Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Hans Swarowsky
Hans Swarowsky (* 16. September 1899 in Budapest; † 10. September 1975 in Salzburg) war ein österreichischer Dirigent und ab 1946 Professor für Dirigieren …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick
Hans Swarowsky (* 16. September 1899 in Budapest; † 10. September 1975 in Salzburg) war ein österreichischer Dirigent und Musikpädagoge. Ab 1946 war er Professor für Dirigieren an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Besonders wichtig ist er als Lehrer: Viele später bekannte Dirigenten und Musiker gingen aus seiner Schule hervor.
Neben seiner Tätigkeit als Dirigent arbeitete Swarowsky auch an Operntexten und Übersetzungen. Seine Aufsätze und Vorlesungen wurden 1979 unter dem Titel Wahrung der Gestalt veröffentlicht. Darin entwickelte er die von ihm so genannte „Taktgruppenanalyse“, die er als Voraussetzung für musikalische Interpretation ansah.
Ausbildung und frühe Laufbahn
Swarowsky war Sohn eines Wiener Großindustriellen. Er studierte zunächst Kunstgeschichte und Philosophie an der Wiener Universität. Ab 1920 erhielt er Unterricht in Musiktheorie und Dirigieren bei Arnold Schönberg und danach bei Anton Webern.
Nach einer Tätigkeit als Korrepetitor, also als musikalischer Begleiter und Einstudierer etwa an einem Theater, wurde er Kapellmeister an der Wiener Volksoper. Danach arbeitete er am Stuttgarter Opernhaus. Später war er Erster Kapellmeister und Opernspielleiter am Reußischen Theater in Gera. 1934 wurde er Kapellmeister an der Hamburgischen Staatsoper, 1935 an der Berliner Staatsoper.
Zeit des Nationalsozialismus
Nach einem angeblichen Berufsverbot 1936 arbeitete Swarowsky von 1937 bis 1940 am Zürcher Opernhaus. Danach kehrte er ins nationalsozialistische Deutsche Reich zurück. Auf Einladung von Richard Strauss und Clemens Krauss wirkte er am Libretto, also am Textbuch, der Oper Capriccio mit. Die deutsche Textfassung des Ronsard-Sonetts Kein Andres, das mir so im Herzen loht stammt von ihm.
Außerdem übertrug er zahlreiche ältere Opernlibretti von Opern Verdis, Glucks, Haydns und Monteverdis ins Deutsche. Von 1940 bis 1944 war er Dramaturg bei den Salzburger Festspielen. Von 1944 bis zu seinem letzten Konzert am 9. Januar 1945 war er im besetzten Polen Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters des Generalgouvernements in Krakau.
In Krakau wurde Swarowsky von Joseph Goebbels als „Polenfreund“ angefeindet. Hinter den Kulissen wurde er jedoch von Ministerialrat Gerhart Scherler gedeckt, der als „Vertrauensmann aller Anti-Nazis im Propagandaministerium“ bezeichnet wird. Swarowsky dirigierte dort unter anderem die Uraufführung von Hans Pfitzners Komposition Krakauer Begrüßung, die Hans Frank gewidmet war. Zugleich nutzte er laut Artikel das Vertrauen des musikliebenden Frank und seine Stellung als Chefdirigent, um zahlreiche polnische und jüdische Bürger gegenüber der Gestapo zu schützen.
Nachkriegszeit und Lehrtätigkeit
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich Swarowsky in Stuttgart und stand kurzfristig auf der „Grauen Liste“ der US-Militärregierung. Von 1946 bis 1947 war er Chefdirigent der Wiener Symphoniker. Von 1947 bis 1950 leitete er als Direktor die Grazer Oper.
Danach widmete er sich vor allem seiner Lehrtätigkeit. Daneben dirigierte er bis kurz vor seinem Tod an der Wiener Staatsoper mehr als 180 Vorstellungen. Wiederholt war er Juror bei der Dimitri Mitropoulos International Music Competition in New York.
Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Claudio Abbado, Zubin Mehta, Mariss Jansons, Adam und Iván Fischer, Jesús López Cobos, Giuseppe Sinopoli, Heinrich Schiff, Gustav Leonhardt und viele weitere Musiker. Ein Schüler, Alfred Scholz, veröffentlichte später zahlreiche Tonaufnahmen unter verschiedenen Dirigenten-Pseudonymen, darunter häufig Hans Swarowsky; vermutlich wurde kaum eine dieser Aufnahmen tatsächlich von Swarowsky dirigiert.
Schriften und musikalisches Denken
Swarowskys Aufsätze und Vorlesungen erschienen 1979 in der Sammlung Wahrung der Gestalt. Schriften über Werk und Wiedergabe, Stil und Interpretation in der Musik, herausgegeben und redigiert von Manfred Huss bei der Universal-Edition in Wien. Das Werk trägt die ISBN 3-7024-0138-5.
Ein zentraler Begriff daraus ist die „Taktgruppenanalyse“. Damit meinte Swarowsky eine Methode, musikalische Takte in größeren Sinnzusammenhängen zu betrachten. Für ihn war diese Analyse eine Voraussetzung dafür, Musik überzeugend zu interpretieren, also ein Werk nicht nur korrekt wiederzugeben, sondern seinen musikalischen Zusammenhang verständlich zu machen.
Ehrungen
Swarowsky erhielt mehrere Auszeichnungen. 1965 bekam er die Große Ehrenplakette des Österreichischen Rundfunks. 1968 erhielt er die Mozart-Medaille durch die Mozartgemeinde Wien sowie das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, dessen genaue Ausprägung im Artikel als unbekannt angegeben ist.
1974 folgten der Ehrenring der Stadt Wien, das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und die Goldmedaille der Internationalen Gustav Mahler Gesellschaft Wien. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 32 C, Nummer 40.