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Johann Adolph Hasse

Hasse komponierte und dirigierte jeweils noch die Musik für die Trauerfeierlichkeiten seiner beiden ehemaligen Dienstherren und verließ danach Dresden.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und musikalischer Stil
  2. 2. Jugend, Ausbildung und Aufstieg
  3. 3. Dresdner Hof, Rivalitäten und Kriegszeit
  4. 4. Wien, spätes Leben und Ende
  5. 5. Werke und Gattungen
  6. 6. Nachwirkung und Erinnerung

Bedeutung und musikalischer Stil

Johann Adolph Hasse (getauft am 25. März 1699 in Bergedorf, gestorben am 16. Dezember 1783 in Venedig) war ein deutscher Komponist des Spätbarock. Berühmt wurde er vor allem durch seine Opern im italienischen Stil. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Opera seria, der ernsten italienischen Oper des 18. Jahrhunderts.

Die Opera seria erhielt durch die Dichtungen Pietro Metastasios ihre literarische Grundform. Hasse führte diesen Operntyp zur Vollendung, ohne sein Grundschema wesentlich zu verändern. Es besteht meist aus einer Folge von Arien, die durch Rezitative verbunden sind. Hasse verwendete überwiegend Secco-Rezitative, also sparsam instrumentierte Rezitative. Das orchesterbegleitete Accompagnato-Rezitativ setzte er selten ein, reservierte es aber für besonders dramatische Höhepunkte.

Hasses Arien und seine meist je Oper vorkommenden Duette stehen häufig in Da-capo-Form. Dabei steht der Gesang im Mittelpunkt: Die sprachliche Eleganz und der Gefühlsgehalt des Textes sollen deutlich hervortreten. Hasse konnte unterschiedliche Stimmungen musikalisch gestalten; besonders bekannt waren sanft melancholische Liebes- und Abschiedsgesänge wie „Per questo dolce amplesso“ aus Artaserse. Das Orchester erzeugt charakteristische Klangfarben und unterstützt die musikalische und poetische Darstellung, ohne den Gesang zu überdecken.

In späteren Dresdner Opern ergänzte Hasse das Formenspektrum durch Chorszenen, etwa den Soldatenchor in Solimano und den Priesterchor in L’olimpiade. Für italienische Bühnen schrieb er meist nur den obligatorischen Schlusschor, der von den Solisten ausgeführt wird und die Moral der Handlung verkündet. Zeitgenossen bewunderten die vornehme Schlichtheit und die wirkungsvollen, aber nicht aufdringlichen Effekte seiner Musik.

Jugend, Ausbildung und Aufstieg

Hasse stammte aus einer Organistenfamilie. Die Familie hatte über drei Generationen das Organistenamt an der Kirche St. Petri und Pauli in Bergedorf inne. 1714 begann Hasse in Hamburg ein Gesangsstudium. Der Dichter Johann Ulrich von König empfahl ihn 1718 als Tenor an die Oper am Gänsemarkt.

1719 wechselte Hasse nach Braunschweig. Dort wurde am 11. August 1721 seine erste Oper Antioco aufgeführt, in der er selbst die Titelrolle sang. Von 1722 bis 1725 studierte er in Neapel Komposition bei Nicola Porpora und Alessandro Scarlatti.

Im September 1725 führte Hasse auf dem Landsitz des königlichen Rates Carlo Carmignano die Serenata Marc’Antonio e Cleopatra auf; daran wirkten Vittoria Tesi und Farinelli mit. Mit Sesostrate gab Hasse am 13. Mai 1726 am Teatro San Bartolomeo in Neapel einen erfolgreichen Einstand. Danach gehörte er zu den beliebtesten Opernkomponisten Italiens.

Besonders bekannt wurde Hasse durch Artaserse in der Karnevalsaison 1730 in Venedig. Seitdem trug er den Beinamen „il divino Sassone“ („der göttliche Sachse“). Artaserse war zugleich seine erste Zusammenarbeit mit Pietro Metastasio, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

Am 20. Juli 1730 heiratete Hasse die berühmte Opernsängerin Faustina Bordoni, die „La nuova Sirena“. Vom 7. Juli bis 8. Oktober 1731 gastierten beide in Dresden. Dort wurde am 13. September 1731 Hasses Cleofide, auch Alessandro nell’Indie genannt, uraufgeführt. August der Starke verlieh Hasse den Titel eines „Königlich Polnischen und Kurfürstlich Sächsischen Kapellmeisters“. Sein offizieller Dienstantritt erfolgte am 1. Dezember 1733 unter August III.

