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Glaziale Serie
Die Glaziale Serie (zu lateinisch glacies „Eis“) bezeichnet in Mitteleuropa die in einer bestimmten Reihenfolge ausgebildeten Landschaftsformen, die während …
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Grundidee und Bestandteile
Die Glaziale Serie bezeichnet in Mitteleuropa eine bestimmte Abfolge von Landschaftsformen, die während der pleistozänen Vergletscherungen durch Gletschervorstöße entstanden. Die Formen bildeten sich unter dem Gletscher, an seinem Rand und in seinem Vorland. Der Begriff wurde 1882 von Albrecht Penck zunächst für das nördliche Alpenvorland geprägt und später auf das skandinavische Vereisungsgebiet übertragen.
Zur idealen, vollständigen glazialen Serie gehören vier Bestandteile:
- Die Grundmoräne ist eine meist flach ausgebreitete Ablagerung im ehemaligen Gletscherbett. Zu ihr gehört ein Zungenbecken, ein muldenförmiges Becken, das durch das Ausschürfen des Untergrunds durch das Gletschereis entstand.
- Die Endmoränenkette liegt am ehemaligen Eisrand und legt sich bogenförmig um das Zungenbecken.
- Vor der Endmoränenkette befindet sich ein Schotterfeld oder eine Sanderebene. Dort lagert Schmelzwasser mitgeführten Sand und Schotter ab.
- Das Urstromtal liegt weiter außerhalb und führt die Schmelzwässer meist parallel zum Eisrand ab.
Der Begriff glaziale Serie beschreibt die nach geomorphologischen Regeln angeordneten, durch den Gletscher gebildeten Landschaftsformen. Er wird damit von den glazialen Sedimenten abgegrenzt, die Gletschern aufgrund ihrer geologischen Merkmale zugeordnet werden. Eine vollständige Serie kann entstehen, wenn der Eisrand längere Zeit stabil bleibt. Wird er durch weiteres Vorrücken des Eises wiederholt verlagert, können ältere Formen zerstört oder überprägt werden.
Das Modell und seine Grenzen
Die glaziale Serie ist ein Modell der Landschaftsentstehung. Wie jedes Modell vereinfacht sie die tatsächlichen Verhältnisse. Häufig wird übersehen, dass die einzelnen Formen nahezu gleichzeitig nebeneinander entstehen, während der Eisrand an einer Endmoräne verharrt. Die Grundmoräne, die Endmoräne, die Schmelzwasserablagerungen und das Urstromtal sind daher nicht zwingend streng nacheinander entstanden.
Zusätzlich muss das Eis zunächst bis zu den späteren Endmoränen vorstoßen und anschließend wieder abschmelzen. Die dabei ablaufenden Prozesse können die idealtypische Anordnung deutlich verändern. Eine häufige Veränderung ist, dass jüngere Schmelzwässer ältere Grundmoränenflächen verschütten.
Bei wiederholten Gletschervorstößen können verschieden alte Formen ineinander verschachtelt werden. In Brandenburg entwässerten beispielsweise eng hintereinander liegende Endmoränenzüge über dieselben Sanderflächen und durch dasselbe Urstromtal.
Glaziale Serie im Alpenvorland
Das nördliche Alpenvorland wurde seit dem Beginn des Quartärs vor etwa 2,6 Millionen Jahren wiederholt von Gletschern geprägt. Diese Gletscher bildeten ein Eisstromnetz und stießen mehrfach in das Vorland vor, wo ausgedehnte Vorlandgletscher entstanden. Besonders stark wirkte die Würm-Kaltzeit: Sie begann etwa 115.000 Jahre vor heute und endete mit dem Abschmelzen der Gletscherzungen vor etwa 20.000 Jahren.
In den durch das Eis ausgeschürften Zungenbecken entstanden beim Rückzug der Gletscher Seen, wenn kein Abfluss möglich war. Diese Gletscherrandseen oder Zungenbeckenstauseen sind beispielsweise der Starnberger See, der Ammersee, der Chiemsee und der Staffelsee sowie mehrere Seen im Salzkammergut. Typisch sind außerdem Drumlins, walrückenförmige Hügel, die die Stoßrichtung des Gletschers anzeigen. Glaziale Rinnen kommen im Alpenvorland kaum vor.
