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Hallig
Die Halligen sind kleine, nicht oder nur durch eine Steinkante geschützte Marschinseln im nordfriesischen Wattenmeer in Schleswig-Holstein sowie an der …
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Merkmale und Lage
Halligen sind kleine Marschinseln im nordfriesischen Wattenmeer in Schleswig-Holstein sowie an der dänischen Nordseeküste. Anders als viele andere Inseln sind sie nicht oder nur durch eine Steinkante geschützt und hatten bis in die jüngere Vergangenheit keine Deiche. Häuser stehen deshalb einzeln oder in kleinen Gruppen auf Warften, künstlich erhöhten Wohnhügeln.
Die deutschen Halligen sind Teil des Biosphärenreservats Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Die zehn noch bestehenden deutschen Halligen, jeweils bis etwa zehn Quadratkilometer groß, liegen kreisförmig um Pellworm; Pellworm selbst ist keine Hallig. Halligen ragen nur etwa einen Meter über das Mittlere Tidehochwasser hinaus. Bei starken Fluten wird das Land bis auf die Warften überflutet; dies heißt Landunter. Sie besitzen salzwasserresistente Pflanzen und vor allem Salzwiesen.
Entstehung und Veränderung
Die heutigen Halligen sind erdgeschichtlich junge Inseln. Im Holozän entstanden sie durch die Ablagerung von Schlick und anderem Material auf untergegangenem Marschland sowie ehemaligen Mooren und Wäldern. Steigendes Nordseewasser drang durch Lücken in schützende Nehrungen ein. Moor saugte Salzwasser auf, starb ab und der Boden sank ab. Wiederholte Überflutungen lagerten neue maritime Sedimente ab, während Erosion die Form der Inseln zugleich ständig veränderte.
Ebbe und Flut, Wind, Strömungen und menschliche Eingriffe prägen die Halligen weiterhin. Besonders folgenreich waren Sturmfluten: Die Zweite Marcellusflut von 1362 führte zwischen Amrum, Föhr und Alt-Nordstrand zu großen Geländeumbildungen; in ganz Nordfriesland sollen 10.000 Menschen gestorben sein. Die Burchardiflut von 1634 veränderte die Uthlande erneut grundlegend; die geschätzte Zahl der Toten beträgt 6.000. Auf Resten der untergegangenen Insel Strand entstanden unter anderem Nordstrandischmoor und Hamburger Hallig. Bei der Februarflut 1825 ertranken 74 Halligbewohner, rund 230 verloren ihre Häuser.
Halligen konnten durch Sedimentablagerung zusammenwachsen, etwa Nordmarsch und Langeneß zum heutigen Langeneß. Andere wurden kleiner, verschwanden oder wurden durch Eindeichung, Straßen- oder Schienendämme mit dem Festland verbunden. Seit ihrer Entstehung bis zum 19. Jahrhundert verschwanden etwa 100 Halligen; nicht alle waren bewohnt.
Leben, Häuser und Wasser
Die traditionelle Halligwirtschaft beruhte auf Selbstversorgung. Schafe und Rinder lieferten Milch, Butter, Käse, Wolle und Fleisch; Fleisch und Fisch wurden durch Einpökeln haltbar gemacht. Getreide musste eingeführt werden. Die Landwirtschaft blieb wegen der Salzwiesen stark eingeschränkt. Daher arbeiteten früher fast alle Männer als Seefahrer oder Walfänger, während Frauen Heu machten, Vieh versorgten und auch Schafwolle verarbeiteten. Fischfang, Krabbenfang mit der Gliep, Muschelfang und Entenjagd dienten vor allem dem Eigenbedarf.
Der traditionelle Haustyp war ein niederdeutsches Fachhallenhaus. Es hatte einen Wohnteil, einen quer liegenden Flur und einen Stall mit Mittelgang; eine Tenne fehlte, weil kein Getreide geerntet wurde. Die Häuser waren in Ständerbauweise tief im Warftboden gegründet, damit sie dem Anprall der See besser widerstanden. Reetdächer und ein Krüppelwalm waren typisch. Ein erhaltenes Beispiel ist das Haus auf der Ketelswarf von Langeneß, heute Kapitän-Tadsens-Museum.
Da das Grundwasser salzig ist, sammelten Bewohner Regenwasser vom Dach. Der Sood war eine Zisterne für Trinkwasser der Menschen; der Fething war eine Wasserkuhle für das Vieh. Ein Schetel, eine kleine geschützte Grabenanlage vor dem Warftfuß, konnte zusätzlich Wasser liefern. Seit den 1960er Jahren erhielten ständig bewohnte Halligen Wasserleitungen vom Festland. Habel, Norderoog und Südfall, die nur saisonal bewohnt sind, haben weiterhin keine Frischwasserleitung.
