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Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
Das Historische Archiv mit Rheinischem Bildarchiv (bis Januar 2023 Historisches Archiv der Stadt Köln) ist das Stadtarchiv von Köln. Es archiviert Archivgut …
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Aufgabe und Bedeutung
Das Historische Archiv mit Rheinischem Bildarchiv ist das Kommunalarchiv der Stadt Köln. Bis Januar 2023 hieß es Historisches Archiv der Stadt Köln; zum 1. Januar 2023 wurde das Rheinische Bildarchiv als Sachgebiet angegliedert. Das Archiv bewahrt Unterlagen der städtischen Gremien und Ämter sowie Archivgut von Unternehmen, Vereinen und Einzelpersonen mit Köln-Bezug auf. Träger ist die Stadt Köln, der Standort ist Eifelwall 5.
Mit etwa 30 Regalkilometern Archivgut gilt es als größtes deutsches Kommunalarchiv. Seine dichte Überlieferung seit dem Hochmittelalter mit Urkunden, Akten, Handschriften und Nachlässen macht es für die Kölner Geschichte besonders wichtig. Es dient der Geschichtswissenschaft, steht grundsätzlich aber auch allen Bürgerinnen und Bürgern zur Information offen.
Organisatorisch gibt es Bereiche für Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, vormoderne Bestände sowie Nachlässe und Sammlungen, städtische Überlieferung seit 1815, Bestandserhaltung, Benutzung, Bibliothek und Digitalisierung sowie das Rheinische Bildarchiv. Fachübergreifende Projektgruppen unterstützten insbesondere den Wiederaufbau nach 2009. Rechtsgrundlage sind das Archivgesetz Nordrhein-Westfalen und die Kölner Archivsatzung, zuletzt 2007 geändert; das Bundesarchivgesetz gilt nicht. Seit 2025 leitet Ulrich Fischer das Archiv.
Entstehung und frühere Standorte
Wertvolle Schriftstücke wurden in Köln zunächst in gewölbten Lagerräumen aufbewahrt. Zum Archivgut gehörten unter anderem Privilegien, Verträge, Prozessakten, Karten, Pläne, Siegel und Nachlässe. Der von 1407 bis 1414 errichtete, 61 Meter hohe Kölner Rathausturm sollte auch städtische Urkunden, Privilegien und Geldbriefe sicher lagern. Die mittelalterlichen Urkunden lagen in einem Gewölberaum in mit A bis X gekennzeichneten Laden, also Truhen oder Schränken. Der Verbundbrief als Verfassungsurkunde der Stadt hatte einen Ehrenplatz in einer Lade mit Krone. Das älteste Urkundenfindbuch stammt von 1408/09.
1815 erhielt Stadtsekretär Johann Jakob Peter Fuchs den Auftrag, die Sammlung Wallraf zu inventarisieren. Er leitete das Stadtarchiv nebenamtlich bis 1857 und öffnete es für die wissenschaftliche Forschung. Leonard Ennen war danach erster hauptamtlicher Archivar. In seiner Zeit wurden wichtige Schriften aus dem Nachlass Hermann von Weinsbergs übernommen.
Von Dezember 1897 bis 1971 befand sich das Archiv am Gereonskloster 12 in einem neugotischen Gebäude, das es zunächst mit der Stadtbibliothek nutzte. Der Bau besaß feuersichere Decken und Treppen sowie große Magazine. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude beschädigt, die Bestände gingen aber nicht verloren: Sie waren seit 1939 ausgelagert worden und konnten bis 1947 zurückgeführt werden.
1971 zog das Archiv in die Severinstraße 222–228. Das siebenstöckige Gebäude nutzte das sogenannte Kölner Modell der Klimatisierung: 49 Zentimeter starke Ziegelwände, ein Abstand zur Granitfassade und Kalkmörtel sollten Feuchtigkeit aufnehmen und nach außen ableiten. Die meisten Räume brauchten deshalb keine künstliche Klimatisierung. Lichtschlitze verhinderten direkte Sonneneinstrahlung und dienten zugleich der Belüftung. Die Kapazität war nur für ungefähr 30 Jahre geplant und nach Artikelangabe bereits 1996 erreicht.
