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Globalisierung der Arbeitsmärkte
Als Globalisierung der Arbeitsmärkte bezeichnet man eine Entwicklung hin zu einer verstärkten globalen Arbeitsteilung im Bereich der Erwerbsarbeit.
Inhalt5 Abschnitte
Grundidee und Formen
Die Globalisierung der Arbeitsmärkte ist die Entwicklung zu einer stärkeren globalen Arbeitsteilung bei der Erwerbsarbeit. Sie ist ein Teil der Globalisierung neben der Internationalisierung des Waren- und Dienstleistungsverkehrs, der Finanz- und Kapitalmärkte sowie von Transport und Verkehr. Teilweise wird auch der wachsende internationale Handel mit Dienstleistungen dazu gezählt.
Die globale Arbeitsteilung entsteht auf zwei Wegen: Arbeitskräfte wandern in andere Staaten aus oder werden dorthin entsandt (internationale Arbeitsmigration einschließlich Expatriates). Oder Arbeitsplätze wandern durch Offshoring, also die Verlagerung von Produktionsstätten und Dienstleistungsunternehmen in andere Staaten.
Arbeitsmigration und digitale Arbeit
Für einfache, standardisierte oder gering qualifizierte Tätigkeiten stehen weltweit viele Arbeitskräfte zu vergleichsweise geringen Kosten zur Verfügung. Weil internationaler Reiseverkehr günstiger geworden ist, können Unternehmen Beschäftigte auch über große Entfernungen rekrutieren oder entsenden.
Fortschritte in der IT ermöglichen zunehmend auch höherqualifizierte Tätigkeiten über größere Distanzen. Arbeitsleistungen sind dadurch weniger an einen bestimmten Arbeitsort gebunden und können dezentral oder standortverteilt erfolgen. Beispiele sind Online-Bildungsangebote und Telemedizin. Es wird von einer Trennung globalisierter Arbeitsmärkte in Märkte für Hochqualifizierte und für Niedrigqualifizierte gesprochen.
Verlagerung von Arbeitsplätzen
Offshoring wird durch sinkende Transportkosten finanziell attraktiver. Unternehmen können Produktionsstätten weit entfernt von den Verbrauchern betreiben, Rohstoffe transportieren sowie einzelne Produktionsschritte oder ganze Produktions- und Dienstleistungsbereiche auslagern.
Häufig werden Standorte in Niedriglohnländer verlagert. Die Entscheidung hängt jedoch nicht nur von Löhnen ab, sondern von einem breiten Spektrum harter und weicher Standortfaktoren.
Politische Steuerung und Interessen
Migrationspolitik gehört weitgehend zur nationalen Souveränität. Staaten handhaben Zuwanderung je nach Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage sowie politischem Klima offener oder restriktiver. Wichtig ist dabei die „bedarfsgerechte Zuwanderung“. Staaten nutzen eigene Kriterien, etwa Punktesysteme für Einwanderung, Anwerbeabkommen oder Rückkehrförderung.
Gleichzeitig ist transnationale Abstimmung nötig, besonders innerhalb der Europäischen Union. Sie betrifft Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik, legale Migration, Flüchtlings- und Asylpolitik sowie den Umgang mit illegaler Einwanderung. China, Indien, Kuba, die Philippinen und Rumänien unterstützen teils aktiv die Entsendung von Arbeitskräften ins Ausland und bilden Menschen teilweise gezielt dafür aus.
Arbeitgeberverbände betonen, dass Migration helfen könne, Fachkräftemangel in bestimmten Branchen, Berufen und Regionen zu begegnen. Migration beeinflusst das Arbeitskräfteangebot und das Wirtschaftswachstum.
Gewerkschaften und Missbrauchsrisiken
Gewerkschaften verlangen das Arbeitsortprinzip: Arbeitsrecht und Sozialstandards sollen dort gelten, wo die Arbeit ausgeführt wird. Damit soll eine Segmentierung von Beschäftigten innerhalb nationaler Arbeitsmärkte verhindert werden. Sie sehen übernationale Gewerkschaften als notwendig an, weil rein national tätige Gewerkschaften nicht mehr ausreichten. Die IG BAU initiierte im September 2004 die Gründung des Europäischen Verbandes der Wanderarbeiter (EVW beziehungsweise EMWU).
Bei Entsende- und Agenturarbeit wird in einigen Herkunftsländern ein großer Einfluss organisierter Kriminalität angenommen. Dies betrifft auch illegale Migration, insbesondere Menschenhandel und Schlepperei, sowie Zwangsarbeit bis hin zu modernen Formen der Sklaverei.