Dresdner Hof, Rivalitäten und Kriegszeit

Während seiner dreißigjährigen Amtszeit als Hofkapellmeister in Dresden formte Hasse das Opernpersonal zu einem Spitzenensemble. Neben Faustina Bordoni als führender Sängerin galt besonders das von ihm neu organisierte Orchester als vorbildlich. Jean-Jacques Rousseau veröffentlichte seinen Sitzplan im Artikel „Orchestre“ der Encyclopédie als Musterbeispiel.

Der Dresdner Hof gewährte Hasse und Bordoni große Freiheiten für Reisen nach Italien. Mindestens fünf längere Auslandsreisen des Ehepaars sind belegt: November 1734 bis Januar 1737, September 1738 bis Ende 1739, April 1744 bis Spätsommer 1745, Juli 1746 bis Anfang Januar 1747 sowie im Laufe des Jahres 1754. Mittelpunkt dieser Reisen war Venedig, wo Hasse seit 1735 ein Haus besaß.

Hasses Verhältnis zu Nicola Porpora war von Rivalität geprägt. Ob Hasse Ende 1734 in London war, ist nicht erwiesen. Dort wurde eine Bearbeitung seines Artaserse von der Opera of the Nobility unter Porporas Leitung gespielt. Einige Quellen berichten, Hasse habe eine Einladung nach London abgelehnt, weil er nicht gegen Georg Friedrich Händel konkurrieren wollte; andere mögliche Gründe werden im Artikel ebenfalls als unsicher dargestellt. Als Porpora 1748 nach Dresden kam, entstanden zwischen beiden Kapellmeistern heftige Auseinandersetzungen. Hasse gewann mit seiner Ernennung zum Oberkapellmeister am 7. Januar 1749 wieder die Oberhand. Porpora verließ Dresden Anfang 1752; Bordoni zog sich Anfang 1751 nach der letzten Aufführung von Ciro riconosciuto aus unbekannten Gründen als Sängerin zurück.

Von Mai bis August 1750 hielt sich Hasse auf Einladung des französischen Hofes in Paris auf. Seine Konzerte wurden unter anderem vom Dauphin besucht. Anhänger der französischen Aufklärung um Voltaire und Rousseau feierten ihn als Vertreter der italienischen Musikkultur. Die Einladung galt als Höhepunkt seines europäischen Ruhmes.

Mit dem Siebenjährigen Krieg endete die Dresdner Blütezeit allmählich. Am 9. September 1756 besetzte Friedrich II. Dresden. Trotz des Krieges musizierte der preußische König, der Hasses Kunst bewunderte, mit Hasse und Bordoni. Beim Kanonenbeschuss Dresdens am 19. Juli 1760 brannte Hasses Wohnhaus ab. Dabei gingen auch die zum Stich vorbereiteten Abschriften seiner gesammelten Werke verloren. Hasse zog im Februar 1764 mit seiner Familie, zu der die Töchter Maria Peppina und Cristina gehörten, nach Wien und unterrichtete dort zeitweise die Erzherzoginnen Maria Carolina und Maria Antonia, die spätere Marie-Antoinette.

Wien, spätes Leben und Ende

Nach Kriegsende kehrten Hasse und Bordoni im Sommer 1763 nach Dresden zurück. Nach dem Tod Augusts III. am 5. Oktober 1763 mussten sie wegen der finanziellen Zerstörung des Landes entlassen werden. Hasse komponierte und dirigierte noch die Trauermusik für August III. und dessen Nachfolger Friedrich Christian, der am 17. Dezember 1763 unerwartet starb. Danach verließ Hasse Dresden und reiste am 20. Februar 1764 nach Wien.

In Wien gewann die von Christoph Willibald Gluck vertretene Reform der italienischen Oper zunehmend Anhänger. Der kaiserliche Hof hielt jedoch weiterhin an der traditionellen Opera seria fest. Hasse näherte sich dem reformierten Operntyp vorsichtig mit dem „tragischen Intermezzo“ Piramo e Tisbe, das im November 1768 aufgeführt wurde und das er selbst zu seinen gelungensten Werken zählte.

