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Neokeynesianismus

Der Neokeynesianismus ist eine volkswirtschaftliche Theorie, die zum Teil auf Ideen von John Maynard Keynes, zum Teil auf neoklassischer Theorie beruht.

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Ausgangspunkt
  2. 2. Neoklassische Synthese und Preisannahmen
  3. 3. Konjunkturpolitik und mögliche Probleme

Einordnung und Ausgangspunkt

Der Neokeynesianismus ist eine volkswirtschaftliche Theorie, die teilweise auf Ideen von John Maynard Keynes und teilweise auf neoklassischer Theorie beruht. Er darf nicht mit dem Postkeynesianismus oder dem Neukeynesianismus (englisch: New Keynesian Economics) verwechselt werden.

Er entwickelte sich in den 1980er Jahren als Antwort auf Kritik am Keynesianismus und auf die Erfahrungen der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre. Dabei unterscheidet er sich insgesamt deutlich von der ursprünglichen Theorie von Keynes.

Keynes erklärte Produktion und Beschäftigung in einer Volkswirtschaft durch die Höhe der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, also die gesamte Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Nach seiner Auffassung kann zu hohe Arbeitslosigkeit konjunkturell oder längerfristig durch eine Beeinflussung dieser Nachfrage verringert werden. Die neoklassische Vorstellung, Arbeitslosigkeit lasse sich durch Lohnsenkungen bekämpfen, lehnte er ab. Im 19. Kapitel seiner „General Theory“ von 1936 argumentierte Keynes: Lohnsenkungen können zwar die Kosten der Unternehmen senken und dadurch die Beschäftigung fördern. Gleichzeitig schwächen sie jedoch die Nachfrage, sodass die positiven Wirkungen auf die Beschäftigung wieder aufgehoben werden können.

Neoklassische Synthese und Preisannahmen

Neoklassiker lehnen diese wirtschaftspolitische Sichtweise ab. John Richard Hicks reduzierte die keynesianische Theorie auf eine Theorie zur Bestimmung des Gleichgewichtseinkommens und verwendete dafür das IS/LM-Modell. Zusammen mit Franco Modigliani und Paul Samuelson versuchte er, Annahmen von Keynes mit der neoklassischen Theorie zu verbinden. Daraus entstand die neoklassische Synthese.

Deren Weiterentwicklung berücksichtigt ausdrücklich Rationierungsschranken auf dem Arbeits- und Gütermarkt. Rationierung bedeutet dabei, dass Marktteilnehmer nicht beliebig viel Arbeit, Güter oder andere Leistungen kaufen oder verkaufen können. Dadurch wird implizit eine Mikrofundierung möglich, also eine Erklärung wirtschaftlicher Zusammenhänge aus dem Verhalten einzelner Haushalte. Außerdem lassen sich Marktsituationen genauer beschreiben und differenziertere wirtschaftspolitische Maßnahmen vorschlagen.

Ein entscheidender Schritt bestand darin, im IS/LM-Modell die Annahme eines starren Preisniveaus mit einem neoklassischen Arbeitsmarkt zu verbinden. Ein starres Preisniveau bedeutet, dass sich Preise nicht verändern. Diese Annahme galt jedoch weder theoretisch noch empirisch als überzeugend. Der Neukeynesianismus nimmt deshalb eine gemäßigtere Position ein und geht nur von vorübergehenden Preis- oder Lohnstarrheiten aus. Für die kurze Frist werden daraus traditionelle keynesianische Maßnahmen abgeleitet, besonders geldpolitische Maßnahmen. Umstritten bleibt, ob kurzfristige Politik auch langfristige Wirkungen hat oder ob langfristig allein angebotsseitige Faktoren entscheidend sind.

Konjunkturpolitik und mögliche Probleme

Zur Steuerung der Konjunktur kann die private Nachfrage gefördert werden, etwa durch Steuersenkungen und Investitionszuschüsse. Weitere Möglichkeiten sind höhere kreditfinanzierte Staatsausgaben, auch deficit spending genannt, beispielsweise für öffentliche Großprojekte wie Straßenbau, sowie Zinssenkungen zur Anregung privater Investitionen. Bei einer raschen Ausweitung der wirtschaftlichen Aktivität sollen jeweils die gegenteiligen Maßnahmen eingesetzt werden.

Aktive Konjunktursteuerung setzt voraus, dass Maßnahmen rechtzeitig und richtig dosiert werden. Das ist schwierig, weil ihre Wirkung erst mit zeitlicher Verzögerung eintritt.

In der Fiskalpolitik kann es Regierungen und Parlamenten schwerfallen, die während einer Rezession hingenommenen Budgetdefizite nach dem Anspringen der Konjunktur durch Budgetüberschüsse auszugleichen. Eigentlich soll dadurch der Schuldenstand wieder zurückgeführt werden; diese Forderung wird in der Praxis jedoch oft nicht erfüllt. Als Folgeprobleme werden steigende, investitionshemmende Zinsen und inflationäre Tendenzen genannt.

Auch höhere Löhne können Probleme auslösen. Zunächst erhöhen sie unmittelbar die Lohnkosten und verringern bei gleichbleibenden Preisen die Gewinnspanne der Unternehmen. Können Unternehmen die höheren Kosten wegen einer mächtigen Marktstellung auf die Endverbraucherpreise aufschlagen, kann die Inflation steigen. Dies wird als Lohn-Preis-Spirale bezeichnet.

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