Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Hexenprozesse von Salem
Die Hexenprozesse von Salem (Salem witch trials) im Jahr 1692 bildeten den Beginn einer Reihe von Verhaftungen, Anklagen und Hinrichtungen wegen Hexerei in …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Bedeutung
Die Hexenprozesse von Salem waren eine Reihe von Verhaftungen, Anklagen und Hinrichtungen wegen angeblicher Hexerei im Jahr 1692 in Neuengland. Sie begannen in Salem Village, dem heutigen Gebiet von Danvers nahe der Stadt Salem, und breiteten sich innerhalb weniger Monate auf viele umliegende Gemeinden aus, darunter Andover, Ipswich, Beverly, Boston und weitere Orte.
Die Ereignisse gelten als besonders wichtig, weil Hexenverfolgungen in den nordamerikanischen Kolonien vorher nur vereinzelt vorgekommen waren, während sie in Europa schon länger verbreitet waren. In Salem wurden 19 Beschuldigte hingerichtet, 55 Menschen unter Folter zu Falschaussagen gebracht, 150 Verdächtigte inhaftiert und weitere 200 Menschen der Hexerei beschuldigt. Die Prozesse zeigen, wie religiöse Angst, soziale Konflikte, politische Unsicherheit und konkrete Anschuldigungen zusammen eine Verfolgungswelle auslösen konnten.
Vorgeschichte und Auslöser
Vor 1692 hatte es in Neuengland bereits einzelne Hinrichtungen wegen Hexerei gegeben. Der Historiker Clarence F. Jewett nannte für die Zeit von 1647 bis 1688 mehrere Opfer, darunter Alice Young in Hartford, Margaret Jones aus Charlestown in Boston, Ann Hibbins in Boston und Ann Glover in Boston. Diese Fälle bildeten jedoch keine so große Verfolgungswelle wie später in Salem.
In Salem spielte der puritanische Geistliche Samuel Parris eine zentrale Rolle. Er war 1689 zum ersten unabhängigen Leiter der streng puritanischen Gemeinde von Salem ernannt worden. Seine Predigten betonten den Kampf zwischen Gottes auserwähltem Volk und Satan. Im Winter 1691/92 zeigten seine Tochter Elizabeth „Betty“ Parris und seine Nichte Abigail Williams auffälliges Verhalten: Sie sprachen seltsam, versteckten sich unter Dingen und krochen auf dem Boden. Ärzte fanden keine medizinische Erklärung. Der Arzt William Griggs vermutete nach Untersuchungen und dem Ausschluss der damals bekannten psychischen Störungen, die Mädchen könnten vom Teufel besessen sein.
Die Mädchen erklärten daraufhin, sie würden von unsichtbaren Händen gequält. Parris übernahm diese Deutung und meinte, Salem sei vom Satan bedroht. Als Mittel gegen diesen Angriff galt, die angeblichen Hexen zu identifizieren und zu benennen. Neben Betty Parris und Abigail Williams nannten auch Ann Putnam, Betty Hubbard, Mercy Lewis, Susannah Sheldon, Mercy Short und Mary Warren Namen von Personen, die sie angeblich verhext hätten.
Erste Beschuldigungen und Verlauf der Prozesse
Zuerst wurden Sarah Good, Sarah Osborne und Tituba beschuldigt. Alle drei standen am Rand der Gesellschaft: Sarah Good war eine bekannte Bettlerin, Sarah Osborne war eine ältere bettlägerige Frau, und Tituba war eine Sklavin des Geistlichen Samuel Parris. Tituba berichtete von Hexenversammlungen und behauptete, sie habe einige Namen im Buch Satans gesehen. Die Dorfgemeinschaft glaubte den Anschuldigungen auch deshalb, weil sie durch Bedrohungen von indianischen Stämmen, politische Unsicherheit nach der Aufhebung des Bay-Colony-Vertrages von 1684 und den Aufstand von 1689 verunsichert war.
Am 1. März 1692 wurden die beschuldigten Frauen inhaftiert. Danach folgten weitere Anklagen, unter anderem gegen Dorcas Good, die vierjährige Tochter von Sarah Good, Rebecca Nurse, Abigail Hobbs, Deliverance Hobbs, Martha Corey sowie Elizabeth und John Proctor. Da zunächst keine formale Regierung vorhanden war, konnte kein Gerichtsverfahren eröffnet werden. Während der Haft starben Sarah Osborne und Sarah Goods neugeborenes Kind, weitere Gefangene wurden krank.
