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International Christian Fellowship

Die Freikirche orientiert sich eher an einem jüngeren Publikum sie steht aber auch wegen sektenhafter Züge sowie ihrem Umgang mit Homosexualität in der Kritik.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Verbreitung
  2. 2. Lehre und Selbstverständnis
  3. 3. Gottesdienste, Gruppen und Ausbildung
  4. 4. Organisation und Finanzierung
  5. 5. Geschichtliche Entwicklung
  6. 6. Kirchliche Verbindungen und Kritik

Überblick und Verbreitung

ICF steht für International Christian Fellowship und wird auch „ICF Church“ genannt. Es ist eine christliche Freikirche, die 1996 entstand, ihren Hauptsitz in Zürich hat und in mehreren Ländern tätig ist. Ihr Motto lautet „Kirche neu erleben“. Die Bewegung wird zur neocharismatischen Bewegung gezählt, also zu christlichen Gemeinden, die charismatische Frömmigkeit wie persönliche Glaubenserfahrung und moderne Gottesdienstformen betonen. Das ICF richtet sich stark an ein jüngeres Publikum, steht aber auch wegen sektenhafter Züge und wegen seines Umgangs mit Homosexualität in der Kritik.

Die Dachorganisation ICF Movement unterstützt Gemeindegründungen in der Schweiz, in Deutschland und international. Im Jahr 2025 hatte das ICF 68 Kirchen und 14 Startupkirchen. Einige Gemeinden arbeiten als Multisite-Church: Eine Gemeinde trifft sich dabei an mehreren Standorten. Besonders einflussreich für die Weiterentwicklung des Movements sind nach Angaben des Artikels Leo Bigger und Joel Spirgli aus dem ICF Zürich sowie Tobias Teichen aus dem ICF München (Stand 2026).

Die Ursprungsgemeinde in Zürich beschäftigte 2015 60 hauptamtliche Mitarbeiter. Der Personalaufwand machte 2015 52 Prozent des Budgets aus. Nach eigenen Angaben wurden damals in einer wöchentlichen „Celebration“, also einem Gottesdienst, an allen sechs Zürcher Locations zusammen 3.200 Besucher erreicht.

Lehre und Selbstverständnis

Das ICF sieht sich selbst als neocharismatische Bewegung, weil es sich in theologischen Grundsatzfragen nicht eindeutig zwischen evangelikalem und charismatischem Gedankengut festlegen will. Evangelikal bedeutet hier eine starke Orientierung an der Bibel und an persönlicher Bekehrung; charismatisch bezeichnet eine Frömmigkeit, die besondere Erfahrungen des Heiligen Geistes betont.

Als Grundlage der Lehre gelten die Bibel, das apostolische Glaubensbekenntnis und die Lausanner Verpflichtung. Nach eigener Darstellung steht das ICF damit lehrmäßig nahe bei anderen evangelischen Kirchen und Freikirchen und grenzt sich von sektiererischen Strömungen ab. Zugleich ist im Artikel vermerkt, dass die Neutralität des Abschnitts umstritten ist.

Die einzelnen ICF-Gemeinden sind theologisch nicht einheitlich geprägt. Manche sind stärker evangelikal, andere stärker charismatisch. Die Bibelauslegung entspricht der evangelikalen Tradition. In sexualethischen Fragen, etwa zu vorehelichem Geschlechtsverkehr, vertritt das ICF eine konservative Position. Einzelne Standorte sehen Homosexualität als „Störung“, die behoben werden könne, und werden mit Konversionstherapien in Verbindung gebracht. Der Artikel betont aber, dass dies wegen der theologischen Unterschiede nicht für alle ICF-Ableger gilt.

Zentral ist nach ICF-Aussage das Ziel, Menschen in eine persönliche und wachsende Beziehung mit Jesus Christus zu führen. Jesus soll dabei wie ein anwesender, persönlicher Freund verstanden werden, mit dem man ständig kommuniziert. Das ICF Movement beschreibt seine gemeinsame Vision unter anderem mit einer Kirche „am Puls der Zeit“, persönlicher Beziehung zu Jesus Christus, echter Liebe und Gemeinschaft, Förderung von Begabungen, Wachstum und positiven Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Der Theologe Manuel Schmid beschrieb 2018 fünf Merkmale der ICF-Kultur: progressiv als Kultur der Zukunftserwartung, passioniert als Kultur der Leidenschaft, partizipativ als Kultur der Bevollmächtigung, pragmatisch als Kultur der Fehlertoleranz und persönlich als Kultur der Lebensnähe.

Gottesdienste, Gruppen und Ausbildung

Die Gottesdienste heißen beim ICF „Celebrations“. In ihnen soll besonders sichtbar werden, dass die Kirche „am Puls der Zeit“ stehen will. Häufig gibt es Predigtserien, bei denen ein Thema mehrere Wochen lang in Gottesdiensten und Kleingruppen behandelt wird. Predigten werden „Messages“ genannt. Sie sollen anschaulich sein und die Besucher dazu anregen, umzudenken und konkret zu handeln.

