Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Krakau
Die Kreisfreie Stadt an der oberen Weichsel war bis 1596 Hauptstadt des Königreichs Polen, ist mit der Jagiellonen-Universität Sitz der – nach Prag – …
Inhalt6 Abschnitte
Lage, Bedeutung und Stadtstruktur
Krakau (polnisch: Kraków) ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen im Süden Polens. Die kreisfreie Stadt liegt rund 250 km südwestlich von Warschau an der oberen Weichsel und ist mit etwa 800.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens. Am 1. Januar 2024 hatte sie 806.201 Einwohner auf 326,85 km²; das entspricht 2467 Einwohnern je km². Die Höhenlage reicht von 188 bis 393 m n.p.m.
Krakau war bis 1596 Hauptstadt des Königreichs Polen. Heute ist es Industrie-, Wissenschafts- und Kulturzentrum sowie Sitz der Jagiellonen-Universität, der nach Prag zweitältesten Universität Mitteleuropas. Das Stadtbild wird durch Bauwerke von der Romanik und Gotik über Renaissance und Barock bis zu Jugendstil und Neugotik geprägt. Seit 1978 gehört Krakau zum UNESCO-Welterbe, seit 2013 ist es UNESCO-Literaturstadt; 2000 war es Kulturhauptstadt Europas.
Die Stadt liegt am Schnittpunkt mehrerer geographischer Regionen, darunter Krakauer Tor, Auschwitzer Becken, Sandomirer Becken, Westbeskiden-Vorgebirge und Krakau-Tschenstochauer Jura. Nebenflüsse wie Białucha, Rudawa, Dłubnia, Drwina Długa und Wilga münden im Stadtgebiet in die Weichsel. Krakau erstreckt sich 18 km in Nord-Süd- und 31 km in Ost-West-Richtung. Seit 1990 besteht es aus 18 Stadtbezirken; dazu gehören Stare Miasto, Podgórze und Nowa Huta. Diese Verwaltungsbezirke können mehrere frühere selbstständige Orte umfassen, etwa Kazimierz und Kleparz im Bezirk I.
Das Klima liegt an der Schwelle zwischen atlantischem See- und Kontinentalklima. Im Januar beträgt die mittlere Temperatur etwa −2 °C, im Juli etwa +19 °C. Jahresniederschlag: 679 mm; die höchste Monatsmenge fällt mit 95 mm im Juli. Westwinde bringen häufig feuchtes Sommerwetter, Ostwinde besonders im Winter trockene und sehr kalte Luft.
Geschichtliche Entwicklung bis 1918
Die Wawelanhöhe war bereits vor 20.000 Jahren besiedelt. Salz wurde in der Umgebung schon in prähistorischer Zeit abgebaut und gehandelt. Krakau ist 965 erstmals urkundlich erwähnt; spätestens 989/990 gehörte es zu Polen. Im Jahr 1000 wurde es Sitz des Bistums Krakau.
1038 machte Kasimir I. der Erneuerer Krakau zur Hauptstadt Polens. Nach den Mongolenangriffen, besonders der Zerstörung von 1241, wurde die Stadt 1257 durch Herzog Boleslaus den Schamhaften nach Magdeburger Stadtrecht neu gegründet. Das schachbrettartige Straßennetz und die Marktplätze der Altstadt gehen auf diesen Wiederaufbau zurück. Der Salzabbau in Bochnia und Wieliczka förderte den späteren Reichtum der Stadt. Krakau war von 1138 bis 1320 Hauptstadt des Seniorats Polen und blieb Krönungs- und Begräbnisstätte polnischer Könige bis 1734.
Kasimir III. der Große gründete 1364 die Krakauer Akademie, die spätere Jagiellonen-Universität, sowie die Vorstädte Kazimierz (1335) und Kleparz (1366). Unter den Jagiellonen entwickelte sich Krakau nach der Union von Krewo 1385 zur Hauptstadt einer großen europäischen Macht. Um 1500 entstand in Kazimierz eine abgegrenzte jüdische Stadt. Ende des 15. Jahrhunderts studierte Nikolaus Kopernikus an der Universität. Krakau zählte zur Zeit Sigismunds I. des Alten und Sigismunds II. August etwa 30.000 Einwohner und erlebte eine kulturelle Blüte von Spätgotik und Renaissance.
1596 verlegte Sigismund III. Wasa die Residenz nach Warschau. Krakau verlor an politischer Bedeutung und wurde durch schwedische Invasionen 1655 und 1702 sowie eine Pest mit 20.000 Opfern geschwächt. Bei der Dritten Teilung Polens kam Krakau 1795 an Österreich. Von 1815 bis 1846 bestand die Republik Krakau als liberale Handelsenklave unter dem Protektorat Österreichs, Preußens und Russlands. Nach dem gescheiterten Krakauer Aufstand annektierte Österreich die Stadt 1846.
