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Helmut Johannes Vollmer
Helmut Johannes Vollmer (* 11. September 1941 in Hamburg) ist ein deutscher Professor i. R. für Angewandte Linguistik und Fachdidaktik des Englischen.
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Profil und Bedeutung
Helmut Johannes Vollmer (* 11. September 1941 in Hamburg) ist ein deutscher Professor i. R. für Angewandte Linguistik und Fachdidaktik des Englischen. Angewandte Linguistik untersucht Sprache mit Blick auf praktische Felder wie Unterricht, Lernen und Tests; Fachdidaktik befasst sich mit dem Lehren und Lernen eines bestimmten Schulfachs.
Vollmer wurde vor allem durch empirische Forschung zum Fremdsprachenlehren und -lernen bekannt. Empirisch bedeutet hier, dass Fragestellungen mithilfe von Beobachtungen, Daten und Untersuchungen geprüft werden. Weitere Schwerpunkte waren die Evaluation von Fachunterricht und Schülerleistungen sowie die Entwicklung bilingualen Unterrichts in Deutschland. Zuletzt lehrte er bis zu seiner Pensionierung 2006 am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Osnabrück.
Ausbildung und wissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte
Nach dem Abitur 1961 am Ernst-Schlee-Gymnasium in Hamburg studierte Vollmer von 1961 bis 1969 Anglistik, Geschichte und Soziologie in Hamburg, Tübingen und an der Freien Universität Berlin. Nach dem Magister-Artium-Examen 1969 arbeitete er am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin an einer Schulleistungsstudie Englisch. Gleichzeitig absolvierte er von 1969 bis 1971 ein Zweitstudium in Psychologie, insbesondere zu Forschungsmethoden, und Linguistik.
Von 1973 bis 2006 hatte er Lehrfunktionen an den Universitäten Bremen, Osnabrück, Webster College in St. Louis, Leipzig und erneut Osnabrück. 1981 promovierte er an der Universität Osnabrück über „Psycholinguistische Untersuchungen von Fremdsprachenfähigkeit“. Psycholinguistik untersucht Zusammenhänge zwischen Sprache und psychischen Vorgängen, etwa beim Lernen. 1994 habilitierte er sich dort mit dem Thema „Lernersprachenanalyse“, also der Untersuchung der Sprache von Lernenden.
Inhaltlich arbeitete Vollmer zu Pragmalinguistik, Fremdsprachentests sowie bilingualem Lehren und Lernen. Pragmalinguistik untersucht, wie Sprache in konkreten Kommunikationssituationen verwendet wird, beispielsweise bei Sprechhandlungen. Er unterrichtete auch selbst bilingual Englisch, Geschichte und Politik/Gemeinschaftskunde an Schulen.
Forschung, Institutionen und Bildungsstandards
Seit 1981 gehörte Vollmer zur „Frühjahrskonferenz zur Erforschung des Fremdsprachenunterrichts“ und setzte sich dort für eine empirische Ausrichtung der Fremdsprachendidaktik ein. 1989 war er Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachenforschung (DGFF) und von 1993 bis 1995 deren Zweiter Vorsitzender. 1990 wirkte er an der Gründung der „Zeitschrift für Fremdsprachenforschung“ mit. Gemeinsam mit Johannes-Peter Timm entwickelte er eine Konzeption der Fremdsprachenforschung als Oberbegriff für Fremdsprachendidaktik, Sprachlehrforschung und Zweitsprachenerwerbsforschung.
1999 gründete er die Gesellschaft für Fachdidaktik (GFD) mit; sie ist eine Dachorganisation der Fachdidaktiken in Deutschland. In ihrer Arbeitsgruppe „Allgemeine Fachdidaktik“ befasste er sich mit einer fachübergreifenden Theorie der Fachdidaktiken und mit dem Verhältnis von Allgemeiner Didaktik, Fachdidaktik und Allgemeiner Fachdidaktik. Außerdem arbeitete er zur Geschichte, zu Ansätzen und zu Forschungsperspektiven der Englischdidaktik.
Von 2000 bis 2006 leitete Vollmer die Forschungsstelle „Bilingualismus und Mehrsprachigkeit“ an der Universität Osnabrück und wirkte an einem Zusatzzertifikat „Bilingualität/Bilingualer Unterricht (Englisch)“ mit. Von 2003 bis 2005 leitete er ein DFG-Projekt zu Fachlernen und (Fremd-)Sprachlichkeit bei bilingualen und monolingualen Lernenden. Dabei standen aufgabenbasierte Kognition, Kommunikation und Kooperation im Mittelpunkt.
2004 berief ihn die Kultusministerkonferenz in die Kommission für nationale Bildungsstandards in Englisch und Französisch für den Mittleren Schulabschluss; anschließend arbeitete er auch zu Standards für fortgeschrittenes Fremdsprachenlernen in der Sekundarstufe II bis zum Abitur. Seit 2006 war er unter anderem wissenschaftlicher Experte und Autor für den Europarat im Projekt „Languages of Schooling/Plurilingual and Intercultural Education“. Seine Arbeit betonte damit, dass Sprache für fachliches Lernen in allen Schulfächern wichtig ist, nicht nur im Sprachunterricht.
Veröffentlichungen und zentrale Themen
Vollmers Schriften behandeln besonders Fremdsprachenfähigkeit, Tests und Leistungsbewertung, bilingualen Sachfachunterricht, Bildungsstandards, Kompetenzentwicklung sowie die sprachliche Dimension fachlichen Lernens. Seine Dissertation erschien 1982 als „Spracherwerb und Sprachbeherrschung: Untersuchungen zur Struktur von Fremdsprachenfähigkeit“.
Zu seinen zentralen Arbeiten zählen die mit Eckhard Klieme und anderen verfasste Expertise „Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards“ (2003) sowie Veröffentlichungen für den Europarat zur Sprache des Lernens und Lehrens in Schulfächern. In „The Language Dimension in All Subjects“ (2016) wird diese Sprachdimension ausdrücklich auf alle Fächer bezogen.
Wichtige Aufsätze behandeln unter anderem die Konzeption der Fremdsprachenforschung, interkulturelle Kommunikationsfähigkeit, bilingualen Sachfachunterricht und schulsprachliche Kompetenzen. Ein typisches Thema ist die Frage, wie Fachkompetenz als fachbasierte Diskursfähigkeit sichtbar wird: Schülerinnen und Schüler sollen fachliche Inhalte nicht nur kennen, sondern sie auch mit der für das jeweilige Fach nötigen Sprache erklären, begründen und kommunizieren können. Insgesamt veröffentlichte Vollmer fast 200 Aufsätze und Beiträge in Sammelwerken.