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IS-LM-Modell

IS-LM-Modell. Modell der Volkswirtschaftslehre vom Zusammenhang zwischen realen und monetären Sektor. Artikel · Diskussion.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Gleichgewicht
  2. 2. IS-Kurve und LM-Kurve
  3. 3. Wirkung von Fiskalpolitik
  4. 4. Darstellung und Erweiterungen
  5. 5. Entstehung und Einordnung
  6. 6. Kritik am Modell

Grundidee und Gleichgewicht

Das IS-LM-Modell ist ein Modell der Volkswirtschaftslehre. Es beschreibt ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht, das entsteht, wenn gleichzeitig der reale Sektor und der monetäre Sektor im Gleichgewicht sind. Der reale Sektor wird durch die IS-Kurve dargestellt; sie steht für den Gütermarkt. Der monetäre Sektor wird durch die LM-Kurve dargestellt; sie steht für den Geldmarkt.

Im Gütermarktgleichgewicht gilt: gesamtwirtschaftliche Güternachfrage = gesamtwirtschaftliches Güterangebot = Volkseinkommen. Im Geldmarktgleichgewicht gilt: Geldnachfrage = Geldangebot. Der Schnittpunkt von IS-Kurve und LM-Kurve zeigt daher die Kombination aus Zinssatz i und Volkseinkommen Y, bei der beide Märkte zugleich im Gleichgewicht sind.

Das Modell arbeitet mit gesamtwirtschaftlichen Größen, nicht mit einzelnen Haushalten oder Unternehmen. Es wird im neoklassischen Zusammenhang betrachtet, also unter der Annahme flexibler Löhne. Nach Keynes wird ein solcher Gleichgewichtspunkt in der Praxis aber nur theoretisch erreicht, weil sich wirtschaftliche Bedingungen ständig ändern und dadurch das Gleichgewicht verschoben wird. Das Modell dient deshalb auch dazu, die Folgen verschiedener Ungleichgewichte und wirtschaftspolitischer Maßnahmen zu untersuchen.

IS-Kurve und LM-Kurve

Die IS-Kurve beschreibt das Gleichgewicht auf dem Gütermarkt. Die Gleichung lautet:

C(Y) + I(i) + G = Y

Dabei steht C für privaten Konsum, Y für Volkseinkommen, I für Investitionen, i für Zinssatz und G für Staatskonsum. Die IS-Kurve hat eine negative Steigung: Wenn der Zinssatz i steigt, sinken die Investitionen I. Dann kann der Gütermarkt nur bei einem niedrigeren Volkseinkommen Y im Gleichgewicht sein.

Die LM-Kurve beschreibt das Gleichgewicht auf dem Geldmarkt. Die Gleichung lautet:

L(Y, i) = M/P

Dabei steht L für Geldnachfrage; das L bedeutet „Liquidity preference“, also Liquiditätspräferenz. Y ist das Volkseinkommen, i der Zinssatz, M das nominale Geldangebot; das M steht für „Money supply“. P ist das Preisniveau. M/P ist das reale Geldangebot.

Die LM-Kurve hat eine positive Steigung. Der Grund ist: Wenn das Volkseinkommen Y steigt, nimmt die Geldnachfrage L zu. Damit der Geldmarkt bei höherer Geldnachfrage im Gleichgewicht bleibt, muss der Zinssatz i steigen.

Wirkung von Fiskalpolitik

Wenn der Staat auf dem Gütermarkt selbst als Nachfrager auftritt, verschiebt sich die IS-Kurve nach rechts. Je nach Lage der LM-Kurve kann dadurch das Volkseinkommen Y steigen. Eine solche expansive Fiskalpolitik kann durch deficit spending ausgelöst werden, also durch staatliche Ausgaben, die über Verschuldung finanziert werden.

