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Hans-Böckler-Stiftung

Benannt nach dem ersten Vorsitzenden des DGB, Hans Böckler, ist sie allen ihren Aufgabenfeldern der Mitbestimmung als Gestaltungsprinzip verpflichtet und wirbt …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung der Stiftung
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Organisation, Finanzierung und Forschung
  4. 4. Stipendien und ideelle Förderung
  5. 5. Themen, Angebote und Auszeichnungen

Aufgabe und Bedeutung der Stiftung

Die Hans-Böckler-Stiftung (HBS) ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Düsseldorf. Sie besteht seit 1977 und ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Begabtenförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Sie trägt den Namen von Hans Böckler, dem ersten Vorsitzenden des DGB.

Ihr zentrales Gestaltungsprinzip ist die Mitbestimmung: Beschäftigte beziehungsweise ihre Vertreter sollen bei Entscheidungen in Betrieb und Unternehmen mitwirken. Die Stiftung berät und unterstützt Menschen mit Mitbestimmungsaufgaben, wirbt für weitergehende Mitbestimmungsrechte und will Arbeitsbedingungen sowie soziale Gerechtigkeit verbessern. Zugleich finanziert sie wissenschaftliche Projekte, betreibt eigene Forschungsinstitute und unterstützt leistungsstarke Studierende und Promovierende. Sie gehört zu den 13 Begabtenförderungswerken in Deutschland.

Als Vorsitzende wird Yasmin Fahimi genannt, als Vorsitzende des Kuratoriums Elke Hannack und als Geschäftsführerin Claudia Bogedan. Die Bilanzsumme betrug 2023/2024 92,6 Millionen Euro.

Entstehung und Entwicklung

Vorläufer der Stiftung waren die Hans-Böckler-Gesellschaft zur Förderung der Mitbestimmung in Theorie und Praxis und die Stiftung Mitbestimmung zur Ausbildungs- und Bildungsförderung von Arbeitnehmern. Beide wurden 1954 gegründet und zunächst durch Spenden finanziert. Die Hans-Böckler-Gesellschaft sollte besonders den Erfahrungsaustausch von Arbeitnehmervertretern verbessern; seit 1955 gab sie die Zeitschrift Das Mitbestimmungsgespräch heraus, die heute Mitbestimmung heißt.

1964 umfasste das Jahresbudget für Studienförderungen der Stiftung Mitbestimmung 2,2 Millionen Deutsche Mark, das Budget der Hans-Böckler-Gesellschaft 200.000 D-Mark. In den 1970er Jahren rückten beide Einrichtungen zusammen. Hintergrund war unter anderem die Debatte über Mitbestimmung, die 1976 zum Mitbestimmungsgesetz führte.

Am 1. Juli 1977 wurden beide Institutionen zur Hans-Böckler-Stiftung zusammengeschlossen. Der DGB verpflichtete Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten, ihre Aufsichtsratseinkommen an die gemeinnützige Stiftung abzuführen. Damit sollte eine persönliche Bereicherung durch Aufsichtsratsposten verhindert werden. 1995 wurde das Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Institut (WSI) integriert, 2005 das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) gegründet. 2018 kamen das Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) sowie das Hugo Sinzheimer Institut für Arbeitsrecht (HSI) als wissenschaftliche Institute hinzu.

Organisation, Finanzierung und Forschung

Ende 2021 hatte die Stiftung etwa 220 Beschäftigte. Der Hauptsitz liegt in Düsseldorf; weitere Büros befinden sich in Frankfurt, dort auch das HSI, und in Berlin, unter anderem für die Forschungsstelle Arbeit der Zukunft.

Die Stiftung wird von einem Vorstand geleitet, der für drei Jahre gewählt wird. Der Vorstand bestellt ein hauptamtliches Direktorium für die laufenden Geschäfte. Das Kuratorium wählt den Vorstand; seine Mitglieder werden vom DGB für vier Jahre berufen. Claudia Bogedan wurde im September 2021 Geschäftsführerin und löste Norbert Kluge ab.

Der Haushalt 2017/18 betrug 73,6 Millionen Euro. 61 Prozent der Einnahmen kamen von Förderern, vor allem von Arbeitnehmervertretern in Aufsichtsräten, Arbeitsdirektoren sowie Leitungen gewerkschaftlicher Unternehmen, die Teile ihrer Vergütungen oder Einkünfte nach einem DGB-Beschluss abführten. Für Stipendien erhielt die Stiftung zweckgebundene Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: rund 28,6 Millionen Euro beziehungsweise 36,8 Prozent des Haushalts.

Zu den vier wissenschaftlichen Instituten gehören das WSI, das IMK, das HSI und das I.M.U. Das WSI untersucht Arbeit und Lebenswelt, Wandel der Arbeit, soziale Ungleichheit, soziale Risiken und das Europäische Sozialmodell; sein WSI-Tarifarchiv dokumentiert Tarifpolitik. Das IMK erforscht Konjunktur mit gesamtwirtschaftlichen Modellen und empirischen, keynesianisch geprägten Ansätzen; Schwerpunkte sind Konjunktur, Finanz-, Steuer- und Geldpolitik sowie Arbeitsmarkt. Das HSI forscht zum nationalen und internationalen Arbeits- und Sozialrecht, etwa zu IT-Arbeitsrecht, Tarif- und Arbeitskampfrecht, Mitbestimmung und europäischem Arbeitsrecht. Das I.M.U. berät Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten und untersucht unter anderem nachhaltige Unternehmensführung und Mitbestimmung.

