Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Finanzielle Hilfe, harte Migrationspolitik, strikte Kontrolle: So funktioniert Dänemarks Sozialstaat

ZDFheute Nachrichten8:10 579.826 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 56 Zeilen
Herunterladen
  1. Dänemark, ein bisschen ein Land wie aus einem Märchenfilm. Die Menschen ziählen laut Forschern seit Jahren zu den glücklichsten der Welt. In den Straßen
  2. marschieren königliche Soldaten mit Fellmützen. Die Skandinavier genießen Wohlstand und Sicherheit. Wirtschaftlich geht es dem Land gut. Die Deen verdienen
  3. im Schnittnet Netto deutlich mehr als die Deutschen. Arbeitslosigkeit gibt es kaum und der Sozialstaat wartet mit erstaunlichen Leistungen wie der
  4. Finanzierung des Lebensunterhalts für alle Studierenden auf. Wie macht Dänemark das? Was denken die Menschen auf der Straße?
  5. Also, ich glaube, das wunderschöne mit Dänemark ist, dass wir haben so frei Universitäten und Schule. Das ist super, dass alle eine Möglichkeit haben
  6. haben für den Zukunft. Ich denke, die Idee des Unterstützungssystems in der Bildung
  7. ist, dass die Leute in Arbeit kommen, damit sie später richtig mitmachen können, damit sie einen Vorteil haben. Viele Leute bekommen so Bildung,
  8. vielleicht, weil wir sehr produktiv sind. Ich persönlich mag es sehr gerne zu arbeiten. Ich arbeite schon seit ich 14 Jahre alt bin. Ich glaube, ich hatte
  9. nur einen Monat ohne Arbeit. Wir haben ein tolles Flex Security System, damit die Leute Jobs haben. Wir
  10. sind ein tolles Land, auch wenn die Steuern ein bisschen hoch sind. Wir haben ein tolles Wohlfahrtsystem, aber wir müssen auch Leute und Unternehmen
  11. halten wie Startups, die das System finanzieren. Flex Security, eine dänische Erfindung. Der Arbeitsmarkt ist flexibel. Menschen
  12. können leicht angestellt und auch wieder entlassen werden. Dafür gibt es ein hohes Arbeitslosengeld und der Staat bemüht sich intensiv Menschen, die
  13. arbeiten können, auch in Arbeit zu bringen, auch mit Druck. Der Politikwissenschaftler Frederik Jord meint, die Ausgestaltung des dänischen
  14. Sozialstaates habe zentralen Anteil am dänischen Erfolgsmodell. Seit den frühen 90er Jahren gibt es einen weitgehenden Parteienkonsens von
  15. links bis rechts, dass die Politik sehr darauf konzentriert sein sollte, die Menschen in den Arbeitsmarkt zu bringen. Das heißt, es gibt eine sehr aktive
  16. Arbeitsmarktpolitik und das ist seit Jahrzehnten breiter Konsens im dänischen Parteiensystem.
  17. System Dänemark gibt Geld im Sozialen etwa für umfassende Kinderbetreuung oder die
  18. Finanzierung des Lebensunterhalts für Studentinnen und Studenten aus. Also um Menschen qualifiziert in Arbeit zu bringen, weniger um sie dauerhaft zu
  19. versorgen. Bei Verweigerung droht Leistungsentzug. Grundsätzlich gibt es ein ziemlich striktes Kontrollsystem, wenn man eine
  20. arbeitsfähige Person ist. Wenn man Unterstützung haben will, muss man sich sehr um Arbeit bemühen und ständig Kontakte zu möglichen Arbeitgebern
  21. dokumentieren. Man kann nicht wirklich passiv Geld erhalten, sondern man muss konstant dokumentieren, dass man aktiv Arbeit sucht und viele Hilfsempfänger
  22. hassen diesen Druck so sehr, dass sie lieber arbeiten. Die Steuern in Dänemark sind zwar hoch, doch wenn man andere Abgaben an den
  23. Staat dazu zählt, ergibt sich im Vergleich etwas mit Deutschland ein anderes Bild. Die Krankenversicherung ist in Dänemark beispielsweise über
  24. Steuern finanziert, nicht über Sozialabgaben. Für den Vergleich zählt somit eher die Staatsquote, also wie viel der Staat von der
  25. gesamtwirtschaftlichen Leistung des Landes für Personal, Investition und Sozialleistung ausgibt. Und diese Quote lag in Deutschland 2025 laut
  26. Bundesfinanzministerium bei 47,8% und in Dänemark sogar etwas niedriger bei 47,6. Der Anteil der Sozialausgaben am
  27. Staatshaushalt liegt in den nordischen Ländern und Deutschland bei rund 40%. In Deutschland ist er am höchsten. Grundsätzlich seien die reinen Zahlen
  28. aber vergleichbar, meint Andreas Wenzel von der deutschdänischen Handelskammer. Von daher stellt sich nicht so sehr die Frage, wer weniger oder mehr ausgibt.
