und 17 % älter als 65 Jahre.

Heute ist Katowice überwiegend katholisch und hat 17 katholische Pfarreien. Zugleich ist die Stadt Sitz eines katholischen Erzbischofs sowie der Diözese Katowice der Evangelisch-Augsburgischen Kirche. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Katholiken, Protestanten und Juden wichtige Gruppen. 1910 stellten Protestanten 20,4 % der Bevölkerung; nach 1922 und besonders nach 1945 ging ihre Zahl deutlich zurück. Die jüdische Gemeinde zählte 1910 2975 Menschen, 1932 rund 9000 und 1939 noch 8785 Mitglieder; ihre Zerstörung durch Verfolgung und Deportationen beendete ihre frühere Bedeutung.

Stadtpräsident ist seit 2014 Marcin Krupa. Bei der Wahl 2024 wurde der parteilose Krupa mit 62,4 % bereits im ersten Wahlgang wiedergewählt. Der direkt gewählte Stadtrat hat 28 Mitglieder. Bei der Wahl 2024 erhielt Koalicja Obywatelska 39,2 % und 14 Sitze, das Wahlkomitee „Forum der lokalen Verwaltung mit Marcin Krupa“ 30,1 % und 9 Sitze, Prawo i Sprawiedliwość 18,6 % und 5 Sitze.

Das Wappen zeigt einen schwarzen Eisenhammer auf gelbem Grund, einen braunen Holzbalken und blauen Grund. Es erinnert an den Bogutzker Hammer an der Rawa: Holz und Wasser waren für Eisenverhüttung und den Betrieb des Hammers notwendig. Der Hammer erscheint bereits 1816 in einem Gemeindesiegel.

Kultur, Sport und Veranstaltungen

Katowice ist ein Kulturzentrum mit Museen, Theatern, Orchestern und regelmäßigen Festivals. Das Schlesische Museum wurde am 23. Januar 1929 gegründet, 1939 von Deutschen zerstört und 1984 neu gegründet. Seine Sammlungen betreffen vor allem Ethnologie, Archäologie sowie polnische Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Ein Neubau auf dem Gelände der stillgelegten Zeche Ferdinandgrube/KWK Katowice wurde im Sommer 2015 eröffnet. Das Museum der Stadtgeschichte behandelt die Stadtgeschichte von 1299 bis 1990. Weitere Einrichtungen widmen sich etwa polnischer Bühnenbildkunst, Kirchenkunst, Recht und oberschlesischen Traditionen.

Das 1907 eröffnete Schlesische Theater ist das größte und wichtigste Theater Oberschlesiens. Daneben bestehen unter anderem das Kinoteatr Rialto, das Schlesische Puppentheater Ateneum, das Theater Korez und das Theater Spiele und Menschen. Musikalisch prägen die Schlesische Philharmonie, die 1945 ihr erstes Konzert gab, und das Nationale Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks die Stadt. Dessen neue Konzerthalle, die NOSPR-Konzerthalle, wurde am 1. Oktober 2014 eingeweiht und hat 1800 Plätze.

Wichtige Sportstätten sind der Spodek, eine Sport- und Veranstaltungshalle. Der GKS Katowice ist der bedeutendste Fußballverein der Stadt; unter diesem Namen besteht auch ein mehrfacher polnischer Eishockeymeister. Wiederkehrende Veranstaltungen sind das seit 1981 bestehende Rawa-Blues-Festival, Metalmania, Mayday, das Off-Festival und der alle vier Jahre ausgetragene Internationale Dirigentenwettbewerb Grzegorz Fitelbergs. In der Spodek-Arena finden außerdem E-Sport-Turniere statt. Vom 3. bis 14. Dezember 2018 war Katowice Veranstaltungsort der 24. UN-Klimakonferenz COP 24.

Wirtschaft, Verkehr, Bildung und Forschung

Katowice ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Reichhaltige Kohle- und Erzlagerstätten begründeten Bergbau, Hüttenindustrie und Maschinenbau. Im Strukturwandel wurden viele Schwerindustriebetriebe verkleinert oder geschlossen; an der ehemaligen Steinkohlenzeche Gottwald entstand beispielsweise das Einkaufszentrum Silesia City Center. Die Stadt ist Zentrum der Katowicer Sonderwirtschaftszone. Firmen wie IBM, Capgemini, Unilever, Oracle, PwC, Deloitte, ING, ABB und Bombardier haben investiert. Die Bergbaugesellschaften Kompania Węglowa S.A. und Katowicki Holding Węglowy haben weiterhin ihren Sitz in der Stadt.

