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Hille
Hille [ˈhɪl̩ə] ist eine Gemeinde im Kreis Minden-Lübbecke im Norden Ostwestfalens mit 16.242 Einwohnern. Sie wurde 1973 im Rahmen der kommunalen …
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Überblick und Gemeindegebiet
Hille ist eine Gemeinde im Kreis Minden-Lübbecke im Norden Ostwestfalens, Nordrhein-Westfalen. Sie hat 16.242 Einwohner (31. Dezember 2025), umfasst 102,99 km² und liegt auf 52 m ü. NHN. Die Gemeinde entstand am 1. Januar 1973 bei der kommunalen Neugliederung Nordrhein-Westfalens durch den Zusammenschluss von neun Gemeinden des Mindener Landes; Namensgeber ist das Dorf Hille. Verwaltungssitz ist Hartum.
Hille liegt zentral im Kreis Minden-Lübbecke, an der Grenze zu Niedersachsen. Nachbargemeinden sind die Samtgemeinde Uchte im Norden sowie Petershagen, Minden, Bad Oeynhausen, Hüllhorst, Lübbecke und Espelkamp. Das Gebiet reicht von 47,7 m ü. NN im Moor bei Hartum bis 261 m ü. NN am Haddenhauser Berg bei Rothenuffeln. Es erstreckt sich 11,8 km in Ost-West- und 15,4 km in Nord-Süd-Richtung.
Die neun Ortschaften sind Eickhorst, Hartum, Hille, Holzhausen II, Nordhemmern, Oberlübbe, Rothenuffeln, Südhemmern und Unterlübbe.
Natur, Böden und Flächennutzung
Der größte Teil Hille gehört zum Norddeutschen Tiefland; im Süden steigt das Gelände zum Kamm des Wiehengebirges an. Zu den Naturräumen zählen Wiehengebirge, Lübbecker Lößland, Bastauniederung und Rahden-Diepenauer Geest. Das Wiehengebirge bildet einen Riegel zum südlich gelegenen Ravensberger Hügelland.
Die Bastau sammelt das Wasser vom Nordhang des Wiehengebirges, entwässert Hille nach Osten und mündet bei Minden in die Weser. Die im Norden Hille entspringende Ösper fließt nach Nordosten und mündet bei Petershagen ebenfalls in die Weser. Der Mittellandkanal durchquert die nördliche Bastauniederung von Ost nach West.
In der Bastauniederung entstanden Moore. Das verbliebene Große Torfmoor und die durch jahrhundertelangen Torfabbau entstandenen Bastauwiesen sind wichtige Feuchtbiotope; die Bastauwiesen stehen seit 1980 unter Naturschutz. Außerdem liegen der Mindener Wald und weitere Waldflächen im Gemeindegebiet. Weißstörche kommen in Hille vor; ihre Wiederansiedlung und Bestandspflege werden unterstützt.
Die Böden erklären teilweise die Siedlungsstruktur: Fruchtbare Lößböden begünstigten unter anderem Rothenuffeln, Oberlübbe, Unterlübbe und Eickhorst. Auf der Hartumer Lößplatte ermöglichen Parabraunerden – besonders fruchtbare Böden – guten Ackerbau; dort liegen Hartum, Nordhemmern, Südhemmern und Holzhausen II. Moorige Gley- und Auenböden werden überwiegend als Grünland genutzt. Von der Gesamtfläche entfallen 76,05 km² beziehungsweise 73,84 % auf Landwirtschaftsfläche, 7,76 km² auf Wald und 8,82 km² auf Gebäude-, Frei- und Betriebsfläche.
Der Untergrund besteht überwiegend aus kreidezeitlichen Ablagerungen, im Süden folgen Sedimente des obersten Jura; der Wiehengebirgskamm besteht aus Schichtfolgen des Oberjura. Für geothermische Wärmequellen mittels Erdwärmesonden und Wärmepumpenheizungen eignet sich Hille meist mittelmäßig bis gut, in Hang- und Kammlagen sehr gut.
Geschichte, Bevölkerung und Religion
Einzelsiedlungen wie Hilferdingsen, Eicksen und Holzhausen sind seit dem 11. Jahrhundert belegt; Hille wurde erstmals 1170 schriftlich erwähnt. Das Gebiet gehörte im Heiligen Römischen Reich zum Bistum Minden. Nach dessen Säkularisation fiel es 1648 als Fürstentum Minden an Brandenburg-Preußen. Seit 1946 gehört das Mindener Land zu Nordrhein-Westfalen.
Die Gegend blieb lange landwirtschaftlich geprägt. Neben großen Höfen auf fruchtbaren Lößböden gab es bis ins 19. Jahrhundert viele kleine Heuerlingsstätten. Deren Bewohner verdienten etwa durch Leinenweberei und Zigarrenmacherei hinzu. Im 19. Jahrhundert wanderten zahlreiche Menschen aus den heutigen Ortsteilen in die USA, besonders in den Raum New York und Schenectady, oder als Hollandgänger in die Niederlande aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung vor allem durch die Aufnahme von Flüchtlingen.