  29. Die Frage stellt sich viel mehr, wie zukunftsorientiert stelle ich eigentlich die Organisation der Logik meines Sozialstaates auf?
  30. Denn Dänemark wird dieses Geld vom Start ganz anders ausgegeben als in Deutschland. Das Geld wird nicht umverteilt ohne direkte Gegenleistung.
  31. In Dänemark soll die Unterstützung eine Investition in die Zukunft sein. In Dänemark ist es tatsächlich so, dass der Sozialstaat als Teil der
  32. Wettbewerbsfähigkeit gesehen wird, als Teil des wirtschaftlichen Erfolgs gesehen wird. Dänemark organisiert den Sozialstaat sehr stark dahingehend,
  33. tatsächlich auch die Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Zukunft zu gestalten, weniger bestehendes abzusichern und zu bewahren.
  34. Geschehomann ist Mitarbeiterin bei der Handelskammer. Sie hat als deutsche Erfahrung mit dem dänischen Sozialstaat. Als Wirtschaftsstudentin wurde ihr der
  35. Lebensunterhalt finanziert. Das nennt sich in Dänemark SU. Wenn man als Deutsche in Dänemark studiert, hat man auch das Anrecht SU zu
  36. bekommen. Man muss aber Nebenjob haben und 12 bis 15 Stunden die Woche arbeiten. Dann bekommt man aber das SU und das ist auch Eltern unabhängig, also
  37. unabhängig davon, wie viel deine Eltern verdienen. Ähm und dann hat man auch die Möglichkeit als Deutsche in Dänemark SU zu bekommen.
  38. Wichtiger Baustein der dänischen Sozialpolitik ist auch die Härte in der Migrationspolitik. Sie ist, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung in weiten
  39. Teilen der politischen Landschaft konsens. Eine Imigration in das Sozialsystem und entsprechende Ausgaben, das soll strickt unterbunden werden. Und
  40. auch eine Gewinnung von Arbeitskräften aus dem Kreis der Asylsuchenden wird in Dänemark weitgehend als Irwig gesehen. Er schaffe Anreize für Menschen zu
  41. kommen, die auf dem dänischen Arbeitsmarkt eigentlich keinen Platz hätten. Wenn zu viele Menschen kommen, können
  42. sie nicht teil einer lokalen Gemeinschaft werden. Sie bekommen keine angemessene Unterkunft und keine richtigen Jobs. Und es gelingt nicht,
  43. die damit leider verbundene Kriminalität zu verhindern. Mit der streng reglementierten Migration in den Arbeitsmarkt soll zudem das
  44. Lohnniveau in Dänemark hochgehalten werden. Es liegt etwa 40% über dem Deutschen. Allerdings ist die Lebenshaltung auch teurer. Ein
  45. Mindestlohn ist kein Thema. Auch die regierenden Sozialdemokraten haben mehrere Gründe für ihre sehr
  46. strickte Migrationspolitik. Ein Teil davon ist die Arbeitsmarktpolitik und der Schutz der Arbeitnehmer gegen einen unfairen Lohndumping Wettbewerb.
  47. Statt Mindestlohn gab es im Wahlkampf andere sozialpolitische Versprechungen und Themen. So soll eine Einmalzahlung für Geringverdiener die Inflation etwas
  48. ausgleichen. Die Steuer auf manche Lebensmittel wurde gesenkt. Der Buß und Btag soll wieder als Feiertag eingeführt werden. In der Schule soll die
  49. Digitalisierung nach schlechten Erfahrungen zurückgefahren, die Klassen kleiner werden. Die Massenhaltung von Schweinen und der
  50. Schutz des Trinkwassers sind auch Thema. Klar ist, Errungenschaften wie die Kinderbetreuung sollen nicht angetastet werden. Das wollen auch Unternehmerinnen
  51. und Unternehmer nicht. Wir haben hier in Dänemark so ein tolles System von Kinderbetreuung aufgebaut, dass es sich für jede Frau lohnt,
  52. arbeiten zu gehen, statt sich nur um die Kinder zu kümmern. Fast alle Frauen arbeiten so. Das ganze System zielt darauf ab.
  53. Die nächste Diskussion in der dänischen Sozialpolitik wird sich wohl stark um das Rentenalter drehen. Eigentlich hat sich die Politik angesichts der älter
  54. werdenden Bevölkerung parteienübergreifend längst auf eine schrittweise Erhöhung auf 70 geeinigt. Doch wie das wirklich ausgestaltet
  55. werden soll, das wird noch diskutiert. Über den generellen Kurs in der dänischen Sozialpolitik bleibt ein Konsens. Sie soll Stilfe statt Sackkasse
  56. sein.

Zum Nachlesen