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Hammer und Sichel

In der heute bekannten kommunistischen Form wurden gekreuzte Hammer und Sichel erstmals von der bolschewistischen Einparteiendiktatur unter Wladimir Lenin im …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung des Symbols
  2. 2. Entstehung und Verbreitung
  3. 3. Deutungen und Kritik
  4. 4. Verbote und rechtliche Debatten
  5. 5. Heutige Verwendung und Varianten
  6. 6. Darstellung am Computer

Bedeutung des Symbols

Hammer und Sichel in gekreuzter Form, als Zeichen „☭“, gelten neben rotem Stern und roter Fahne als eines der bekanntesten Symbole des Kommunismus, besonders marxistisch-leninistischer Strömungen. Der Hammer steht im bolschewistischen Verständnis für die Arbeiterklasse, die Sichel für die Bauernklasse. Zusammen sollten sie die Einheit dieser beiden Gruppen als revolutionäre Grundlage für die angestrebte „Diktatur des Proletariats“ und eine spätere „klassenlose Gesellschaft“ ausdrücken.

Das Symbol wurde 1918 von der bolschewistischen Einparteiendiktatur unter Wladimir Lenin als Staatssymbol des neuen Sowjetstaates eingeführt. Viele kommunistische Parteien, Organisationen und kommunistisch regierte Staaten übernahmen es später in Flaggen und Emblemen. Heute verwenden unter anderem die diktatorisch regierenden kommunistischen Staatsparteien in China, Vietnam und Laos Hammer und Sichel weiterhin als Parteisymbol; Nordkorea nutzt ein abgewandeltes Zeichen.

Der gesellschaftliche Umgang mit dem Symbol ist ambivalent. In vielen Staaten wird es wegen kommunistischer Diktaturen, Gewalt und Totalitarismus kritisch gesehen; in einigen Ländern ist seine Verwendung verboten oder strafbar. Andere verbinden es weiterhin mit den utopischen Idealen des Kommunismus, Hoffnung, Klassenbewusstsein, Auflehnung oder Egalitarismus. Ungekreuzte Hammer und Sichel sind für sich genommen keine kommunistischen Zeichen: Im Wappen Österreichs stehen Hammer, Sichel und Mauerkrone seit 1919 für Arbeiter, Bauern und Bürgertum.

Entstehung und Verbreitung

Die Ursprünge gekreuzter Hammer und Sichel sind unklar, liegen aber vor der bolschewistischen Machtübernahme von 1917. Karl Marx kannte das Symbol noch nicht. Seit dem 19. Jahrhundert galt der Hammer als Symbol der Arbeiterbewegung; die Sichel wurde häufig als Erntesymbol der Bauern verwendet. In gekreuzter Form erscheint das Symbol 1896 auf einer chilenischen Ein-Peso-Münze und war seit etwa 1904 auch in Ungarn bekannt.

Als kommunistisches Staatssymbol wurde es in Sowjetrussland eingeführt. Die erste öffentliche Nutzung fand am 19. Juli 1918 auf der Vorderseite der neuen Verfassung Sowjetrusslands statt; als besonders verantwortlich wird der Volkskommissar Anatoli Lunatscharski genannt. Hammer und Sichel wurden danach Teil der Staatsflagge der Sowjetunion. Der Entwurf wurde noch von Lenin gebilligt und im November 1923 von der sowjetischen Führung in Moskau angenommen. Die Sowjetunion behielt diese Flagge im Wesentlichen bis zu ihrer Auflösung 1991 bei; nur die Form des Symbols wurde leicht verändert und der rote Farbton 1980 aufgehellt.

Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks um 1990 ist die weltweite Nutzung stark zurückgegangen. In der Russischen Föderation erlebte das Symbol jedoch teilweise eine Renaissance, etwa bei Paraden der Russischen Streitkräfte. Im Staatswappen des international nicht anerkannten Transnistrien blieb es aus sowjetischer Zeit erhalten. Die Kommunistische Partei Frankreichs trennte sich dagegen 2013 von Hammer und Sichel.

Deutungen und Kritik

In der Totalitarismus- und Extremismusforschung sowie in der Religionssoziologie wird Hammer und Sichel als politisch-religiöses Symbol gedeutet. Es wird dabei mit der Funktion des Hakenkreuzes im Nationalsozialismus verglichen: Beide hätten als starke Kollektivsymbole in Massenveranstaltungen, Aufmärschen und quasi-religiösen Ritualen gewirkt. Klaus Georg-Riegl beschreibt Hammer und Sichel als Teil eines „revolutionären Sakralkanons“, mit dem die Bolschewiki ab 1918 christlich-orthodoxe Symbolik wie Kuppelkreuz und Heiligenbilder durch bolschewistische Zeichen wie Hammer und Sichel, Sowjetstern und rote Fahne ersetzen wollten.

Weitere Deutungen betonen den universalistischen Anspruch der bolschewistischen Ideologie. Russell Hardin nennt das durch Hammer und Sichel dargestellte Bündnis von Arbeitern und Bauern ein „unlogisches Symbol“, weil eine stärkere Arbeiterschaft durch Urbanisierung zugleich den Ruin vieler Bauern bedeute.

