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Homonym (Taxonomie)

In der biologischen Nomenklatur ist ein Homonym ein Name für ein Taxon, der in der Schreibweise identisch mit einem anderen Namen ist, der zuvor für ein …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip der Homonymie
  2. 2. Regeln in Zoologie und Botanik
  3. 3. Homonymie bei Prokaryoten
  4. 4. Hemihomonyme zwischen Regelwerken

Grundprinzip der Homonymie

In der biologischen Nomenklatur ist ein Homonym ein Name für ein Taxon, der in der Schreibweise identisch mit einem anderen Namen ist, der zuvor für ein anderes Taxon vergeben wurde. Ein Taxon ist dabei eine benannte biologische Gruppe, zum Beispiel eine Art oder eine Gattung. Entscheidend ist grundsätzlich die zeitliche Reihenfolge der Veröffentlichung: Der zuerst veröffentlichte Name hat Vorrang, während der später veröffentlichte gleichlautende Name meist nicht verwendet werden darf oder ersetzt werden muss.

Die genaue Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Nomenklatur-Code. Für Tiere gilt der ICZN, für Algen, Pilze und Pflanzen der ICN und für Prokaryoten der ICNP. Weil diese Codes unterschiedliche Organismengruppen regeln, können identische Namen in bestimmten Fällen nebeneinander gültig sein.

Regeln in Zoologie und Botanik

Nach dem International Code of Zoological Nomenclature (ICZN) ist der zuerst veröffentlichte Name das ältere Homonym. Er hat Vorrang und gilt als gültiger Name. Gleich geschriebene Namen, die später für andere Taxa veröffentlicht wurden, heißen jüngere Homonyme. Sie sind präokkupiert, also bereits durch den älteren Namen besetzt, und müssen durch einen neuen Namen ersetzt werden.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein jüngeres Homonym als nomen protectum geschützt werden. Dafür muss das ältere Homonym veraltet sein und nicht „vorwiegend benutzt“ werden; es kann dann als nicht verfügbar zu einem nomen oblitum erklärt werden.

Ein Beispiel ist der Name Echidna: Georges Cuvier schlug ihn 1797 für die Ameisenigel vor. Johann Reinhold Forster hatte Echidna jedoch bereits 1777 für eine Gattung der Muränen publiziert. Forsters Name hat nach dem Prioritätsprinzip Vorrang, sodass Cuviers Name ein jüngeres Homonym ist. Johann Karl Wilhelm Illiger veröffentlichte deshalb 1811 den Ersatznamen Tachyglossus.

Der International Code of Nomenclature for algae, fungi, and plants (ICN) legt ähnlich fest, dass von zwei oder mehr veröffentlichten Homonymen das erste zu verwenden ist. Ein späteres Homonym, englisch later homonym, ist illegitim und darf nicht verwendet werden. Eine Ausnahme besteht, wenn es sich um einen konservierten Namen oder bei Pilzen um einen sanktionierten Namen handelt.

So wird das spätere Homonym Myroxylon L.f. (1782) aus der Familie der Hülsenfrüchtler gegenüber dem früheren Homonym Myroxylon J.R.Forst. & G.Forst. (1775) konserviert. Das frühere Taxon wird heute als Xylosma aus der Familie der Weidengewächse bezeichnet. Nach Artikel 53.3 des botanischen Codes gelten außerdem Namen als Homonyme, wenn sie ähnlich genug sind, um verwechselt werden zu können. Diese werden Parahomonyme genannt. Astrostemma Benth. (1880) ist beispielsweise ein illegitimes Homonym von Asterostemma Decne. (1838). Im zoologischen Code gelten nach Artikel 58 bestimmte Schreibvarianten als identisch.

Homonymie bei Prokaryoten

Auch der International Code of Nomenclature of Prokaryotes (ICNP), kurz Prokaryotischer Code, regelt Homonyme. Prokaryoten umfasst hier die beiden biologischen Domänen Archaea und Bacteria. Bis 2019 hieß der Code International Code of Nomenclature of Bacteria (ICNB).

