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K+S
Die K+S AG (vormals Kali und Salz AG) mit Sitz in Kassel ist ein börsennotiertes deutsches Bergbauunternehmen mit den Schwerpunkten Kali- und Salzförderung.
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Unternehmen und Bedeutung
Die K+S AG ist ein börsennotiertes deutsches Bergbauunternehmen mit Sitz in Kassel. Das Unternehmen entstand am 3. Oktober 1889 und konzentriert sich auf die Förderung und Verarbeitung von Kali- und Steinsalz. Kali- und magnesiumhaltige Produkte werden vor allem in der Landwirtschaft und in industriellen Anwendungen eingesetzt. K+S ist vorwiegend in Europa sowie in Nord- und Südamerika tätig.
Zum 31. Dezember 2025 hatte K+S 11.330 Beschäftigte und erzielte einen Umsatz von 3,65 Milliarden Euro. Die Gesellschaft wird seit 2025 von Christian H. Meyer als Vorstandsvorsitzendem geleitet; Aufsichtsratsvorsitzender ist Harald Schwager. Neben der Herstellung und Vermarktung eigener Produkte gehören Entsorgung, Wiederverwertung und weitere Dienstleistungen zum Konzern.
Entstehung und Entwicklung bis 1971
Die Geschichte begann mit der Gründung der Aktiengesellschaft für Bergbau und Tiefbohrung am 3. Oktober 1889 in Goslar. Der Aufstieg der Kaliindustrie hing mit dem wachsenden Einsatz von Mineraldünger zusammen. Dessen drei Grundbestandteile sind Kali, Phosphat und Stickstoff. Nach der Liberalisierung des Bergrechts und des Salzhandels entstanden im norddeutschen Kalirevier zahlreiche private Bergwerke.
1892 entdeckte das Unternehmen bei Salzdetfurth nahe Hildesheim eine Sylvinit-Lagerstätte. Die Schachtanlagen reichten bis in 700 Meter Tiefe; nach ihrer Fertigstellung 1899 wurde der Sitz nach Salzdetfurth verlegt und das Unternehmen in Kaliwerke Salzdetfurth AG umbenannt. Ab 1901 betrieb es eine eigene Kalifabrik und erweiterte sich durch Übernahmen. Die deutsche Kaliwirtschaft wurde zunächst durch das Kalisyndikat von 1888 und später durch ein Kali-Kartell geprägt, das Fördermengen, Preise und den weltweiten Vertrieb koordinierte.
Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Deutschland seine Gebiete in Elsaß-Lothringen und sah sich stärkerer Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten, Kanada, der Sowjetunion sowie Südamerika und Südeuropa gegenüber. Dennoch stammten in den 1920er Jahren noch rund 70 Prozent und 1935 noch 62 Prozent der weltweiten Kali-Produktion aus Deutschland. 1922 entstand die Werksgruppe Salzdetfurth-Aschersleben-Westeregeln; 1926 schlossen sich mehrere Unternehmen zum Kaliblock zusammen, der mehr als 50 Prozent des deutschen Marktes vertrat.
Während der NS-Zeit profitierten die Kaliunternehmen von der Autarkiepolitik. 1937 wurde die Werksgruppe unter Führung von Salzdetfurth fusioniert. Im Zweiten Weltkrieg wurden Zwangsarbeiter eingesetzt; 1944 betrug ihr Anteil an der Gesamtbelegschaft mehr als ein Drittel. Nach dem Krieg verlor das Unternehmen durch Enteignungen in der sowjetischen Besatzungszone etwa 60 Prozent seines Besitzes. In den 1950er Jahren wurde die Förderung wieder ausgebaut. Die Übernahme der Chemischen Fabrik Kalk erweiterte das Düngemittelgeschäft, blieb jedoch überwiegend verlustbringend; 1988 wurde dort die Düngemittelproduktion eingestellt.