Gegen Ende Mai kam der vom englischen König eingesetzte Gouverneur Sir William Phips nach Salem, um eine Anhörung durchzuführen, englisch „Oyer and Terminer“. Das Gericht verhandelte ungefähr einmal im Monat neue Fälle. Bis auf eine Ausnahme wurden alle Beschuldigten wegen Hexerei zum Tod verurteilt. Wer sich schuldig bekannte und weitere Verdächtige nannte, wurde nicht hingerichtet. Die Hinrichtungen von Elizabeth Proctor und Abigail Faulkner wurden wegen Schwangerschaft verschoben.
Im Sommer 1692 wurden bei vier Hinrichtungen 19 Personen gehängt. Unter ihnen waren ein Geistlicher, ein Gendarm, der sich geweigert hatte, weitere Verdächtige festzunehmen, und mehrere zuvor angesehene Personen. Sechs Hingerichtete waren Männer, die übrigen meist verarmte ältere Frauen. Giles Corey, ein achtzigjähriger Bauer, weigerte sich, sich schuldig oder unschuldig zu bekennen. Nach dem damaligen englischen Common Law konnte in solchen Fällen die Folter „Peine forte et dure“ angewendet werden, um ein Bekenntnis zu erzwingen. Corey starb am 19. September 1692, nachdem er drei Tage lang mit immer schwereren Steinen zerquetscht worden war. Am 22. September 1692 wurden die letzten acht Personen gehängt, darunter Martha Corey und fünf weitere Frauen.
Mögliche Ursachen
Der Artikel nennt mehrere mögliche Gründe für die schnelle Ausbreitung der Hexenverfolgung. Die Puritaner, die sich ab 1628 in Salem niederließen, wollten dort als Gottes auserwähltes Volk ein „Neues Jerusalem“ aufbauen. Die Gesellschaft sollte theokratisch sein, also religiös geprägt und an der Bibel orientiert. Hexerei galt als todeswürdiges Verbrechen; dies hielten die Puritaner in ihrer Gesetzgebung von 1641 und 1648 fest und bezogen sich dabei direkt auf Exodus 22,17.
Hinzu kamen soziale und politische Spannungen. Salem war zwischen Dorfbewohnern gespalten, die Samuel Parris bei der Loslösung von der Stadt Salem unterstützten, und anderen, die Teil der Stadtgemeinde bleiben und Handelsbeziehungen erhalten wollten. Außerdem hatten Geflüchtete aus Maine und New Hampshire nach Indianerangriffen in Salem Schutz gesucht und brachten Berichte über Gewalt und Bedrohung mit. Die puritanische Gesellschaft hatte nach der Glorious Revolution von 1688 ihren Gründungsvertrag verloren und blickte in eine unsichere Zukunft. Indianerangriffe blieben eine ständige Bedrohung; im „König Philips Krieg“ von 1675 war jeder zehnte Siedler in Neuengland bei solchen Angriffen ums Leben gekommen.
Zu den Ursachen gibt es verschiedene Theorien. Die verbreitete Erklärung einer religiös geprägten massenhysterischen Wahnvorstellung gilt heutigen Experten als zu stark vereinfacht. Genannt werden außerdem Kindesmisshandlung, Wahrsagerei, fehlgeleitete Experimente, eine mögliche Intrige der Familie Putnam gegen die Familie Porter sowie die Vermutung, durch Mutterkorn verseuchtes Getreide habe Ergotismus mit Wahnvorstellungen ausgelöst. Diese Ergotismus-Hypothese wurde 1976 von Linnda Caporael in „Science“ vertreten, noch im selben Jahr bestritten und wird mehrheitlich nicht als überzeugende Erklärung angesehen.
Aus soziologischer Sicht wird die Verfolgung auch als Konflikt zwischen einer pietistischen, traditionell religiösen Landbevölkerung und einer weltoffeneren, wirtschaftlich erfolgreichen Kaufmannschaft beschrieben. Carol Karlsen betonte den Zusammenhang zwischen Hexenverfolgung und der Stellung von Frauen, die ererbtes Vermögen selbständig vor Gericht verteidigten. Mary Beth Norton vertritt in „In the Devil's Snare“ die These, dass wahrscheinlich mehrere der genannten Faktoren zusammenwirkten. Besonders wichtig seien die Angst vor Indianerangriffen und die religiöse Vorstellung gewesen, Indianer stünden mit dem Teufel und Hexerei in Verbindung.
