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Jordan Peterson

Jordan Bernt Peterson (* 12. Juni 1962 in Edmonton, Alberta) ist ein kanadischer klinischer Psychologe, Sachbuchautor, politischer Aktivist und emeritierter …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung und akademische Laufbahn
  3. 3. Öffentliche Karriere und Reichweite
  4. 4. Gesellschafts- und identitätspolitische Positionen
  5. 5. Klimapolitik und ARC
  6. 6. Kontroversen, Kritik und Privatleben

Person und Bedeutung

Jordan Bernt Peterson (* 12. Juni 1962 in Edmonton, Alberta) ist ein kanadischer klinischer Psychologe, Sachbuchautor, politischer Aktivist und emeritierter Professor. Von 1997 bis 2022 lehrte er Psychologie an der University of Toronto. Seine Forschung befasst sich vor allem mit religiösem und ideologischem Glauben sowie mit Möglichkeiten, Persönlichkeit und Leistung zu verbessern.

International bekannt wurde Peterson durch Vorlesungen und Diskussionen im Internet, seine Kritik an Genderpolitik und Political Correctness sowie seine Bücher. Er vertritt konservative und rechte Positionen, bezeichnet sich selbst jedoch als klassischen britischen Liberalen. Sein Lebensratgeber 12 Rules for Life wurde 2018 zum internationalen Bestseller. Peterson ist außerdem Initiator und Mitgründer der Alliance for Responsible Citizenship (ARC), eines politischen Netzwerks, das einflussreiche Vertreter des globalen rechten Denkens zusammenbringen will.

Ausbildung und akademische Laufbahn

Peterson wuchs als ältestes von drei Kindern in Fairview in der kanadischen Provinz Alberta auf. Als Jugendlicher engagierte er sich in der sozialdemokratischen New Democratic Party, die er mit 18 Jahren verließ.

Er studierte zunächst Politikwissenschaft am Grande Prairie College und anschließend an der University of Alberta, wo er 1982 den Bachelor of Arts erwarb. Unter dem Eindruck des Kalten Krieges und der Gefahr eines Atomkriegs wollte er den menschlichen Drang zur Zerstörung untersuchen. Nach einer Europareise beschäftigte er sich intensiv mit Carl Gustav Jung, Friedrich Nietzsche und Aleksandr Solschenizyn. 1984 schloss er ein Psychologiestudium mit einem weiteren Bachelor of Arts ab. Ab 1985 promovierte er bei Robert O. Pihl an der McGill University.

Von 1993 bis 1998 lehrte Peterson als Assistenzprofessor an der Harvard University. Dort untersuchte er besonders Aggression im Zusammenhang mit Drogen und Alkoholismus. 1998 wechselte er an die University of Toronto. Seine Forschung behandelte unter anderem die Persönlichkeitsstruktur, die Big Five – fünf grundlegende Dimensionen der Persönlichkeit – sowie Motivation in Studium und Beruf. Bis zur Aufgabe seines Lehrstuhls veröffentlichte er 98 wissenschaftliche Arbeiten; Scopus führt für ihn einen Hirsch-Index von 45, ein Maß für die Wirkung wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

Im Januar 2022 erklärte Peterson, seinen Lehrstuhl aufgegeben zu haben. Er bezeichnete sich als akademische persona non grata und kritisierte Initiativen für Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion als ideologische Gefährdung der Universität. Am 22. November 2022 verpflichtete ihn das College of Psychologists of Ontario wegen despektierlicher Äußerungen zur Teilnahme an einem Kurs über den Umgang mit sozialen Medien. Peterson sah darin eine Verletzung seiner Meinungsfreiheit. Am 23. August 2023 bestätigte der Divisional Court des Ontario Superior Court of Justice die Rechtmäßigkeit der Entscheidung.

Öffentliche Karriere und Reichweite

Peterson gewann zunächst über die Frageplattform Quora Aufmerksamkeit. Seit 2013 veröffentlichte er Vorlesungen auf YouTube. Sein Kanal hatte 2017 mehr als eine Million und 2019 mehr als zwei Millionen Abonnenten; Vorträge über das Alte Testament und Psychologie wurden 17 Millionen Mal aufgerufen. Ein Interview mit Cathy Newman bei Channel 4 erreichte auf YouTube mehr als 18 Millionen Aufrufe. Peterson sammelte zeitweise über Patreon höhere monatliche Einnahmen als durch seine akademische Tätigkeit, hielt TEDx-Vorträge und trat international im Fernsehen auf. Im Dezember 2018 löschte er sein Patreon-Konto aus Protest gegen die Sperrung rechter und antifeministischer Konten wegen Verstößen gegen Regeln zu Hassrede.

