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Stolberg (Rheinland)
Stolberg (Rheinland) · Inhaltsverzeichnis · Geografie · Geschichte · Politik · Wirtschaft und Infrastruktur · Verkehr · Religion · Sehenswürdigkeiten und Kultur.
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Stadtprofil und Naturraum
Stolberg (Rheinland), amtlich Kupferstadt Stolberg (Rhld.), ist eine Große Mittelstadt und ein Mittelzentrum in der Städteregion Aachen, Nordrhein-Westfalen. Sie liegt bei 50° 46′ N, 6° 14′ O, hat 98,48 km² Fläche und 57.678 Einwohner (31. Dezember 2025). Bürgermeister ist Patrick Haas (SPD). Der offizielle Titel „Kupferstadt“ besteht seit dem 24. Juli 2012. Er verweist ebenso wie die Bezeichnung „älteste Messingstadt der Welt“ auf die lange metallverarbeitende Industrie. Die Burg Stolberg in der Altstadt ist Wahrzeichen und Ausgangspunkt der Ortsgeschichte.
Die Stadt liegt im Vennvorland nahe dem Dreiländereck Deutschland–Belgien–Niederlande, in einem engen, vom Vichtbach durchflossenen Tal bei Aachen. Die Talsohle liegt 180 bis 200 m hoch und ist stellenweise nur 250 m breit. Höchster Punkt ist mit 483 m die Stadtgrenze zur Gemeinde Hürtgenwald bis Raffelsbrand, tiefster Punkt die Kläranlage Steinfurt mit 160 m. Von 9.831 ha Gesamtfläche sind 4.822 ha Wald und 2.622 ha landwirtschaftlich genutzt. Stolberg ist nach Simmerath und Aachen flächenmäßig die drittgrößte Gemeinde der Städteregion.
Wichtige Gewässer sind Vichtbach und Inde; der Vichtbach mündet bei Steinfurt-Velau in die Inde. Hinzu kommen Omerbach, Saubach, Mausbach und Wehebach. Die Wehebachtalsperre ist das größte Standgewässer. Geologisch liegt Stolberg am Rand des Rheinischen Schiefergebirges in der Niederrheinischen beziehungsweise Kölner Bucht, einem von drei Haupterdbebengebieten Deutschlands. Die Gesteinsabfolge reicht vom kambriumszeitlichen Tonschiefer bis zu den Oberen und Unteren Stolberger Schichten aus dem Oberkarbon.
Das Klima ist kühl gemäßigt bis ozeanisch: durchschnittlich 862 mm Niederschlag im Jahr und 9,6 °C Jahresmitteltemperatur. Wegen geringer Windgeschwindigkeit im Vichttal können im Sommer Schwüle und bei austauscharmen Wetterlagen Kaltluftseen entstehen, die Emissionen festhalten. Höhen und Stadtränder sind besser durchlüftet.
Naturschutz und Umweltbelastung
Wälder bedecken mehr als die Hälfte der Stadtfläche; 80 % des Freiraums stehen unter Landschafts- oder Naturschutz. Seit einer Verordnung vom 8. November 1973 sind 19 Naturdenkmäler geschützt. Wichtige Naturbereiche sind das Vennvorland als Teil des Naturparks Nordeifel, die Wehebachtalsperre, ehemalige Steinbrüche und das erste Stolberger Naturschutzgebiet Werther Heide von 1979.
Besonders bedeutsam ist die Galmeiflora, eine eiszeitliche alpine Reliktflora auf schwermetallhaltigen Böden; ihr Informationszentrum liegt am Schlangenberg in Breinig. Daneben gibt es Kalkgebiete mit Orchideen, Feuchtgebiete sowie Schutzgebiete an Saubach, Inde, Wehebachtälern, Leyberg, Gedautal und Tatternsteinen.
Die frühe Industrialisierung belastete Umwelt und Bevölkerung mit Schwefelsäure, Schlacke sowie Cadmium, Zink und Blei. Besonders die Bleihütte Binsfeldhammer war ein Hauptemittent. Als Folgen wurden bei Menschen „Bleikinder“ und bei Tieren die Gressenicher Krankheit bekannt; 1965 wurden Fälle dieser Tierkrankheit offiziell gemeldet. Im Sommer 1982 betrug der höchste Bleiwert im Blut Stolberger Kinder 38,5 µg Pb / 100 ml Blut, 1990 noch 15,5 µg Pb / 100 ml Blut.
Halden wurden saniert, begrünt oder als Gewerbe- und Erholungsflächen genutzt. Zwischen 1974 und 1981 sanken die Feststoffemissionen der Stolberger Metallwerke von 386.851 kg/a um 87 % auf 57.689 kg/a; Zinkemissionen sanken von 215.130 kg/a um 95 % auf 10.769 kg/a. Seit 1991 nutzt die Bleihütte Binsfeldhammer das emissionsarme QSL-Verfahren. Eine 1990 vorgestellte umweltmedizinisch-epidemiologische Studie hielt eine weitere Beobachtung der Bevölkerung nicht mehr für erforderlich.