Im österreichischen Galizien entwickelte sich Krakau nach der weitgehenden Autonomie ab 1867 erneut zu einem Zentrum polnischer Kunst, Kultur und Unabhängigkeitsbewegung. Eingemeindungen vergrößerten die Stadt zwischen 1910 und 1915 auf 46,9 km² und etwa 180.000 Einwohner. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Krakau ab 1918 wieder zum polnischen Staat; der Vertrag von Saint-Germain bestätigte dies 1919.
Besatzung, Nachkriegszeit und Bevölkerung
Am 6. September 1939 besetzte die deutsche Wehrmacht Krakau kampflos. Die Stadt wurde Sitz des Distrikts Krakau im Generalgouvernement. In der Nähe entstanden das Konzentrationslager Plaszow sowie Auschwitz und Auschwitz-Birkenau. Die Besatzer schufen im Stadtteil Podgórze das Ghetto Krakau, in dem zeitweise 20.000 jüdische Menschen als Arbeitssklaven gefangen gehalten wurden. Nach Deportationen 1941 und 1942 begann am 13. März 1943 die endgültige Liquidation des Ghettos.
Die Bausubstanz der Stadt blieb weitgehend erhalten, weil das NS-Regime Krakau als ursprünglich deutsche Stadt betrachtete. Dennoch verlor Krakau fast die Hälfte seiner Bevölkerung, nahezu seine gesamte jüdische Gemeinde und durch die „Sonderaktion Krakau“ im November 1939 besonders viele Angehörige der universitären Elite.
Am 19. Januar 1945 zog die Rote Armee in das nahezu unzerstörte Krakau ein. Die Behauptung, dabei sei eine geplante Sprengung der Stadt verhindert worden, gilt vermutlich als Legende. Am 11. August 1945 kam es zu einem Pogrom gegen jüdische Überlebende. In der kommunistischen Zeit entstanden das Stahlwerk und die sozialistische Trabantenstadt Nowa Huta, die 1951 eingemeindet wurde. Deren Emissionen schädigten die historische Bausubstanz bis in die 1990er Jahre. Seit den politischen Veränderungen von 1988/89 entwickelte sich Krakau wieder frei; Verkehrsverbindungen und der Flughafen Balice wurden ausgebaut.
Die Einwohnerzahl stieg langfristig stark: von 23.591 im Jahr 1791 auf 259.000 im Jahr 1939, 298.500 im Jahr 1945 und 740.120 im Jahr 1985. Bei der Volkszählung vom 31. März 2021 überschritt Krakau mit 800.653 Einwohnern erstmals die Grenze von 800.000; darunter waren 426.754 Frauen und 373.899 Männer.
Stadtleben, Bildung und Wirtschaft
Krakau ist ein wichtiges Bildungszentrum Polens. Es gibt elf Hochschulen mit etwa 10.000 Angestellten und 51.000 Studenten sowie weitere höhere Bildungseinrichtungen; insgesamt werden 210.000 Studenten genannt. Zu den wichtigsten Hochschulen gehören die 1364 gegründete Jagiellonen-Universität, die Technische Universität Krakau, die AGH Wissenschaftlich-Technische Universität, die Akademie der Bildenden Künste und die Wirtschaftsuniversität. Die älteste Schule ist das Liceum Bartłomieja Nowodworskiego von 1588.
Wirtschaftlich profitiert Krakau laut Artikel von seiner zentralen Lage mit acht Millionen Menschen im Umkreis von 100 km sowie von einer jungen, gut ausgebildeten Bevölkerung: 60 % der Einwohner sind jünger als 45 Jahre, gegenüber 46 % im übrigen Polen. 2005 betrug die Arbeitslosenquote 6,9 %. Ein Technologiepark in vier Gebieten von Krakau und Tarnów fördert Hochtechnologie, IT, Elektronik und Forschung. Auch der Tourismus ist wichtig: 2015 besuchten zehn Millionen Menschen die Stadt.
Krakau besitzt Theater, Konzerthäuser, Kabaretts, Programmkinos und zahlreiche Kulturveranstaltungen. Charakteristisch sind etwa das stündliche Turmbläsersignal Hejnał Mariacki von der Marienkirche, das Studentenfestival Juwenalia, Film-, Theater-, Jazz- und jüdische Kulturfestivals sowie der Wettbewerb der Krakauer Weihnachtskrippen. Im Sport zählen Wisła Krakau und KS Cracovia zu den ältesten Fußballvereinen Polens; seit 2002 findet jährlich der Krakau-Marathon statt.
Die Stadtverwaltung wird durch einen Stadtpräsidenten geleitet. Nach der Abwahl von Aleksander Miszalski im Mai 2026 ist Stanisław Kracik kommissarischer Stadtpräsident; die nächste Wahl ist für den 27. September 2026 angegeben. Der Stadtrat hat 43 für fünf Jahre gewählte Mitglieder. Bei der Wahl 2024 erhielt Koalicja Obywatelska 24 Sitze, Prawo i Sprawiedliwość 12 und das Wahlkomitee Krakau für Einwohner 7.