Sein 2018 veröffentlichtes Buch 12 Rules for Life wurde in den USA und Kanada zum Bestseller, millionenfach verkauft und für Übersetzungen in mindestens 50 Sprachen vorgesehen. Daneben bot er Coachings und kostenpflichtige Angebote zur Beurteilung und Optimierung der Persönlichkeit an. Sein erstes Buch Maps of Meaning: The Architecture of Belief von 1999 hatte zunächst kaum 500 Käufer gefunden und wurde erst nach seinem späteren Erfolg ins Deutsche übersetzt.

Im April 2019 diskutierte Peterson in Toronto öffentlich mit dem linken slowenischen Philosophen Slavoj Žižek. Im August 2022 wurde Petersons Twitter-Konto gesperrt, weil er sich über transgender Personen lustig gemacht habe. Im November 2022 ließ der neue Eigentümer Elon Musk das Konto wieder freischalten. Peterson kündigte außerdem eine Zusammenarbeit mit dem rechtskonservativen Medium Daily Wire an.

Sein Publikum umfasst konservative Christen, libertäre Atheisten, Zentristen und Anhänger der Alt-Right; besonders stark ist seine Anhängerschaft unter jungen weißen Männern. Wissenschaftliche Veröffentlichungen betonen seine Bedeutung für die Manosphere, also internetbasierte Milieus, die sich mit Männlichkeit und männlichen Interessen beschäftigen.

Gesellschafts- und identitätspolitische Positionen

Peterson betrachtet Political Correctness als Gefahr für Redefreiheit und Gesellschaft. Öffentlicher und interner Druck führe seiner Ansicht nach zu Selbstzensur im Journalismus. Insbesondere Universitäten macht er für diese Entwicklung verantwortlich. Er wendet sich zudem entschieden gegen Marxismus und einen von ihm so bezeichneten „postmodernen Neomarxismus“ oder „Kulturmarxismus“. Nach seiner Darstellung hätten Marxisten erfolglose wirtschaftliche Argumente durch Aussagen über die Unterdrückung von Identitäten, Rassismus und Sexismus ersetzt. Identitätspolitik untergrabe westliche Werte und könne den Weg zum Totalitarismus bereiten.

Diese Deutung ist stark umstritten. Kritiker bezeichnen sie als Strohmann, sachlich falsch oder als umfassende Verschwörungstheorie. Die von Peterson zugeordneten Denker wie Jacques Derrida und Michel Foucault seien häufig weder Marxisten noch Vertreter der Postmoderne im von ihm behaupteten Sinn. Ihm wird außerdem vorgeworfen, ihre Werke nur oberflächlich gelesen und den Begriff so weit gefasst zu haben, dass er nahezu alle Befürworter sozialer Gerechtigkeit einschließe.

In der Sozialpolitik vertritt Peterson vielfach libertäre Positionen. Er befürwortet eine Liberalisierung des Drogenkonsums und eine solidarisch finanzierte Krankenversicherung. Er unterscheidet zwischen „equality of outcome“ (Ergebnisgleichheit) und „equality of opportunity“ (Chancengleichheit). Politische Maßnahmen zur Herstellung gleicher Ergebnisse, darunter Maßnahmen gegen die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, hält er für gefährlich und vergleicht sie mit totalitärem Kommunismus. Stattdessen befürwortet er Chancengleichheit und die Gesetze der freien Wirtschaft, weil menschliche Talente ungleich verteilt seien.

2016 wurde Peterson als Gegner von Bill C-16 bekannt, einer im Juni 2017 verabschiedeten Änderung des kanadischen Menschenrechts- und Strafrechts, die transgender Personen schützen sollte. Er behauptete, das Gesetz erzwinge die Verwendung gewünschter Pronomen und könne auch indirekt oder unbeabsichtigt als beleidigend verstandene Äußerungen bestrafen. Viele Juristen, Fachleute und Aktivisten widersprachen. Die Juraprofessorin Brenda Cossman erklärte, Bill C-16 kriminalisiere den falschen Gebrauch von Pronomen nicht. Absichtlicher Fehlgebrauch könne zwar rechtliche Folgen wie Geldbußen, aber keine Haftstrafe haben. Auch die Canadian Bar Association erklärte, eine bloß falsche Anrede erfülle nicht die Definition von Hasskriminalität oder Hassrede.