Einsturz von 2009
Am 3. März 2009 stürzte das Archivgebäude an der Severinstraße zusammen mit zwei Nachbargebäuden ein. Direkt davor wurde die 25 Meter tiefe Baugrube für die Gleiswechselanlage Waidmarkt der Nord-Süd-Stadtbahn gebaut. Kurz vor 14 Uhr bemerkten Bauarbeiter einen Wassereinbruch, warnten Menschen und räumten die Baugrube. Das Archiv konnte größtenteils noch verlassen werden. Zwei junge Männer aus Nachbarhäusern starben; 36 Anwohner verloren ihre Wohnungen, weil beschädigte Häuser abgerissen werden mussten.
Während der Bauarbeiten waren bereits Probleme aufgetreten: 2004 geriet ein Kirchturm in der Nachbarschaft in Schieflage, 2007 und 2008 kam es zu einem Wasserrohrbruch, einem Leck der Kohlendioxid-Löschanlage und kleineren Setzrissen. Im Februar 2009 sank das Gebäude innerhalb von 24 Stunden um sieben Millimeter; insgesamt betrugen die Setzungen 17 bis 20 Millimeter. Obwohl Setzungen gemeldet worden waren und ein Gutachter Untersuchungen außerhalb des Gebäudes empfohlen hatte, erfolgten keine weitergehenden Untersuchungen.
Als Ursache wurde schließlich ein Fehler beim Bau der Schlitzwand festgestellt. Ein größerer Gesteinsblock war nicht beseitigt worden; deshalb konnte die Schlitzwand nicht dicht hergestellt werden und Bewehrungskörbe teilweise nicht lagegerecht eingebaut werden. Grundwasser drang durch die undichte Wand ein und riss Bodenmaterial mit. Den eingestürzten Gebäuden wurde dadurch der Boden entzogen. Untersuchungen ergaben außerdem Unregelmäßigkeiten wie zu starkes Abpumpen von Grundwasser, 19 illegale Brunnen, gefälschte Messprotokolle, Diebstahl von Bewehrungseisen und eine unzureichende Bauaufsicht.
Im strafrechtlichen Verfahren wurden mehrere Urteile später aufgehoben. Ein neues Verfahren gegen vier Angeklagte wurde im August 2024 gegen Geldauflagen von zweimal 2.000 Euro und zweimal 5.000 Euro zugunsten des Fördervereins eingestellt; nach Zahlung waren alle Prozesse abgeschlossen. Zivilrechtlich vereinbarten Stadt und beteiligte Unternehmen im Juni 2020 eine Zahlung von 600 Millionen Euro sowie die Sanierung der Unglücksstelle und den Fertigbau des Gleiswechselbauwerks.
Bergung, Restaurierung und Zugang
Rund 90 Prozent der Archivalien waren beim Einsturz verschüttet, viele davon im Grundwasser. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Archivbeschäftigte und freiwillige Helfer bargen das Material. Trockenes oder leicht feuchtes Material wurde gereinigt und erfasst. Nasse Archivalien wurden verpackt, in Kühlhäusern gefriergetrocknet und auf zeitweise bis zu 20 Asylarchive in Deutschland verteilt.
Bis Juli 2009 konnten etwa 90 Prozent des ungefähr 30 Regalkilometer umfassenden Bestands geborgen werden. Ein Bergungsbauwerk erlaubte weitere Arbeiten; am 9. August 2011 wurden sie offiziell abgeschlossen. Insgesamt wurden etwa 95 Prozent der Archivalien geborgen. Die Erfassung der geborgenen Objekte dauerte bis 2021. Das letzte Asylarchiv wurde im März 2022 geräumt, sodass alle Archivalien wieder nach Köln zurückkehrten.
