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Govinda (Gottheit)
Im Hinduismus und insbesondere bei den Vaishnavas werden Vishnu und seine vollständige Inkarnation Krishna als höchste Gottheit verehrt.
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Bedeutung und Stellung
Govinda (Sanskrit गोविंद oder गोविन्द, Govind) ist neben Gopala eine Bezeichnung Krishnas. Krishna gilt als Avatara, also als irdische Erscheinungsform, Vishnus. Im Hinduismus, besonders bei den Vaishnavas, werden Vishnu und seine vollständige Inkarnation Krishna als höchste Gottheit verehrt.
Der Name wird aus den Sanskritwörtern go („Kuh“ oder „Rind“) und vinda („Beschützer“ oder „Hirte“) erklärt. Govinda bedeutet daher „Beschützer der Kühe“ oder „Kuhhirte“. Der Name bezieht sich besonders auf den jugendlichen Krishna, der in Vrindavan Kühe hütete. In einer erweiterten Bedeutung kann go auch die Veden, die Erde oder die Sinne bezeichnen. Govinda gilt dann als Beschützer der Veden und der Erde sowie als derjenige, der den Sinnen höchste Freude verleiht.
Religiöse Deutungen
Adi Shankaras Kommentar zum Vishnu Sahasranama nennt vier Bedeutungen des Namens Govinda:
- Krishna wird Govinda genannt, weil er alle Welten durchdringt und ihnen Energie übermittelt.
- Im Shanti Parva des Mahabharata stellt Vishnu die Erde wieder her, nachdem sie in die Unterwelt Patala gesunken war. Die Devas, also Gottheiten, preisen ihn deshalb als Govind, den Beschützer des bewohnten Landes.
- Govinda bezeichnet denjenigen, der allein durch die Veden erkannt werden kann.
- Im Harivamsha preist Indra Krishna wegen seines liebevollen Hütens der Kühe und erklärt, dass die Menschen ihn deshalb als Govinda verehren sollen.
Maharishi Mahesh Yogi deutet Govinda in seinem Kommentar zur Bhagavad Gita als „Herrn der Sinne“. Eine weitere Bedeutung zeigt die Erzählung von Draupadi im Mahabharata: Als Dushasana am Hof von Hastinapura versucht, ihr den Sari zu entreißen, betet sie zu Krishna, der sich zu dieser Zeit in Dvaraka befindet. Daraus wird die Vorstellung abgeleitet, dass sich Gottgeweihte, die alles verloren haben oder nichts mehr zu verlieren haben, an den höchsten Herrn als Govinda wenden. Im umgangssprachlichen Tamil und Telugu kann das Dialektwort govinda deshalb mitunter einen Verlust oder ein Misslingen bezeichnen.
Verehrung und Schriften
Der Name Govinda besitzt in wichtigen Namenssammlungen Vishnus einen festen Platz. In den Keshava nama, den 24 Namen Vishnus, steht er an vierter Stelle. Im Vishnu Sahasranama, einer Sammlung der tausend Namen Vishnus, erscheint Govinda an 187. und 539. Stelle.
In der Bhagavad Gita spricht Arjuna Krishna zweimal als Govinda an. In Vers 1,32 fragt er angesichts der Menschen auf dem Schlachtfeld: „O Govinda, was nützt uns ein Königreich, Glück oder gar das bloße Leben, wenn all die jene, für die wir dies begehren, jetzt vor uns (auf dem Schlachtfeld) stehen?“ In Vers 2,9 erklärt er: „Govinda, ich werde nicht kämpfen!“, und verstummt.
Der Govinda-bhashya ist ein von Baladeva Vidyabhushana verfasster Kommentar zur Philosophie des Vedanta.
Nach Klaus Klostermaier verbindet die heutige Krishnaverehrung verschiedene Elemente. Die Verehrung von Krishna-Vasudeva in und um Mathura reicht laut historischen Zeugnissen wahrscheinlich mehrere Jahrhunderte vor Christus zurück. Hinzu kamen der Krishna-Govinda-Kult, später die Verehrung Balakrishnas als Gottkind und zuletzt die Verehrung Krishna Gopijanavallabhas als Liebhaber der Gopis, unter denen Radha eine besondere Stellung besitzt.
Gebete und Glaubensaussagen
Adi Shankara verfasste das bekannte Gebet Bhaja Govindam. Seine Botschaft lautet: „Wer Govinda verehrt, kann den großen Ozean von Geburt und Tod ohne Mühen überqueren.“ Damit ist der Glaube verbunden, dass die Verehrung Vishnus oder Krishnas aus Samsara, dem Kreislauf der Wiedergeburt, befreien kann. Die Gläubigen sollen ein ewiges, glückseliges Leben in Vaikuntha erreichen, dem jenseits der materiellen Welt gelegenen höchsten Aufenthaltsort Govindas beziehungsweise Vishnus. Das Gebet betont dabei die tiefe innere Hingabe an Vishnu.
Ein Gebet des Vishnu Purana I,19,65 hebt Govindas Schutz der Kühe und Brahmanen sowie sein Wohlwollen gegenüber der gesamten menschlichen Gesellschaft und der Welt hervor: „Mein Herr, du bist der wohlmeinende Freund der Kühe und der Brahmanen, und du bist der wohlmeinende Freund der gesamten menschlichen Gesellschaft und der ganzen Welt.“
In der Brahma Samhita 5,1 wird Krishna als höchste Person beschrieben. Sein Körper sei ewig, voller Wissen und voller Glückseligkeit. Als Govinda sei er der „urerste Herr“ und die „Ursache aller Ursachen“. In Brahma Samhita 5,52 wird Govinda außerdem als ältestes Lebewesen und Lenker des Sonnensystems verehrt; die zentrale Gebetszeile lautet: „govindam ādi-puruṣam tam ahaṁ bhajāmi“ – „Govinda, die ursprüngliche Person, verehre ich.“