Verkehrlich ist Katowice über die Autobahn A4 von Dresden nach Krakau sowie die Nord-Süd-Verbindung E 75 an das Fernstraßennetz angebunden. Die DTŚ verbindet die Stadt mit Nachbarstädten bis Gliwice. Der Bahnhof Katowice ist ein wichtiger Eisenbahnknoten mit Verbindungen zu wichtigen polnischen Städten sowie direkt nach Berlin, Hamburg, Wien, Prag und Bratislava. Straßenbahnen, Busse und die Koleje Śląskie verbinden Katowice im Nahverkehr mit der Region. Der Flughafen Katowice liegt 30 km vom Zentrum entfernt und bietet internationale Linienflüge; Katowice-Muchowiec liegt 4 km entfernt und dient der allgemeinen Luftfahrt.

Als Universitätsstadt besitzt Katowice über 20 Hochschulen und rund 100.000 Studienplätze. Die Schlesische Universität hat sechs Niederlassungen in Sosnowiec, Cieszyn, Jastrzębie-Zdrój, Chorzów, Rybnik und Katowice; dort studieren 45.716 Studenten. Ein Teil der Schlesischen Technischen Universität forscht in Metallurgie, Materialwissenschaften und Logistik. Die Schlesische Bibliothek besitzt eine Million Bände, darunter Silesiana sowie alte Handschriften und Karten. Das 1972 gegründete Institute for Ecology of Industrial Areas forscht unter anderem zur Flächenkreislaufwirtschaft.

Weiterlesen

Krakau Die Kreisfreie Stadt an der oberen Weichsel war bis 1596 Hauptstadt des Königreichs Polen, ist mit der Jagiellonen-Universität Sitz der – nach Prag – … Polen Das Abitur wird nach dem Abschluss eines Lyzeums oder einer Berufsoberschule abgelegt werden. Die Abiturprüfung soll wieder bedeutend schwieriger werden … Stadt Mittelalterliche Stadtgründungen ; Köln mit etwa 45.000 Einwohnern ; Nürnberg mit etwa 40.000 Einwohnern ; Augsburg mit etwa 30.000 Einwohnern ; Ulm, Lübeck, … Metropolregion Eine Metropolregion (in der Schweiz auch Metropolraum oder Metropolitanraum) ist der mit einer Metropole verbundene Umlandraum. Metropolregionen werden als … Informationstechnik Informationstechnik (kurz IT) steht für die Technik zur Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) und der hierzu verwendeten Hard- und Software-Infrastruktur. Industrielle Revolution in Deutschland Die industrielle Revolution war die Phase des Durchbruchs der Industrialisierung in Deutschland, deren Beginn von Hubert Kiesewetter auf 1815 und von Friedrich- … Deutsches Kaiserreich Die innen- und außenpolitische Entwicklung des Reichs wurde von 1871 bis 1890 von seinem ersten und am längsten amtierenden Kanzler, Otto von Bismarck, bestimmt … Friedensvertrag von Versailles Der Friedensvertrag von Versailles (auch Versailler Vertrag, Friede von Versailles) wurde am 28. Juni 1919 zwischen dem Deutschen Reich einerseits sowie … Deutsche Besetzung Polens 1939–1945 Die deutsche Besetzung Polens (1939–1945) im Zweiten Weltkrieg begann mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Zweite Polnische Republik am 1. September … Großstadt Großstädte sind nach einer Begriffsbestimmung der Internationalen Statistikkonferenz von 1887 alle Städte mit mindestens 100.000 Einwohnern. Höhe über dem Meeresspiegel Höhe über dem Meeresspiegel (auch See- oder Meereshöhe) bezeichnet den lotrechten Abstand eines bestimmten Punktes in Bezug auf ein festgelegtes … Königreich Böhmen Das Königreich entstand im Jahr 1198, als die böhmischen Herrscher aus dem Geschlecht der Přemysliden die Königswürde erlangten. Im 14. Jahrhundert erlebte es …