Beteiligte und Opfer
Zu den Hingerichteten gehörten Bridget Bishop, Rev. George Burroughs, Martha Carrier, Martha Corey, Mary Easty, Sarah Good, Elizabeth Howe, George Jacobs Sr., Susannah Martin, Rebecca Nurse, Alice Parker, Mary Parker, John Proctor, Ann Pudeator, Wilmott Redd, Margaret Scott, Samuel Wardwell, Sarah Wildes und John Willard. Sie wurden zwischen dem 10. Juni 1692 und dem 22. September 1692 gehängt.
In Haft oder unter Folter starben unter anderem Giles Corey, Lydia Dustin, Ann Foster, die neugeborene Tochter von Sarah Good, Sarah Osborne und Roger Toothaker. Weitere Personen waren betroffen, weil sie angebliche Opfer waren, aussagten oder selbst beschuldigt wurden. Dazu zählten etwa Elizabeth Parris, Abigail Williams, Ann Putnam Jr., Mercy Lewis, Mary Warren und Sarah Churchill. Mary Warren und Sarah Churchill wurden selbst der Hexerei angeklagt, nachdem sie ausgesagt hatten, die Vorwürfe seien erfunden.
Die Liste der Beschuldigten war nicht vollständig; der Artikel nennt zwischen 150 und 300 Angeklagte, möglicherweise waren noch deutlich mehr Menschen inhaftiert. Zu den geistlichen Beteiligten und Kommentatoren gehörten unter anderem Francis Dane, John Hale, Deodat Lawson, Cotton Mather, Increase Mather, Samuel Parris, Samuel Willard und John Wise. Vorsitzender Richter war Vizegouverneur William Stoughton. Als Untersuchungsrichter werden unter anderem Thomas Danforth, Bartholomew Gedney, John Hathorne, John Richards, Nathaniel Saltonstall, Samuel Sewall und Wait Still Winthrop genannt.
Ende, Rehabilitation und spätere Darstellungen
Während der Prozesse litt auch das Alltagsleben in Salem: Die Ernte wurde nicht eingebracht, Rinder wurden vernachlässigt, Sägemühlen standen still, und der Handel kam fast zum Erliegen. Einige Beschuldigte flohen. Am 3. Oktober 1692 legten Bostoner Geistliche unter Führung von Increase Mather einen Einspruch mit dem Titel „Cases of Conscience Concerning Evil Spirits“ ein. Mather schrieb darin sinngemäß, es sei besser, wenn zehn verdächtigte Hexen entkämen, als wenn eine unschuldige Person verurteilt würde. Die Prozesse endeten im Januar 1693; im Frühjahr des folgenden Jahres wurden die letzten Verhafteten freigelassen.
Für die meisten Verurteilten wurde 1711 eine Generalamnestie ausgesprochen. Ann Pudeator, die als Hexe gehängt worden war, wurde 1957 für unschuldig erklärt. Am 5. November 2001 unterzeichnete die Gouverneurin von Massachusetts eine Unschuldserklärung für die fünf letzten Frauen. Im August 2021 wurde auf Betreiben einer Schulklasse auch die 1693 begnadigte Elizabeth Johnson Jr. vollständig rehabilitiert.
Die Hexenprozesse von Salem wurden später häufig literarisch und filmisch verarbeitet. Arthur Miller nutzte sie in „The Crucible“ von 1953 als Analogie auf die Kommunistenverfolgung der McCarthy-Ära. Weitere Bezüge finden sich bei Nathaniel Hawthorne, H. P. Lovecraft, Wolfgang Hohlbein, Andrzej Sapkowski und Neal Stephenson. Verfilmungen und Serien griffen das Thema ebenfalls auf, etwa „Die Hexen von Salem“, „Hexenjagd“, die Serie „Salem“ und mehrere Horrorfilme oder Spiele. Der Artikel weist darauf hin, dass solche Darstellungen oft von der historischen Wirklichkeit abweichen, besonders wenn sie den Angeklagten tatsächlich magische Kräfte zuschreiben.
Lernvideos zu Hexenprozesse von Salem
14:25
'The Crucible' by Arthur Miller: Summary & Plot Explained! | English GCSE & English IGCSE Revision!
First Rate Tutors · 11.599 Aufrufe
10:42
'The Crucible’ by Arthur Miller | Plot & Characters Mindmap! (English GCSE 2026 Exams)
First Rate Tutors · 43.728 Aufrufe
9:18
Plot Summary of The Crucible by Arthur Miller in Under 10 Minutes
Schooling Online · 350.324 Aufrufe
11:35
The Crucible | Themes and Summary analysis
The Learning Hive Academy · 124.628 Aufrufe