Die Forschungsförderung unterstützt rund 100 Projekte jährlich. Themen sind Strukturwandel und Innovation, Mitbestimmung, Erwerbsarbeit, Wohlfahrtsstaat, Bildung in der Arbeitswelt und Gewerkschaftsgeschichte; abgeschlossene Studien veröffentlicht die Stiftung.

Stipendien und ideelle Förderung

Die Stiftung fördert besonders begabte Studierende und Promovierende, von denen Leistungsstärke sowie gewerkschaftliches, gesellschaftspolitisches und soziales Engagement erwartet werden. Ziel ist auch, dass Geförderte nach dem Studium gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Mit mehr als 2.700 Stipendiaten im Jahresdurchschnitt zählt die HBS zu den großen Begabtenförderungswerken.

Die finanzielle Grundförderung orientiert sich am BAföG, muss aber nicht zurückgezahlt werden. Sie umfasst aktuell höchstens 812 Euro BAföG-Höchstsatz monatlich, 300 Euro Studienkostenpauschale und gegebenenfalls bis zu 86 Euro für Kranken- und Pflegeversicherung. Möglich sind außerdem 155 Euro Familienzuschlag monatlich und 130 Euro Kinderbetreuungspauschale monatlich bei Personensorgerecht für mindestens ein im Haushalt lebendes Kind. Doktoranden erhalten monatlich 1.650 Euro, in der Regel zusätzlich 100 Euro Forschungskostenpauschale, bis zu 100 Euro Krankenversicherungszuschuss sowie gegebenenfalls 155 Euro Familienzuschlag und 155 Euro Kinderzulage. Auslandsaufenthalte können durch Zulagen und teilweise übernommene Studiengebühren unterstützt werden. Stipendienzahlungen sind nach Nr. 11 Einkommensteuergesetz steuerfrei.

Zur ideellen Förderung zählen Sommerakademien, Kollegs, Sprachkurse, Tagungen, Seminare, Mentoring, Praktikumsvermittlung und ehrenamtliche Vertrauensdozenten. Stipendiaten verfassen jedes Semester einen Bericht zu Studium und Engagement. Sie können eigene Veranstaltungen organisieren und dafür beim aus Spenden finanzierten stipendiatischen Solidaritätsfonds Gelder beantragen.

Regionale Gruppen entsenden Delegierte zur jährlichen Stipendiatischen Konferenz (SK). Dort werden Anträge beraten und abgestimmt sowie Gremien gewählt. Das Bundeskollektiv (BuKo) setzt die Beschlüsse der SK um. Die SK wählt zudem zwei Stipendiaten in das Kuratorium und einen in den Vorstand. Als einziges Begabtenförderungswerk vergibt die Stiftung auch etwa 50–60 gleichzeitig laufende, aus Eigenmitteln finanzierte Stipendien für den zweiten Bildungsweg.

Für 2018 werden rund 2.740 Stipendiaten und etwa 16.000 Altstipendiaten genannt. 51 Prozent kamen aus Nicht-Akademikerfamilien, 36,1 Prozent hatten einen Migrationshintergrund. Die größte Fächergruppe waren Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit 1.047 Geförderten; es folgten Sprach- und Kulturwissenschaften mit 744 und MINT-Fächer mit 649.

Themen, Angebote und Auszeichnungen

Mitbestimmung ist ein Kernthema der Stiftung. Sie qualifiziert und berät Betriebs- und Personalräte sowie Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten. Mitbestimmung wird dabei als Grundlage für Gerechtigkeit, gute Unternehmensführung und Sicherheit in der sozialen Marktwirtschaft verstanden. Die Stiftung erforschte unter dem Stichwort „Workers‘ Voice“ verschiedene Mitbestimmungspraktiken in der Europäischen Union und verweist auf Studien, nach denen Mitbestimmung Arbeitsbedingungen und wirtschaftlichen Unternehmenserfolg positiv beeinflusst.

Weitere Schwerpunkte sind soziale Ungleichheit, Verteilung, europäische Arbeitslosigkeit und Arbeitsbedingungen von Migranten. Im Bereich Arbeitswelt untersucht die Stiftung Löhne, Tarifverträge, Minijobs, Leiharbeit, schlechte Bedingungen etwa in Pflege und Logistik, Niedriglöhne, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice. Zur Digitalisierung gehören Arbeiten zu Crowdwork und plattformbasierten Geschäftsmodellen. Beim Thema Globalisierung erforscht sie makroökonomische Zusammenhänge, Finanzmärkte, Regulierung und globale Wertschöpfungsketten. Sie erstellt viermal jährlich Konjunkturprognosen und berechnet seit 2012 monatlich die Wahrscheinlichkeit eines Abschwungs oder Booms der deutschen Wirtschaft in den kommenden drei Monaten.

Frei verfügbar sind Veröffentlichungen und Datenportale wie Lohnspiegel, GenderDatenPortal und Konjunkturspiegel. Böckler Schule bietet Materialien für den sozioökonomischen Unterricht der Sekundarstufen I und II. Das Mitbestimmungsportal stellt nach kostenloser Anmeldung Informationen, Materialien und Werkzeuge vor allem für Arbeitnehmervertreter bereit.

Der Hans-Böckler-Preis war die höchste Auszeichnung der Stiftung, des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften. Er ehrte Verdienste um Arbeits- und Lebensbedingungen, Arbeits- und Ausbildungsplätze, Bildung, sozialen Zusammenhalt sowie Mitbestimmung. Der Preis ist seit 2002 ausgesetzt. Die Hans-Böckler-Medaille wird dagegen vom DGB und seinen Einzelgewerkschaften als höchste Auszeichnung der Gewerkschaften in Deutschland für besondere, vor allem ehrenamtliche, gewerkschaftliche Verdienste vergeben.

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