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Kanadische Monarchie
Staatsoberhaupt ist seit dem 8. September 2022 König Charles III., der offiziell als König von Kanada (englisch King of Canada, französisch …
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Grundprinzip und Eigenständigkeit
Kanada ist eine parlamentarische Monarchie: Ein erblicher Monarch ist Souverän und Staatsoberhaupt. Seit dem 8. September 2022 ist dies Charles III., offiziell König von Kanada (King of Canada, Roi du Canada). Die meisten Hoheitsrechte, also staatlichen Befugnisse, übt der Generalgouverneur aus; seit Juli 2021 ist dies Mary Simon. In den zehn Provinzen vertreten Vizegouverneure den Monarchen. Die drei Territorien haben dagegen Kommissare, die den Bundesstaat vertreten.
Kanada und 14 weitere Staaten sind Commonwealth Realms: Sie sind durch Personalunion, also dieselbe Person als Monarch, verbunden. Die kanadische Krone ist dennoch rechtlich eigenständig und nicht Teil einer einheitlichen britischen Krone. Die Balfour-Deklaration von 1926 erklärte die Dominions gegenüber dem Vereinigten Königreich für gleichberechtigt; der Royal and Parliamentary Titles Act 1927 und das Statut von Westminster 1931 verdeutlichten diese „geteilte Krone“.
Das kanadische Parlament kontrolliert die Verfassungsbestimmungen zur Thronfolge, hat aber im Statut von Westminster zugestimmt, die Regeln nicht ohne einhellige Zustimmung aller Commonwealth Realms zu ändern. Es gibt keine Verfassungsregel, die Kanada zwingt, stets denselben Monarchen wie das Vereinigte Königreich zu haben.
Titel und Thronfolge
Der volle Titel Charles’ III. lautet auf Englisch: „Charles the Third, by the Grace of God, of the United Kingdom, Canada and His other Realms and Territories King, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith.“ Üblich ist die Anrede „König von Kanada“. Die Nennung Kanadas betont dessen Status als unabhängiges Königreich und die geteilte Krone. „Verteidiger des Glaubens“ bedeutet in Kanada keine religiöse Aufgabe, denn Kanada hat keine Staatskirche.
Seit 2015 gilt bei der Thronfolge die geschlechtsunabhängige Primogenitur: Das erstgeborene Kind geht vor jüngeren Geschwistern, unabhängig vom Geschlecht. Dies gilt nur für mögliche Thronfolger, die nach dem 28. Oktober 2011 geboren wurden. Zuvor hatten männliche Nachkommen Vorrang. Der Monarch muss der Church of England angehören. Wer bei der Heirat zu den ersten sechs Personen der Thronfolge gehört, braucht die Zustimmung des Monarchen; sonst sind diese Person und ihre Nachkommen ausgeschlossen.
Grundlagen sind die Bill of Rights von 1689 und der Act of Settlement von 1701, verändert durch den Succession to the Crown Act 2013 (Perth Agreement). Die Thronfolge ist auf die legitimen Nachkommen Sophie von der Pfalz beschränkt. Das Verbot, dass der Monarch mit einer katholischen Person verheiratet sein darf, wurde aufgehoben. Die Klage O’Donohue v. Canada von 2003 gegen die Regelungen wurde vom Obersten Gericht der Provinz Ontario abgewiesen.
Beim Tod oder der Abdankung folgt der Erbe unmittelbar; eine Bestätigung ist nicht nötig. Der Generalgouverneur verkündet den neuen Souverän öffentlich im Namen des kanadischen Kronrats. Amtsträger müssen einen neuen Treueschwur leisten. Eduard VIII. war 1936 der einzige kanadische Monarch, der abdankte; dafür benötigte er die ausdrückliche Genehmigung der kanadischen Regierung.
Staatsgewalt und parlamentarische Funktion
Die gesamte Exekutivgewalt ist dem Monarchen übertragen, daher handeln staatliche Institutionen in seinem Namen. Die Bundesregierung heißt formell „His Majesty’s Government in Canada“. Der Monarch ernennt den Generalgouverneur auf Empfehlung des Premierministers; Vizegouverneure werden durch den Generalgouverneur ernannt. Eine Änderung der Rolle des Monarchen oder seiner Vertreter erfordert die Zustimmung von Senat, Unterhaus und allen Provinzparlamenten.
Theoretisch kann die Krone Verträge schließen, Botschafter entsenden, Minister, Senatoren, Richter und Vizegouverneure ernennen oder entlassen, Krieg erklären und Frieden schließen. Tatsächlich erfolgen diese Schritte fast immer auf Rat des Premierministers, anderer Minister oder der Provinzregierungen. Regierungschef muss nach ungeschriebenem Verfassungsrecht die Person werden, die die Partei mit den meisten Sitzen im Unterhaus führt. Neue Steuern darf der Monarch ohne ausdrückliche Erlaubnis des Parlaments nicht erheben.