Gletscher transportieren neben Eis große Mengen Gesteinsmaterial, das sie aus dem Gebirge und dem Gebirgsvorland ausgeschürft haben. Beim Abschmelzen führen Schmelzwasserströme dieses Material mit und lagern es als Moränen ab. Moränen bestehen aus Gesteinen, die dem Geschiebemergel zugeordnet werden. Je nach Lage unterscheidet man Grund-, Seiten-, Mittel- und Endmoränen:
- Die Grundmoräne lagert sich unter und im Gletscher ab und bedeckt das ehemalige Gletscherbett.
- Die Seitenmoräne entsteht an der Flanke des Gletschers. Zieht sich der Gletscher aus klimatischen Gründen zurück und wird die Moräne nicht mehr mit Material versorgt, spricht man von einer Ufermoräne. In den Alpen finden sich häufig Ufermoränen aus der kleinen Eiszeit, die mehrere Meter über der heutigen Gletscheroberfläche liegen und weit vor die heutige Gletscherzunge reichen.
- Eine Mittelmoräne entsteht, wenn sich Seitenmoränen bei der Vereinigung zweier Gletscher zusammenlagern.
- Die Endmoräne bildet sich am Rand der Gletscherzunge und kennzeichnet eine längere Stillstandslage des Eisrandes.
Schotter, der durch Schmelzwasser in Spalten auf dem Gletscher gelangte, konnte nach dem Abtauen Kames bilden. Diese aufgeschütteten Formen prägen ebenfalls das Landschaftsbild des nördlichen Alpenvorlands.
Vor der Moränenzone liegt eine Schotterebene, im nördlichen Alpenvorland vor allem die Münchner Schotterebene. Beim Abschmelzen wurden enorme Wassermengen frei, die große Mengen zuvor ausgeschürften Schotters aus den Gletschertoren in das Vorland spülten. Die ehemaligen Gletschertore sind heute teilweise an Einsattelungen in den Endmoränenzügen erkennbar. Schotterflächen sind häufig terrassiert; jüngere Abflüsse schnitten Trompetentälchen in ältere Schotterflächen ein. Weil Schmelzwasser eine geringere Transportfähigkeit als Gletschereis besitzt, bleiben größere Steine eher im Zungenbecken zurück. Ton und Sand können dagegen weiter transportiert werden und sind in den Schotterebenen kaum anzutreffen.
Typische, durch Schmelzwasser gebildete Urstromtäler fehlen im Alpenvorland. Ihre Funktion übernahmen bereits vorhandene große Flüsse wie Donau, Rhein, Rhone und Po oder deren Nebenflüsse.
Glaziale Serie im nördlichen Mitteleuropa
Das nördliche Mitteleuropa wurde mehrfach vom skandinavischen Inlandeis erreicht oder überfahren. Deshalb folgen die Formen der glazialen Serie dort grundsätzlich von Nord nach Süd aufeinander: Grundmoränenlandschaft, Endmoränenzug, Sander und Urstromtal.
Die Grundmoränenlandschaft besteht überwiegend aus flachen bis flachwelligen Gebieten. Das Inlandeis lagerte dort Geschiebemergel ab. Zungenbecken kommen im Vergleich zum Alpenvorland nur untergeordnet vor und gelten im skandinavischen Vereisungsgebiet als Bestandteil der Grundmoränenlandschaft. Weil das vorrückende Inlandeis die vorhandene Landschaft vollständig unter sich begrub, sind eiszeitliche Formen und Ablagerungen in Norddeutschland flächendeckend verbreitet. Glaziale Rinnen sind dort häufig.
Nach Süden werden die Grundmoränenflächen durch Endmoränenzüge begrenzt. Diese sind oft lückenhaft und niedriger als im Alpenvorland. In der reliefarmen Landschaft treten sie dennoch deutlich als Höhenzüge hervor. Wegen ihrer Lückenhaftigkeit wird in Norddeutschland häufig die neutrale Bezeichnung Eisrandlage verwendet.
An die Endmoränen schließen sich mehr oder weniger ausgedehnte Sander an. Dabei handelt es sich um vom Schmelzwasser gebildete Schwemmkegel. Ihr Wasser stammt aus Gletschertoren, die die Endmoränenzüge durchschneiden. Die Schmelzwässer flossen anschließend über die Sanderflächen ab, sammelten sich im Urstromtal und wurden meist parallel zum Eisrand nach Nordwesten geleitet. Urstromtäler sind damit eine besondere und typische Form der glazialen Serie im nördlichen Mitteleuropa.
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