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Gröde
Zur 2,52 km² großen Gemeinde gehört auch die nicht dauerhaft bewohnte Hallig Habel. Lage der Inseln und Halligen im Nordfriesischen Wattenmeer Gröde von …
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Überblick und Lage
Gröde ist eine Hallig im Nordfriesischen Wattenmeer und gehört zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Eine Hallig ist eine kleine, nicht oder nur wenig eingedeichte Marschinsel, die bei Sturmfluten überschwemmt werden kann. Gröde liegt in Schleswig-Holstein im Kreis Nordfriesland und gehört zum Amt Pellworm. Die Gemeinde hat eine Fläche von 2,52 km² und liegt etwa 4 m über NHN. Als Gemeinde umfasst Gröde auch die nicht dauerhaft bewohnte Hallig Habel.
Die heutige Hallig Gröde besteht aus zwei Teilen: der bewohnten Hallig Gröde im Süden und der früher eigenen, heute nicht mehr bewohnten Hallig Appelland im Norden. Beide wurden um 1900 bei Küstenschutzmaßnahmen miteinander verbunden. Ein Priel, also ein natürlicher Wasserlauf im Watt, verläuft von Südwest nach Nordost und zeigt noch heute den Übergang zwischen den beiden Teilen. Die Gemeinde Gröde gilt mit sieben Einwohnern im Dezember 2023 als kleinste selbständige Gemeinde Deutschlands; für den 31. Dezember 2025 werden sechs Einwohner genannt.
Halliglandschaft und Warften
Gröde wird nahezu vollständig von einer Steinkante geschützt. Diese Uferbefestigung soll verhindern, dass Sturmfluten Land abtragen. Trotzdem kommt es im Jahresverlauf durchschnittlich zwanzig bis dreißig Mal zu „Landunter“. Dabei wird die Hallig überschwemmt, nur die Warften bleiben frei. Warften sind künstlich erhöhte Siedlungshügel, auf denen Gebäude sicherer vor Sturmfluten stehen.
Auf Gröde gibt es zwei bewohnte beziehungsweise genutzte Warften. Auf der Knudtswarft stehen vier Wohnhäuser beziehungsweise Höfe. Zwischen den Gebäuden befindet sich ein Fething, also eine Wasserstelle oder ein Teich für Süßwasser. Die kleinere Kirchwarft ist mit 4,3 m über NHN die höchste Erhebung der Hallig. Dort stehen die Halligschule, die Kirche und eine Lehrerwohnung. Schule und Lehrerwohnung sind seit 2012 leer. Beide Warften sind zusätzlich von Ringdeichen umgeben, damit sie Sturmfluten standhalten können. Wie auf anderen Halligen besitzen alle Wohnhäuser im ersten Stock einen Schutzraum, der auf vier Betonpfeilern steht, die etwa vier Meter tief im Warftboden gegründet sind.
Die Kirche auf der Kirchwarft stammt aus dem Jahr 1779 und ist der siebente Kirchenbau auf Gröde seit der Mandränke von 1362. Frühere Kirchen wurden mehrfach durch Sturmfluten beschädigt oder zerstört. In der Kirche befinden sich ein Renaissancealtar von 1592, eine Kanzel aus dem späten 18. Jahrhundert, ein Taufstein von 1705 und ein Triumphkreuz aus der Zeit um 1500. Zu Gottesdiensten reist der Pastor von Hallig Langeneß an.
Geschichte und Sturmfluten
Gröde, Appelland und Habel gehörten früher zu den nordfriesisch besiedelten Uthlanden. Diese Halligen wurden durch Sturmfluten vom Festland getrennt und verloren später durch weitere Fluten und Meeresströmungen immer wieder Land. In der Burchardiflut von 1634 ertrank auf den drei Halligen ein Mensch.
Vor der Februarflut von 1825 gab es auf den damals noch eigenständigen Halligen Gröde, Appelland und Habel zusammen 23 Häuser. Acht davon wurden zerstört. Auch eine von drei Warften auf Gröde ging verloren. Im Jahr 1825 lebten noch 90 Menschen auf Hallig Gröde; bis 1874 halbierte sich diese Zahl. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs Gröde mit Appelland zusammen, weil ein Priel zwischen beiden Halligen aus Küstenschutzgründen mit einem Damm unterbrochen wurde.
Bis zum Deutsch-Dänischen Krieg 1864 gehörte Gröde zum dänischen Herzogtum Schleswig. Danach kam es zu Preußen beziehungsweise Deutschland. Auch im 20. Jahrhundert richteten Sturmfluten große Schäden an. Die Fluten von 1962 und 1976 beschädigten Gebäude und die beiden Warften, Menschen kamen jedoch nicht ums Leben. 1962 drang Wasser in Gebäude ein, zerstörte mehrere von ihnen, Vieh ertrank, und Trink- sowie Tränkwasservorräte wurden durch Salz unbrauchbar. 1976 gelangte erneut Wasser in Fethinge und Süßwasserzisternen; Wohnungen wurden verwüstet, teils stand das Wasser bis 1,30 Meter hoch. Außerdem fielen Ölheizungen aus und die Stromversorgung war tagelang unterbrochen.
Politik, Versorgung und Wirtschaft
Wegen der sehr kleinen Einwohnerzahl hat Gröde keine Gemeindevertretung. Nach § 54 der schleswig-holsteinischen Gemeindeordnung gibt es bei Gemeinden mit weniger als 70 Einwohnern stattdessen eine Gemeindeversammlung. An ihr nehmen alle wahlberechtigten Einwohner teil.
Gröde bildet den kleinsten Wahlbezirk Deutschlands. Die Wahlergebnisse der Hallig wurden regelmäßig sehr früh nach Schließung der Wahllokale bekannt. Bei der Bundestagswahl 2013 entschieden sich jedoch erstmals alle Bewohner für die Briefwahl.
Wirtschaftlich spielt der Küstenschutz eine wichtige Rolle: Einige Einwohner beziehen ihr Haupteinkommen aus Tätigkeiten beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein. Weitere Einnahmen entstehen durch die Vermietung von Ferienwohnungen und durch landwirtschaftlichen Nebenerwerb. Das Halligland wird gemeinschaftlich als Allmende bewirtschaftet. Tagestourismus ist für die Insel bedeutend, bringt aber nur geringen wirtschaftlichen Nutzen. Seit 1976 ist Gröde durch Strom- und Wasserleitungen vom Festland versorgt; zusätzlich gibt es eine Telekommunikationsleitung.
Verkehr, Pflanzen und Tiere
Gröde ist nur über den Wasserweg erreichbar. Das Schiff Seeadler fährt vom Festlandshafen Schlüttsiel nach Gröde, allerdings ohne regelmäßigen Fahrplan. Vom Hafen Strucklahnungshörn auf Nordstrand fahren gelegentlich das Ausflugsschiff Adler V und seltener die Adler-Express. Außerdem besitzt Gröde einen kleinen Yachthafen. Autoverkehr gibt es auf der Hallig nicht.
Die Natur der Hallig ist vom Wattenmeer geprägt. Im Sommer blüht auf den Wiesen der Strandflieder. Gröde ist außerdem eine wichtige Zwischenstation für Zugvögel auf ihrem Weg von Südengland und Südwesteuropa nach Sibirien. Jährlich rasten dort zum Beispiel 10.000 bis 15.000 Ringelgänse.