Die Einwohnerzahl im Gebiet der heutigen Gemeinde lag 1950 bei 15.734, sank zunächst auf 13.964 im Jahr 1985, stieg bis 2000 auf 16.571 und betrug 2023 15.731. Die Angaben bis 1970 und für 1987 sind Volkszählungsergebnisse; ab 1975 handelt es sich überwiegend um amtliche Fortschreibungen. Vor 1973 hatte das damalige Hille einen anderen Gebietsstand und zählte 1972 3.767 Einwohner.
Alle Dörfer wurden 1550 mit der Reformation evangelisch-lutherisch. Die evangelischen Kirchengemeinden gehören heute zur Evangelischen Kirche von Westfalen. Durch Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg bildete sich zudem eine katholische Gemeinde; ihre einzige Kirche steht im Ortskern an der Brennhorster Straße und gehört zum Pastoralverbund Mindener Land im Erzbistum Paderborn.
Politik und Symbole
Der Gemeinderat hat seit der Wahl vom 14. September 2025 36 Sitze sowie den Sitz des hauptamtlichen Bürgermeisters; gewählt wird für fünf Jahre. Die Sitzverteilung lautet: CDU 14, SPD 9, AfD 5, Grüne 3, FWG (Freie Wählergemeinschaft) 3 und FDP 2. Die Wahlbeteiligung betrug 69,93 %.
Bürgermeister ist seit 2025 Andreas Waßmann, parteilos. Vorgänger war Michael Schweiß, der von 2009 bis 2020 für die SPD und von 2020 bis 2025 parteilos amtierte. Bis zur Kommunalwahl 1999 war der Bürgermeister ehrenamtlich; die Verwaltung leitete ein hauptamtlicher Gemeindedirektor. Dieses Amt hatten Wilhelm Grote von 1973 bis 1987 und Reinhard Jasper von 1987 bis 1999 inne.
Das 1981 verliehene Wappen zeigt in Silber aus einem roten Wellenschildfuß wachsend drei rote Moorkolben mit schwarzen Kolben; darüber stehen rote schräg gestellte Windmühlenflügel. Die Flügel verweisen auf die Windmühlen des ehemaligen Amtes Hartum, die Moorkolben auf das Hiller Moor und den früher wirtschaftlich wichtigen Torfstich. Rot und Silber erinnern an die historische Zugehörigkeit zum Hochstift Minden. Die Gemeinde unterhält keine eigenen Gemeindepartnerschaften, beteiligt sich aber an Partnerschaftsprogrammen des Kreises Minden-Lübbecke.
Kultur, Verkehr und öffentliche Infrastruktur
Hille ist Teil der Westfälischen Mühlenstraße. Zu den erhaltenen Mühlen gehören Storck’s Mühle in Eickhorst und die Windmühle Südhemmern; ferner gibt es Windmühlen in Hille und Nordhemmern sowie eine Wassermühle in Eickhorst. Das Brennereimuseum in der ehemaligen Kornbrennerei Christian Meyer in Hille zeigt den Produktionsablauf einer Brennerei; erhalten sind unter anderem der Rohbrandturm von 1880 und die Dampfmaschine von 1895. Die Hiller Kirche stammt von 1523, besitzt freigelegte Deckengemälde aus diesem Jahr und einen ungewöhnlich im Westen stehenden Altar. Zu den Erholungsräumen zählen Großes Torfmoor, Bastauwiesen, Mindener Wald und der Kurpark Rothenuffeln mit schwefelhaltigen Quellen.
Seit 1564 finden im April und September der Hiller Markt statt. Handball ist in Hille besonders bedeutend: Die örtlichen Sportvereine haben jeweils eine Handballabteilung. Der TV Sachsenroß Hille spielte vier Jahre in der Regionalliga West, die Frauenmannschaft von Eintracht Oberlübbe drei Jahre in der Regionalliga.
Die B 65 verbindet das Gemeindegebiet überregional von Hannover nach Osnabrück. Der Mittellandkanal ist Bundeswasserstraße; der Hafen Hille ist trimodal, also mit Wasserstraße, Mindener Kreisbahnen und Straßennetz verbunden. Über die Mindener Kreisbahnen bestehen Güterverkehr nach Minden und Museumszugverkehr von Hille über Hartum nach Minden-Oberstadt. Regional- und Anrufbusse, seit August 2010 auch ein Bürgerbus Holzhausen–Hille–Hartum, erschließen die Ortsteile. Hille gehört zum Westfalentarif.
Die Wirtschaft war früher stark landwirtschaftlich geprägt und umfasst heute außerdem Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungen. Größere Gewerbegebiete liegen in Hille, Unterlübbe, Eickhorst und Hartum. Das Entsorgungszentrum Pohlsche Heide übernimmt Aufgaben der Abfallentsorgung über den Kreis hinaus. Die Freiwillige Feuerwehr besteht aus neun Löschgruppen. In Hille befinden sich außerdem das Feuerwehrtechnische Zentrum des Kreises und die Integrierte Leitstelle für Brandschutz, Hilfeleistung, Katastrophenschutz und Rettungsdienst.
Grundschulen bestehen in Hille, Nordhemmern, Oberlübbe und Rothenuffeln. Die weiterführende Verbundschule Hille ging in den 1990er Jahren aus einer Hauptschule hervor und hat eine gymnasiale Oberstufe; 2006 wurde ein gymnasialer Zweig genehmigt. Daneben gibt es kreisliche Schulen für Erziehungshilfe und für Sprachbehinderte sowie Angebote der Volkshochschule Minden.