Der Monarch ist ein Bestandteil des Parlaments neben Senat und Unterhaus. Der Generalgouverneur beruft das Unterhaus ein; der Monarch kann das Parlament vorzeitig auflösen oder die Legislaturperiode verlängern. Zu Beginn einer Parlamentssession wird in der Thronrede das Regierungsprogramm verkündet. Seltene direkte Eingriffe waren 1990 die auf Rat Brian Mulroneys angeordnete Erhöhung der Senatorenzahl sowie 1926 die Weigerung des Generalgouverneurs Julian Byng, das Parlament auf Wunsch von William Lyon Mackenzie King aufzulösen. 1937 verweigerte John Campbell Bowen in Alberta die Zustimmung zu drei Gesetzen.
Provinzen, Recht und First Nations
Die Krone ist föderal organisiert: Der Monarch ist Staatsoberhaupt Kanadas und jeder seiner zehn Provinzen. Die Krone ist in elf gleichberechtigte Rechtssubjekte geteilt; die Souveränität der Provinzen wird direkt vom Monarchen und nicht vom Bundesstaat abgeleitet. Änderungen der Kronrolle in den Provinzen benötigen die einhellige Zustimmung aller Provinzparlamente und des Bundesparlaments.
Gesetze werden im Namen des Monarchen erlassen. Ein Bundesgesetz enthält die Verfügungsformel: „Seine Majestät erlässt deshalb nun Folgendes im Namen und mit dem Einverständnis des Senats und des Unterhauses von Kanada.“ Gesetzeskraft entsteht erst durch Royal Assent, die Zustimmung der Krone. Diese erteilen meist der Generalgouverneur mit dem Großen Siegel von Kanada oder Vizegouverneure mit einem Provinzsiegel. Der Monarch kann eine Vorlage innerhalb einer Frist zurückweisen, was äußerst selten geschieht.
Als fount of justice („Quell der Gerechtigkeit“) steht der Monarch theoretisch für die Rechtsprechung; Gerichte handeln deshalb in seinem Namen. Nach dem Common Law kann der Monarch „can do no wrong“ und nicht im eigenen Namen strafrechtlich angeklagt werden. Zivilklagen gegen ihn in öffentlicher Funktion, also gegen die Regierung, sind möglich. Zur prerogative of mercy, dem Hoheitsrecht der Barmherzigkeit, gehören Begnadigungen auf Rat der Minister.
First Nations, Inuit und Métis verstehen ihre Verträge als direkte Vereinbarungen mit der Krone. Die Königliche Proklamation von 1763 bestätigte die First Nations als autonome politische Gebilde und ihre Landrechte. Sie ist Teil der Kanadischen Charta der Rechte und Freiheiten von 1982 und verpflichtet die Krone, ihre Territorien zu schützen und Beziehungen „von Nation zu Nation“ zu erhalten.
Finanzen und Residenzen
Kanadische Steuerzahler finanzieren weder das persönliche Einkommen des Monarchen noch königliche Residenzen außerhalb Kanadas. Unterstützung aus Staatsmitteln gibt es, wenn der Monarch oder andere Mitglieder der Königsfamilie in Kanada sind oder Kanada im Ausland vertreten. Bezahlt werden gewöhnlich Kosten von Generalgouverneur und Vizegouverneuren, etwa Reisen, Sicherheit, Residenzen, Büros und Zeremonien. Die Ausgaben werden nicht zentral veröffentlicht. Eine Untersuchung der Monarchistischen Liga Kanadas bezifferte die Kosten für 2011/2012 im Vorjahr auf 56,88 Millionen Dollar.
Hauptresidenz des Monarchen und des Generalgouverneurs ist Rideau Hall in Ottawa. Dort finden Staatsbankette, Investituren, Vereidigungen und weitere Zeremonien statt; auch ausländische Staatsoberhäupter wohnen dort bei Besuchen. Die Zitadelle von Québec dient dem Generalgouverneur als Rückzugsort. British Columbia, Saskatchewan, Manitoba, Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island besitzen Residenzen der Vizegouverneure. Alle diese Residenzen gehören der Krone und dürfen nicht verkauft werden.
Monarchie und Republik
Eine breite nationale Debatte über die Abschaffung der Monarchie gab es in Kanada kaum. Viele Menschen wissen laut Artikel nicht, dass der Monarch Staatsoberhaupt ist: In einer EKOS-Umfrage von 2002 nannten nur fünf Prozent Elisabeth II. korrekt als kanadisches Staatsoberhaupt; die Mehrheit nannte den Premierminister.
Keine führende Partei – Liberale Partei, Konservative Partei oder Neue Demokratische Partei – befürwortet die Abschaffung; die Neue Demokratische Partei hat keine offizielle Position. Québec ist die einzige Provinz mit erkennbaren republikanischen Tendenzen. Die Parti Québécois äußerte sich bisweilen feindselig gegenüber der Monarchie, setzte aber die größere Souveränität Québecs höher auf ihre politische Agenda.
Die Monarchistische Liga Kanadas und die Bürger für eine kanadische Republik vertreten die gegensätzlichen Positionen und sind regelmäßig in den Medien präsent.