Fusionen und Konzernumbau seit 1971
1971 fusionierte die Salzdetfurth AG mit der Kali-Sparte der BASF-Tochter Wintershall AG und der Burbach-Kaliwerke AG. Daraus entstand die Kali und Salz GmbH mit Sitz in Kassel. 1972 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. BASF wurde Mehrheitsaktionärin und sicherte sich damit den Zugriff auf Kali, Salz und weitere für die chemische Produktion wichtige Rohstoffe. Wegen einer rückläufigen Kalinachfrage folgten Förderkürzungen, Rationalisierungen und der Abbau mehrerer tausend Arbeitsplätze.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden 1993 die westdeutschen Aktivitäten mit der aus dem Kombinat Kali hervorgegangenen Mitteldeutschen Kali AG zusammengeführt. Die Kali und Salz AG hielt 51 Prozent an der neuen Kali und Salz GmbH, die Treuhandanstalt 49 Prozent. 1998 übernahm K+S den Treuhandanteil. 1993 hatte das Unternehmen bei 1,480 Milliarden Euro Umsatz noch 300 Millionen Euro Verlust gemacht; 1997 wurde bei 2,024 Milliarden Euro Umsatz ein Gewinn von 60 Millionen Euro erreicht. 1998 kam die Aktie in den MDAX.
Am 6. Juli 1999 wurde die Kali und Salz Beteiligungs AG in K+S Aktiengesellschaft umbenannt. K+S übernahm 1999 den Düngemittelhersteller Compo für 420 Millionen DM und wurde dadurch zum zweitgrößten europäischen Düngemittelproduzenten. 2002 gründete K+S mit Solvay das Salzunternehmen esco; 2004 übernahm K+S dessen Anteile vollständig. 2006 wurde der chilenische Salzhersteller Sociedad Punta de Lobos für 480 Millionen US-Dollar erworben, 2009 Morton Salt für 1,6 Milliarden Dollar. Damit war K+S weltweit führender Salzanbieter.
Compo wurde 2011 für 205 Millionen Euro verkauft, K+S Nitrogen 2012 an EuroChem. In Saskatchewan begann 2012 der Bau des neuen Kaliwerks Bethune; die Investition betrug etwa drei Milliarden Euro, die geplante Endkapazität knapp drei Millionen Tonnen jährlich. Eine Übernahme durch Potash scheiterte 2015. 2021 verkaufte K+S das amerikanische Salzgeschäft für 2,6 Milliarden Euro an Stone Canyon Industries Holdings und verlor dadurch die weltweite Spitzenposition im Salzgeschäft. Im Juni 2026 wurde die Übernahme des Salzgeschäfts durch Qemetica bekanntgegeben; dazu gehört auch das Sodawerk Staßfurt.
Geschäftsbereiche, Beteiligungen und Aktionariat
Die K+S-Gruppe besteht aus drei eng verbundenen Geschäftsbereichen: Kali- und Magnesiumprodukte, Salz sowie ergänzende Geschäftsbereiche. Serviceeinheiten und die Holding-Funktionen der K+S AG unterstützen diese Bereiche. Zu den Beteiligungen gehören unter anderem die K+S Minerals and Agriculture GmbH, die Chemische Fabrik Kalk GmbH, Ickenroth GmbH, K+S Baustoffrecycling GmbH, K+S Consulting GmbH und K+S Potash Canada GP.
Nachdem BASF ihren verbliebenen zehnprozentigen Anteil im März 2011 verkauft hatte, reduzierte die von Andrei Melnitschenko kontrollierte EuroChem-Gruppe ihre Beteiligung auf unter fünf Prozent. Größter Einzelaktionär ist DWS Investment mit 5,69 Prozent. Rund ein Prozent der Aktien halten Beschäftigte; die übrigen Aktien befinden sich im Streubesitz. Etwa 50 Prozent der Aktien werden in Deutschland gehalten.