Eine wichtige Wirkungskette ist der Multiplikator, hier besonders der Staatsausgabenmultiplikator. Steigt die Nachfrage auf dem Gütermarkt, zum Beispiel durch den Staat, dann steigt auch die Produktion. Für mehr Produktion benötigen Unternehmen mehr Arbeitskräfte. Diese erhalten Einkommen und konsumieren einen Teil davon. Dieser zusätzliche Konsum erhöht wiederum die Nachfrage und kann weitere Produktion sowie Beschäftigung auslösen. Wie stark dieser Prozess wirkt, hängt unter anderem von der marginalen Konsumneigung ab, also davon, welcher Anteil zusätzlichen Einkommens konsumiert wird.

Im Artikel wird betont, dass die Idee staatlicher Verschuldung in diesem Zusammenhang nicht, wie oft angenommen, auf Keynes zurückgehe, sondern auf Abba P. Lerner. Keynes habe dagegen zuvor gebildete Rücklagen gefordert. Der Staat soll nach dieser Vorstellung in wirtschaftlich guten Zeiten durch höhere Steuereinnahmen Schulden zurückzahlen. Diese Rückzahlung wird als Surplus saving bezeichnet. So betreibt der Staat antizyklische Wirtschaftspolitik, um Konjunkturschwankungen zu glätten.

Die Wirkung expansiver Fiskalpolitik hängt von der Geldhaltung der Haushalte ab. Halten Haushalte vermehrt Spekulationskasse, also Geld, um bei günstigen Zinsen und Wertpapierkursen darauf zurückzugreifen, kann deficit spending wie eine Initialzündung für die Wirtschaft wirken. Halten Haushalte dagegen ausschließlich Transaktionskasse, also Geld zum Kauf von Gütern, kann bei vertikaler LM-Kurve nur der Zins steigen, während das Volkseinkommen gleich bleibt. Diesen Fall nennt man Crowding-out: private Nachfrage wird verdrängt. Laut Artikel kann dies infolge einer Staatsausgabenerhöhung nur eintreten, wenn die Staatsausgaben nicht zu den Sektoren im Inland fließen.

Darstellung und Erweiterungen

Die grafische Darstellung der IS-LM-Funktionen im ersten Quadranten heißt Hicks-Diagramm. Es ist nach John R. Hicks benannt. In diesem Diagramm werden Zinssatz i und Volkseinkommen Y zueinander in Beziehung gesetzt. Die IS-Kurve fällt, die LM-Kurve steigt, und ihr Schnittpunkt markiert das simultane Gleichgewicht von Gütermarkt und Geldmarkt.

Das traditionelle IS-LM-Modell erklärt gesamtwirtschaftliche Gleichgewichte nur für geschlossene Volkswirtschaften und ohne Einbeziehung des Arbeitsmarktes. Für offene Volkswirtschaften kann es erweitert werden, indem Zahlungsbilanz-Zusammenhänge berücksichtigt werden. Dann kommt eine dritte Kurve hinzu, die ZZ-Kurve. Sie stellt alle Kombinationen aus Zins und Einkommen dar, bei denen die Zahlungsbilanz ausgeglichen ist. Dieses erweiterte Modell heißt Mundell-Fleming-Modell oder IS-LM-ZZ-Modell.

Für eine Erweiterung des Modells um ein Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt wurde das AS-AD-Modell entwickelt. Es ergänzt also eine andere Perspektive, weil das IS-LM-Modell selbst den Arbeitsmarkt nicht direkt enthält.

Entstehung und Einordnung

Die Idee zum IS-LM-Modell entstand im September 1936 auf einer Konferenz der Econometric Society in Oxford. Das war acht Monate nach dem Erscheinen von John Maynard Keynes’ Allgemeiner Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes. John R. Hicks veröffentlichte sein Konferenzpapier im April 1937 unter dem Titel Mr. Keynes and the „Classics“: A Suggested Interpretation.

Auch Alvin Hansen trug zum Modell bei. In den USA wurde es als Hicks-Hansen-Synthese gelehrt. Paul A. Samuelson popularisierte es 1948 in seinem Lehrbuch Economics: An Introductory Analysis. Hicks selbst war später unzufrieden mit dem Modell und nannte es „a classroom gadget“. Schüler von Keynes wie Joan Robinson lehnten es ab.