Im Januar 1771 erhielt Hasse von Maria Theresia den Auftrag, zur Hochzeit Erzherzog Ferdinands mit Maria Beatrice d’Este die Festoper Il Ruggiero nach einem neuen Libretto Metastasios zu komponieren. Die Oper wurde am 16. Oktober 1771 im Teatro Regio Ducale in Mailand aufgeführt, fand aber nur geringe Resonanz. Am folgenden Tag erregte Ascanio in Alba des fünfzehnjährigen Wolfgang Amadeus Mozart deutlich mehr Aufmerksamkeit. Hasse und Metastasio erkannten, dass ihre Opernästhetik ihre Zeit überlebt hatte, wollten sich von ihr aber nicht trennen.

Im April 1773 zogen Hasse und Bordoni nach Venedig. Bordoni starb am 4. November 1781; Hasse überlebte sie um zwei Jahre. Beide wurden in der Kirche San Marcuola in Venedig beigesetzt.

Werke und Gattungen

Hasses erhaltenes und überliefertes Werk umfasst vor allem Opern, außerdem Intermezzi, Kantaten und Serenaten, Oratorien, geistliche Musik sowie gedruckte Instrumentalwerke.

Zu den Opern gehören Antioco (Braunschweig 1721), Sesostrate (Neapel 1726), Artaserse (Venedig, Karneval 1730), Cleofide (Dresden 1731), Demofoonte (Dresden 1748), Solimano (Dresden 1753), L’olimpiade (Dresden 1756), Il trionfo di Clelia (Wien 1762) und Il Ruggiero (Mailand 1771). Mehrere Opern liegen in verschiedenen Fassungen vor, darunter Artaserse, Cleofide, Cajo Fabricio, Tito Vespasiano beziehungsweise La clemenza di Tito, Arminio, Semiramide riconosciuta, Nitteti und weitere Werke. Viele Libretti stammen von Pietro Metastasio.

Die Intermezzi umfassen unter anderem Scintilla e Don Tabarano, La serva scaltra, Lucilla e Pandolfo und Piramo e Tisbe. Zu den Kantaten und Serenaten zählen La Semele o sia La richiesta fatale, Endimione, Il natal di Giove, Il sogno di Scipione, Alcide al bivio, Egeria, Partenope, La danza und Il ciclope.

Hasse schrieb Oratorien wie Daniello, Il cantico de’ tre fanciulli, Giuseppe riconosciuto, I pellegrini al Sepolcro, La deposizione della Croce, La caduta di Gerico und La conversione di Sant’Agostino. Zur geistlichen Musik gehören unter anderem Messen, Miserere, Salve Regina, Regina coeli, Te Deum und Requien. Die Messe in d und das Te Deum entstanden 1751 zur Einweihung der Katholischen Hofkirche in Dresden. Das Requiem C-Dur von 1763 war für die Beisetzung Augusts III. bestimmt; ein Requiem Es-Dur entstand wohl 1763/64 für die Beisetzung Friedrich Christians.

Die gedruckten Werke umfassen unter anderem Sonaten, Trios, Sinfonien und Konzerte. Genannt werden Op. 1 mit zwölf Flötensonaten, Op. 2 mit sechs Triosonaten, Op. 3 mit zwölf Konzerten sowie sechs weiteren Sonaten oder Trios, Op. 4 mit sechs Konzerten, Op. 5 mit sechs Sinfonien sowie sechs Solowerken und Op. 6 mit sechs Konzerten. Außerdem ist Op. 7 mit sechs Cembalosonaten überliefert.

Nachwirkung und Erinnerung

Zu Lebzeiten war Hasse einer der gefeiertsten Komponisten des 18. Jahrhunderts. Zu seinen Bewunderern gehörten Maria Theresia, Friedrich II. von Preußen und Voltaire, der ihn den „Helden des Jahrhunderts“ nannte. Seine musikgeschichtliche Bedeutung ist größer als seine heutige Präsenz im Musikleben. Weil seine Musik eng an die Ästhetik der Opera seria gebunden war, verlor sie nach dem Wandel des musikalischen Geschmacks an Bedeutung. Die ernste italienische Oper des 18. Jahrhunderts ist heute auf Bühnen vor allem durch Händel und Gluck vertreten; auf Tonträgern kommen unter anderem Antonio Vivaldi und einzelne Arien hinzu.

Im März 2015 wurde in Hamburg das Johann-Adolph-Hasse-Museum eröffnet. Es gehört zum Komponistenquartier in der Peterstraße, zu dem auch Museen für Carl Philipp Emanuel Bach, Johannes Brahms, Gustav Mahler, Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Georg Philipp Telemann gehören.

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