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Interjektion
Beispiele aus dem Deutschen · Symptominterjektionen zum Ausdruck einer Empfindung: ach · Aufforderungswörter (Appellinterjektionen) und Grußwörter: hallo …
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Grundbegriff und Funktion
Interjektionen, auf Deutsch auch Empfindungswörter oder Ausrufewörter, sind eine traditionell unterschiedene Wortart der Sprachwissenschaft. Sie werden manchmal zu den Partikeln im weiteren Sinn gerechnet. Eine Interjektion ist ein Einzelwort oder eine feste Wortverbindung, die unveränderlich ist, also nicht flektiert wird, und syntaktisch unverbunden als satzwertige Äußerung gebraucht werden kann. „Satzwertig“ oder holophrastisch bedeutet: Die Äußerung kann allein stehen und in einer Situation eine vollständige kommunikative Funktion erfüllen, obwohl sie keinen grammatischen Satz bildet.
Lexikalisch haben Interjektionen keine Bedeutung im engeren Sinn. Sie unterscheiden sich aber von bloßen Verzögerungslauten wie „äh“ oder „ähm“, weil sie eine bestimmte Empfindung, Bewertung oder Willenshaltung des Sprechers ausdrücken oder eine Aufforderung beziehungsweise ein Signal an den Empfänger übermitteln. Solche Signale können zum Beispiel Kontaktaufnahme oder Kontaktvermeidung sein.
Die genaue Bedeutung hängt oft stark von der Intonation, also der Sprechmelodie und Betonung, sowie vom Kontext ab. Die Interjektion „hey“ kann je nach Aussprache und Situation eine Begrüßung, ein Infragestellen, eine Aufforderung zur Unterlassung oder ein Trost- beziehungsweise Koselaut sein.
Wichtige Arten und Beispiele
Im Deutschen gibt es viele Arten von Interjektionen. Symptominterjektionen drücken eine Empfindung aus, zum Beispiel „ach“, „aha“, „oh“, „au“, „bäh“, „huch“, „hurra“, „hoppla“, „igitt“, „nanu“, „oha“, „pfui“, „tja“, „uups“, „wow“ oder „grr“.
Appellinterjektionen sind Aufforderungswörter oder Grußwörter. Dazu gehören „ey“, „hey“, „hallo“, „heda“, „huhu“, „tschüss“, „prost“, „pst“, „ahoi“ und „na“. Daneben gibt es idiomatische Aufforderungen zur Bestätigung wie „gell“, „gelt“, „gilt“, „woll“, „wohl“, „ne“, „nich“ und „wa“ im Sinn von „nicht wahr“.
Zu den Interjektionen zählen auch Lock- und Scheuchlaute, besonders gegenüber Tieren, etwa „putt-putt“, „miez-miez“, „hü-hott“, „sch-sch-sch“, „ps-pssss“ oder „husch-husch“. Onomatopoetika, also lautnachahmende Wörter, imitieren Geräusche und Laute, zum Beispiel „puff“, „dong“, „klong“, „ratsch“, „peng“, „boing“, „bums“, „blub-blub“, „schnipp“ oder „hatschi“.
Auch Gesprächswörter, Bejahung und Verneinung sowie Verzögerungslaute können interjektional gebraucht werden, wenn sie eine kommunikative Funktion haben, zum Beispiel „äh“, „ähm“, „hm“, „tja“, „na ja“, „mhm“, „ja“, „nein“, „okay“, „gut“, „genau“ oder „richtig“. Außerdem werden Inflektive wie „ächz“, „seufz“ und „kotz“ sowie Wörter anderer Wortarten wie „cool“, „Mensch“, „Mann“, „Donnerwetter“, „Gesundheit“, „meine Güte“, „verdammt“ oder „Alter“ als Interjektionen verwendet.
Gebrauch in Kommunikation
Interjektionen sind besonders typisch für Mündlichkeit, also für gesprochene Sprache. In schriftlicher Kommunikation und in literarischer Sprache können sie als Stilmittel eingesetzt werden, um gesprochene Sprache nachzuahmen oder eine mündliche Situation lebendig wirken zu lassen.
Pragmatisch, also mit Blick auf die Verwendung in einer konkreten Sprechsituation, haben Interjektionen meist eine expressive oder appellative Funktion. Expressiv bedeutet, dass sie Gefühle, Bewertungen oder Reaktionen des Sprechers ausdrücken. Appellativ bedeutet, dass sie sich an den Empfänger richten und ihn zu einer Reaktion oder Handlung bewegen sollen.
Interjektionen beziehen sich deshalb direkt auf die Situation mit Sprecher und Empfänger. Sie können nonverbale oder paraverbale Kommunikationshandlungen simulieren oder ersetzen. Dazu gehören Reflexlaute bei Schmerz oder Überraschung, aber auch Lachen, Mimik und Gestik.
Lexikalische Einteilung
Nach lexikalischen und genetischen Kriterien unterscheidet man in Anknüpfung an Wilhelm Wundt (1904) primäre und sekundäre Interjektionen.
Primäre Interjektionen sind aus tierischen oder menschlichen Naturlauten entstanden oder umfassen sonstige Onomatopoetika. Sie gehören keiner anderen Wortart an und sind nicht aus einer anderen Wortart abgeleitet. Beispiele sind „ach“, „au“, „pfui“, „o“, „hä?“ und „haha“.