Entwicklung zur Kupferstadt
Die Geschichte Stolbergs ist eng mit der Lage im Vichttal, mit Erzvorkommen und Metallverarbeitung verbunden. Funde bei Büsbach reichen in die frühe Mittelsteinzeit zurück; weitere stammen aus der Jungsteinzeit. Die Namen Inde, Vicht und Wehe sind keltischen Ursprungs. Bei Schevenhütte wurden Reste einer keltischen Fliehburg aus der Eisenzeit gefunden. Funde deuten auf Messingindustrie und Eisenverhüttung bereits in Kelten- und Römerzeit hin.
1118 wurde Stolberg erstmals urkundlich erwähnt: Reinardus von Stalburg unterzeichnete die Gründungsurkunde des St.-Georgs-Stifts zu Wassenberg. 1324 ist das „dorf Staylburg“ belegt. Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts verhütteten Handwerker Eisen, Kupfer, Blei, Gold und Silber. Um 1600 erlaubte der Burgherr von Effern protestantischen Kupfermeistern aus Aachen die Ansiedlung. Sie stellten Messing her, eine Legierung aus Kupfer und örtlichem Galmei beziehungsweise Zinkblende, und nutzten die Wasserkraft des Vichtbachs. Da Zink noch nicht als Element erkannt war, hieß Messing auch „gelbes Kupfer“. Daraus erklären sich die Begriffe Kupfermeister und Kupferstadt.
Die Kupfermeister sowie Reitmeister, die am Vichtbach und Wehebach Eisen gewannen und verarbeiteten, begründeten wirtschaftlichen Aufschwung. Stolberg besaß in Europa nahezu eine Monopolstellung in der Messingproduktion. Kupferhöfe, Reitwerke und der Kupfermeisterfriedhof erinnern an diese Frühindustrialisierung. 1647 entstand die Vogelsangkirche als erste linksrheinische lutherische Kirche.
Von 1794 bis 1815 gehörte Stolberg zu Frankreich und war eine Mairie im Département de la Roer. 1815 kam es zu Preußen, wurde 1816 Bürgermeisterei und erhielt 1856 Stadtrechte. Die Bahnverbindungen ab 1841 und die Stolberger Talbahn verbesserten die Anbindung der Industrie. 1935 wuchs das Stadtgebiet erheblich. Im Zweiten Weltkrieg produzierten vor allem Prym und Stolberger Metallwerke für die Rüstung; mindestens 38 größere Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager bestanden im Stadtgebiet. Am 12. September 1944 drangen US-Truppen bis Stolberg und Schevenhütte vor. Die Kämpfe um den „Stolberg-Korridor“ verursachten schwere Schäden.
Nach 1945 gehörte Stolberg zur britischen Besatzungszone und seit 1947 zu Nordrhein-Westfalen. Die Gebietsreform zum 1. Januar 1972 mehr als verdreifachte die Stadtfläche durch Eingemeindungen, darunter Gressenich, Breinig, Venwegen und Zweifall. Seitdem ist Stolberg nach Aachen und knapp vor Eschweiler die zweitgrößte Kommune der Städteregion. Im Juli 2021 führte die Flutkatastrophe zu einer der größten Zerstörungen der Stadtgeschichte.
Stadt, Politik und Wirtschaft
Stolberg gliedert sich in 17 Stadtteile: Atsch, Breinig, Breinigerberg, Büsbach, Donnerberg, Dorff, Gressenich, Mausbach, Münsterbusch, Oberstolberg, Schevenhütte, Unterstolberg, Venwegen, Vicht, Vicht-Breinigerberg, Werth und Zweifall. Die Einwohnerzahlen nach Stadtteilen beruhen im Artikel noch auf Zahlen von 2018; für die Stadt insgesamt werden dort 57.446 Einwohner genannt, während die Basisdaten 57.678 Einwohner zum 31. Dezember 2025 angeben.
Stolberg gehört zum Regierungsbezirk Köln und zur Städteregion Aachen. Patrick Haas ist seit 2019 Bürgermeister; bei der Kommunalwahl 2025 gewann er mit 51,6 % im ersten Wahlgang. Der Stadtrat hat seit 2025 44 Sitze. Bei dieser Wahl erhielt die SPD 36,83 % und 16 Sitze, die CDU 32,93 % und 14 Sitze, die AfD 14,93 % und 7 Sitze. Seit 2025 bilden CDU und SPD eine Koalition. Stolberg ist seit den 1950er-Jahren ein Schwerpunkt rechtsextremistischer Aktivitäten in der Aachener Region. Nach jährlichen rechtsextremen Aufmärschen ab 2008 stellte sich ein „Bündnis gegen Radikalismus“ entgegen; seit 2013 finden keine solchen Aufmärsche mehr statt.
Die Wirtschaft ist traditionell mittelständisch und produzierend, in den 1972 eingemeindeten Gebieten auch land- und forstwirtschaftlich. Mit rund 16.000 Arbeitsplätzen ist Stolberg neben Aachen ein bedeutender Industrieort der Städteregion. Große Unternehmen sind Aurubis Stolberg, Schwermetall Halbzeugwerk, Dalli-Werke mit Mäurer & Wirtz, Saint-Gobain Glass Deutschland und die Berzelius-Bleihütte Binsfeldhammer. Dienstleistungen gewinnen vor allem in Steinfurt und Münsterbusch an Bedeutung.