Küstenschutz und Klimaanpassung
Früher waren Halligen den Fluten weitgehend ausgesetzt. Nach den großen Landverlusten der Halligflut von 1825 übernahm der Staat die Aufsicht über den Küstenschutz; 1894 wurde dieser unter preußischer Regierung verstaatlicht. Halligkanten wurden befestigt, einige Halligen erhielten Sommerdeiche. Seit der Sturmflut vom 16. und 17. Februar 1962 gilt das Konzept der „bewohnten Wellenbrecher“: Halligen sollen als besiedelte Wellenbrecher vor dem Festland erhalten bleiben. Das Programm Nord förderte Fähranleger, Schiffsverbindungen sowie Wasser- und Stromanschlüsse. Hallighäuser erhielten einen auf Betonpfählen ruhenden Schutzraum aus Stahlbeton für extreme Sturmfluten. Vorgelagerte Außensände verringern außerdem die Wassertiefe und brechen Wellen.
Für den Meeresspiegelanstieg ist regelmäßiges Landunter wichtig, weil Überflutungen Sedimente auf die Halligen bringen und Salzwiesen wachsen lassen. Auf Hooge und Langeneß wurden seit 1960 Zuwächse von 1,5 bis 5 Millimetern pro Jahr gemessen. Dies reicht kaum aus, um den registrierten Meeresspiegelanstieg von 4,5 Millimetern pro Jahr auszugleichen; bei gleichbleibenden Treibhausgasemissionen zeichnet sich bis 2100 ein Anstieg von mehr als 80 Zentimetern ab.
Die Strategie für das Wattenmeer 2100 von 2015 setzt daher auf mehr verfügbare Sedimente. Der WWF schlägt steuerbare Sieltore für häufigere Überflutungen und Sandaufspülungen zur Ufersicherung vor. Nach den Stürmen Christian und Xaver im Winter 2013 wurden Ringwälle als vorrangige Lösung durch Aufwarftungen ergänzt: Warften sollen zu erhöhten Plateaus ausgebaut werden. Modellwarften sind Treuberg auf Langeneß, Hanswarft auf Hooge, Knudtswarft auf Gröde und Norderwarft auf Nordstrandischmoor.
Gegenwärtige Halligen, Natur und Nutzung
Die zehn deutschen Halligen liegen im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Nordstrandischmoor, Gröde, Oland, Langeneß und Hooge werden bewirtschaftet, liegen aber nur vom Schutzgebiet umgeben und gehören nicht dazu. Habel, Südfall, Süderoog, Norderoog und Hamburger Hallig liegen in Schutzzone 1. Für Habel hat ausschließlich der Vogelwart Betretungsrecht; weitere Halligen haben ebenfalls strenge Zutrittsregeln. Die letzte bestehende Hallig Dänemarks ist Langli.
Nach dem Artikel leben auf den Halligen insgesamt rund 230 Menschen. Ihr wichtigster Erwerb ist Küstenschutz beim Amt für Ländliche Räume Schleswig-Holstein; außerdem sind Tagestourismus und Viehzucht im Nebenerwerb bedeutend. Die Viehhaltung erfolgt häufig als Pensionsviehhaltung für Landwirte vom Festland. Es gibt kleine Kirchen und Friedhöfe auf Hooge, Langeneß, Oland, Nordstrandischmoor und Gröde. Auch sehr kleine Schulen werden unterhalten: 2011/2012 unterrichtete auf Hooge eine Lehrkraft drei Kinder. Die Tabelle nennt insgesamt 270 Einwohner, weist jedoch darauf hin, dass die Einwohnerzahlen aus unterschiedlichen Zeitpunkten stammen.
Weil Überflutungen häufig sind, wachsen überwiegend salzwassertolerante Pflanzen. Typisch ist die Halligfliederblüte im Hochsommer. Bäume wachsen nur auf Warften; am Ufer wächst brackwassertolerantes Reet, das traditionell zum Decken der Häuser dient. In der Zugzeit kommen viele Ringelgänse. Seit 1998 auf Hooge und seit 2001 auf allen bewohnten Halligen finden Ringelganstage statt. Landwirte erhalten für den Grasverlust von einem Kilogramm pro Gans und Tag eine Entschädigung.