Moderne Musik ist ein fester Bestandteil der Gottesdienste. Verwendet werden Stile wie Rock, Pop, House, Dance oder Soul. Der Anbetungsteil ähnelt nach Darstellung des Artikels Gottesdiensten der Hillsong Church oder anderen attraktionalen Gemeinden, also Gemeinden, die mit moderner Gestaltung und ansprechenden Formen Menschen anziehen wollen. Eine wichtige Rolle spielen moderne Veranstaltungstechnik, Videoclips, Interviews und kurze Theaterstücke. Viele Begriffe sind Anglizismen, zum Beispiel „Celebration“ für Gottesdienst, „Message“ für Predigt und „Worship“ für Lobpreismusik.

Seit 2002 gibt es im ICF Kleingruppen, die „Smallgroups“ heißen. Sie entsprechen ungefähr dem Hauskreis in anderen christlichen Kirchen. Dort sollen persönlicher Austausch, Glaubensvertiefung und Gemeinschaft gefördert werden. Die Treffen finden meist wöchentlich oder zweiwöchentlich statt und werden von den Gruppen selbst gestaltet. Viele Besucherinnen und Besucher nehmen an einer Kleingruppe pro Woche teil.

Anfangs wurde in einigen ICFs das aus Kolumbien stammende G12-Modell eingeführt. Dabei bildet ein G12-Leiter seine Teilnehmer wiederum zu G12-Leitern aus. Wegen der starken Bindung an die Leiter wurde das Modell kritisiert; dem ICF wurden dadurch sektiererische Strukturen vorgeworfen. Das G12-Konzept wurde bald wieder abgeschafft.

Zur Praxis gehören außerdem Kurse, zum Beispiel über Glaubensgrundlagen, persönliche Begabungen, Umgang mit Geld oder Leiterschaft. In Zürich, München, Mannheim, Berlin und Karlsruhe gibt es das ICF College. Es bietet eine Laienausbildung mit Basisfächern wie „Bible Challenge“ für Bibelstudium, „Leadership Challenge“ für Leitungsgrundlagen und „Life Challenge“ für Selbst- und Sozialkompetenz sowie Vertiefungsfächer nach dem Vorbild von Bibelschulen.

Unter dem Namen ICF Worship produziert vor allem ICF Zürich zusammen mit dem ICF Movement Worship-Musik. Ziel der Songs ist nach eigener Aussage, „Menschen in die Gegenwart Gottes zu führen“. Seit Anfang 2013 arbeitet ICF Worship eng mit Integrity Music zusammen, das die Songs weltweit publiziert und verwaltet. Seit 1996 wurden mehr als 20 CDs produziert sowie mehrere Konzert- und Musicaltourneen durchgeführt. Seit August 2010 werden außerdem halbstündige Predigtaufzeichnungen von Leo Bigger aus Zürich über ICF TV und verschiedene Sender verbreitet.

Organisation und Finanzierung

Der Hauptsitz des ICF liegt in Zürich, der sogenannten Mutterkirche. Schweizer ICF-Gemeinden sind als Non-Profit-Organisationen in Form eingetragener Vereine in den kantonalen Handelsregistern eingetragen. Deutsche ICFs sind gemeinnützige eingetragene Vereine. In Österreich ist das ICF Teil der Freikirchen Österreich und dadurch eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Eine Besonderheit ist, dass das ICF Movement keine verbindliche Mitgliedschaft kennt. Besucher entscheiden selbst, ob sie sich als Teil der Kirche verstehen. Deshalb gibt es auch keine demokratischen Gemeindeversammlungen, bei denen Mitglieder über Entscheidungen abstimmen. Entscheidungen werden meist von einem Leitungsteam getroffen, das aus Schlüsselpersonen der jeweiligen Kirche besteht. Die Struktur wird als Mischform zwischen presbyterianischen und episkopalen Elementen beschrieben, wobei sie nicht überall gleich ist. Presbyterial meint eine Leitung durch Älteste oder Gremien; episkopal meint eine stärker hierarchische Leitung.

Das Gemeindeleben wird vor allem durch ehrenamtliche Mitarbeit gestaltet. Nach Aussage des ICF soll jeder nach seinen Begabungen eingesetzt werden und durch Mitarbeit aufblühen. Die Mitarbeit wird als freiwillig beschrieben.

Finanziert werden ICF-Gemeinden durch Spenden. Deshalb wird in Veranstaltungen regelmäßig um Spenden gebeten. Theologisch wird dies, ähnlich wie in vielen Freikirchen, mit der biblischen Abgabe an den jüdischen Tempel begründet. An finanziellen Entscheidungen ist in der Regel eine Gruppe beteiligt, die aus dem lokalen Hauptpastor, beim ICF „Senior Pastor“ genannt, und den örtlichen Diakonen, „Ministryleiter“ genannt, besteht.

