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Kapitalbilanz

Die Kapitalbilanz (englisch capital account) erfasst als Teilbilanz der Zahlungsbilanz die Direktinvestitionen, Wertpapieranlagen, Finanzderivate und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Abgrenzung
  3. 3. Bestandteile
  4. 4. Saldo und Vorzeichen
  5. 5. Stellung in der Zahlungsbilanz
  6. 6. Beispiele und Größenordnungen

Grundidee und Bedeutung

Die Kapitalbilanz ist eine Teilbilanz der Zahlungsbilanz. Sie erfasst innerhalb einer bestimmten Rechnungsperiode Kapitalbewegungen zwischen dem Inland und dem Ausland, vor allem Direktinvestitionen, Wertpapieranlagen, Finanzderivate und Mitarbeiteraktienoptionen, den übrigen Kapitalverkehr sowie Währungsreserven.

Wie jede Bilanz stellt sie eine Aktivseite und eine Passivseite gegenüber. Die Differenz heißt Saldo. Dieser Saldo wird formal auf der Seite mit den geringeren Beträgen eingetragen, sodass die Kapitalbilanz rechnerisch ausgeglichen ist.

Die Zahlungsbilanz erfasst alle Transaktionen des Inlands mit dem Ausland. Zu ihren Teilbilanzen gehören Leistungsbilanz, Devisenbilanz, Vermögensänderungsbilanz, Kapitalbilanz und Restposten. Die deutsche Zahlungsbilanzstatistik folgt seit 2014 den Konzepten und methodischen Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 2009. Danach umfasst die Kapitalbilanz Forderungen und Verbindlichkeiten für nicht-produziertes und nicht-finanzielles Vermögen sowie Kapitaltransfers zwischen Inländern und Ausländern. Dazu gehören Anschaffung und Veräußerung dieses Vermögens, zum Beispiel Verkauf, Vermietung und Lizenzen.

Abgrenzung

Realwirtschaftliche Transaktionen, die in der Leistungsbilanz erscheinen, lösen meistens einen monetären Zahlungsstrom aus. Dieser wird überwiegend durch eine Gegenbuchung in der Kapitalbilanz erfasst. Ein Beispiel wäre ein Export oder Import von Waren, dem später eine Zahlung oder ein Kredit gegenübersteht.

Die Kapitalbilanz ohne Auslandstransaktionen der Zentralbank heißt Kapitalbilanz im engeren Sinn. Zusammen mit der Devisenbilanz und einschließlich ungeklärter Restposten ergibt sie die Kapitalbilanz im weiteren Sinne. Wenn allgemein von der Kapitalbilanz gesprochen wird, ist gewöhnlich die Kapitalbilanz im engeren Sinne gemeint.

Bestandteile

Die Kapitalbilanz besteht aus mehreren wichtigen Positionen:

  • Direktinvestitionen: Finanzbeziehungen zu in- und ausländischen Unternehmen. Sie zählen dazu, wenn dem Kapitalgeber 10 % oder mehr der Anteile oder Stimmrechte unmittelbar zugerechnet werden oder unmittelbar und mittelbar zusammen mehr als 50 %. Eingeschlossen sind Zweigniederlassungen und Betriebsstätten. Auch kurzfristige Finanz- und Handelskredite, Baustellen mit einer Dauer von über einem Jahr sowie alle Anlagen in Grundbesitz gelten als Direktinvestitionen.

  • Wertpapieranlagen: Käufe und Verkäufe von Wertpapieren wie Aktien, Anleihen und Investmentzertifikaten sowie von Geldmarktpapieren.

  • Übriger Kapitalverkehr: Dazu gehören insbesondere langfristige Finanz- und Handelskredite, also internationaler Kreditverkehr, außerdem Bargeld und Bankeinlagen im Ausland.

  • Sonstiges: Hierzu zählen Finanzderivate und Mitarbeiteraktienoptionen sowie Währungsreserven.

Insgesamt zeigt die Kapitalbilanz Kapitaltransfers von Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Inländern und Ausländern sowie Anschaffung und Erwerb von nicht-produziertem und nicht-finanziellem Vermögen.

Saldo und Vorzeichen

Der Saldo der Kapitalbilanz wird im Artikel in folgender Rechenstruktur dargestellt:

Netto-Forderungen

  • Netto-Verbindlichkeiten = Ersparnis
  • Anschaffung von nicht-produziertem und nicht-finanziellem Vermögen
  • Veräußerung von nicht-produziertem und nicht-finanziellem Vermögen
  • gezahlte Kapitaltransfers
  • vereinnahmte Kapitaltransfers = Saldo Kapitalbilanz

Nicht-produziertes und nicht-finanzielles Vermögen umfasst natürliche Ressourcen wie Land, Wasser und Fischereirechte, immaterielle Vermögensgegenstände wie Lizenzen, Patente oder Vermietungen sowie Firmenwerte wie Logos, Marken, Trademarks und Domainnamen.