Obwohl das Modell an Universitäten oft als keynesianisches Modell gelehrt wird, beschreibt der Artikel es als Neoklassische Synthese. Gemeint ist eine Verbindung keynesianischer Elemente mit neoklassischen Vorstellungen. Nach der Weltwirtschaftskrise wurden einige Kritikpunkte von Keynes aufgenommen, etwa dass Geld nicht neutral sei und dass der Arbeitsmarkt über längere Zeit nicht ins Gleichgewicht finde. Diese wurden in ein allgemeines Gleichgewichtsmodell eingebaut. Joan Robinson bezeichnete Vertreter dieses sogenannten Neokeynesianismus als Bastard-Keynesianer, weil sie sich ihrer Ansicht nach zu Unrecht auf Keynes beriefen.

Hicks betonte außerdem von Anfang an, dass das Geldangebot in der LM-Funktion nicht einfach als konstant angenommen werden dürfe. Verantwortliche der Geldpolitik könnten die Geldmenge ausweiten, um einen Zinsanstieg zu verhindern. Deshalb hänge die Elastizität der LM-Kurve eher von der Elastizität der Geldpolitik ab.

Kritik am Modell

In der heutigen Volkswirtschaftslehre gilt das IS/LM-Modell ebenso wie das AS/AD-Modell als veraltete Modellstruktur, obwohl es weiterhin in vielen Lehrbüchern vorkommt. Ein zentraler Kritikpunkt lautet: Notenbanken steuern heute nicht einfach die Geldmenge. Stattdessen legen sie den Zins für Zentralbankgeld fest und versuchen dabei, ihr Inflationsziel einzuhalten, ohne eine größere Output-Lücke durch Rezession oder Depression zu verursachen. Der Zins für Zentralbankgeld ist daher kein Gleichgewichtszins an einem Geldmarkt, sondern wird von der Notenbank bestimmt.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Zinssatz. Nachfrage und Investition werden negativ vom Zinsniveau beeinflusst, doch für Investitionen ist der Realzins wichtig, nicht der Nominalzins. Das IS/LM-Modell kannte diesen Unterschied nicht. John B. Taylor und David Romer kritisierten deshalb, dass die IS-Kurve im Modell nicht korrekt abgetragen werde oder mit der Inflationsrate verschoben werden müsste. Realitätsnäher sei eine Beschreibung der Zentralbank durch eine Zinsregel, besonders die Taylor-Regel. Danach erhöht die Zentralbank den Realzins im Boom oder bei hoher Inflation und senkt ihn in Rezession oder Deflation. Die LM-Kurve könnte dann durch eine solche Politikregel ersetzt werden.

Auch die wirtschaftspolitische Anwendung wurde kritisiert. Fraglich bleibt, ob staatliche Nachfragepolitik wirklich zu mehr Wachstum und weniger Arbeitslosigkeit führt. Der Effekt wird schwächer, wenn Haushalte zusätzliches Einkommen sparen oder Güter konsumieren, durch die kaum neue Arbeitsplätze entstehen. Keynes erkannte dieses Problem und befürwortete deshalb staatlichen Konsum in arbeitsintensiven Bereichen.

Ein politökonomisches Problem entsteht, wenn in guten Zeiten zu wenig gespart wird, weil Sparpolitik politisch schwer zu vermitteln ist. Dann kann die praktische Anwendung zu stetig wachsender Staatsverschuldung führen. Milton Friedman kritisierte zudem mit seiner Theorie der Time lags, dass zwischen dem Rückgang des Konsums und der Wirkung staatlicher Nachfrageprogramme so viel Zeit vergehe, dass sich die Konjunktur oft bereits erholt habe. Zusätzlicher staatlicher Konsum könne dann eine Boomphase überhitzen und Inflation auslösen.

Axel Leijonhufvud und Robert W. Clower kritisierten seit den 1960er Jahren grundsätzlich Hicks’ Interpretation von Keynes’ General Theory. Sie hielten das IS-LM-Modell für ungeeignet, unfreiwillige Arbeitslosigkeit zu erklären, und betonten, dass Keynes Nicht-Gleichgewichtsphänomene wichtig gewesen seien, die im IS-LM-Modell nicht behandelt werden.

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