Nach der 2022 Revision des ICNP muss bei der Überführung einer Art in eine andere Gattung, einer Combinatio nova (comb. nov.) oder Umkombination, das Art-Epitheton grundsätzlich beibehalten werden. Das ist nach Regel 41a nicht erlaubt, wenn die neue binäre Namenskombination ein späteres Homonym wäre. Die Datenbank List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN) verwendet den Begriff Homonym, wenn derselbe Name für zwei oder mehr Taxa derselben Rangstufe vergeben wurde, die auf unterschiedlichen Typen beruhen. Der zuerst veröffentlichte Name ist das frühere Homonym, jeder später veröffentlichte Name ein späteres Homonym.

Die Regeln 34a und 34b verpflichten die Autoren bei einer Combinatio nova, das Art-Epitheton zu ersetzen, wenn dadurch Homonymie vermieden wird. An den neuen Namen soll die Abkürzung nom. nov. für nomen novum angehängt werden.

Ein Beispiel betrifft Cytophaga aquatilis Strohl and Tait 1978. Der Name erschien auf den Approved Lists of Bacterial Names von 1980. Die Übertragung in die Gattung Flavobacterium wurde von Bernardet und weiteren Wissenschaftlern vorgeschlagen und 1992 anerkannt. Die erwartete Kombination Flavobacterium aquatile wäre jedoch bereits für ein anderes Bakterium vergeben gewesen: Flavobacterium aquatile corrig. (Frankland and Frankland 1889) Bergey et al. 1923 (Approved Lists 1980). Deshalb wurde stattdessen Flavobacterium hydatis Bernardet et al. 1996 nom. nov. vorgeschlagen. Cytophaga aquatilis Strohl and Tait 1978 (Approved Lists 1980) ist dabei das Basonym, also der ursprüngliche Name, auf dem die neue Benennung beruht.

Die 2022 Revision bestimmt außerdem, dass Prokaryotentaxa keine Homonyme zu Taxa aus anderen biologischen Bereichen sein sollen. Wurde ein neuer Name oder eine Neukombination vor dem 31. Dezember 2000 gültig publiziert und ist sie ein späteres Homonym eines Taxons von Prokaryoten, Pilzen, Algen, Protozoen oder Viren, kann sie nach Regel 51b illegitim sein. Seit dem 1. Januar 2001 dürfen keine neuen Namen für Gattungen oder höhere Ränge vergeben werden, die durch den ICNafp, früher ICBN, oder den ICZN geregelt werden. Diese Regel gilt nicht rückwirkend.

Hemihomonyme zwischen Regelwerken

ICZN und ICN behandeln nur die Taxa in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich: der ICZN Tiere, der ICN Algen, Pilze und Pflanzen. Deshalb können zwei identische Namen gültig sein, wenn einer für ein Tiertaxon und der andere für ein Pflanzentaxon vergeben wurde. Solche gleichlautenden Namen werden Hemihomonyme genannt. Der ICNP berücksichtigt diesen Sonderfall inzwischen ebenfalls, allerdings nicht rückwirkend.

Die Bezeichnung Hemihomonyme wurde 1991 von dem sowjetischen Zoologen Jaroslaw Starobogatow eingeführt. Die Hemihomonyms Database (HHDB) ermöglicht seit 2011 eine Online-Suche nach solchen Überschneidungen. In der Datenbank gab es 2011 insgesamt 1113 Überschneidungen zwischen Namen von Taxa, die nach dem botanischen und dem zoologischen Code geregelt werden.

Typische Beispiele sind Erica G. W. Peckham & E. G. Peckham, 1892, eine Gattung der Springspinnen aus der Familie Salticidae, und Erica L., eine Gattung der Heidekrautgewächse aus der Familie Ericaceae. Beide Namen sind gleich geschrieben, beziehen sich aber auf unterschiedliche Organismengruppen und können deshalb nach den jeweiligen Codes gültig sein.

Überschneidungen zwischen Bakterientaxa und Pflanzen- oder Tiertaxa sind deutlich seltener. Gordonia bezeichnet sowohl eine Bakteriengattung aus der Familie Nocardiaceae als auch eine Pflanzengattung aus der Familie Theaceae. Auch Edwardsiella kann entweder eine Bakteriengattung aus der Familie Hafniaceae oder eine Tiergattung aus der Ordnung Actiniaria, den Seeanemonen, bezeichnen.

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