Tim Marshall hebt die anhaltend unterschiedliche Wahrnehmung hervor. Für viele Menschen, besonders in Ländern mit sowjetischer Herrschaftserfahrung, steht das Symbol für Grausamkeit, Folter, Verarmung, Kolonialismus und Totalitarismus. Zugleich sehen manche Anhänger darin weiterhin ein Zeichen der Hoffnung. Marshall erklärt dies damit, dass Hammer und Sichel in der Symbolik des Kommunismus für internationale Solidarität, die Einheit von städtischem Proletariat und Bauern sowie die Würde der Arbeit stehen, auch wenn die politische Praxis des Kommunismus diese Ideale nach seiner Darstellung vielfach verraten habe.

Verbote und rechtliche Debatten

Auf Ebene der Europäischen Union wurde über den Umgang mit Hammer und Sichel besonders 2005 diskutiert, als es um ein mögliches europaweites Verbot des Hakenkreuzes ging. Vertreter einiger osteuropäischer Staaten forderten, kommunistische Symbole ebenfalls einzubeziehen. Der ungarische EU-Parlamentarier József Szájer begründete dies damit, dass auch der „rote Kommunismus“ im 20. Jahrhundert für die systematische Ermordung von Millionen unschuldiger Menschen verantwortlich gewesen sei. Ein europaweites Hakenkreuzverbot kam 2005 nicht zustande; Ungarn und Litauen lehnten den Antrag unter anderem mit dem Hinweis ab, dass kommunistische Symbole legal seien.

Verbote für Hammer und Sichel, den Roten Stern, andere kommunistische Symbole oder die Hymne der Sowjetunion bestehen laut Artikel in Lettland, Litauen seit 2008, Indonesien seit 1966, der Ukraine seit 2015, Moldau seit 2012 und Tschechien seit 2026. In Ungarn galt ein Verbot von 1993 bis 2013, in Polen von 2009 bis 2011.

In der Slowakei scheiterte 2026 die Kommunistische Partei der Slowakei mit der Registrierung eines Parteilogos, das einen roten Stern mit Hammer und Sichel sowie der slowakischen Trikolore zeigte. Das zuständige Amt sah darin ein Symbol, das mit der totalitären Zeit von 1948 bis 1989 und den Verbrechen des früheren Regimes verbunden werde. Im Juni 2026 wurden die Partei und sieben Funktionäre wegen einer Plakatkampagne von 2021 zu Geldstrafen zwischen 1000 und 3000 Euro verurteilt. Das Gericht sah darin eine positive Bewerbung einer Bewegung, eines Regimes oder einer Ideologie, die sich gegen Grundrechte und Grundfreiheiten richtete.

Heutige Verwendung und Varianten

Hammer und Sichel erscheinen oder erschienen in mehreren Nationalflaggen. Dazu gehören die Flagge der Sowjetunion von 1923 bis 1991, die Flagge der Chinesischen Sowjetrepublik von 1931 bis 1937, die Flagge der Volksrepublik Albanien von 1943 bis 1944, die Flagge Transnistriens seit 1990 und die Flagge Turkmenistans von 1991 bis 1992. Auch Parteien und Organisationen nutzen das Symbol oder Varianten, etwa die Kommunistische Partei Chinas, die Kommunistische Partei Vietnams, die Kommunistische Partei Libanons, die Vierte Internationale oder die Kommunistische Partei Schwedens.

Viele Staaten und Organisationen entwickelten Abwandlungen. Dabei wurden Hammer oder Sichel durch andere Symbole ersetzt oder um weitere Zeichen ergänzt, zum Beispiel für die „Intelligenz“, also gebildete oder geistig arbeitende Gruppen. In der Flagge Angolas ersetzen Zahnrad und Machete die klassische Form: Das Zahnrad steht für Arbeiter, die Machete für Bauern. Im Wappen Angolas stehen Hacke, Buschmesser, Zahnrad und aufgeschlagenes Buch für Bauernklasse, Unabhängigkeitskampf, Arbeiterklasse und Intelligenz. Im Wappen der DDR standen Hammer, Zirkel und Ährenkranz für Arbeiterklasse, Intelligenz und Bauern und damit für den „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ im Bündnis mit der „Intelligenz“. Das Emblem der Juche-Ideologie verbindet Hammer, Sense und traditionellen koreanischen Pinsel.

Auch nicht-kommunistische Verwendungen kommen vor. Auf Banknoten und Münzen des Deutschen Reiches, der Weimarer Republik und des Dritten Reiches standen Hammer, Sichel, Pflug oder Ährenbündel häufig allgemein für Arbeit, Macht und Stärke. Im österreichischen Wappen stehen Hammer, Sichel und Mauerkrone nicht für Kommunismus, sondern für Arbeiter, Bauern und Bürgertum.

Darstellung am Computer

Das Hammer-und-Sichel-Symbol hat im Unicode-Zeichensatz den hexadezimalen Code U+262D und erscheint als „☭“, wenn die verwendete Schriftart das Zeichen unterstützt. Auf manchen Betriebssystemen oder grafischen Benutzeroberflächen, zum Beispiel GNOME, kann es durch Halten von Strg+Shift+u und anschließende Eingabe von 262D erzeugt werden.

In HTML kann das Zeichen mit der Zeichenfolge ☭ dargestellt werden.

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