Im Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum in Köln-Porz-Lind werden gefrorene Bestände gefriergetrocknet, gereinigt und restauriert. Die Restaurierung zielt vor allem auf Stabilisierung und Benutzbarkeit, nicht zwingend auf eine exakte Wiederherstellung. Einer Berechnung zufolge müssten 200 Restauratoren etwa 30 Jahre ununterbrochen arbeiten; die Kosten wurden auf 370 Millionen Euro geschätzt. Am 1. Januar 2019 waren 9.051 Stücke, darunter 1.048 Handschriften, vollständig restauriert. 58 Prozent der geborgenen Einheiten waren wieder einem Bestand zugeordnet. Von rund 1,6 Millionen Bergungseinheiten hatten 239.251, also etwa 15 Prozent, die erste Konservierungsstufe durchlaufen.
Sicherungsverfilmungen schützen die Überlieferung zusätzlich: Im Barbarastollen liegen über 6.000 Filme mit rund zehn Millionen Aufnahmen, vor allem aus der Alten Abteilung. Fast alle Archivalien vor 1815, einschließlich der Urkunden, sind damit dokumentiert. Diese Mikrofilme wurden vollständig digitalisiert und mit Metadaten versehen, um einen digitalen Lesesaal zu ermöglichen. Das Digitale Historische Archiv Köln wurde kurz nach dem Einsturz eingerichtet und sammelt auch Kopien, Fotos und Mikrofilme früherer Nutzender.
Neubau und zentrale Bestände
Der Neubau am Eifelwall wurde nach einem europaweiten Wettbewerb geplant. Die Bauarbeiten begannen Mitte 2016, die Grundsteinlegung war am 17. März 2017. Das dreigeschossige Gebäude wurde im Dezember 2020 fertiggestellt und am 3. September 2021 eröffnet. Es bietet etwa 50 Regalkilometer und 460 Planschränke für das Historische Archiv; das Rheinische Bildarchiv hat zusätzlich 2,2 Regalkilometer Lagerfläche. Ein Lesesaal hat 45 Plätze. Neun Klimazonen schützen empfindliches Archivgut vor ungünstiger Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Außerdem gibt es Vortragssaal, Seminarräume, Ausstellungen, Führungen und eine Restaurierungswerkstatt mit 150 Arbeitsplätzen. Das Gebäude erhielt 2024 den Kölner Architekturpreis und 2026 die Auszeichnung vorbildlicher Bauten 2025 des Landes Nordrhein-Westfalen.
Vor dem Einsturz umfassten die Bestände 65.000 Urkunden ab 922, 26 Regalkilometer Akten, 104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate sowie 818 Nachlässe und Sammlungen. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 922. Besonders bedeutsam sind die Altbestände vor 1814. Das Haupturkundenarchiv trägt die Bestandsnummer 1 und enthält die wichtigsten Urkunden der früheren Stadt.
Zu den frühen Formen der schriftlichen Überlieferung gehören die seit 1130 belegten Schreinsbücher. Sie dokumentierten Rechtsgeschäfte, besonders Grundstücksgeschäfte, und wurden zunächst in Truhen der Kirchspielverwaltungen aufbewahrt. Das Archiv verwahrt auch das 1594 von Antwerpen nach Köln gebrachte Aktenarchiv mit Abschriften der Hanserezesse des Hansekontors in Brügge. Dadurch ist es neben dem Archiv der Hansestadt Lübeck besonders wichtig für die Hanse und den niederdeutschen Sprachraum.
Weitere wichtige Zuwächse waren die Handschriftensammlung Ferdinand Franz Wallrafs, der Hauptbestand der genealogischen Sammlung Anton Fahne, zurückgekehrte Kloster- und Stiftsarchive mit ungefähr 19.000 Urkunden im Jahr 1949 sowie Personenstandsregister: Geburtenregister bis 1898, Heiratsregister bis 1928 und Sterberegister bis 1978 wurden nach der Reform von 2008 abgegeben. Hinzu kommen mehr als 700 private Nachlässe und seit 2009 weitere 80 neue Bestände.