Architektur, Welterbe und jüdisches Erbe
Das historische Zentrum Krakaus wurde 1978 UNESCO-Welterbe. Es umfasst die mittelalterliche Kernstadt, den Wawel mit Schloss und Kathedrale sowie Kazimierz mit Stradom. Der UNESCO-Eintrag hebt die ungestörte Stadtentwicklung vom Mittelalter bis zur Gegenwart und die Architektur von der Frühromanik bis zur Moderne hervor.
Zentrale Bauwerke sind das Renaissance-Königsschloss und die Kathedrale St. Stanislaus und Wenzel auf dem Wawel, die Tuchhallen am Hauptmarkt, der Rathausturm sowie mehr als 100 Kirchen und Klöster. Der Hauptmarkt misst etwa 200 × 200 m und wird als größter mittelalterlicher Marktplatz Europas bezeichnet. Die Marienkirche ist eine gotische Basilika, die von 1287 bis 1320 auf romanischen Fundamenten entstand. Die Peter-und-Paul-Kirche von 1605 bis 1619 war die erste Barockkirche Krakaus.
Der Königsweg führt von der Barbakane und dem Florianstor durch die Floriańska-Straße über den Hauptmarkt und die Grodzka-Straße zum Wawelhügel. Die Barbakane gilt im Artikel als größte ihrer Art in Europa. Der Weg verbindet wichtige Baudenkmäler und endet beim Königsschloss sowie der Skulptur des Wawel-Drachen.
Kazimierz war seit 1335 eine selbstständige Stadt und erhielt um 1500 ein jüdisches Viertel. Heute erinnern Synagogen, der Alte und der Neue Jüdische Friedhof sowie Kulturinstitutionen an diese Geschichte; nur etwa 150 vor allem ältere praktizierende Juden leben laut Artikel noch in Krakau. In Podgórze befinden sich Reste der Ghettomauer, die Ghetto-Apotheke und die ehemalige Emaille-Fabrik Oskar Schindlers. Seit 2010 zeigt dort ein Museum eine multimediale Ausstellung über das Leben von Polen und Juden während der deutschen Besatzung. Krakau besitzt insgesamt 28 Museen, darunter das Nationalmuseum, das Czartoryski-Museum, das Wawelschloss und das Museum Krakau.
Verkehr und Umwelt
Krakau ist über die Autobahn A4 mit dem oberschlesischen Industriegebiet und Westeuropa verbunden. Bahnverbindungen vom Hauptbahnhof Kraków Główny führen unter anderem nach Warschau, Danzig, Breslau, Berlin, Prag, Budapest und Wien. Der Flughafen Johannes Paul II. Krakau-Balice ist der zweitgrößte Flughafen Polens. Den Nahverkehr bilden ein dichtes Straßenbahn- und Busnetz; seit Dezember 2008 gibt es eine 14 km lange Schnellstraßenbahn, teilweise im Tunnel. Ein U-Bahn-Netz ist geplant. Die Weichsel wird für Ausflugsdampfer und in kleinem Umfang zum Kiestransport genutzt. Das Fahrradverleihsystem Wavelo verfügte seit 2016 über mehr als 1500 Räder an 150 Stationen.
Zur Landnutzung von 2005 gehören 8.272 ha Kulturboden, 1.172 ha Wald und Forst sowie 1.500 ha Wiesen. Krakau hat 43 Parks mit etwa 397 ha Gesamtfläche, fünf Naturschutzgebiete mit 48,6 ha und 17 ausgewiesene ökologische Gebiete. Teile des Stadtgebiets liegen im Wildtierkorridor der Weichsel.
Ein großes Umweltproblem ist die Luftverschmutzung. Ursachen sind geringe Luftbewegung, eine häufige Temperaturinversion – eine warme Luftschicht liegt über einer kühleren und hält Abgase zurück –, Verkehr, Ofenheizungen sowie Abgase aus Schlesien. Laut Weltgesundheitsorganisation starben jährlich mindestens 1400 Krakauer vorzeitig an den Folgen. Die Stadt förderte ab 2013 den Austausch von Kohleöfen; ihre Zahl sank von 25.000 auf 4.000 im Jahr 2018. Seit September 2019 ist das Heizen mit festen Brennstoffen verboten. Weitere Maßnahmen betreffen Parkgebühren, Park & Ride, Busse, Straßenbahnen, Fahrradwege, Fernwärme und Kontrollen.
Ein Reglement verbietet seit dem 26. Februar 2025 von 22 bis 6 Uhr lärmverursachende Geräte; Ausnahmen gelten für Krankenhäuser und bestimmte Massenveranstaltungen. Seit Januar 2026 kann mutwilliges Lärmen in Bussen und Bahnen, etwa Musik aus Lautsprechern, mit 200 Złoty bestraft werden.