EWV liefert Erdgas und Strom, Enwor das Trinkwasser. Das Trinkwasser aus ehemaligen Bergbaustollen im Kohlenkalk macht Stolberg laut Artikel als einzige Stadt des Kreises Aachen unabhängig von der Rurtalsperre. Das Bethlehem Gesundheitszentrum ist ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung und Akademisches Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen: Es hat fast 1.000 Beschäftigte, 327 Betten, etwa 13.500 stationäre und 33.000 ambulante Patienten jährlich sowie sieben Fachabteilungen und eine HNO-Belegabteilung. Pro Jahr werden dort mehr als 1.100 Kinder geboren.
Bildung, Verkehr und Religion
Die Stadt unterhält vier Jugendclubs und acht Grundschulen. Zu den städtischen weiterführenden Schulen gehören Goethe-Gymnasium, Ritzefeld-Gymnasium, Städtische Gesamtschule und Kupferstädter Gesamtschule; die Städtische Sekundarschule befindet sich seit 2013/2014 im Aufbau. Weitere Angebote sind Förderschulen, ein mit Simmerath geteiltes Berufskolleg, Volkshochschule, Musikschule und die Stadtbücherei. Diese bietet auf 1.206 m² 62.375 Medien und ist außerhalb Aachens die größte Bibliothek der Städteregion.
Straßenverbindungen bestehen über die Autobahnanschlüsse der A 4, A 44 und A 544; die L 238 führt den Nord-Süd-Durchgangsverkehr. Stolberg gehört zum Aachener Verkehrsverbund. Der Mühlener Bahnhof ist zentraler Busknoten mit Verbindungen in alle Stadtteile sowie nach Aachen, Vaals und Eschweiler. Der Hauptbahnhof liegt im Stadtteil Atsch an der Strecke Aachen–Köln. Die RB 20 (Euregiobahn) verbindet Stolberg seit dem 10. Juni 2001 mit Aachen, Eschweiler, Herzogenrath, Merkstein und Alsdorf; Haltepunkte in der Stadt sind Hauptbahnhof, Schneidmühle, Mühlener Bahnhof, Rathaus und Altstadt. Stolberg ist zudem Eisenbahnknotenpunkt. Mehrere überregionale Radwege führen durch das Stadtgebiet, darunter Wasserburgen-Route, Grünroute, Kaiser-Route sowie D-Route 4 und D-Route 7.
Religiös prägen katholische und evangelische Gemeinden die Stadt; außerdem gibt es eine neuapostolische Gemeinde, einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas und mehrere Moscheevereine. Die katholische Struktur ging 2025 in den Pastoralen Raum Stolberg über. Die evangelische Vogelsangkirche wurde 1648 eingeweiht und ist die älteste lutherische Kirche im Raum Aachen; die Finkenbergkirche stammt von 1725. In Zweifall steht eine evangelische Kirche von 1683. Moscheevereine veranstalten Kulturfeste und laden jährlich zu einem gemeinsamen Fastenbrechen ein.
Baukultur und öffentliches Leben
Die Oberstolberger Altstadt und Alt-Breinig gehören zum Arbeitskreis historischer Stadtkerne Nordrhein-Westfalens. Charakteristisch sind Burg Stolberg, Kupferhöfe und Reitwerke. Die in den 1970er- und 1980er-Jahren sanierte Oberstolberger Altstadt besitzt 110 Baudenkmäler. Dort liegen die ältesten Kupferhöfe, die Burg und die katholische Kirche St. Lucia. Der Kupfermeisterfriedhof auf dem Finkenberg wurde 1686 angelegt; der jüdische Friedhof im Turmblick besteht seit 1860.
Das Museum Zinkhütter Hof behandelt die Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte von Stolberg, Eschweiler und teilweise Aachen; Schwerpunkte sind Messing, Zink und die Aachener Nadelproduktion. Das Museum in der Torburg zeigt unter anderem historische Handwerke sowie Exponate zu Glas-, Kupfer-, Messing- und Seifenherstellung. Daneben gibt es das Vennbahn-Museum und das Museumssägewerk Zweifall.
Zum kulturellen Leben gehören Stadtkirmes, Stadtfest mit Mittelaltermarkt, Schülertheaterfestival, „Kupferstädter Weihnachtstage“, Konzerte und Ausstellungen. Stolberg zählt mehr als 170 Vereine. Karneval wird rheinisch gefeiert; der Narrengruß lautet „(Stolbersch) Alaaf!“. Das Stolberjer Platt ist eine Varietät der ripuarischen Dialektgruppe, verlor aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Funktion als Umgangssprache. Seit Mai 2013 hat die Stadt das offizielle Maskottchen „Stolbärchen“ mit blauer Kappe und rotem T-Shirt mit Burgsilhouette.