2022 führte Peterson die zunehmende Zahl geschlechtsangleichender Maßnahmen auf „soziale Ansteckung“ zurück und bezeichnete die Auflösung von Geschlechterkategorien als möglichen Vorboten eines gesellschaftlichen Zusammenbruchs. Auf einer ARC-Konferenz 2025 nannte er Homosexualität eine „Abweichung“ und bezeichnete die stabile, engagierte, heterosexuelle und auf Kinder ausgerichtete Monogamie als grundlegende Einheit der zivilisierten Gesellschaft.

Klimapolitik und ARC

Peterson bezweifelt den wissenschaftlichen Konsens zur globalen Erwärmung und gibt Klimawandelleugnern in Interviews und anderen Formaten eine Plattform. Er hält das Klima für zu komplex, um es erfolgreich zu modellieren und daraus belastbare Aussagen abzuleiten. Fachleute bewerteten diese Aussagen überwiegend negativ und sahen darin ein grundlegendes Missverständnis von Statistik und wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung. Peterson bezieht sich dabei auf Fred Singer, der vom Heartland Institute unterstützt wurde; dieses wurde wiederum von ExxonMobil und Koch, Inc. finanziert.

Maßnahmen gegen den Klimawandel beschreibt Peterson als Angriff auf die Autokultur. Einen höheren CO₂-Anteil in der Atmosphäre hält er für vorteilhaft. Die Begrenzung von Schadstoffen des Kraftverkehrs führt er auf einen neidhaften und narzisstischen Drang zurück, Chaos zu verursachen.

2023 gründete er die Alliance for Responsible Citizenship, die sich unter anderem gegen klimapolitische Maßnahmen richtet. Finanziert wird sie von der Legatum Group und dem britischen Hedgefonds-Millionär Paul Marshall, die beide Eigentümer des rechten Senders GB News sind; Marshall investiert auch in fossile Energieträger. An einer Konferenz Anfang 2025 nahmen laut einer geleakten Liste unter anderem Manager fossiler Energiekonzerne, Mitglieder der Regierung Trump, Verbündete klimaskeptischer Organisationen, europäische Politiker und rechte Tech-Milliardäre teil. Peterson erklärte als Ziele, den von ihm so bezeichneten „Klimaschwindel der Umweltschützer“ zu entlarven und die Politik der Netto-Null-Emissionen zu beenden.

Kontroversen, Kritik und Privatleben

Die Beurteilungen Petersons gehen deutlich auseinander. Tyler Cowen und David Brooks bezeichneten ihn 2018 als einen der einflussreichsten öffentlichen Intellektuellen der westlichen Welt. Kritiker werfen ihm dagegen unter anderem fachliche Ungenauigkeit, selektive Beispiele, biologistische Deutungen, Antifeminismus, Nähe zur extremen Rechten und die Rechtfertigung bestehender gesellschaftlicher Hierarchien vor. Andere Stimmen halten Bezeichnungen wie „Rassist“ oder „Frauenhasser“ für unbegründet und verstehen seine Position hauptsächlich als Ablehnung einer Identitätspolitik, die Menschen auf Gruppenmerkmale reduziere. Hella Dietz bewertet viele seiner Aussagen als so vage, dass Gegner und Anhänger jeweils ihre eigenen Weltbilder hineinlesen könnten.

Sein ehemaliger Kollege Bernard Schiff beschrieb Peterson einerseits als außergewöhnlich kreativ, andererseits als exzentrisch und eher als Prediger denn als Lehrer. Er warf ihm vor, in der Auseinandersetzung um Bill C-16 die Forschung zum Verhältnis von biologischem Geschlecht und Gender falsch dargestellt und ähnlich wie ein autoritärer Demagoge kommuniziert zu haben.

Peterson ist seit 1989 mit Tammy Roberts verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter. Nach eigener Aussage ernährt er sich ausschließlich von Rindfleisch und Salz. 2019 wurde er nach dem Absetzen des verschriebenen Medikaments Clonazepam wegen körperlicher Entzugssymptome in einer Klinik nahe Moskau behandelt. Er wurde neun Tage lang mit Propofol in ein Koma versetzt und erlitt neurologische Schäden. 2020 nahm er seine öffentliche Arbeit wieder auf. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass er wegen einer schweren Lungenentzündung und Sepsis mehrere Wochen intensivmedizinisch behandelt worden war; nach Angaben seiner Tochter wurde außerdem eine Polyneuropathie diagnostiziert.

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