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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Glaziale Rinne

In Mitteleuropa sind sie vor allem im dänischen und norddeutschen Vereisungsgebiet verbreitet. Typischerweise sind sie Bestandteil von Grundmoränenlandschaften.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernbegriff
  2. 2. Entstehung
  3. 3. Form und Merkmale
  4. 4. Verbreitung
  5. 5. Beispiele

Kernbegriff

Eine glaziale Rinne, auch Tunneltal genannt, ist eine langgestreckte Hohlform, die unter Gletschereis entsteht. Ursache ist die abtragende Wirkung von Schmelzwasser, das unter dem Eis fließt; deshalb spricht man auch von einer subglazialen Rinne. Solche Formen sind besonders wichtig, weil sie viele heutige Täler, Feuchtgebiete und langgestreckte Seen in ehemaligen Vereisungsgebieten erklären.

In Mitteleuropa kommen glaziale Rinnen vor allem im dänischen und norddeutschen Vereisungsgebiet vor. Typischerweise gehören sie zu Grundmoränenlandschaften, also Landschaften, die vom Gletscher mit abgelagertem Material geprägt wurden. Durch spätere Überprägung, zum Beispiel durch Überschüttung der Grundmoräne, können glaziale Rinnen aber auch in Urstromtälern und Sandergebieten vorkommen.

Entstehung

Glaziale Rinnen entstehen bevorzugt, wenn Inlandeis, etwa während des Pleistozäns, gegen ansteigendes Gelände vorrückt. Dadurch wird die Entwässerung behindert, die bei Talgletschern normalerweise leichter möglich ist. Im Eiszeitsommer sammelt sich Schmelzwasser auf dem Eis. Dieses Wasser gelangt durch Röhren und Spalten bis an die Basis des Gletschers.

Unter dem Eis fließt das Wasser dem Druckgefälle folgend in Richtung Eisrand. Dabei vereinigt es sich zu größeren Schmelzwasserströmen. Weil ständig weiteres Wasser von der Gletscheroberfläche nachströmt, steht das Wasser unter dem Eis meist unter hohem Druck. Dadurch kann es sogar bergauf fließen; dies wird mit dem System kommunizierender Röhren erklärt. Durch den hohen Druck kann das Wasser große Geschwindigkeiten erreichen und den Untergrund stark erodieren, also Material abtragen. Besonders wirksam ist dies bei unverfestigten Sedimenten, aus denen in kurzer Zeit viel Material herausgespült werden kann.

Im Winter geht der Schmelzwasserfluss fast auf null zurück. Dann schließt sich die Rinne, weil Gletschereis von oben hineingepresst wird. Diese Eisblöcke bleiben nach dem Abschmelzen des Gletschers als Toteis erhalten. Das Toteis schützt die Rinne zunächst davor, wieder mit Material zugeschüttet zu werden, zum Beispiel durch Schmelzwasser. Erst wenn das Toteis auftaut, bleibt die typische glaziale Rinne zurück.

Form und Merkmale

Glaziale Rinnen sind langgestreckte Hohlformen. Sie können zwischen einem und 50 km lang sein. Ihre Breite reicht von wenigen Dutzend Metern bis zu mehreren hundert Metern; bei Rinnenbündelung kann sie maximal bis zu 2 km betragen. Manche Rinnen erinnern in ihrem Verlauf an Mäander, also an geschwungene Flussschlingen.

Die Tiefe, mit der eine Rinne in die Landschaft eingeschnitten ist, schwankt stark. Sie kann nur wenige Meter betragen, aber auch deutlich mehr als 50 m erreichen, zum Beispiel bei der Rinne des Werbellinsees. In Südwestmecklenburg sind verschüttete Rinnen mit fast 500 m Tiefe bekannt.

Je nach Grundwasserstand kann der Boden einer glazialen Rinne trocken sein, vermoort sein oder mit Flüssen und Seen gefüllt sein. Da das Eis meist aus nördlicher Richtung kam, sind die meisten glazialen Rinnen von Nord nach Süd ausgerichtet.

Verbreitung

An der Erdoberfläche sichtbare glaziale Rinnen sind in Nordmitteleuropa und in Dänemark weit verbreitet. Sie treten besonders im Jungmoränenland auf, also im Gebiet der jüngsten Vereisung, der Weichseleiszeit. Seen, die in solchen Rinnen liegen, werden Rinnenseen genannt. Sie sind meist langgestreckt und oft auch tief.

Auch im geologischen Untergrund lassen sich glaziale Rinnen nachweisen. Durch Bohrungen und in den Braunkohletagebauen der Lausitz wurden viele Rinnen aus älteren Eiszeiten gefunden. Diese sind verschüttet und an der Oberfläche nicht mehr sichtbar.

Im Alpenvorland gibt es dagegen nur wenige glaziale Rinnen. Der Grund ist, dass sich das Alpenvorland in Bewegungsrichtung des Eises abdacht. Die Gletscher konnten dort entwässern, ohne dass glaziale Rinnen entstehen mussten.

Beispiele

Ein wichtiges Beispiel ist die Beetzseerinne im westlichen Havelland. Sie erstreckt sich über etwa 33 Kilometer von Nordost nach Südwest und ist vom Havelländischen Luch bis zur Havel in der Stadt Brandenburg nachvollziehbar. In ihr entstanden mehrere Feuchtgebiete und typische langgestreckte Seen. Der bedeutendste davon ist der namensgebende Beetzsee.

Parallel zum südlichen Bereich der Beetzseerinne verläuft etwa viereinhalb Kilometer westlich die Bohnenland-Görden-Rinne. In ihr liegen der Bohnenländer See und der Gördensee. Diese Rinne ist etwa siebeneinhalb Kilometer lang.

Weitere genannte Beispiele sind unter anderem der Schweriner See, der Schmale Luzin, der Demenzsee, die Kyritzer Seenkette, die Ruppiner Wasserstraße mit dem Ruppiner See, die Havelseen in Berlin und Potsdam bis zum Schwielowsee, die Grunewaldseenkette in Berlin, der Scharmützelsee, der Werbellinsee, der Schwielochsee, das Schlaubetal, das Ahrensburger Tunneltal, das Meiendorfer Tunneltal, die Twente-Achterhoek-Rinne und der Münsterländer Kiessandzug.

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