Nach dem neuen Konzept ist die Veränderung der zugrunde liegenden Bestände entscheidend. Zunahmen bei Forderungen und Verbindlichkeiten erhalten ein Pluszeichen, Abnahmen ein Minuszeichen. Dadurch ändert sich auch das Vorzeichen des Kapitalbilanzsaldos: Ein Plus, also ein positiver Saldo der Kapitalbilanz, signalisiert nun einen Netto-Kapitalexport ins Ausland, weil damit eine Zunahme des Netto-Auslandsvermögens verbunden ist. Ein Minuszeichen signalisiert einen Netto-Kapitalimport aus dem Ausland.

Kapitalexporte sind Zunahmen von Forderungen gegen Ausländer sowie Abnahmen von Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern. Sie erscheinen als positive Position in der Kapitalbilanz. Kapitalimporte sind Abnahmen von Forderungen gegen Ausländer und Zunahmen von Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern. Sie erscheinen als negative Position in der Kapitalbilanz.

Stellung in der Zahlungsbilanz

Die Kapitalbilanz ist in die Zahlungsbilanz eingebettet. In der Zahlungsbilanz werden verschiedene Arten von Transaktionen in Teilbilanzen erfasst. Die Handelsbilanz stellt Exporte auf der Aktivseite und Importe auf der Passivseite dar. Die Kapitalbilanz erfasst Kapitalimporte auf der Aktivseite und Kapitalexporte auf der Passivseite. Die Devisenbilanz zeigt Veränderungen der Währungsreserven der Zentralbank: eine Verminderung der Währungsreserven auf der Aktivseite und eine Erhöhung auf der Passivseite. Die Übertragungsbilanz erfasst Übertragungen aus dem Ausland und Übertragungen an das Ausland.

Die Gliederung der Zahlungsbilanz umfasst unter anderem Leistungsbilanz, Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz, Übertragungsbilanz, Kapitalbilanz, inländische Nettokapitalanlagen im Ausland, ausländische Nettokapitalanlagen im Inland, Devisenbilanz sowie Ausgleichsposten und statistisch nicht erfasste Transaktionen. Innerhalb der Kapitalanlagen werden Direktinvestitionen, Wertpapieranlagen sowie Kredite und sonstige Anlagen unterschieden.

In der Kapitalbilanz erfolgt entweder eine Gegenbuchung zu einer anderen Transaktion, oder es wird eine Zahlung über den Devisenmarkt vorgenommen. Veränderungen der Währungsreserven werden dabei nicht in der Kapitalbilanz, sondern in der Devisenbilanz ausgewiesen.

Beispiele und Größenordnungen

Der Artikel nennt drei typische Beispiele für Buchungen: Ein deutscher Exporteur liefert für 4 Mio. € Äpfel nach Bulgarien auf Basis eines 90-Tage-Kredites; der bulgarische Importeur geht dadurch eine Verbindlichkeit über 4 Mio. € ein. Ein Deutscher erhält eine Dividendenzahlung von einer ihm gehörenden Fabrik im Ausland in Höhe von 2 Mio. € und nutzt sie wieder zur Reinvestition in diese Fabrik. Ein deutscher Importeur kauft für 15 Mio. € Waschmaschinen von einem amerikanischen Hersteller und bezahlt mithilfe eines Kredites einer amerikanischen Bank.

In der zusammenfassenden Darstellung ergibt sich daraus für die Leistungsbilanz insgesamt −9. Die Handelsbilanz beträgt −11, weil Exporte von +4 Importen von −15 gegenüberstehen. Dividenden erscheinen mit +2. Die Kapitalbilanz beträgt insgesamt +9. Dabei wird die Netto-Auslandsinvestition mit −2 und die Position Netto-Kredite kurzfristig insgesamt mit +11 angegeben. Die Zahlungsbilanz ergibt insgesamt 0.

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds waren 2006 per Saldo, also Kapitalexporte minus Kapitalimporte, die größten Kapitalexporteure China, Japan, die BRD und Russland. Ihre Anteile an allen Netto-Kapitalexporten der Welt lagen bei 13,5 %, 12,2 %, 8,8 % und ebenfalls 8,8 %. Der mit Abstand größte Netto-Kapitalimporteur waren 2006 die USA mit 63,7 %, gefolgt von Spanien mit 7,4 %, Großbritannien mit 4,1 % und Australien mit 3,0 % der Netto-Importe der Welt.

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