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Guillemets
Bei der Verwendung mit der Spitze nach innen werden sie auch als umgekehrte französische Anführungszeichen oder Möwchen bezeichnet. » « › ‹ Guillemets und
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Bedeutung und Form
Guillemets (Singular: das Guillemet) sind Anführungszeichen aus jeweils zwei gleich geformten, gewinkelten Strichen. Sie heißen auch Spitzzeichen. Die einfache Form, auch halbes Spitzzeichen genannt, besteht jeweils nur aus einem solchen Strich. Die normalen Zeichen sind « und », die einfachen ‹ und ›.
Im Deutschen bezeichnet „Guillemets“ nur diese Spitzzeichen-Form. Im Französischen kann guillemets dagegen Anführungszeichen jeder Form meinen; die hier gemeinten Zeichen heißen dort genauer chevrons.
Die Zeichen reichen nicht über die Kleinbuchstabenhöhe (x-Höhe) hinaus. Ihre Schenkel sind gleich lang; der Winkel ist meist recht oder stumpf. Je nach Schriftart können die Schenkel gerade oder leicht geschwungen sowie gleich dick oder zu den äußeren Enden hin dünner sein. Dadurch unterscheiden sie sich typografisch von Größer-/Kleiner-Zeichen und Winkelklammern. Die einfachen Guillemets haben ansonsten dieselbe Form wie die normalen.
Gebrauch als Anführungszeichen
Im Französischen, in anderen romanischen Sprachen und in der Schweiz für alle Sprachen sind Guillemets die übliche Form von Anführungszeichen. Dort zeigen die Spitzen nach außen: « … ». In Frankreich und der Welschschweiz wird vor und nach dem angeführten Text ein Leerzeichen gesetzt: « Beispiel ». In der Deutschschweiz steht kein Leerzeichen: «Beispiel».
Auch im Deutschen sind Guillemets neben den deutschen Anführungszeichen („…“) zulässig. Meist werden sie dabei umgekehrt gesetzt, also mit den Spitzen nach innen: »Beispiel«. Diese Form findet sich besonders im Buchdruck und in schöner Literatur; im deutschsprachigen Roman sind Guillemets Standard. Bei verschachtelten Zitaten können sie eine Hierarchie bilden: Guillemets sind die erste Stufe, einfache Guillemets die dritte Stufe.
Das Amtliche Regelwerk für Deutschland und Österreich legt nicht fest, wann deutsche Anführungszeichen oder Guillemets zu verwenden sind; beide sind gleichwertig. Duden Band 9 ordnet deutsche Anführungszeichen eher Hand- und Maschinenschrift, Guillemets eher dem Schriftsatz beziehungsweise Buchdruck zu. Auch DIN 5008 erkennt beide Formen als korrekt an. Ein Vorteil einfacher Guillemets ist, dass sie nicht mit einem Komma als öffnendem oder einem Apostroph als schließendem Zeichen verwechselt werden können.
Kodierung und Satzsysteme
Einfache Guillemets sind von mathematischen Größer-/Kleiner-Zeichen und Winkelklammern sowohl in ihrer Bedeutung als auch in ihrer Zeichenform zu unterscheiden. Deshalb besitzen sie eigene Unicode-Positionen.
In HTML wird » als » und « als « geschrieben. Für einfache Zeichen gelten › für › und ‹ für ‹.
In LaTeX heißen die Codierungen \guillemetleft für «, \guillemetright für », \guilsinglleft für ‹ und \guilsinglright für ›. Die Angaben „left“ und „right“ folgen dabei der Form der Zeichen und entsprechen dem Schweizer Gebrauch, nicht der deutschen Verwendung als öffnendes oder schließendes Anführungszeichen.
Tastatureingabe
Auf der deutschen Standard-Tastaturbelegung E1 nach DIN 2137-01 sowie der älteren Fassung T2 nach DIN 2137-01:2012-06 werden » mit Alt Gr + x, « mit Alt Gr + v, › mit Alt Gr + y und ‹ mit Alt Gr + b eingegeben.
Unter Windows nennt der Artikel zusätzlich numerische Eingaben über den aktivierten Ziffernblock: » mit Alt+175 oder Alt+0187, « mit Alt+174 oder Alt+0171, › mit Alt+0155 und ‹ mit Alt+0139. Für die dort angegebene deutsche Tastatur gelten »: Alt Gr+y, «: Alt Gr+x, ›: Alt Gr+Shift+y und ‹: Alt Gr+Shift+x. Textverarbeitungen können die Zeichen außerdem per Auto-Korrektur einfügen.
Unter macOS sind auf deutscher Tastatur « mit ⌥+Q, » mit ⌥+⇧+Q, ‹ mit ⌥+⇧+B und › mit ⌥+⇧+N erreichbar. Der Dialog „Emoji und Symbole“ lässt sich auch mit ctrl+⌘+Leertaste öffnen. In KDE Plasma unter Linux gelten auf deutscher Tastatur »: Alt Gr+y, «: Alt Gr+x, ›: Alt Gr+⇧+y und ‹: Alt Gr+⇧+x; die Belegung hängt jedoch von Sprache und Variante ab. Unter AmigaOS stehen auf deutscher Tastatur « auf Alt+5 und » auf Alt+6.
Fehlschreibung in Software
Adobe verwendet in Font-Software, Dateiformatspezifikationen und daraus abgeleiteten Schriftarten die falschen Namen „guillemotleft“ und „guillemotright“. Auch X11 nutzt in keysymdef.h die Bezeichnungen XK_guillemotleft und XK_guillemotright; die Fehlschreibung kam auch in LaTeX vor.
Das französische Wort guillemot bedeutet jedoch nicht Anführungszeichen, sondern bezeichnet die Seevogelgattung der Lummen. Die korrekte Bezeichnung für die Zeichen lautet guillemet.