Die Aktie gehörte vom 22. September 2008 bis zum 21. März 2016 dem DAX an. 2013 fiel der Kurs im Zusammenhang mit angekündigten sinkenden Kali-Preisen stark: Am 1. August 2013 lag er bei 16,91 Euro, zeitweise gab die Aktie bis zu 44 Prozent nach. Die BaFin untersuchte daraufhin möglichen Insiderhandel oder Marktmanipulationen. 2016 wurde K+S wegen der gesunkenen Marktkapitalisierung aus dem DAX genommen.
Standorte und Infrastruktur
K+S hat Produktionsstandorte in Europa, Nordamerika sowie Mittel- und Südamerika und Vertriebsstandorte in Afrika und Asien. Die Unternehmenszentrale befindet sich in Kassel.
Das Verbundbergwerk Werra umfasst Wintershall in Heringen, Hattorf in Philippsthal und Unterbreizbach an der hessisch-thüringischen Grenze. Das Kaliwerk Zielitz in Sachsen-Anhalt ist mit etwa 12 Millionen Tonnen Rohsalz pro Jahr das größte deutsche Kalibergwerk; dort werden rund 30 Prozent der jährlichen K+S-Produktion gefördert. Weitere Kaliwerke liegen in Neuhof-Ellers bei Fulda sowie in Sehnde und bei Bokeloh nahe Hannover. Zum Werk Werra gehört außerdem das öffentlich zugängliche Erlebnisbergwerk Merkers.
Im Salzbereich betreibt esco die Werke Bernburg, Borth und Braunschweig-Lüneburg in Grasleben. Im Gebiet von Philippsthal unterhält K+S eigene 60-Kilovolt-Hochspannungsleitungen zwischen dem Umspannwerk Heimboldshausen, dem Kaliwerk Hattorf, der Schachtanlage Hera und dem Werk Werra.
Umweltfolgen, Halden und Unfälle
Bei der Aufbereitung von Kalisalz entstehen Salzlösungen. K+S verpresst jährlich bis zu sieben Millionen Kubikmeter davon in den Untergrund, vor allem bei Kleinensee und Philippsthal. Kritiker sehen darin eine Ursache der Versalzung der Werra. Zusätzlich werden mit Genehmigung des Regierungspräsidiums Kassel Salzabwässer in die Werra eingeleitet. Seit Oktober 2013 gelangen durchschnittlich 700.000 Kubikmeter jährlich über eine 63 Kilometer lange Pipeline aus Neuhof-Ellers in den Fluss.
Eine 2012 genehmigte und 2014 gerichtlich bestätigte Pipeline stieß auf mehr als 2000 Einwendungen. K+S plant, aus bisher nicht genutzten Salzlösungen rund 260.000 Tonnen Verkaufsprodukte wie Kaliumchlorid und Magnesiumsulfat herzustellen. Dadurch sollte die Abwassermenge des Werks Werra von 14 Millionen Kubikmetern im Jahr 2007 auf 5,5 Millionen Kubikmeter sinken. Bei Niedrigwasser müssen Einleitungen unterbleiben; ein Zwischenspeicher in einem stillgelegten Grubenfeld kann etwa eine Million Kubikmeter Produktionsabwässer aufnehmen.
Der 2014 vorgestellte Vier-Phasen-Plan soll die Einleitungen weiter verringern. Werra und Oberweser sollen spätestens 2075 wieder Süßwasserqualität erreichen. Eine etwa 450 Kilometer lange Rohrfernleitung vom Werra-Revier zur Nordsee wurde aufgegeben.
Große Abraumhalden, auch „Kaliberge“ genannt, befinden sich unter anderem in Neuhof-Ellers, Zielitz, Heringen, Bokeloh und Philippsthal. Die Halde in Heringen heißt Monte Kali, die Zielitzer Halde regional Kalimandscharo. Für die Halde des ehemaligen Bergwerks Buggingen wurde 2020 eine vollständige Abdeckung innerhalb von acht Jahren vereinbart; die Arbeiten begannen 2024. Bei Unfällen starb am 5. April 2012 ein Bergmann im Kaliwerk Sigmundshall. Am 1. Oktober 2013 kamen nach einem Kohlendioxidausbruch in Unterbreizbach drei Bergleute ums Leben.