Geschichtliche Entwicklung

Die Vorgeschichte des ICF beginnt am 19. August 1990. Der Schweizer Heinz W. Strupler, Gärtner und Gemeindegründer, organisierte damals einen überkonfessionellen Lobpreis-Gottesdienst in der St.-Anna-Kapelle der Evangelischen Gesellschaft Zürich. Es wurden 380 Personen gezählt. Aus der jungen Gemeinde gingen 1990 das Institut für Gemeindebau und Weltmission und 1992 mehrere christliche Gemeinden hervor, darunter die Evangelische Gemeinde Glockenhof, später Limmatgemeinde genannt, die English Church of Zurich und die Assemblée Chrétienne de Zurich.

1994 übergab Heinz W. Strupler die Leitung des ICF an Leo Bigger. Ab diesem Jahr fanden die Gottesdienste im Hotel Limmathaus statt. 1996 gründeten Leo Bigger und weitere den Verein ICF Church, der 1999 in icf-zürich umbenannt wurde. Schon damals war das erklärte Ziel, eine internationale Bewegung zu werden. 1997 zog die ICF Church in die alte Börse am Paradeplatz in Zürich.

Ab 1998 wurden Gottesdienstformen für verschiedene Altersgruppen entwickelt, zum Beispiel Groundzero für 13- bis 15-Jährige, Youthplanet für 16- bis 19-Jährige und ab 2002 der Zwänzger-Gottesdienst für 20- bis 25-Jährige. Später kam der GenX-Gottesdienst für über 25-Jährige hinzu. 1999 wurden in Basel und Bern neue ICF-Gemeinden gegründet, 2000 in Nürnberg.

2002 zog die Zürcher Gemeinde in die Maag-Event-Hallen im Zürcher Kreis 5 mit 1900 Sitzplätzen. 2005 organisierte ICF Zürich den Kongress „Leadership in Style“ mit 1500 Teilnehmern und gründete die ICF Media GmbH. 2006 feierte die Bewegung ihr zehnjähriges Bestehen mit der Veranstaltung „Big10“ in der Kolping Arena in Kloten, die etwa 3500 Personen besuchten. Im selben Jahr wurde die sozialdiakonische Stiftung Acts gegründet.

2008 eröffnete ICF Zürich neue Standorte in Rapperswil und Winterthur unter dem Motto „One Church – Three Locations“ und startete das ICF College. 2010 wurden Gottesdienste erstmals auf Star TV und Das Vierte übertragen; außerdem wurden Winterthur, Rapperswil und Wetzikon organisatorisch in ICF Zürich eingegliedert. 2011 fand das 15-Jahr-Jubiläum „The Big 15“ im Hallenstadion Zürich mit etwa 7000 Menschen statt. Seit 2017 hält ICF Zürich seine Gottesdienste in der Mehrzweckhalle „The Hall“ im Dübendorfer Stadtteil Stettbach ab. Die Umbaukosten der fest gemieteten Räume wurden mit 4,9 Mio. Franken veranschlagt und sollten durch Spenden finanziert werden.

Kirchliche Verbindungen und Kritik

Das ICF gehört keiner ökumenischen Organisation an und ist daher nicht automatisch Mitglied der ACK, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Einzelne lokale ICF-Gemeinden sind jedoch in lokale kirchliche Netzwerke eingebunden. So sind manche deutsche ICFs, etwa München, Augsburg oder Singen, Mitglieder der Evangelischen Allianz. Auch in der Schweiz sind neun lokale ICF-Gemeinden Mitglied in einer lokalen oder regionalen Sektion der Schweizerischen Evangelischen Allianz. In Österreich gehören alle bestehenden ICF-Gemeinden zum Gemeindebund Freie Christengemeinde – Pfingstgemeinde und damit zu den Freikirchen in Österreich; dadurch sind sie dort staatlich als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt.

Im September 2019 wurde das ICF Mitglied im Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz. Im Juni 2021 trat es wieder aus. Als Begründung wurde genannt, dass man sich auf die eigene Arbeit konzentrieren wolle.

Kritik am ICF bezog sich früher besonders auf das aufgegebene G12-Hauskreis-Prinzip, das als Schneeballsystem kritisiert wurde. Der Zürcher Journalist und Sekten-Experte Hugo Stamm spricht von einem „radikalen Glaubenssystem“ und sieht in der ICF „klare Attribute der Sektenhaftigkeit“. Er kritisiert unter anderem ein „fragwürdiges Gottesbild“, Aufrufe zu Unterwerfung und Selbstaufgabe sowie gelegentlichen moralischen Druck beim Spenden.

Weitere Kritik betrifft den Umgang mit Homosexualität. Laut Artikel lehnen die meisten ICFs Homosexualität als Sünde ab und sehen sie als „Folge von ungelösten Fragen in der persönlichen Identität“. Die Fachstelle Infosekta beschreibt die Glaubenssätze des ICF als „evangelikale Doktrin in modernem Gewand“. Sie weist darauf hin, dass stark involvierte Personen sich von Familie und Freunden entfremden könnten, dass Zweifel großen psychischen Stress auslösen könnten und dass es einen problematischen Umgang mit psychischen Grenzsituationen gebe. Kritisiert wird besonders, dass psychisches Leiden teils mit mangelndem Glauben oder „Dämonenbefall“ erklärt werde und Depressionen oft nicht als solche erkannt würden.

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