Sekundäre Interjektionen bestehen aus Wörtern mit begrifflicher Bedeutung, besonders aus Substantiven, oder aus festen Wortverbindungen, also Phraseologismen. Sie können auch anderen Wortarten angehören oder mit ihnen in Beziehung stehen. Beispiele sind „Mensch“, „Mist“, „Scheiße“, „zum Donnerwetter“, „Herrgott nochmal“, „meine Güte“, „geh“ und „komm“.
Bei sekundären Interjektionen tritt die ursprüngliche Bedeutung des Wortes mehr oder weniger zurück. Dieser Vorgang heißt Entlexikalisierung. Die begriffliche Bedeutung verblasst zugunsten der expressiven oder appellativen Bedeutung der Interjektion.
Stellung im Satz
Syntaktisch sind Interjektionen eigenständige Äußerungen ohne Satzstruktur. Wenn sie nicht allein stehen, sondern mit einem Satz verbunden auftreten, werden sie im Deutschen und in den meisten anderen Sprachen meist vorangestellt. Sie können aber auch nachgestellt werden, um etwas zu bekräftigen. Beispiele sind: „Hä, meinst du das ernst?“, „Hey, aufmachen!“, „Mist, die Tür geht nicht auf!“, „Brr, ist das kalt!“ oder „Das ist ja ekelhaft, igitt.“
Interjektionen können auch innerhalb eines Satzes als Einschub stehen. Dann betonen sie häufig einen bestimmten Satzteil besonders. Das kann poetisch motiviert sein, wie in Goethes „Habe nun, ach! Philosophie (…) studiert“, oder umgangssprachlich vorkommen, etwa in „Ich kann dir doch, verdammt noch mal, nicht ständig alles erklären!“
Nicht syntaktisch verbunden, aber in der Stellung kombiniert, erscheinen Interjektionen auch mit Pronomen, Namen, Nominalphrasen, anderen Interjektionen oder Gesprächspartikeln, zum Beispiel „Pfui, du Schwein“, „Ach, Peter, komm mal runter“ oder „Ach ja, das habe ich auch schon gehört“.
Wenn Interjektionen syntaktisch integriert werden, gehen sie in andere Wortarten über und werden tendenziell lexikalisiert. Häufig sind adverbial integrierte Formen, die Bewegungen onomatopoetisch als schnell oder heftig kennzeichnen, etwa „Jetzt aber hops ins Bett“, „Schwups, war er wieder da“ oder „Das lässt sich nicht so husch-husch erledigen“. Bewertende Interjektionen können adjektivähnlich gebraucht werden, etwa „das ist pfui“, „das ist igitt“ oder „das ist bäh“. Auch Nominalisierungen sind möglich, zum Beispiel „Dein Ach und Weh geht mir auf die Nerven“ oder „Mit einem lauten Plumps fiel er ins Wasser“.
Besondere Bereiche
Tierlaute zeigen, dass lautnachahmende Interjektionen je nach Sprache unterschiedlich gebildet werden. Für den Hund nennt der Artikel im Deutschen „wuff“ oder „wau wau“, im Englischen „woof“, „wow wow“ oder „bow wow“, im Französischen „ouaf-ouaf“ und im Tschechischen „haf“, „haf haf“ für große Hunde oder „ňaf ňaf“ für kleine Hunde. Weitere Beispiele sind Katze: deutsch „miau“, englisch „meow“ oder „meeow“, französisch „miaou“, tschechisch „mňau“; Kuh: deutsch „muh“, englisch „moo“, französisch „meuh“, tschechisch „bú“; Hahn: deutsch „kikeriki“, englisch „cock-a-doodle-do“, französisch „cocorico“, tschechisch „kykyryký“ oder „kikirikí“.
In Comics und Chats haben sich besonders viele Interjektionen entwickelt. Neben echten Onomatopoetika spielen dort sekundäre Interjektionen und Inflektive eine wichtige Rolle. Ein Inflektiv ist eine infinite und unflektierte Verbform, die in Analogie zur Grundform englischer Verben als Infinitiv ohne „-n“ oder „-en“ gebildet und wie eine Interjektion verwendet wird, zum Beispiel „seufz“, „gähn“ oder „knutsch“. In Anspielung auf die Comic-Übersetzerin Erika Fuchs wird diese Form scherzhaft auch Erikativ genannt. In Chats gibt es auch komplexe Inflektive mit zusätzlichen Satzgliedern, aber ohne grammatisches Subjekt, etwa „auf-den-Tisch-hau“ oder „ganz-lieb-guck“.
Nicht alle Comic- und Chat-Interjektionen sind echte Lautnachahmungen. Manche sind aus Wörtern gebildet, die von Lautimitationen abgeleitet sind, etwa „klirr“ oder „summ“. Andere benennen ein akustisches Phänomen nur umschreibend, zum Beispiel „seufz“, „hüstel“ oder „tröpfel“. Wieder andere bezeichnen Handlungen ohne charakteristisches Geräusch, etwa „knuddel“, „umarm“, „knüpf“ oder „nachdenk“. Diese Formen werden zusammen mit umschreibenden Onomatopoetika als deskriptive Interjektionen bezeichnet.
Interjektionswörter können außerdem zur Bildung von Begriffen und Markennamen verwendet werden. Beispiele im Artikel sind „Vifzack“ oder „Wiffzack“ aus „vif“ und „zack“, „HUI“ als Markenname für schnelles Internet aus etwa 2010, „Hui-Maschine“ als Bezeichnung für ein Spielzeug beziehungsweise einen Zaubertrick und „WOW air“, eine Niedrigpreis-Fluggesellschaft, deren Flugbetrieb 2019 eingestellt wurde.
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